Norwegische Streitkräfte

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NorwegenNorwegen Norges forsvar (Norwegische Streitkräfte)
Norwegian Armed Forces logo.svg
Führung
Oberbefehlshaber: König von Norwegen, derzeit König Harald V.
Verteidigungsministerin: Ine Marie Eriksen Søreide
Militärischer Befehlshaber: Admiral Haakon Bruun-Hanssen
Militärische Führung: Das „Vereinigte Oberkommando“
Sitz des Hauptquartiers: Oslo
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 21.000 (2011)[1]
Reservisten: bis zu 140.000
Wehrpflicht: 19 Monate 12 Monate mit aktiv dienst
Wehrtauglichkeitsalter: Vollendetes 19. - 44. Lebensjahr
Haushalt
Militärbudget: 7,232 Mrd. $ (2011)[1]
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 1,5 % (2011)[1]
Geschichte
Gründung: 1905

Die Norwegischen Streitkräfte bestehen aus vier Teilstreitkräften, dem Heer, der Marine, der Luftwaffe (Luftforsvaret) sowie der milizartig organisierten Heimwehr (Heimevernet).

Stärke und Organisation[Bearbeiten]

Norwegische Soldatinnen
Norwegischer Soldat in Afghanistan

Die Friedensstärke der gesamten Streitkräfte Norwegens beträgt ca. 18.000 aktive Soldaten inklusive ca. 10.000 Wehrpflichtigen sowie ca. 5.000 Zivilmitarbeitern. Bei Mobilmachung steigt die Gesamtzahl auf etwa 83.000 an. 50.000 davon sind Angehörige der Heimwehr. Es stehen im Falle der Mobilmachung ebenfalls bis zu 140.000 Reservisten zur Verfügung.

In Norwegen besteht eine Wehrdienstpflicht für alle Männer ab 19 Jahren, die Dienstzeit beträgt zurzeit zwölf Monate. Jährlich werden etwa 10.000 Wehrpflichtige einberufen. Seit 2009 sind auch Frauen verpflichtet sich mustern zu lassen, der Wehrdienst bleibt aber freiwillig.[2] Der Frauenanteil lag 2009 bei rund 7 %. 2015 soll die allgemeine Wehrpflicht auch für Frauen eingeführt werden wobei im Parlament eine breite Mehrheit besteht. Nur die christlich-demokratische Partei (10 von 169 Sitzen) stimmte dagegen.[3][4][5]

Nomineller Oberbefehlshaber der norwegischen Streitkräfte ist der jeweilige König von Norwegen, derzeit König Harald V. Geführt wird das Militär jedoch von dem amtierenden Verteidigungsminister und einem Generalstabschef in beratender Funktion. Das „Vereinigte Oberkommando“ der norwegischen Streitkräfte befindet sich in Stavanger und die Militärakademie Krigsskolen in Oslo.

Heer[Bearbeiten]

Gliederung des norwegischen Heeres und der 11 Heimatschutzdistrikte 2010 (s.u.)
Norwegische Leopard 1-Panzer

Das norwegische Heer verfügt über rund 7.500 aktive Soldaten und befindet sich wie auch die anderen Teilstreitkräfte in einem Modernisierungsprozess. Es gliedert sich in zwei selbstständige Brigaden, die in der 6. mobilen Division zusammengefasst werden. Die größere der beiden Brigaden hat ihr Hauptquartier im nordnorwegischen Heggelia und umfasst neben sämtlichen regulären Infanteriekräften auch das jeweils einzige Panzer- und Artilleriebataillon der norwegischen Armee. Die kleinere Brigade ist vollständig im Norden des Landes disloziert und verfügt neben einer Spezialeinheit, dem Jegerkommando, über ein Bataillon Grenztruppen und ein EloKa-Bataillon. Moderne Ausrüstung befindet sich im regelmäßigen Zulauf, so wurden die bisher im Einsatz befindlichen 170 Leopard 1 A5NO-Panzer, bis auf 15 verbliebene, durch 52 Leopard 2 A4NO ersetzt. Ferner finden sich

in den Bestandslisten des Heeres. Ebenfalls zum Heer gehört die in Huseby Leir stationierte Hans Majestet Kongens Garde, „Die Garde seiner königlichen Majestät“, die international große Anerkennung als hoch disziplinierte Protokolleinheit genießt.

Die Standorte des norwegischen Heeres liegen zum überwiegenden Teil im Norden des Landes; die einzigen bedeutenden Ausnahmen sind das in Rena nahe der schwedischen Grenze dislozierte Telemark-Bataillon und die in der Nähe von Oslo stationierte Garde. Diese Konzentration auf den Norden ist der strategischen Konzeption des Kalten Krieges geschuldet, in der Norwegen für die Überwachung und Kontrolle der norwegisch-sowjetischen Grenze verantwortlich war.

Als teilstreitkräfteübergreifende Standardbewaffnung kommt seit dem 12. April 2007 das HK416 zum Einsatz.

Luftstreitkräfte[Bearbeiten]

Norwegisches F-16-Jagdflugzeug
Hauptartikel: Luftforsvaret

Die norwegischen Luftstreitkräfte umfassen etwa 2.000 aktive Soldaten. Offiziell wird sie Royal Norwegian Air Force (RNAF) oder auf norwegisch Kongelige Norske Luftforsvaret genannt. Aufgrund des enorm weiten vorgelagerten Seegebiets und den unzugänglichen Berg- und Fjordregionen in Norwegen liegt eine der Hauptaufgaben der Luftwaffe in der Patrouillentätigkeit, die durch andere Kräfte kaum gewährleistet werden kann. Im Kalten Krieg waren verschiedene Stützpunkte regelmäßig mit Kampfflugzeugen der NATO belegt, um eine mögliche Verteidigung gegen die im Nordosten des Landes angrenzende Sowjetunion zu gewährleisten. Nach dem Abzug der US-amerikanischen Iceland Defense Force aus Island 2006 zeichnet sich ein stärkeres Engagement der norwegischen Luftstreitkräfte bei der Aufrechterhaltung der Verteidigungsfähigkeit Islands ab (siehe auch Militärische Situation Islands).

Ausrüstung

Verband von drei Bell 412SP im Tiefflug in einem Fjord

Flugabwehr Zur Flugabwehr sind sechs auf der AIM-120 AMRAAM basierende Raketenbatterien NASAMS (Norwegian Advanced Surface to Air Missile System) sowie zahlreiche Rohrwaffen zur Flugabwehr, wie zum Beispiel das Robotsystem 70, vorhanden.

Stützpunkte Die beiden wichtigsten Militärflugplätze (Hovedflystasjoner) liegen in Bodø und Ørland in der Mitte des Landes, in Klammern die ICAO Flughafen-Codes:

Weitere aktive 'Flugstationen' (Flystasjoner) sind von Norden bis Süden über das Land verteilt, unter anderem nutzt man die Bahnen der beiden Flughäfen in der Nähe Oslos zusammen mit dem zivilen Luftverkehr:

Darüber hinaus wird im äußersten Norden des Landes ein weiterer Flugplatz militärisch mitgenutzt, auf dem aber keine fliegenden Verbände dauerhaft stationiert sind:

Die Flughäfen Harstad/Narvik Evenes, Kristiansand Kjevik und Trondheim Værnes werden inzwischen nicht mehr regelmäßig militärisch genutzt.

Marine[Bearbeiten]

Die Fregatte Nansen kurz nach ihrer Indienststellung

Die norwegische Marine umfasst rund 3.700 aktive Soldaten. Bestandteil der Königlichen Marine sind neben der Flotte auch die Küstenwache sowie eine Küstenartillerie. Das Flottenkommando befindet sich in Oslo, wichtige Stützpunkte sind außerdem Bergen (Haakonsvern) und Tromsø. Für die umfangreiche Flotte an kleineren Schiffseinheiten wurden aber zusätzlich verbunkerte Liegeplätze in schwer zugänglichen Gebieten (Fjorde, Steilküsten) angelegt. Die Marine verfügt über

Die letzten beiden Fregatten der ehemaligen Oslo-Klasse wurden im Jahr 2007 ausgemustert.

Schiffe der Küstenwache im Hafen von Sortland

Wie erwähnt, zählen auch die Einheiten der Küstenwache zur Marine und ergänzen die geringen Bestände an kleineren Einheiten mit rund 25 gut bewaffneten Patrouilleneinheiten. Dazu gehören unter anderem:

Außerdem gibt es je eine Einheit Marineinfanterie (Marinejegerkommandoen), Kampfschwimmer (Kystjegerkommandoen) und Minentaucher.

Heimwehr[Bearbeiten]

Die norwegische Heimevernet umfasst derzeit rund 50.000 Angehörige der drei Waffengattungen, von denen momentan rund 1.200 die aktiven Kräfte unterstützen. Es existiert jeweils eine Heeres-, Luftwaffen- und Marineheimwehr, die momentan in 18 Heimwehrdistrikten organisiert sind, diese Zahl soll im Zuge von Reformen auf 12 reduziert werden. Unter dieser Heimwehr darf keinesfalls eine Art von passiver Ersatzreserve für die aktive Truppe verstanden werden, sie nimmt zunehmend eine aktive Rolle im Heimatschutz ein und stellt Spezialisten für alle Bereiche der Streitkräfte ab. Die Heeresheimwehr spielt beispielsweise eine wichtige Rolle in der Terrorprävention, die Marineheimwehr verfügt über rund 200 kleinere Boote zur Überwachung des Seeraumes und die Luftwaffenheimwehr übernimmt Objektschutzaufgaben für Einrichtungen der Luftwaffe.

Einsätze[Bearbeiten]

Norwegische Patrouille bei Faryab

Norwegen und andere skandinavische Länder unterstützen die USA bei dem sogenannten Kampf gegen den Terror. Das norwegische Parlament befürwortet den weltweiten Kampf gegen Extremisten. Die norwegische Armee entsandte daher Truppen, um die ISAF-Mission der NATO in Afghanistan zu unterstützen. Norwegische Spezialeinheiten (Spesial-Jegerkommando) waren an Kommandoaktionen während der Operation Enduring Freedom 2002 beteiligt und reguläre Truppen bei der Operation Harekate Yolo im Jahr 2007. Derzeit setzt Norwegen 487 Soldaten als Teil der ISAF-Kräfte ein. 2014 werden die norwegischen Truppen aus Afghanistan abziehen.

Literatur[Bearbeiten]

  •  David Miller: Die Seestreitkräfte der Welt. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1998 (Originaltitel: The world's navies, übersetzt von Wolfram Schürer), ISBN 978-3-8289-5333-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Norwegische Streitkräfte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Financial and Economic Data Relating to NATO Defence. Press Release Communique PR/CP(2012)047. NATO Public Diplomacy Division, 12. April 2012, abgerufen am 27. April 2013 (PDF; 99 KB).
  2. Compulsory military service. Norwegische Streitkräfte, 16. Januar 2012, abgerufen am 27. April 2013 (englisch).
  3. Norwegen führt Wehrpflicht für Frauen ein. DiePresse.com, 14. Juni 2013, abgerufen am 16. Juni 2013.
  4.  Marie Melgård, Karen Tjernshaugen: Stortinget vedtar verneplikt for kvinner 14. juni. In: Aftenposten. 21. April 2013, ISSN 0804-3116 (norwegisch, online, abgerufen am 27. April 2013).
  5. Norwegian women opposed to gender-neutral military service. The Norway Post, 23. April 2013, abgerufen am 27. April 2013 (englisch).
  6. Norweger ordern 20 Dingos (HNA.de vom 1. November 2010)
  7. Equipment Facts - Sea. Norwegische Streitkräfte, 16. Januar 2012, abgerufen am 27. April 2013 (englisch).