Norton Modell 18

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Casa Che Alta Gracia3.JPG
Norton Modell 18 (1935)
Hersteller: Norton Motorcycles
Produktionszeitraum 1923 bis 1954[1]
Klasse Tourenmotorrad
Motordaten
Viertaktmotor, luftgekühlter Einzylindermotor, OHV-Ventilsteuerung
Hubraum (cm³) 490
Leistung (kW/PS) 21 PS bei 5.000/min
Höchst­geschwindigkeit (km/h) 120
Bremsen Trommelbremsen
Leergewicht (kg) 170[2]
Che Guevara (links) mit der Poderosa II genannten Norton 18

Die Norton Modell 18 war ein Motorrad, das als erstes Modell des englischen Motorradherstellers Norton mit einer OHV-Ventilsteuerung ausgerüstet wurde. Während die zeitgleich angebotene Norton 16H, später auch als Armeemodell, mit etwa hunderttausend Exemplaren sehr hohe Stückzahlen erreichte, erlangte die Norton 18 nur durch die Südamerika-Reise des jungen Che Guevara zusammen mit Alberto Granado im Jahre 1951/52 Bekanntheit.[3]

Geschichte und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der bekannte seitengesteuerte Norton-Motor mit Magnetzündung, der seit 1921 gebauten 16H mit Bohrung/Hub von 79 × 100 mm, wurde 1922 zu einer obengesteuerten Variante umgerüstet. Die Ventile standen nun nicht mehr mit den Ventiltellern nach oben neben dem Zylinder, sondern hingen mit dem Ventilschaft nach oben im Zylinderkopf und wurden von der weiterhin unten im Kurbelgehäuse liegenden Nockenwelle über Stoßstangen und Kipphebel betätigt. 1923 wurde das Modell 18 beim 12-Stunden-Rennen von Brooklands erstmals als Serienmaschine erfolgreich eingesetzt. Der Standardvergaser war ein 1-Zoll-Vergaser von Brown and Barlow, für den sportlichen Fahrer war ein Amal-Vergaser (No. 276) in der Größe 1 1/16 Zoll erhältlich.[4] Der ursprünglich als Rennmotor entwickelte Antrieb wurde in den zunächst unten offenen Motorradrahmen (No. 2293) mittragend eingebaut; 1929 wurde der Satteltank eingeführt. 1931 wurde der Motor überarbeitet, auf Trockensumpfschmierung umgerüstet und der Magnetzünder in Richtung Hinterrad montiert. Das Hinterrad blieb ungefedert, während das Vorderrad mit einer Norton-Webb-Gabel (No. 2318) ausgerüstet wurde. Über ein Vierganggetriebe mit Fußschaltung wurde mittels Kette die Leistung auf das Hinterrad übertragen, die Bereifung hatte an beiden Rädern die Größe 3.50–19 Zoll.[5] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion der zivilen Norton 18 fortgeführt, ab 1947 mit der „Roadholder“-Teleskopgabel.[6] Gut erhaltene Maschinen erzielen heute Verkaufspreise von über 20.000 Euro.[7]

Die Reise des jungen Che[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In The Motorcycle Diaries beschreibt Che Guevara seine Südamerika-Reise, die vom 29. Dezember 1951 bis September 1952 dauerte; auch cineastisch umgesetzt in Die Reise des jungen Che. Die Poderosa II genannte Norton 18 wurde auf der ersten Teilstrecke der Reise von Córdoba bis Santiago de Chile sowohl von Che Guevara als auch von Alberto Granado gefahren.[Anm. 1] Mit Draht notdürftig behobene Rahmenbrüche, ein Getriebeschaden, zahlreiche Reifenschäden und Stürze (bis zu neun an einem Tag) behinderten die Reise auf dem überladenen Motorrad.[8][Anm. 2] Das Motorrad, das an einer der zahllosen Steigungen in Chile „den Geist aufgab“, wurde in der chilenischen Hauptstadt Anfang März 1952 in einer Werkstatt untergestellt.[9] Im Che-Guevara-Museum in Alta Gracia ist heute eine Norton 18 zu besichtigen, die Guevaras Motorrad gewesen sein soll.[Anm. 3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Etwa 3750 km. Die Poderosa II war offensichtlich im Besitz von Alberto Granado, der auch das Motorrad für die Reise vorbereitete. Vgl. The Motorcycle Diaries. 2005, S. 26; Vgl. [1].
  2. „Bei der geringsten Unachtsamkeit bäumt sich das Motorrad mit dem Vorderrad auf …“ so Che Guevara. Vgl. The Motorcycle Diaries. 2005, S. 29.
  3. Das Baujahr des Ausstellungsstücks wird mit 1935 angegeben. Rachel Dodes von der New York Times datiert das Baujahr der Poderosa II auf 1939, vgl. [2]. Die Originalaufnahme von 1951 lässt jedoch auf ein Nachkriegsmodell (Motor identisch zur ES2) von 1946 schließen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Motorrad Oldtimer Katalog. 2003, S. 118.
  2. motorcycleclassics.com Norton Modell 18 (abgerufen am 4. Juli 2015)
  3. Ernesto Che Guevara: The Motorcycle Diaries. 2005.
  4. Jim Reynolds: Norton. 1996, S. 27.
  5. Jim Reynolds: Norton. 1996, S. 23.
  6. Andrew Kemp, Mirco De Cet: Classic British Bikes. S. 119.
  7. bonhams.com 1936 Norton 490cc Model 18 (abgerufen am 4. Juli 2015)
  8. The Motorcycle Diaries. 2005, S. 34, 56.
  9. The Motorcycle Diaries. 2005, S. 63.