Nowik (Schiff, 1911)

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Nowik

Jakow Swerdlow

Kaiserlich Russische Marine Военно-Морской Флот СССР (Sowjetische Seekriegsflotte)
Novik(EM)2.jpg
Vorkriegsaufnahme des russischen Zerstörers Nowik
Schiffsdaten
Schiffstyp Zerstörer
Baudaten
Bauwerft Putilow-Werft St. Petersburg
Kiellegung 1. August 1910
Stapellauf 4. Juli 1911
Indienststellung 17. September 1913
Verbleib gesunken am 28. August 1941 nach Minentreffer im Finnischen Meerbusen
Technische Daten
Wasserverdrängung (Konstr.) 1.280 ts
Verdrängung (Einsatz) 1.360 ts
Länge 102,43 m
Breite 9,5 m
Tiefgang 3,0 m
Bewaffnung
(1913)
  • 4 × 102-mm-Geschütze/L 60
  • 4 × 7,62-mm-Maschinengewehre
  • 8 × Torpedorohre (4 × 2) Ø 457 mm
  • 50 Minen
Bewaffnung
(1931)
  • 4 × 102-mm-Geschütze/L 60
  • 1 × 76,2-mm-Flak/L 55
  • 1 × 37-mm-Flak/L 67
  • 9 × Torpedorohre (3 × 3) Ø 457 mm
  • 60 Minen
Antriebsanlage 3 AEG-Vulcan-Turbinensätze
6 ölgefeuerte Vulcan-Wasserrohr-Dampfkessel
Maschinenleistung ca. 40.000 PSw
Brennstoffvorrat 418 t Öl
Geschwindigkeit 36,0 Knoten
Fahrbereich 1470 sm bei 21 kn
Besatzung 130 bis 168 Mann

Die Nowik (russisch Новик) war ein Zerstörer der Kaiserlich Russischen Marine und Sowjetischen Marine. Sie war Prototyp einer Klasse neuer, nach modernen Gesichtspunkten konstruierter und sehr kampfkräftiger Torpedoboots-Zerstörer (Großzerstörer), die im Gefolge des verlorenen Russisch-Japanischen Krieges und einer verstärkten Seekriegsrüstung entstanden.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Verluste an Torpedoträgern und großen Kampfeinheiten im Krieg 1904/05 war die zaristische Marine erheblich geschwächt. Sowohl die Ostseeflotte als auch das Pazifische Geschwader hatten fast alle ihre moderneren Schiffe eingebüßt und nur die im Schwarzen Meer stationierte Schwarzmeerflotte, die aber durch den Meerengenvertrag in ihrer Operationsfähigkeit eingeschränkt war, besaß noch Kampfwert. Unter diesen Gesichtspunkten und dem der russisch-französischen Annäherung unternahm die Marineleitung erhebliche Anstrengungen zur Wiederaufrüstung und Reorganisation der Flotte. Noch während der Kampfhandlungen wurden bei französischen und deutschen Werften 27 Boote in Auftrag gegeben. Auf den Ostsee-Werften entstanden – zum Teil mit ausländischer Unterstützung – weitere 24 große Boote, die den Sprung zum eigentlichen Zerstörer darstellten und aufgrund der Revolution 1905 erst zwischen 1905 und 1907 fertiggestellt werden konnten.

Konstruktion und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezüglich der Torpedobootsverbände forderte man jedoch schon 1909 ein wesentlich größeres und schwerer bewaffnetes Fahrzeug mit einem fortschrittlichen Turbinenantrieb und einer Geschwindigkeit von über 30 Knoten. Dementsprechend wurden bei den Etatberatungen Kosten von ca. 1 Mio. Rubel (2,16 Mio. Goldmark) angesetzt. Entsprechende Angebote wurden wiederum von erfahrenen ausländischen Werften eingeholt.

Als Prototyp wählte man den Entwurf eines mit 1280 t relativ großen Fahrzeugs aus, welches Ölfeuerung und Turbinenantrieb besaß und von der AG Vulcan in Stettin angeboten wurde. Das gesamte Projekt wurde einschließlich der dazugehörigen Zeichnungen angekauft und die AG Vulcan erhielt den Auftrag, die Kessel- und Turbinenanlage zu liefern. Die erforderlichen Mittel, die das Komitee zur Verstärkung der russischen Flotte durch freiwillige Beiträge zur Verfügung stellte, beliefen sich am Ende auf über 2 Mio. Rubel. Das Boot sollte ursprünglich auch von der AG Vulcan gebaut werden, doch nach heftigen Protesten und intensiver Lobby-Arbeit bekam die Putilow-Werft St. Petersburg den Zuschlag, die brisanterweise ansonsten eng mit der Werft Blohm & Voss Hamburg zusammenarbeitete und die an Putilow auch finanziell beteiligt war.

Da das Boot beim Bau um einiges schwerer wurde, als kalkuliert worden war, erreichte Nowik die volle Konstruktionsgeschwindigkeit nicht. Die AG Vulcan, der dieser Umstand vorenthalten worden war, wurde daraufhin verpflichtet, auf eigene Kosten Nachbesserungen durchzuführen: Mit anderen Schrauben und verlängerten Wasserrohr-Kesseln durchfuhr das Boot im August 1913 mit 37,6 kn die Meile und galt damit als schnellstes Schiff seiner Zeit.[1]

Einsätze bis 1919 und Außerdienststellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nowik
Russische Sonderbriefmarke von 1996

Nach den sehr intensiven Erprobungen, an denen zeitweise Zar Nikolaus II. persönlich teilnahm, wurde die Nowik am 17. September 1913 von der Marine übernommen und der Ersten Kreuzerbrigade in Kronstadt zugeordnet. Die Nowik übernahm zugleich die Funktion eines Führerschiffs der Torpedoboot-Streitkräfte.

1914[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • am 26. August 1914 kurzes Gefecht mit dem deutschen Torpedoboot SMS V 26, welches die Besatzung des bei Odensholm aufgelaufenen Kleinen Kreuzers SMS Magdeburg abgeborgen hatte, das mehrere Treffer erhält
  • am 1. September 1914 kurze Gefechtsberührung mit dem Kreuzer SMS Augsburg
  • am 16. Oktober Minenlegen in der Danziger Bucht
  • am 1. November 1914 Minenlegen vor Memel
  • am 5./6. November 1914 kurzes Gefecht mit dem Kleinen Kreuzer SMS Thetis vor Pillau
  • am 15. November 1914 Minenlegen vor Memel und in der Danziger Bucht
  • am 23./24. November 1914 Minenlegen nördlich der Stolpe-Bank

1915[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • am 2./3. Mai 1915 Minenlegen in der Irbenstraße
  • am 6./7. Mai 1915 Minenlegen vor Libau, dabei kurzes Gefecht mit Kleinen Kreuzer SMS München
  • am 8. Mai 1915 Minenlegen in der Irbenstraße, dabei Sicherung durch Kanonenboote Chrabry und Grosjatschtschi
  • am 28. Juni 1915 Aufklärungsfahrt bis Lyser Ort, dabei kurzes Gefecht mit Kreuzer SMS Lübeck
  • am 1. Juli 1915 Operation gegen deutsche Vorpostenstreitkräfte bei Memel, nach Feststellung der Minenoperation von SMS Albatross zum Abfangen auf diese umdirigiert (siehe: Gotland-Raid)
  • am 9. August 1915 Minenlegen in der beim deutschen Vorstoß in die Rigaer Bucht bereits geräumten Wege in der Irbenstraße
  • am 14. August 1915 zusammen mit den älteren Zerstörern General Kondratenko und Ochotnik kurzes Gefecht mit deutschen Torpedobooten SMS V 191, SMS G 193 und SMS G 194 in der Irbenstraße
  • am 17. August 1915 Gefecht mit dem Großen Torpedoboot SMS V 99, das erheblich beschädigt und in ein Minenfeld gedrängt wurde, wobei es später sank
  • am 27. August 1915 Minenlegen in der Irbenstraße
  • am 10./11. November 1915 Minenlegen mit Großkampfschiffen und Kreuzern südlich der Insel Gotland
  • am 20. November 1915 Überfall auf die deutsche Vorpostenlinie vor Windau, dabei von Nowik deutsches Vorpostenboot Norburg zusammengeschossen

1916[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • am 6. Januar 1916 Minenlegen vor Steinort, später Abschleppen des durch Minentreffer vor Dagerort schwer beschädigten Zerstörers Sabijaka nach Reval
  • am 10. Juni 1916 Versuch mit Pobeditel, Grom und Orfei sowie den Kreuzern Rurik, Oleg und Bogatyr deutsches Lulea-Geleit vor der schwedischen Küste abzufangen
  • am 13. Juni 1916 mit denselben Schiffen und acht älteren Zerstörern der Ukraina-Klasse Bekämpfung eines deutschen Lulea-Geleitzuges, dabei U-Boot-Falle Schiff H zusammengeschossen und später versenkt
  • am 9. Juli 1916 bei Nargen auf Grund gelaufen und von Eisbrecher Pjotr Weliki nach Helsinki eingeschleppt
  • am 12. September 1916 Vorstoß mit Linienschiff Slawa, Kreuzer Diana und sieben Zerstörern gegen deutsche Seestreitkräfte in der Irbenstraße
  • am 10./11. November 1916 vergeblicher Ansatz gegen die nach der Beschießung von Baltischport ablaufende deutsche X. Torpedobootsflottille, die in einem Minenfeld sieben von elf Booten verloren hatte

1917[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • nach der Finnland-Intervention im März und April 1918 Überführung mit der Baltischen Flotte beim Eismarsch von Hangö nach Kronstadt
  • am 9. September 1918 Außerdienststellung und bis 1925 Auflieger im Petrograder Kriegshafen

1919[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Umbenennung in Jakow Swerdlow am 13. Juli 1926 nach dem Revolutionär Jakow Swerdlow
  • Umbau zum Flottillenführer vom 26. September 1925 bis 30. August 1929

Als Jakow Swerdlow ab 1931[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem sich aufgrund der Umstände bis 1929 hinziehenden Umbau zum Flottillenführerboot wurde die Nowik im selben Jahr wieder in Dienst gestellt und der Frunse-Marine-Akademie in Leningrad als Boot zugeordnet. Während einer weiteren großen Werftliegezeit vom 28. November 1937 bis 8. Dezember 1940 erfolgte der Rückbau zum normalen Flottenzerstörer und die anschließende Übernahme in die Baltische Flotte.

Untergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jakow Swerdlow sank am 28. August 1941 um 21.00 Uhr auf der Juminda-Minensperre bei der Evakuierungsfahrt der Flottenbasis Tallinn nach Kronstadt zusammen mit vier anderen Zerstörern und mehreren kleineren Schiffen im Finnischen Meerbusen. An Bord befand sich dabei auch der estnische Regierungschef und Vorsitzende des Rats der Volkskommissare der Estnischen SSR, welche nach der Okkupation durch die Sowjetunion am 21. Juli 1940 proklamiert worden war, Johannes Lauristin, der beim Untergang den Tod fand.

Derivate nach dem Nowik-Design[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Prototyp-Boot Nowik war in seinen Eigenschaften und seinem beträchtlichen Potential so überzeugend, dass es als Grundlage von nicht weniger als 65 geplanten oder realisierten Booten diente, die auch als Nowik-Klasse bezeichnet werden. Dass die verschiedenen Bauwerften den Entwurf nach eigenen Vorstellungen bzw. den ihrer ausländischen Kooperationspartner abwandelten, darf nicht als Verbesserung bestehender Mängel gesehen werden: Denn die Modifizierungen betrafen in erster Linie die von den verschiedenen Werften favorisierten Kessel- und Turbinenanlagen, auf die Patente oder Lizenzen gehalten worden. Geringfügige Größenabweichungen korrespondierten damit und mit den Forderungen der russischen Marine. Für das Potential des Entwurfes spricht, dass im Zweiten Weltkrieg von russischer Seite immer noch 14 Boote als Flottenzerstörer im Seekrieg eingesetzt worden sind und zum Teil bis 1956 noch im aktiven Dienst standen.

Baltische Flotte

Zerstörer Letun der Orfei-Klasse 1916

Schwarzmeerflotte

Zerstörer Frunse ex-Bystry der Schtschastliwy-Klasse

Deutsche Kaiserliche Marine

Deutsche Torpedoboot SMS B 112 der Serie B 97
  • Blohm & Voss baute unter Verwendung der von Russland für die Leitenant-Iljin-Klasse georderten Kessel- und Turbinenanlagen die sechs Großen Torpedoboote B 97, B 98, B 109, B 110, B 111 und B 112
  • desgleichen baute unter denselben Bedingungen die AG Vulcan Stettin die Boote V 99 und V 100
  • die Absicht der Schichau-Werft zum Bau von neun Booten nach Plänen und mit vorhandenen Ausrüstungsteilen der Gogland-Klasse wurden hingegen vom Reichsmarineamt 1915 abgelehnt

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. G. Stepanow, I. F. Zwetkow: Zerstörer «Nowik». Verlag Sudostrojenije, Leningrad 1981. (russ.)
  • P. Lichatschow: Ėskadrennye minonostsy tipa "Novik" v VMF Rossii SSSR. (Zerstörer der «Nowik»-Klasse in der Sowjetischen Marine). Istflot, Samara 2005, ISBN 5-98830-009-X.
  • Harald Fock: Schwarze Gesellen. Band 2 Zerstörer bis 1914. Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford 1981, ISBN 3-7822-0206-6.
  • Harald Fock: Z-vor! Band 1: Internationale Entwicklung und Kriegseinsätze von Zerstörern und Torpedobooten 1914 bis 1939. Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford 1998, ISBN 3-7822-0207-4.
  • Robert Gardiner: Conway's All The World's Fighting Ships 1906–1921. Naval Institute Press, Annapolis/Maryland 1985, ISBN 0-87021-907-3.
  • Hans Mehl: Zerstörer und Torpedoboote. transpress, Verlag für das Verkehrswesen, Berlin 1983
  • Michael J. Whitley: Zerstörer im Zweiten Weltkrieg. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01426-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reclams Universum Weltrundschau. Heft 52. Reclam, Leipzig 1913, S. 449.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]