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Nova Reperta

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Jan van der Straet: Nova Reperta, um 1591

Nova Reperta („Neue Entdeckungen/Erfindungen“) ist der Titel einer erstmals um 1591 bei Philipp Galle in Antwerpen erschienenen Kupferstich-Folge mit 20 querformatigen Tafeln, die den menschlichen Fortschritt seit dem Ende der Antike aufzeigen.

Das Werk beginnt mit dem durch Amerigo Vespucci entdeckten Amerika, illustriert u. a. die Zucht von Seidenraupen, die Konstruktion einer Kompassrose, die Herstellung von Räderuhren sowie eines Mittels gegen die Syphilis und endet mit der Lokalisierung des Sternbilds Kreuz des Südens und der Erfindung des Tiefdruckverfahrens. Als Vorlage für die überwiegend von Jan Collaert gestochenen Illustrationen dienten Zeichnungen des in Florenz tätigen Flamen Jan van der Straet. Auf seinem Titelblatt räumt er den Leistungen Kolumbus’ und Vespuccis die erste Priorität ein.

Werk und Urheber

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Die undatierte Folge der etwa 20 × 27 cm großen Kupferstiche bestand ursprünglich aus einem Titelblatt und neun Tafeln, deren Themen auf dem Erstblatt benannt und durch typische Objekte veranschaulicht sind. Später wurden zehn weitere Stiche hinzugefügt, dabei das Titelblatt beibehalten. Die Graveure sind nur auf wenigen Blättern aufgeführt, stets jedoch der Inventor und der Drucker/Verleger: Ioan. Stradanus inuent. und Phls Galle excud. – zu identifizieren als Jan van der Straet und Philips Galle.

Van der Straet, italianisiert Giovanni Stradano, in den Druckwerken latinisiert Johannes Stradanus, widmete die Nova Reperta dem Florentiner Mathematiker, Astronom und Kosmograph Luigi (Aloysio) Alamanni (1558–1603), mit dem er die Blätter gemeinsam konzipiert hatte. Aus schnellen Skizzen, acht davon heute im Cooper Hewitt, Smithsonian Design Museum in New York, entwickelte der Künstler seine fertigen Zeichnungen. Diese versah er mit den notwendigen Anmerkungen, sendete sie nach Antwerpen, ließ sie dort bei Galle stechen und drucken und erhielt zumindest einen Teil für seinen Patron Alamanni zurück.[1.1] Von den wenigen erhaltenen Stichvorlagen (modelli) befindet sich eine im Metropolitan Museum of Art (MET) in New York (America), eine in der Biblioteca Medicea Laurenziana, Florenz (Astrolabium), eine im Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig (Hyacum) und zwei im Windsor Castle (Impressio Librorum und Sculptura in Æs).

Als Beispiel für die drei Stadien dient das Blatt mit der Werkstatt eines Buchdruckers:

Als ausführende Kupferstecher werden Jan Collaert (1566–1628) und Theodoor Galle genannt. Deren Signatur tragen nur die Tafeln 1 (Galle) sowie 15, 17 und 18 (Collaert); der New Hollstein schreibt Letzterem auch das Titelblatt und die Tafeln 2, 8, 12, 13 und 16 zu.[2.1] Die Entstehung des Werks grenzt Uta Bernsmeier zwischen 1588 und den frühen 1590er-Jahren ein,[3.1] Karen L. Bowen liefert die Belege für die Plausibilität einer „traditionellen Datierung“ der Zeichnungen auf 1588–1589 und die der Publikation auf 1590–1591.[4]

Die Aufeinanderfolge der Tafeln erscheint zunächst wahllos. Die Serie lässt sowohl ein äußeres Ordnungsprinzip als auch einen für grafische Serien der Zeit üblichen einheitlichen Bildaufbau vermissen. Mal ist es eine weitläufige Landschaft, mal eine betriebsame Werkstatt, mal eine stille Gelehrtenstube, mal ein Ereignisbild. Zumindest können 12 Darstellungen in drei Gruppen à vier Tafeln gefasst werden: 1. Der Entdecker als Wissenschaftler (America, Lapis polaris, Orbis longitudines, Astrolabium), 2. Aneignung der Natur (Mola aquaria, Mola alata, Oleum olivarum, Saccharum) und 3. Handwerkliche Erfindungen (Impressio librorum, Horologia ferrea, Politura armorum, Sculptura in æs). Bei zwei Objekten – Staphae, sive stapedes und Conspicilla – steht nicht die Produktion, sondern die Erprobung im Vordergrund; alle weiteren Darstellungen (Pulvis pyrus, Destillatio, Color olivi, Ser, sive sericus vermis, Hyacum, et lues venerea) sieht Bernsmeier „im Spannungsfeld der Kategorien“.[3.2]

Die Nova-Reperta-Tafeln gehören zu einem beliebten Forschungsfeld. Die detaillierten Beschreibungen in der Literatur[3.3] sind im Folgenden kurz zusammengefasst.

Nr.Tafel / BlatttitelBeschreibung
Titel
NOVA REPERTA
Die Kanone (III) und die rundum gruppierten Objekte versinnbildlichen die ersten neun, am unteren Plattenrand bezeichneten Entdeckungen und Erfindungen. Die Druckpresse (IIII) ist flankiert von zwei Scheiben, die sich auf die Entdeckung Amerikas (I) und die Erfindung der Kompassrose (II) beziehen. Nr. 1–4 stehen damit deutlich im Zentrum der Nova Reperta. Die einen Ouroboros tragenden allegorischen Figuren stehen für die abtretende alte (Greis) und die ankommende neue (junge Frau) Zeit.
1
AMERICA

Geschildert ist die erste Begegnung Amerigo Vespuccis mit den Einwohnern des nach ihm benannten Kontinents. Er, der kultivierte, in ein Gelehrtengewand (über dem Harnisch) gehüllte Entdecker, der sich durch ein Banner mit dem Kreuz des Südens ausweist, steht einer mit den geläufigen Attributen Keule, Goldhaube und Hängematte versehenen Frau, menschliche Gliedmaßen bratenden „Wilden“ und einer noch unbekannten Tierwelt gegenüber. Es ist nicht verwunderlich, dass gerade die Kannibalismus-Darstellung schon früh Kritik hervorrief.

2
LAPIS POLARIS, MAGNES

Die Wirkungsweise von Magnetsteinen hatte bereits Plinius der Ältere beschrieben. Anleitungen zum Kompassbau gab es schon im frühen 13. Jahrhundert. Dem benannten Flavio Gioia wäre allenfalls die Erfindung der Kompassrose zuzuschreiben. Der in einem Bassin präsentierte Magnetit und der Zirkel in der Hand des Gelehrten sind reine Demonstrationsobjekte. Der Ausblick und das Schiffsmodell verweisen auf den außerordentlichen Nutzen für die Seefahrt.

3
PULVIS PYRIUS

Das älteste bekannte Rezept für Schießpulver stammt von Roger Bacon (1249), das älteste gedruckte Buch zum Waffenbau erschien um 1350. Der vorliegende Kupferstich handelt die Erfindung mit einer kleinen Darstellung des Destillationsprozesses ab und räumt der Herstellung von Geschützrohren den größten Raum ein. Im rechten Fensterausblick ist das Bombardement einer Festung mit Artilleriegeschützen zu sehen.

4
IMPRESSIO LIBRORUM

In der Buchdrucker-Werkstatt folgen zahlreiche Personen den Anweisungen des Johannes Gutenberg. Auf der Vorzeichnung benannt, ist der noble Herr rechts eindeutig zu identifizieren. Auf engem Raum ist die arbeitsteilige Produktion in chronologischer Abfolge wiedergegeben: vom Setzen der Lettern über das Einfärben des Druckstocks mit dem Druckerballen, das Bedienen der Druckpresse und Trocknen der bedruckten Seiten bis hin zu deren Stapelung für die Weitergabe an den Buchbinder.

5
HOROLOGIA FERREA

Für Giovanni Tortelli war die mechanische Uhr 1471 das erste Beispiel nachantiker Erfinderleistung. Wann die Räderuhr mit Gewichtsantrieb erfunden wurde, ist nicht überliefert. Indem er die verschiedenen Arbeitsbereiche des Uhrmacherhandwerks vorstellt, vermittelt Stradanus einen Eindruck von dessen Komplexität. Im Mittelpunkt steht die von einem prächtig gekleideten Mann beaufsichtigte Montage einer großen Standuhr.

6
HYACUM, ET LUES VENEREA

Nach der Belagerung Neapels durch Karl VIII. 1495 breitete sich die „Franzosenkrankheit“ innerhalb weniger Jahre auf ganz Italien aus. Rettung versprach das Holz des in der Neuen Welt wachsenden Guaiacum officinale („Pockenholz“). Stradanus schildert das Zerkleinern des Baumstammes, die Herstellung der Essenz und die Behandlung des Syphilis-Patienten. Ein Gemälde im Krankenzimmer gemahnt an die Ursachen der Lues venerea.

7
DISTILLATIO

Die Destillation war keine postantike Erfindung, weshalb Stradanus hier wahrscheinlich die Verfeinerung der Verfahrensweisen im Blick hatte. Die im Zentrum des Laboratoriums stehende Apparatur mit „Kukurbiten“ genannten Destillationskolben war ein neuartiger „Fauler Heinz“, bei dem der Brennstoff automatisch nachrutschte. Der traditionelle „Rosenhut“ (Destillierhelm oder Alembik, vorne rechts) diente der Abkühlung des Destillats.

8
SER, SIVE SERICUS VERMIS

Die europäische Antike kannte den Seidenbau noch nicht. Bei Stradanus unterweisen zwei Mönche den römischen Kaiser Justinian I. und übergeben ihm die in einem Bambusrohr enthaltenen Eier des Seidenspinners. Eine Wandtafel demonstriert die Aufzucht der Seidenraupen und die Gewinnung der Rohseide. In seiner sechs Blätter zählenden, etwa gleichzeitig geschaffenen Stichserie Vermis sericus verdeutlichte der Flame die einzelnen Arbeitsschritte sehr detailliert.

9
STAPHAE, SIVE STAPEDES

Die schon im 5. Jahrhundert in China gebrauchten Steigbügel wurden als nachantike Erfindung eingeordnet, weil kein römisches Reiterstandbild sie aufwies. Das Blatt hat die Herstellung und Erprobung von Steigbügeln zum Thema. Im Vordergrund testet ein Edelmann verschiedene Varianten, vor der engen Gasse demonstriert ein Reiter im Harnisch die größere Bewegungsfreiheit. Tatsächlich mündete die Erfindung in die Entwicklung neuer Waffen und Kriegstechniken der Kavallerie.

10
MOLA AQUARIA

Die „Modernität“ der bereits seit langem bekannten Wassermühle stützt sich wohl nur auf den Mangel der Bezeichnung in den antiken Quellen. Schon Vitruv beschrieb das Wasserrad mit Zahnradgetriebe (De Architectura). Im Kupferstich wird es in den Kontext des Kornmahlens gestellt: Im Vordergrund tragen Esel schwere Kornsäcke von der Ernte heran, im linken Mittelgrund wird das Getreide gewogen und in der Mühle zum Mahlen in Trichter gefüllt. Ein an die niedrige Mauer vor dem Wasserlauf gelehnter Mühlstein dient der Erläuterung.

11
MOLA ALATA

Der erste schriftliche Beleg für die Existenz von Windmühlen stammt vom Ende des 12. Jahrhundert – weshalb Stradanus sie in den Kanon der neuzeitlichen Erfindungen einreihte. Gezeigt werden die zwei gebräuchlichsten Typen: Bei der Bockwindmühle kann der kastenförmige, auf einem Bock stehende Mühlenkörper in Windrichtung gedreht werden. Bei der zylinderförmigen Turmwindmühle geschieht dies über die drehbare Haube. In der „Mühlensprache“ bedeutet die kreuzförmige Stellung der bespannten Flügel, dass die Mühle betriebsbereit ist. Die x-förmige Stellung ohne aufgespanntes Segel zeigt das Gegenteil an.

12
OLEUM OLIVARUM

Mit dem Anbau und der Ernte von Oliven sowie deren Verarbeitung zu Olivenöl hatte sich bereits Cato d. Ä. ausführlich beschäftigt (De Agricultura). Dass Stradanus die Ölgewinnung als neuzeitliche Erfindung aufführt, ist vermutlich auf ihre wirtschaftliche Bedeutung für die Medici zurückzuführen. Im Stich zeigt er die einzelnen Produktionsschritte in einer Ölmühle: Links treibt ein Ochse den Mühlstein an, davor füllen zwei Arbeiter die entstandenen Pressmasse in Presskörbe, die dann wiederum – wie hinten rechts zu sehen – übereinandergestellt und mit einer Spindelpresse ausgequetscht werden. Vorne rechts ist das Trennen von Öl und Wasser sowie das Abfüllen in Fässer angedeutet, links daneben der Abtransport des Öls dargestellt.

13
SACCHARUM

In Europa wurde Rohrzucker zunächst nur auf Sizilien und in Spanien produziert, nachdem die Zuckerrohr-Pflanze von Indien über China und Persien importiert worden war. 1425 begann Heinrich der Seefahrer mit der Kultivierung auf Madeira, 1452 erteilte er ein Privileg für eine mit Wasserkraft angetriebene Zuckerrohrmühle. Es war der Beginn des Niedergangs der sizilianischen Produktion, die dann auch 1580 eingestellt wurde. Der im Kupferstich gezeigte Ablauf gleicht dem in der Ölmühle – nur dass die Halme zerhackt und der nach dem Abkühlen kristallisierte Zucker aus seiner „Zuckerhut“ genannten Form gelöst wird.

14
COLOR OLIVI

Giorgio Vasari schwärmte 1550 von dem strahlenden Glanz und der leichten Mischbarkeit der Ölfarbe, deren Invention auf den Niederländer Jan van Eyck zurückgehe (Vite). Damit widersprach er der älteren Theorie, antike Maler seien die Erfinder der Technik gewesen. In der Werkstatt Van der Straets arbeitet der Meister an einem Ölgemälde des heiligen Georg. Hinter der Leinwand entsteht ein Kniestück, auf der rechten Seite stellen Werkstattgehilfen die Farben her, im Vordergrund üben sich Lehrlinge im Zeichnen, ein etwas älterer mischt die Farben auf einer Palette.

15
CONSPICILLA

Die gegen Ende des 13. Jahrhunderts entwickelten Brillen wurden wie die Vorgänger, die simplen Lesesteine, in Klöstern hergestellt, und zwar zunächst ausschließlich als Hilfsmittel bei altersbedingter Sehschwäche. Die Übersichtigkeit ist auch das alleinige Thema des Kupferstichs. Links berät ein Optiker einen Greis beim Ausprobieren der Bügelbrillen aus seinem Angebot. Rechts wird der Vorteil passender Augengläser beim Lesen, Schreiben, Nähen und bei handwerklichen Tätigkeiten demonstriert. Die Bildunterzeile verspricht, Unschärfe und Dunkel von den Augen zu nehmen.

16
ORBIS LONGITUDINES

Die Stichunterschrift attestiert dem Niederländer Petrus Plancius zu Unrecht, die problematische Ermittlung der Längengrade der Erde gemeistert zu haben – und so „überall den Pol zu finden“. Die exakte Positionsbestimmung war für die Erschließung neuer Seewege von unschätzbarem Wert. Um die örtlich und zeitlich unterschiedliche Deklination festzustellen, bedurfte es jedoch eines Chronometers, dessen Entwicklung erst im 18. Jahrhundert gelang. Im Kupferstich misst der auf dem Achterdeck eines Großseglers sitzende Navigator den Sonnenstand.

17
POLITURA ARMORUM

Natürlich wurde bereits in der Antike Metall verarbeitet und mittels rotierender Scheiben geschliffen und geglättet. „Modern“ ist hier also das mechanisierte Polieren der Harnische, „Schwerter und Doppeläxte“. Der dargestellte Raum vermittelt den Eindruck einer Werkshalle, in der die Handwerker das Rüstzeug an fünf, vermutlich durch Wasserkraft angetriebenen Schleifsteinen und Poliersteinen bearbeiten. Im Vordergrund wird entweder ein besonders problematischer Fall oder das Ergebnis der Behandlung begutachtet.

18
ASTROLABIUM

Der Titel des Stiches beruht vermutlich auf einem Irrtum. Der dargestellte Gelehrte hält kein scheibenförmiges Astrolabium, sondern eine kugelförmige Armillarsphäre in der Hand. Mit beiden wurde jedoch die Position der Sterne bestimmt. Viel wichtiger war dem Inventor zudem, das durch Vespucci entdeckte Kreuz des Südens darzustellen. Dass Dante Alighieri es schon 270 Jahre zuvor beschrieben hatte, würdigte er mit der Wiedergabe der entsprechenden Verse aus der Divina Comedia und einem Porträt des Dichters.

19
SCULPTURA IN ÆS

Beim Kupferstich, einer tatsächlich neuzeitlichen Erfindung (um 1425), illustrierte Stradanus ein ihm wohlbekanntes Metier in allen Arbeitsschritten: Rechts vorne bearbeitet ein erfahrener Stecher die Kupferplatte mit dem Grabstichel, links daneben wird der fertige Stich zur besseren Farbaufnahme über einem Kohlebecken erwärmt, dahinter die Platte eingefärbt und von überschüssiger Farbe befreit. Den größten Raum in der Werkstatt nimmt die Walzenpresse ein, bei der ein Laufwagen die Platte und das angefeuchtete Papier zwischen zwei Druckwalzen hindurchführt. Im Hintergrund werden die fertigen Drucke zum Trocknen aufgehängt.

Zwischen ca. 1591 und der Mitte des 17. Jahrhunderts erschienen mindestens vier Auflagen, nach dem Tod Galles 1612 ein Nachdruck seines Schwiegersohns Karel van Mallery, dann Neuauflagen mit der Adresse seines Sohnes Theodoor († 1633) sowie seines Enkels Joannes (Joan, Jan, † 1677).[2.2] 1638 publizierte Letzterer einen Sammelband Speculum diversarum imaginum speculativarum inklusive der vier Blätter der Stichfolge Americae Retectio. Auf dem Titelblatt wird der erfinderischen Tätigkeit als solcher eine größere Bedeutung zugesprochen als ihrer Aktualität.[3.4]

Erfindung des Kompasses, frühes 17. Jh., Nationalmuseum Warschau
Uhrmacherwerkstatt, ca. 1610, Deutsches Historisches Museum, Berlin

Den Biografen Van der Straets war die Nova Reperta in den nächsten zwei Jahrhunderten kaum einer Erwähnung wert. In der Toskana, wo die Medici gerne ihre Förderung der Naturphilosophie und des handwerklichen Wissens zur Schau stellten, hatte die Serie jedoch durchaus eine Bedeutung. Ferdinando I. eignete sich den Druck des Kompasses an, um ihn als Dekoration für seine Waffenkammer in den Uffizien zu verwenden.[5.1] Luigi Alamanni war seit 1576 Mitglied der kleinen literarisch-kulturell geprägten Accademia degli Alterati, die sich unter anderem mit dem Fluch und Segen von Novitäten beschäftigte und Bildanalysen in ihre Diskussionen einbezog. Stradanus’ Vorzeichnungen und Drucke lieferten hierfür geeignetes Material.[1.2]

Außerhalb der Toskana konnten zwei Darstellungen nach der Nova Reperta ausfindig gemacht werden. Die eine ist ein Kupfergemälde von Lapis polaris, das sich eng an das Original anlehnt, den von der Decke hängenden Dreimaster jedoch mit der weiß-roten Flagge Polens ausstattet. Das andere Gemälde setzt einen Ausschnitt aus Horologia ferrea um. Die meisten Details sind getreu wiedergegeben, der alte Meister am Tisch jedoch durch einen elegant gekleideten Bürger und das einfache Uhrwerk auf dem Tisch durch einen aufwendigeren Mechanismus ersetzt. Bei beiden Kunstwerken bleiben sowohl der Urheber als auch die ursprüngliche Bestimmung im Dunkeln.[5.2]

  • Uta Bernsmeier: Die Nova Reperta des Jan van der Straet. Ein Beitrag zur Problemgeschichte der Entdeckungen und Erfindungen im 16. Jahrhundert. Dissertation Universität Hamburg. Hamburg 1986.
  • Ann Diels, Marjolein Leesberg: The New Hollstein Dutch & Flemish etchings, engravings and woodcuts, 1450–1700. The Collaert dynasty. Teil VI. Sound & Vision Publ., Ouderkerk aan den Ijssel 2005, ISBN 978-90-77551-34-9 (englisch).
  • Lia Markey (Hrsg.): Renaissance Invention. Stradanus’s Nova Reperta. Symposium & Ausstellung Newberry Library, Chicago, 2019 & 2020. Northwestern University Press, Evanston, Ill. 2020, ISBN 978-0-8101-4202-2 (englisch).
Commons: Nova Reperta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Lia Markey: Inventing the Nova Reperta. In: Renaissance Invention. Stradanus’s Nova Reperta. 2020, S. 25–39.
    1. S. 26–29.
    2. S. 27 f.
  2. Ann Diels, Marjolein Leesberg: The New Hollstein. The Collaert dynasty. Teil VI. 2005.
    1. V.189.1205–1224, S. 204–211.
    2. S. 203 f.
  3. Uta Bernsmeier: Die Nova Reperta des Jan van der Straet. 1986.
    1. S. 13 f.
    2. S. 42–88, Zitat S. 78.
    3. S. 102–146.
    4. S. 104 f.
  4. Karen L. Bowen: Philips Galle’s Nova Reperta. In: Renaissance Invention. Stradanus’s Nova Reperta. 2020, S. 41–54, hier: S. 42 f.
  5. Dániel Margócsy: The Global Reception of Stradanus and the Political Use of the Nova Reperta. In: Renaissance Invention. Stradanus’s Nova Reperta. 2020, S. 115–133.
    1. S. 121 f.
    2. S. 122 f.