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Notensystem (Musik)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Ein Notensystem besteht üblicherweise aus fünf Linien
Klaviersystem: Akkolade aus zwei fünflinigen Notensystemen – oben mit Violinschlüssel, unten mit Bassschlüssel

Ein Notensystem (auch Notenlinien oder Notenzeile[1]) ist eine Gruppe von waagerechten, gleichabständigen und parallelen Linien, die in der westlichen Notation der Musik ein Raster für die Notation der Tonhöhe zur Verfügung stellt. Die Notenzeichen werden auf einer Linie oder in einem Linienzwischenraum platziert. Durch einen Notenschlüssel wird jeder Linie und jedem Zwischenraum des Notensystems eine bestimmte Tonstufe zugeordnet. Außerhalb der Linien können Noten mittels Hilfslinien notiert werden.

Die Notenlinie und auch die Zwischenräume werden von unten nach oben durchnummeriert. Die erste Linie ist also die unterste.

Historische Entwicklung

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Choralnotation in vierlinigem Notensystem

Historische und außereuropäische Musikkulturen verwendeten bzw. verwenden teilweise Notationssysteme, die ohne Notenlinien auskommen (vgl. Antike und außereuropäische Notenschrift). Notenlinien sind in der Notation der abendländischen Musik seit dem 10. Jahrhundert gebräuchlich. Mit ihrer Hilfe konnten die zuvor ohne genau erkennbare Tonhöhenangabe benutzten (adiastematischen) Neumen in ihrer Tonhöhe genau erfasst werden (diastematische Neumen). Nachdem zunächst nur eine oder zwei Linien gebräuchlich waren, setzte sich seit Guido von Arezzos Erweiterung auf drei und vier Linien im Terzabstand um 1025 allmählich das heute gebräuchliche System mit fünf Linien durch. Die seit dem 12. Jahrhundert für einstimmige Melodien verwendete Choralnotation mit vier Linien wird auch heute gelegentlich noch eingesetzt.

Sechslinige Tabulatur für Vihuela

Für Saiteninstrumente sind seit dem 14. Jahrhundert auch Tabulaturen (Griffschriften) gebräuchlich, bei denen die Anzahl der Linien eines Notensystems der Zahl der Saiten entspricht und auf den Linien der Ort für die Greifhand notiert wird.

Neuere Entwicklungen

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In der Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden weitere Liniensysteme, die sich entweder an der Lage der schwarzen und weißen Tasten auf dem Klavier orientierten (Klavarskribo) oder ein kontinuierliches Tonhöhensystem darzustellen versuchen. Diese Liniensysteme konnten sich jedoch nicht als allgemeiner Standard durchsetzen. Zeitgenössische Partituren verwenden nach Bedarf gelegentlich auch vom fünflinigen System abweichende Systeme.

Für die Notation von Schlag- bzw. Rhythmusinstrumenten sind auch ein- bis vierlinige Systeme gebräuchlich. Selbst bei der einlinigen kann oberhalb und unterhalb der Linie notiert werden, zusammen mit verschiedenen Notenköpfen ist das für einige Zwecke ausreichend.

Bei der Notation mehrstimmiger Musik können mehrere übereinander stehende Notensysteme mit einer geschweiften oder einer eckigen Klammer am linken Rand als zusammengehörig gekennzeichnet werden. Eine Gruppe von derart zusammgengefassten Notensystemen wird Akkolade genannt (nach der französischen Bezeichnung für die geschweifte Klammer) – oder ebenfalls als System bezeichnet. Die einzelnen Fünflinien-Systeme in diesem System heißen dann Zeilen. Noten für Töne, die gleichzeitig erklingen sollen, stehen in diesen Systemen genau übereinander.

Geschweifte beziehungsweise eckige Klammern werden abhängig davon verwendet, ob Notensysteme für nur ein Instrument oder für eine Gruppe verschiedener Instrumente zusammengefasst werden sollen.[2]

Geschweifte Klammer
Eckige Klammer

Die geschweifte Klammer

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Eine geschweifte Klammer fasst mehrere Notensysteme zusammen, die von einem einzelnen Instrument zu spielen sind (z. B. Klavier, Harfe oder Akkordeon). Auch bei der Orgel werden so die beiden Systeme für die Klaviatur (Manuale) verbunden, häufig aber nicht auch das System für das Pedal.

Auch eine Gruppe gleicher Instrumente (etwa Horn I bis IV in einer Orchesterpartitur) werden durch eine geschweifte Klammer verbunden. Diese steht dann links von der die gesamte Instrumentengruppe zusammenfassenden eckigen Klammer. Durch eine Klammer verbundene Systeme erhalten durchgehende Taktstriche.

Die eckige Klammer

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Die Notensysteme einer Instrumentengruppe (etwa Streicher, Blechbläser, Holzbläser und Schlagwerk) werden untereinander mit eckigen Klammern verbunden. Die so verbundenen Instrumente erhalten vom oberen bis zum untersten Notensystem der Gruppe durchgezogene Taktstriche. Chorstimmen werden ebenfalls mit einer eckigen Klammer verbunden. Da unter bzw. zwischen den Notensystemen Text notiert wird, erhalten sie aber keine durchgehenden Taktstriche.

Die eckige Klammer wird auch Chorklammer genannt – oder Balkenklammer,[3] weil Notenstecher sie mit dem auch für Balken verwendeten Stichel stachen. Sie hat daher traditionell die gleiche Strichstärke wie Balken.

  • Ted Ross: The Art of Music Engraving and Processing. Hansen Books, Miami 1970, S. 151–157.
  • Herbert Chlapik: Die Praxis des Notengraphikers. Doblinger, Wien 1987, ISBN 3-900035-96-2.
Commons: Musikalische Notation – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Vgl. etwa Gustav Nottebohm: Ein Skizzenbuch von Beethoven. Leipzig 1865, S. 3, oder das Sibelius 6 Handbuch. London 2009, S. 162.
  2. Akkolade auf musiklexikon.info.
  3. Herbert Chlapik: Die Praxis des Notengraphikers Doblinger, Wien 1987, ISBN 3-900035-96-2, S. 80.