Novel Food

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Novel Food (englisch neuartige Lebensmittel) sind nach gesetzlicher Definition Lebensmittel, die vor dem Inkrafttreten der Novel-Food-Verordnung innerhalb der EU nicht in nennenswertem Umfang zum Verzehr in den Handel gebracht wurden. Dabei handelt es sich um bislang nicht verbreitete Lebensmittel aus anderen Kulturkreisen, auch exotische Früchte, und um so genanntes Designer Food, zum Beispiel Elektrolyt-Getränke für Sportler. Functional Food fällt dagegen nicht unter diesen Begriff. Auch für gentechnisch veränderte Nahrungsmittel gilt in der EU eine eigene Verordnung (EG) Nr. 1829/2003, so dass diese Produkte juristisch nicht mehr unter den Begriff Novel Food fallen. Umgangssprachlich werden sie dennoch so bezeichnet.

Novel-Food-Verordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Novel-Food-Verordnung stuft als neuartige Lebensmittel in erster Linie ein:

Lebensmittel und Lebensmittelzutaten

  • mit neuer oder gezielt modifizierter primärer Molekularstruktur, z. B. Fettersatzstoffe;
  • die aus Mikroorganismen, Pilzen oder Algen bestehen oder aus diesen isoliert worden sind;
  • die aus Pflanzen bestehen oder aus Pflanzen isoliert worden sind, und aus Tieren isolierte Lebensmittelzutaten
  • bei deren Herstellung ein nicht übliches Verfahren angewandt worden ist und bei denen dieses Verfahren eine bedeutende Veränderung ihrer Zusammensetzung oder der Struktur der Lebensmittel oder der Lebensmittelzutaten bewirkt, die sich auf den Nährwert, den Stoffwechsel oder die Menge unerwünschter Stoffe in den Lebensmitteln auswirkt

Vor dem Inverkehrbringen eines Lebensmittels, das als Novel Food gilt, muss dieses ein Zulassungsverfahren durchlaufen. Die Zulassung wird nur erteilt, wenn die Prüfung ergibt, dass das Produkt gesundheitlich unbedenklich ist.

Ebenso gelten nach der Novel-Food-Verordnung bestimmte Kennzeichnungspflichten für solche Lebensmittel über

  • alle Merkmale oder Ernährungseigenschaften, wie Zusammensetzung, Nährwert oder nutritive Wirkungen, Verwendungszweck des Lebensmittels, die dazu führen, dass ein neuartiges Lebensmittel oder eine neuartige Lebensmittelzutat nicht mehr einem bestehenden Lebensmittel oder einer bestehenden Lebensmittelzutat gleichwertig ist. Als gleichwertig gilt ein neues Lebensmittel dann nicht mehr, wenn durch eine wissenschaftliche Analyse nachgewiesen werden kann, dass die geprüften Merkmale Unterschiede gegenüber konventionellen Lebensmitteln aufweisen.
  • die veränderten Merkmale sowie das Verfahren, mit dem sie erzielt wurden, sowie
  • vorhandene Stoffe, die in bestehenden gleichwertigen Lebensmitteln nicht vorhanden sind und die Gesundheit bestimmter Bevölkerungsgruppen beeinflussen können;
  • vorhandene Stoffe, die in bestehenden gleichwertigen Lebensmitteln nicht vorhanden sind und gegen die ethische Vorbehalte bestehen. Wenn es keine vergleichbaren Lebensmittel gibt, müssen Bestimmungen erlassen werden, die den Verbraucher angemessen informieren.

Zulassungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende neuartige Lebensmittel sind in Europa zugelassen:[1]

In der Schweiz, die nicht Mitglied der EU ist, sind seit dem 1. Mai 2017 gemäss Verordnung des EDI über neuartige Lebensmittel (Anhang 1)[21] drei Insektenarten als Lebensmittel zugelassen: Der Mehlkäfer Tenebrio molitor im Larvenstadium, das Heimchen Acheta domesticus (adulte Form) und die Europäische Wanderheuschrecke Locusta migratoria (adulte Form). Insekten gelten auch in der EU als neuartige Lebensmittel und fallen damit unter die Verordnung (EU) Nr. 2283/2015 über neuartige Lebensmittel; jedoch sind bis heute noch keine Insekten als neuartiges Lebensmittel in der EU zugelassen worden.[22]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Novel Food - List of authorisations
  2. Antrag auf Genehmigung des Inverkehrbringens UV-behandelter Pilze mit erhöhtem Vitamin-D-Gehalt gemäß der Novel-Food-Verordnung (EG) Nr. 258/97
  3. Erweiterung der Verwendung von synthetischem Dihydrocapsiat (DHC) auf die Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln
  4. Zulassung von Isomalto-Oligosacchariden als neuartige Lebensmittelzutat
  5. Antrag auf Inverkehrbringen von Vitamin K 2 als neuartige Lebensmittelzutat gemäß Verordnung (EG) Nr. 258/97
  6. Vitamin K2 (Menachinon-7)
  7. Phospholipidreiches Öl aus Antarktischem Krill (Euphausia superba) als neuartige Lebensmittelzutat (Enzymotec Ltd.)
  8. Erweiterung des Verwendungszwecks von Öl (Neptun Krill Oil (NKO®)) aus antarktischem Krill (Euphasia Superba)
  9. Antrag auf Ausweitung der Verwendung von Chiasamen gemäß der Novel-Food-Verordnung ((EG) Nr. 258/97) auf bestimmte nichtalkoholische Getränke
  10. Aus Fisch-Phospholipiden hergestelltes Phosphatidylserin
  11. Genehmigung für das Inverkehrbringen von Tetraselmis chuii
  12. Methylcellulose als neuartige Lebensmittelzutat
  13. Docosahexaensäure und Eicosapentaensäure-reiches Öl aus der Mikroalge Schizochytrium
  14. Arachidonsäurereiches Öl aus dem Pilz Mortierella alpina
  15. Magnolia bark extract. EC No. 107, Advisory Committee on Novel Foods and Processes (ACNFP)
  16. Genehmigung der neuartigen Lebensmittelzutat Zink-L-pidolat in der EU
  17. Extrakt aus Weizenkleie
  18. Genehmigung des Inverkehrbringens von Guarkernmehl als neuartige Lebensmittelzutat
  19. Sucromalt
  20. D-Tagatose
  21. Verordnung des EDI über neuartige Lebensmittel vom 16. Dezember 2016 (Stand am 1. Mai 2017). Schweizerische Eidgenossenschaft. 1. Mai 2017. Abgerufen am 14. August 2017.
  22. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen: Insekten als Lebensmittel. Schweizerische Eidgenossenschaft. 28. April 2017. Abgerufen am 14. August 2017.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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