Nowa Sól

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Nowa Sól
Wappen von Nowa Sól
Nowa Sól (Polen)
Nowa Sól
Nowa Sól
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Nowa Sól
Fläche: 21,56 km²
Geographische Lage: 51° 48′ N, 15° 43′ OKoordinaten: 51° 48′ 0″ N, 15° 43′ 0″ O
Höhe: 65 m n.p.m.
Einwohner: 39.413
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 67-100 bis 67-103
Telefonvorwahl: (+48) 68
Kfz-Kennzeichen: FNW
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 3: ŚwinoujścieStettinLegnicaJakuszyce
Schienenweg: PKP-Linien: Breslau–Stettin
Wolsztyn–Żagań
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 21,56 km²
Einwohner: 39.413
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 1828 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0804011
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Wadim Tyszkiewicz
Adresse: ul. Piłsudkiego 12
67-100 Nowa Sól
Webpräsenz: www.nowasol.pl



Nowa Sól [ˈnɔva ˈsul] (deutsch Neusalz an der Oder) ist eine Stadt am linken Ufer der Oder in der polnischen Woiwodschaft Lebus. Sie ist Kreisstadt des Powiat Nowosolski.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neusalz südwestlich der Stadt Posen und nordwestlich der Stadt Glogau auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

Die erste Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Nowa Sól befand sich im 14. Jahrhundert unter böhmischer Herrschaft. 1563 entstand an der alten Oder das Kammergut Zum Neuen Saltze mit einem bedeutenden Siedewerk. Damit wollte Kaiser Ferdinand die Versorgung Schlesiens mit Meersalz aus La Rochelle und Spanien, welches über Hamburg und Stettin auf der Oder bis zum Ende der Schiffbarkeit transportiert wurde, gewährleisten und die Salzeinfuhr aus Polen damit eindämmen.

1573 wurde nach dem Oderhochwasser ein neues Siedewerk bei dem Dorf Modritz (Modrzyca) errichtet. Das zugehörige Salzamtmannshaus stand am Platz des heutigen Rathauses. Etwa 1585 wurde das erste Mal in Dokumenten der Ort als Neusalzburg und später als Neusalz erwähnt. Um den Handel zu erleichtern, wurde 1592 ein Hafen an der Oder errichtet. Das Aufkommen holländischer und englischer Konkurrenz im Ostseehandel führte seit dem Ende des 16.  Jahrhunderts zu Schwierigkeiten bei der Belieferung mit Rohsalzen.

Eine evangelische Kirche wurde 1597 errichtet. Die Salzproduktion wurde immer unrentabler. Neben den Salzzöllen des Kurfürstentums Brandenburg war es vor allem der Dreißigjährige Krieg, der das Werk darniedergehen ließ. Später erholte sich das Siedewerk wieder etwas, konnte sich allerdings gegen die Salinensalze aus Brandenburg und Polen nicht mehr behaupten.

Als 1710 die Schweden die Meersalzeinfuhr über Stettin abschnitten, erfolgte die endgültige Einstellung der Salzproduktion. 1713 erfolgte die Umstellung des ehemaligen Siedewerks zur Faktorei für Salz der Salinen in Halle und bei Magdeburg.

1662 wurde eine Poststation errichtet. Am 8. Oktober 1743 erteilte Friedrich der Große Neusalz das Stadtrecht und ließ einen Plan zur weiteren Entwicklung des Ortes erstellen. Dies führte zu einer Belebung des Ortes und der Ansiedlung von Siedlern, u. a. aus Mähren. 1743 lebten 800 Menschen in Neusalz. Die Herrnhuter Brüdergemeine erhielt am 13. Mai 1743 die Erlaubnis zur Errichtung einer Kolonie südöstlich der Stadt. Unter Ernst Julius von Seydlitz entstand ein Gemeindezentrum mit zahlreichen Gewerbebetrieben.

Am 24. September 1759 fielen nach der Schlacht bei Kunersdorf die Russen in Neusalz ein, plünderten und zerstörten Teile der Stadt. Die Herrnhuter Siedlung brannte vollständig nieder. 1765 entstand die ersten Manufaktur für Leinenproduktion in Neusalz. Auch der Laden der Brüdergemeine wurde wiedereröffnet, aus ihm entstand später das Speditions-, Handels- und Bankhaus Meyerotto. 1816 entstand aus der Weberei der Brüdergemeine die Textilfabrik von Johann David Gruschwitz (später J. D. Gruschwitz & Söhne oHG, ab 1906 Gruschwitz Textilwerke AG), der lange Zeit größte Arbeitgeber in der Stadt. Die erste Eisenhütte wurde 1827 vom Aktienverein Eísenhütte Neusalz in Betrieb genommen. 1853 kam die Paulinenhütte hinzu. In der Umgebung der Stadt zwischen den Flüsschen Schwarze und Ochel lagerte genügend Raseneisenerz. Vor allem die Produktion von Emaillegeschirr wurde zum Schwerpunkt der Hütten und Gießereien. Dadurch entstanden große Exportbetriebe, die auch nach der Einstellung aller Hochöfen zwischen 1877 und 1880 immer weiteren Zuwachs erzielten.

Der Oderhafen wurde 1831 ausgebaut. Die Borstenzurichterei als Zulieferhandwerk für die Fertigung von Pinseln und Bürsten wurde 1850 ansässig. 1870 wurde an Stelle der Oderfähre eine Holzbrücke errichtet, die dem Ort zu einer besseren Verbindung nach Posen verhalf. An ihrer Stelle entstand 1932 eine Eisenbetonbrücke.

Neusalz als der nördlichste Stapelplatz Schlesiens verlor beim Bau der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn von Berlin nach Breslau ab 1846 viel von seiner Bedeutung, da die Eisenbahn an Neusalz weiträumig vorbeifuhr. Erst 1871 wurde die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen und erhielt eine Verbindung nach Stettin und Berlin. 1892 übernahm die Meyerotto-Bank die Leimfabrik und entwickelte sie zu einem bedeutenden Betrieb. 1897 wurde der Oderhafen erneut vergrößert, später entstand ein Dammsystem an der Oder, um schwere Hochwasserschäden wie die von 1592, 1736, 1854 und 1903 künftig zu vermeiden.

1930 zählte die Stadt im Landkreis Freystadt 16.500 Einwohner. Während des Zweiten Weltkriegs wurde ein Arbeitslager für Juden und später eine Außenstelle des Konzentrationslagers Groß-Rosen eingerichtet. Am 14. Februar 1945 erreichte die Rote Armee den Ort, zuvor hatten deutsche Truppen am 9. Februar die Oderbrücke gesprengt. In der Stadt entstanden bei den Kämpfen größere Schäden. Kurz nach Ende des Kriegs begann die Vertreibung der Deutschen aus dem Ort und die Ansiedlung von Polen. Die Neusiedler hatten größtenteils polnischen Minderheiten in Gebieten östlich der Curzon-Linie angehört; diese Gebiete waren im Polnisch-Sowjetischen Krieg (1918–1921) erobert worden und mussten nach dem Zweiten Weltkrieg an die Sowjetunion abgetreten werden. Angehörige von Minderheiten in diesen Gebieten waren von den sowjetischen Behörden vor die Wahl gestellt worden, entweder eine neue Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder das Land zu verlassen.

Nowa Sól wurde zu einem bedeutenden Industriestandort in Polen ausgebaut und übernahm seit 1950 an Stelle von Kożuchów (Freystadt) die Funktion des Verwaltungszentrums der Region.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Landgemeinde Nowa Sól (Gmina wiejska), der die Stadt Nowa Sól selbst angehört, gehören die Ortschaften (deutsche Namen bis 1945) mit Schulzenamt (sołectwo):

Salzlager aus dem 18. Jahrhundert
Ruine eines Fabrikgebäudes der ehememaligen Gruschwitz Textilwerke AG (Foto 2008), Industriearchitektur aus der Zeit um 1914
  • Buczków (Buchwald)
  • Chełmek
  • Ciepielów (Tschöplau, 1936–1945 Waldruh)
  • Dąbrowno (Eichau)
  • Jeziorna (Kattersee)
  • Jodłów
  • Kiełcz (Költsch)
  • Lelechów (Louisdorf)
  • Lipiny (Lippen)
  • Lubieszów (Liebsen)
  • Lubięcin (Liebenzig)
  • Nowe Żabno (Neu Tschau, 1936–1945 Schliefen)
  • Przyborów (Tschiefer, 1936–1945 Zollbrücken)
  • Rudno (Rauden)
  • Stany (Aufhalt)
  • Stara Wieś (Borgsdorf)
  • Stary Staw (Teichhof)
  • Wrociszów (Heinzendorf)

Ortschaften ohne Schulzenamt:

  • Drogoniów
  • Józefów
  • Odra
  • Okopiec
  • Porębów
  • Radosławice
  • Stawy

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtmuseum, ul. Muzealna 20; erbaut wohl um 1883 als Villa der Familie Gruschwitz
  • Rathaus aus dem 16. Jahrhundert
  • Denkmal für Friedrich II. aus dem 19. Jahrhundert
  • St.-Michaelis-Kirche aus dem 16. Jahrhundert
  • Salzlager aus dem 17. und 18. Jahrhundert
  • Pfarrkirche von Friedrich August Stüler aus dem 19. Jahrhundert
  • Kapelle der evangelischen Gemeinde aus dem 19. Jahrhundert
  • St.-Barbara-Kirche, erbaut 1900
  • Zugbrücke am Kanalhafen der Oder

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegismund Justus Ehrhardt: Presbyterologie des Evangelischen Schlesiens. Band 3, Liegnitz 1783, S. 366–368. (Vorschau auf Google Bücher)
  • Hans-Jürgen Klink, Jolanta Rusinowska-Trojca: Nowa Sól/Neusalz (= Historyczno-topograficzny atlas miast śląskich / Historisch-topographischer Atlas schlesischer Städte. Tom/Band 4). Herder-Institut, Marburg/Wrocław 2013, ISBN 978-3-87969-384-9 (online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nowa Sól – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.