Novomatic

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Novomatic-Gruppe
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1980
Sitz Gumpoldskirchen, Österreich (Novomatic AG)

Leitung

  • Harald Neumann
    (Vorstandsvorsitzender)
  • Bernd Oswald
    (Aufsichtsratsvorsitzender)
Mitarbeiter 26.336 (2016, Gruppe)[1]
Umsatz 2,3 Mrd. Euro (2016, Gruppe)[1]
Branche Industrie[2]
Website www.novomatic.com

Die Novomatic-Gruppe ist ein global agierender Glücksspielkonzern mit Stammsitz in Gumpoldskirchen (Österreich). Der Konzern betreibt Spielbanken, elektronische Casinos und Sportwettlokale, vermietet Glücksspielgeräte und entwickelt und produziert Spielausstattungen und Spielsysteme. Die Unternehmensgruppe beschäftigte im ersten Halbjahr 2017 mehr als 25.000 Mitarbeiter weltweit, davon rund 3.300 in Österreich.[3] Zur Novomatic-Gruppe gehört mit der Admiral Sportwetten GmbH auch der mit über 200 Standorten filialstärkste Sportwetten-Anbieter Österreichs.

Die Novomatic-Gruppe ist in 70 Staaten weltweit tätig und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von 2,29 Mrd. Euro. Das EBIT betrug 264,1 Mio. Euro.[1] Der Umsatz von Novomatic stieg in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 um 11,3 Prozent auf 1.218,7 Mio. EUR (1. Halbjahr 2016: 1.094,9 Mio. EUR).[3]

Novomatic Geschäftszentrale Gumpoldskirchen

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als gelernter Fleischermeister gründete Johann F. Graf zusammen mit dem Elektrohändler Gerhard Brodnik 1974 die Brodnik & Graf GmbH[4] und startete mit dem Import von belgischen Flipperautomaten. Die Karriere der beiden Unternehmer begann zu dem Zeitpunkt, an dem der Umstieg von elektromechanisch betriebenen Slotmaschinen auf elektronische erfolgte. Grafs Startkapital damals betrug 50.000 Schilling (3.634 Euro).[4]

Im Jahr 1980 verließ Graf die Firma und rief die Novomatic Automatenhandels GmbH ins Leben, die sich hauptsächlich mit der Herstellung und dem Vertrieb von Glücksspielautomaten beschäftigen sollte und dies nach einer zwischenzeitlichen Umstrukturierung in eine Aktiengesellschaft auch noch bis heute tut. Weiters umfasst der Tätigkeitsbereich des Konzerns die Planung und Errichtung schlüsselfertiger Casinos und Casino-Management-Systeme.[5] Die Aktienmehrheit des Unternehmens liegt auch heute noch in Grafs Händen.

Im Jahr 2010 übernahm die Novomatic-Tochter Astra Games Ltd. 70 % am österreichischen Online-Spiele-Unternehmen Greentube. Im September 2011 erwarb Astra Games Ltd. die restlichen 30 Prozent Anteile.[6][7]

Im Winter 2012 wurden Casino-Lizenzen für 6 österreichische Städte (Bregenz, Innsbruck, Salzburg, Graz, Linz und Wien) vom österreichischen Finanzministerium ausgeschrieben. Auch die Novomatic bewarb sich. Die Vergabe verlief zugunsten der Casinos-Austria-Gruppe, welche dadurch ihre Konzessionen behalten durfte.[8]

Am 2. Juni 2016 erklärte der Verwaltungsgerichtshof von Niederösterreich, dass die Ausstellung der Automatenkonzession von 2012 an die Novomatic-Tochter Admiral rechtswidrig gewesen sei. Es gab vier andere Bewerber, und obwohl bis zu drei Konzessionen möglich gewesen wären, wurde nur eine Lizenz für das kleine Glücksspiel ausgestellt. Der Verwaltungsgerichtshof hob den Bescheid der Konzessionsausstellung nun wegen einer "Verletzung von Verfahrensvorschriften" auf. Novomatic darf die Automaten aber weiterhin auch ohne die Lizenz in Niederösterreich betreiben, da das Landesglücksspielgesetz in einem Passus besagt, dass Automaten auch nach Wegfall der Konzession bis zu 18 Monate weiter betrieben werden dürfen.[9]

Konzernstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Unternehmen der Novomatic-Gruppe sind konsolidiert im Eigentum der drei Muttergesellschaften Gryphon Invest AG (Schweiz), Ace Casino Holding AG (Schweiz) oder Novo Invest GmbH (Österreich). Unter diesen drei Muttergesellschaften steht ein Netzwerk von über 130 Gesellschaften.[10] Johann Graf ist Alleinaktionär der Muttergesellschaften.[11][10] Die Novo Invest GmbH hält 89,96 Prozent der Anteile der Novomatic AG. 10,04 Prozent der Anteile hält die Gryphon Invest AG.[12][13]

Ein anderer Kernbereich des Konzerns ist außerhalb der Novomatic AG angesiedelt. Die EDP European Data Project sro (Tschechien) ist Tochterunternehmen der schweizerischen Gryphon Invest AG. Die EDP European Data Project sro wurde 1996 gegründet und ist mit weiteren Tochter-, Schwester- und Enkelgesellschaften mit Standorten in Rousínov und Komořany eine wichtige Industriegesellschaft in Tschechien und beschäftigt mehr als 1.000 Mitarbeiter.[10]

Die Unternehmensgruppe verfügt nach eigenen Angaben über Standorte in rund 50 Staaten.[14]

Tochterunternehmen & Beteiligungen (Auszug)[1][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Novomatic Gaming Industries GmbH (Österreich, 100 %) F&E, Produktion, Vertrieb
  • Admiral Casinos & Entertainment AG (Österreich, 100 %) Betreiber von Spielstätten
  • Admiral Sportwetten GmbH (Österreich, 100 %) Sportwettenanbieter
  • Casinos Austria AG (Österreich, 17,19 %) Betreiber von Spielbanken
  • Österreichische Lotterien GmbH (Österreich, 23,25 %) Lotteriebetreiber
  • Novomatic Lottery Solutions GmbH (Österreich, 100 %) Entwickler von Gaming-Plattformen, elektronischen Lotterielösungen und Lotterieterminals, Produktion, Vertrieb
  • Greentube Internet Entertainment Solutions GmbH (Österreich, 100 %) Produktion, Betrieb und Vertrieb von Online und Mobile Casino-Lösungen sowie Server-based Terminal Solutions
  • Löwen Entertainment GmbH (Deutschland, 100 %) F&E, Produktion, Vertrieb
  • Crown Technologies GmbH (Deutschland, 100 %) F&E, Produktion, Vertrieb
  • Extra Games Entertainment GmbH (Deutschland,100 %) Betreiber von Spielstätten
  • Spielbank Berlin Gustav Jaenecke GmbH & Co. KG (Deutschland, 59,5 %) Betreiber von Spielbanken
  • Novomatic Italia S.p.A. (Italien, 100 %) Vertrieb
  • Allstar S.r.I. (Italien, 100 %) Betreiber von Spielstätten
  • Astra Games Ltd. (Großbritannien, 100 %) F&E, Produktion, Vertrieb
  • Bell-Fruit Group Ltd. (Großbritannien, 100 %) Produktion
  • Gamestec Leisure Ltd. (Großbritannien, 100 %) Vertrieb
  • Luxury Leisure Ultd. (Großbritannien, 100 %) Betreiber von Spielstätten
  • Playnation Ltd. (Großbritannien,100 %) Betreiber von Spielstätten
  • Talarius Ltd. (Großbritannien, 100 %) Betreiber von Spielstätten
  • Alfor SIA (Lettland, 60 %) Betreiber von Spielstätten
  • Novomatic Netherlands B.V. (Niederlande, 100 %) F&E, Produktion, Vertrieb
  • Novomatic Gaming Spain S.A. (Spanien, 100 %) Produktion, Vertrieb
  • Admiral Operations Spain S.L. (Spanien, 100 %) Betreiber von Spielstätten
  • GiGames S.L. (Spanien, 80 %) Produktion, Vertrieb
  • Novomatic Americas Holdings Inc. (USA, 100 %) Vertrieb
  • Kurhessische Spielbank Kassel/Bad Wildungen GmbH & Co. KG (Deutschland, 100 %), Spielbank
  • SIM Spielbanken Investitions-, Beteiligungs- und Management GmbH & Co. KG (Deutschland, 100 %), Spielbank-Holding

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verdacht auf versuchten Gesetzeskauf

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKSta) veranlasste im Oktober 2014 Hausdurchsuchungen beim Ex-Generaldirektor Franz Wohlfahrt des Glücksspielunternehmens Novomatic AG. Konkret ging es um den Verdacht der Bestechungszahlung an Karl-Heinz Grasser (Ex-Finanzminister) für dessen Unterstützung bei der Liberalisierung des Glücksspielmonopols und der versuchten Erteilung einer Glückspielkonzession an die Novomatic AG im Jahr 2005. Die Razzien fanden laut Zeitschrift FORMAT in der Kanzlei und in der Wohnung von Franz Wohlfahrt in Wien sowie in dessen früheren Büroräumen in der Novomatic-Zentrale in Gumpoldskirchen statt. Als Beschuldigte wurden Karl-Heinz Grasser, Walter Meischberger und ein ehemaliger Vorstand der Novomatic AG geführt. Kurz vor der Razzia trat Franz Wohlfahrt im Juli 2014 von seiner Funktion als Novomatic AG Chef zurück. Neuer Chef wurde Harald Neumann, der zuvor im Bundesrechenzentrum tätig war, wo jetzt die Novomatic ihre Spielautomaten an das Finanzamt angeschlossen hat, um diesem die Kontrolle der Höhe der Einspielergebnisse zu ermöglichen.[15][16] Das Verfahren wurde im April 2017 eingestellt. [17]

Wien

Rund 80 Spieler forderten ihr im Glücksspiel verlorenes Geld zurück und erstatten Anzeige.[18]

Für von einem Spieler in Novomatics Admiral-Casino im Wiener Prater zwischen 2005 und 2012 verspielten 138.350 Euro musste eine Tochterunternehmen der Novomatic 107.420 Euro zurückzahlen. (Urteil nicht rechtskräftig, Novomatic beruft.) Die Argumentation war, der Spieler hätte bei mit dem Glücksspielgesetz (GSpG) konformem (mittlerweile in Wien verbotenem) "kleinem Glücksspiel", also 50 Cent Maximaleinsatz und 20 Euro Maximalgewinn keinen Anreiz zum Spielen gehabt. Mit einer Einsatztaste könne jedoch der Einsatz erhöht werden und mit der Automatik-Starttaste Serienspiele durchgeführt werden. Das Gericht führte einen Lokalaugenschein durch und fertigte ein Video an. Bei automatischem Spiel sei nur mehr ein Rattern, jedoch keine Abfolge einzelner Spiele wahrnehmbar. „Die im Kreditfeld angezeigte Summe reduziert sich in Sekundenbruchteilen um Euro-Beträge.“ Es dauerte nur 32 Sekunden, bis bei einem bestimmten Spiel 50 Euro verspielt waren - trotz eines Zwischengewinns von fünf Euro.[19]

Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strafe - Abrechnungssystem nicht an Finanzamt angebunden

Die Novomatic Tochtergesellschaft G. Matica hatte das Abrechnungssystem für die vorgeschriebene Vernetzung von Automaten mit dem italienischen Finanzamt nicht installiert und war 2012 zu einer Strafe von Euro 150 Mio. verurteilt worden. Novomatic erachtete die Forderung den Angaben zufolge als „völlig unberechtigt“ und berufte gegen die erstinstanzliche Entscheidung. Im Juni 2014 bezahlte Novomatic eine Vergleichssumme von Euro 47,5 Mio.[20][21]

Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Black-Jack-Gate

2009 plante die polnische Regierung unter Premier Donald Tusk eine Erhöhung der Glücksspielabgaben, um das Budget für die Fußball EM 2012 (gemeinsam mit der Ukraine veranstaltet) zu finanzieren. Daraufhin übten unter Anderem Lobbyisten der Glücksspielbetreiber Einfluss auf polnische Regierungsmitglieder gegen diese Abgabenerhöhung aus. Die Tageszeitung Rzeczpospolita veröffentlichte als sogenanntes „Black Jack Gate“ Tonbandmitschnitte der Anti-Korruptionsbehörde CBA. Infolge der Veröffentlichung traten mehrere Minister zurück: Innenminister Grzegorz Schetyna, Justizminister Andrzej Czuma und Vize-Wirtschaftsminister Andrzej Szejnfeld.[22] Gegen den Chef der Antikorruptionsbehörde CBA, Mariusz Kamiski, wurden Amtsmissbrauchs-Vorwürfe wegen der Weitergabe der Mitschnitte an die Presse erhoben.[23]

Korruptionsvorwürfe in Rumänien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einem ORF-Bericht vom 4. Oktober 2015 ermittelt die rumänische Anti-Korruptionsagentur im Zusammenhang mit einem Joint-Venture mit dem Staatsbetrieb Lotteria Romana.[24] Im Rahmen der 2013 geschlossenen Verträge sollten 10.000 Spielgeräte geliefert und die Gewinne geteilt werden. Ein weiterer Passus garantiert dem rumänischen Partner eine einmalige Mindestzahlung von 75 Millionen Euro pro Jahr sofern die 10.000 Automaten erreicht werden.[25] Laut einer Pressemitteilung der Novomatic vom 22. Oktober 2015 ist die Umsetzung noch nicht abgeschlossen, da noch nicht genügend Standorte für die Inbetriebnahme der Spielgeräte bereitgestellt wurden. Ein Beitrag eines Blogs aus Belgrad vom 18. April 2016 nannte als wahrscheinlichste Erklärung für die Vorwürfe eine konzertierte Negativkampagne einiger Politiker und der Medien, die Novomatic als Sündenbock benutzten, um einen Korruptionsskandel gegen bestimmte Beamte zu generieren.[26]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tobias Kleber: Die Geschichte der Novomatic - Admiral - Die Welt im Würgegriff der österreichischen Mafia; 1. Aufl., Juli (2013); ISBN 978-3-9503626-0-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Geschäftsbericht 2016 auf novomatic.com, abgerufen am 14. September 2017
  2. Novomatic AG/Novomatic Gaming Industries GmbH, auf noeindustrie.at, abgerufen am 14. September 2017
  3. a b Halbjahresbericht 2017 bei novomatic.com. Abgerufen am 14. September 2017.
  4. a b Johann Graf machte Novomatic zum Weltkonzern. In: Der Standard. 8. März 2012, abgerufen am 14. November 2017.
  5. Johann Graf Website des Club Carriere. Abgerufen am 15. Mai 2013.
  6. Novomatic kauft sich bei Greentube ein. In: derStandard.at. 13. Dezember 2009, abgerufen am 10. September 2014.
  7. Frischer Wind bei Greentube: Neuer CEO Thomas Graf. In: Boerse-Express.com. 13. Januar 2012, abgerufen am 10. September 2014.
  8. Andrea Hodoschek: Casinolizenzen Stadtpaket geht an Casinos Austria. In: Kurier. 12. Dezember 2012, abgerufen am 17. November 2017.
  9. Günther Oswald: Höchstgericht kippt Novomatic-Konzession in Niederösterreich. In: Der Standard. 2. Juni 2016, abgerufen am 24. Oktober 2016.
  10. a b c Rainer Fleckl: Das Novomatic-Universum im Überblick, Addendum, 13. Oktober 2017, abgerufen am 14. November 2017
  11. Endgültige Bedingungen des Emissionsprogramms der Novomatic AG, Seite 15 auf wienerbörse.at, 17. Jänner 2013, abgerufen am 14. November 2017
  12. Novomatic-Eigentümer Graf ließ sich 2015 fürstlich entlohnen. In: Der Standard. 29. April 2016, abgerufen am 14. November 2017.
  13. Geschäftsbericht Novomatic 2016, PDF 16 MB, Seite 3
  14. Halbjahresfinanzbericht 2017 Novomatic AG. Abgerufen am 14. September 2017.
  15. wirtschaftsblatt.at (Memento vom 13. Juli 2014 im Internet Archive)
  16. trend.at
  17. Causa Glücksspiel gegen Grasser, Meischberger und Wohlfahrt eingestellt Die Presse. Abgerufen am 14. September 2017
  18. Strafanzeige wegen Illegalem Glücksspiel gegen Novomatic eingebracht
  19. Urteil gegen Novomatic nach Klage von Privatmann. In: ORF. 6. Oktober 2015, abgerufen am 25. Oktober 2016.
  20. derstandard.at
  21. derstandard.at
  22. Online: Polen: Tusks Minister treten wegen Glücksspiel-Affäre zurück
  23. Das Polen Magazin: Regierungskrise durch Glückspielaffäre
  24. Korruptionsaffäre in Rumänien erreicht Novomatic - news.ORF.at. In: news.ORF.at. 4. Oktober 2015, abgerufen am 17. März 2016.
  25. Korruptionsaffäre in Rumänien erreicht Novomatic > Kleine Zeitung. In: www.kleinezeitung.at. 4. Oktober 2015, abgerufen am 10. April 2016.
  26. Gambling0.com: Novomatic corruption – news about affair in Romania, abgerufen am 3. Mai 2016. Wörtlich: The most likely explanation is that there has been an orchestrated, negative campaign by some politicians and the media against certain public officials which used Novomatic as a scapegoat in order to create a corruption scandal.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Novomatic – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 2′ 11″ N, 16° 17′ 39,4″ O