Notizbuch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Gebundenes Notizbuch
Ein Tagebuch

Ein Notizbuch ist ein Buch mit unbeschriebenen Seiten, das der Sammlung von Einfällen, Bemerkungen und Notizen aller Art dient.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notizbücher gibt es in vielen Spielarten, als Ringbuch, mit Klebebindung, geheftet, gebunden oder als Loseblattsammlung mit Klemmvorrichtung, liniert, kariert oder gänzlich weiß, je nach Zweck und Vorlieben. Zwei besonders bekannte Formen des Notizbuches sind das Moleskine und das CIAK, die oft mit Literaten und Künstlern assoziiert werden und einem gewissen Objektkult unterliegen.

Das Notizbuch kann in Form eines einfachen Heftes zu einem bestimmten Zweck geführt werden. So sind in der Schule besondere Hefte gebräuchlich, die dem Notieren der Hausaufgaben dienen. Das Notizbuch unterscheidet sich vom Tagebuch insofern, als es in der Regel sachliche Notizen aufnimmt, bei denen Chronologie und persönliches Erleben eine unwesentliche Rolle spielen. Es unterscheidet sich vom Journal, indem die Notizen nicht thematisch gebunden sind.

Notizbuch Leonardo da Vincis (Codex Forster III) im Originaleinband

Vielen schöpferisch tätigen Menschen gilt das Notizbuch als unentbehrliches Hilfsmittel der geistigen Arbeit. Von Leonardo da Vinci (1452–1519) wird berichtet, dass er ein solches Buch stets an seinem Gürtel trug.[1] Theodor Fontane (1819–1898) benutzte Notizbücher[2] für sein poetisches, journalistisches und reiseliterarisches Werk. Sie fungierten als Unterwegsbücher, als Ideenspeicher und als Archiv. Während seiner Kriegsgefangenschaft bewahrte ihn sein Notizbuch mit den privaten Aufzeichnungen vor der Hinrichtung.[3] Bruce Chatwin (1940–1989) wird dahingehend zitiert, dass das Verlieren seines Reisepasses eine Trivialität sei gegenüber dem katastrophalen Verlust seiner Notizbücher: „To lose a passport was the least of one’s worries: to lose a notebook was a catastrophe.“[4]

Im Rahmen des Kreativen Schreibens wird das Notizbuch empfohlen, um jederzeit eine Inspiration notieren zu können, bevor der für den Schreibprozess so wichtige Schreibimpuls verloren gehen könne. Roger von Oech, der Gründer von Creative Think, erzählt in seinem Buch Der kreative Kick von einem Fall, in dem sogar unter der Dusche ein Blatt Klarsichtfolie mittels Fettstiften als Fläche für Notizen benutzt wurde.[5]

Wiederverwendbare Formen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben simulierten Notizbüchern auf Smartphones und Tablets gibt es auch Notizbücher, deren Inhalt über die Kamera eines Smartphones digitalisiert werden kann. Danach können die Notizen gelöscht werden, um neuen Platz zu machen.

Der Vorteil ist

  • ein geringer Materialverbrauch, da kein weiteres Papier verwendet wird, und
  • die Möglichkeit, das Fotografierte mittels einer App einzuordnen und über diverse Cloud- oder E-Mail-dienste weiterzuleiten oder abzulegen

Die Seiten sind nicht aus Papier, sondern aus beschichtetem Material mit einer sehr glatten Oberfläche.

Es gibt Seiten mit Linien, blanko-Seiten aber auch ganze Kalender- oder Adressbuch-Vordrucke. Als Größe gibt es DIN-A4 bis DIN-A6 Versionen.

Frixion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wird mit Stiften mit spezieller Tinte geschrieben, die durch Wärme, erzeugt z. B. durch Reiben mit einem Microfasertuch oder Radierer, aber auch mit speziellen Heizgeräten (oder auch einem Fön) unsichtbar bzw. transparent wird. Wird die Tinte nicht wirklich entfernt, kann sie durch Kälte wieder sichtbar gemacht werden.

Beispiele:

  • Rocketbook[6]
  • Elfinbook[7]
  • Homestec

Non-Permanente Marker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie auf einem Whiteboard wird mit abwischbaren Stiften geschrieben

Beispiele:

In der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Notizbuch ist durch Doris Lessing als literarisches Genre genutzt worden, zuerst in einem ihrer bekanntesten Werke, dem Goldenen Notizbuch (1962). Als Bestandteil der hybriden Form ihres letzten Werks Alfred und Emily (2008) kehrt das Notizbuch wieder.[10]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gabriele Radecke: Notizbuch-Editionen. Zum philologischen Konzept der Genetisch-kritischen und kommentierten Hybrid-Ausgabe von Theodor Fontanes Notizbüchern. In: editio 27 (2013), S. 149–172.
  • Michael Rutschky: Vor dem Schreiben. Über Notizkalender. In: Merkur 56,6 (Juni 2002), S. 480–493.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Notizbücher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Notizbuch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefan Klein: Da Vincis Vermächtnis. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-596-17880-3, S. 11–13.
  2. Vgl. Theodor Fontane: Digitale genetisch-kritische und kommentierte Edition von Theodor Fontanes Notizbüchern. Hrsg. von Gabriele Radecke. Göttingen 2015 ff., online verfügbar unter: https://fontane-nb.dariah.eu/index.html
  3. Vgl. Theodor Fontane: Kriegsgefangen. Erlebtes 1870. R. v. Decker, Berlin 1871.
  4. Bruce Chatwin: The Songlines. Penguin, Harmondsworth 1988 (Neuauflage), ISBN 0-14-009429-6, S. 160.
  5. Roger von Oech: Der kreative Kick. Junfermann, Paderborn 1994, ISBN 3-87387-098-3.
  6. Homepage des Rocketbook-Anbieters. Abgerufen am 10. Dezember 2019.
  7. Homepage des Elfinbook Herstellers. Abgerufen am 10. Dezember 2019.
  8. Homepage der Bambook Organisation. Abgerufen am 10. Dezember 2019.
  9. Homepage der Esquoia-Notebooks. Abgerufen am 10. Dezember 2019.
  10. Virginia Tiger: Life Story: Doris, ‚Alfred and Emily‘. In: Doris Lessing Studies, Vol. 28, No. 1, 2009, S. 22–24.