Notker Wolf

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Notker Wolf an der E-Gitarre
Notker Wolf auf der Leipziger Buchmesse am 19. März 2011
Treffen der Bruderschaft von Santa Maria dell’Anima (Animabruderschaft) in St. Gallen mit Rektor Franz Xaver Brandmayr und Abtprimas Notker Wolf OSB

Notker Wolf OSB (* als Werner Wolf am 21. Juni 1940[1] in Grönenbach) war von 2000 bis 2016 neunter Abtprimas der benediktinischen Konföderation.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner Wolf wurde als Sohn eines Schneiders geboren. Er trat nach der Schulzeit an der Oberrealschule Memmingen (heute Bernhard-Strigel-Gymnasium) und am Rhabanus-Maurus-Gymnasium St. Ottilien nach dem Abitur 1961 in das Benediktinerkloster Sankt Ottilien ein. Dort erhielt er den Ordensnamen Notker. Nach seiner Profess 1962 studierte er Philosophie an der Benediktinerhochschule Sant’Anselmo in Rom. 1965 wechselte er an die Ludwig-Maximilians-Universität München und studierte Theologie, Philosophie sowie Zoologie, Anorganische Chemie und Astronomiegeschichte. 1974 wurde er mit der Arbeit Das zyklische Weltmodell der Stoa zum Dr. phil. promoviert. 1968 empfing er die Priesterweihe. 1971 erhielt er einen Ruf auf die Professur für Naturphilosophie und Wissenschaftstheorie an die Päpstliche Hochschule Sant’Anselmo in Rom.

Am 1. Oktober 1977 wurde er als Nachfolger von Viktor Josef Dammertz zum fünften Erzabt der Erzabtei St. Ottilien gewählt[1] und damit Abtpräses der Kongregation der Missionsbenediktiner. 1982 belebte er das Priorat Jakobsberg bei Ockenheim durch Neubau wieder. In China baute er ein 500-Betten-Krankenhaus, in Nordkorea eines mit 200 Betten. Unter ihm entstanden Neugründungen auf den Philippinen, in Indien, Uganda und Togo. Er ist im interreligiösen Dialog sehr engagiert.

Am 7. September 2000 wurde er zum neunten Abtprimas und damit zum obersten Repräsentanten der Benediktiner gewählt.[1] Am 25. September 2008 bestätigte ihn der Äbtekongress der benediktinischen Konföderation für weitere vier Jahre in seinem Amt als Abtprimas.[2] Am 21. September 2012 bestätigte der Äbtekongress erneut für vier Jahre, er war damit der zweit-älteste amtierende Abtprimas.[3] Als Abtprimas war er weltweiter Sprecher des ältesten Ordens der Christenheit mit 7.500 Mönchen und 16.500 Nonnen und Schwestern.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notker Wolf tritt in der Öffentlichkeit mit dezidiert politischen Meinungen auf. Im Sommer 2007 erschien er in einer Anzeige der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Er plädiert für mehr Eigenverantwortung des Einzelnen sowie für Kürzungen beim Arbeitslosengeld II, falls eine zumutbare Arbeit nicht angenommen wird. Andererseits tritt er auch unverantwortlichem Management und Profitmaximierung entgegen.

Notker Wolf mit seiner Band Feedback

Notker Wolf ist in Deutschland auch dafür bekannt, dass er als hoher Amtsträger der katholischen Kirche von seiner Liebe zur Rockmusik nicht gelassen hat und gelegentlich zusammen mit der Band Feedback auf Konzerten auftritt, bei denen er E-Gitarre und vor allem Querflöte spielt. Die Band orientiert sich musikalisch an den Rolling Stones und spielt neben Eigenkompositionen auch Coverversionen, unter anderem von Deep Purple, Led Zeppelin und Jethro Tull. Am 3. August 2008 stand der Abtprimas mit seiner Band als Vorgruppe von Deep Purple auf dem Meierhof im Kloster Benediktbeuern auf der Bühne, und spielte mit Deep Purple „Smoke on the Water“ auf der Bühne.[4]

In der Frage der Begnadigung terroristischer Mörder erinnert Abt Notker an die eigentliche Bedeutung des Wortes Gnade. Gnade bedeutet für ihn „die Gewährung einer Sache, die ich nicht verdient habe. Deshalb ist sie nicht an Bedingungen geknüpft. Gnade ist vom Ursprungsgedanken her, ein Akt des Souveräns – das war früher beim König oder beim Kaiser so, auch in der Kirche gibt es viele solche Gnadenerweise. Das heißt, ich habe keinen Anspruch darauf. Ich kann aber eine Gnade sogar dann erteilen, wenn ein anderer nicht mal um Verzeihung bittet, was im Fall dieser Mörder offenbar vorliegt. Aber Gnade ist, wie Gott auf den Menschen unverdienter Maßen zugegangen ist. Das bedeutet eigentlich Gnade.“[5]

Weitere Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolf ist Aufsichtsratsmitglied und Vorsitzender der internationalen benediktinischen Gremien L’Alliance Inter Monastères und Dialogue Interreligieux Monastique sowie der China-Kommission des Ordens. Er gehört der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste an und ist Erster Vorsitzender des Katholischen Instituts für missionstheologische Grundlagenforschung in München. Außerdem saß er im Unternehmerbeirat der Gothaer (Versicherung), bei der alle deutschen Benediktiner lebensversichert sind.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Notker Wolf und Feedback: Rock My Soul. Rock-Audio-CD. point music, April 2003
  • Notker Wolf und Feedback: No Lies. Rock-Audio-CD. Transformer (Membran), April 2012
  • Notker Wolf und Inka Stampfl: Weiherserenade. Französische Kammermusik aus drei Jahrhunderten. Audio-CD. EOS-Verlag, St. Ottilien 2008, ISBN 978-3-8306-4040-0
  • Notker Wolf: Notker Wolf plays Bach. Audio-CD. Herder, 06/2011, ISBN 978-3-451-31706-4

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marlis Prinzing: Notker Wolf. „Die Gnade des Gehorsams hat mir die Welt geöffnet“. In: Meine Wut rettet mich. Kösel, 2012, ISBN 978-3-466-37036-8.
  • Vera Krause: Abtprimas Notker Wolf. Grenzgänger zwischen Himmel und Erde. – Die Biografie. Verlag Vier Türme, 09/2010, ISBN 978-3-89680-471-6.
  • Petra Altmann: Die 101 wichtigsten Fragen – Orden und Klosterleben. Mit Antworten von Abtprimas Notker Wolf. Beck, 02/2011, ISBN 978-3-406-61381-4.
  • Soziale Gerechtigkeit: „Wir hocken in einem Käfig der Bequemlichkeit“. Gespräch mit Notker Wolf, dem obersten Abt des Benediktiner-Ordens. In: Stern. Nr. 26/2006, 22. Juni 2006, S. 112–119.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Notker Wolf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Notker Wolf OS. IX Abbot Primate. In: osb.org. Collegio Sant’Anselmo, Roma, archiviert vom Original am 30. April 2015; abgerufen am 20. Juli 2018 (englisch, Daten der Abtprimasse).
  2. Artikel: Notker Wolf bleibt Abtprimas vom 25. September 2008 auf ORDEN online abgerufen am 21. Juli 2018.
  3. Notker Wolf als Abtprimas wiedergewählt. In: erzabtei.de. Erzabtei St. Ottilien, 21. September 2012, archiviert vom Original am 3. Februar 2014; abgerufen am 20. Juli 2018.
  4. Tagesthemen. 3. August 2008 auf YouTube, abgerufen am 20. Juli 2018.
  5. sis: D: Abtprimas für Begnadigung der RAF-Terroristen. In: oecumene.radiovaticana.org. Radio Vatikan, 30. Januar 2007, archiviert vom Original am 17. Oktober 2007; abgerufen am 20. Juli 2018.
  6. Sibylle Haas: Der furchtlose Abt. Ludwig-Erhard-Medaille für Notker Wolf. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 20. September 2010, abgerufen am 21. Juli 2018.
VorgängerAmtNachfolger
Viktor DammertzErzabt von St. Ottilien und der Ottilianer Kongregation
1977–2000
Jeremias Schröder
Marcel RooneyAbtprimas der Benediktinischen Konföderation
2000–2016
Gregory Polan