Nowogard

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Nowogard
Wappen von Nowogard
Nowogard (Polen)
Nowogard
Nowogard
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Goleniów
Fläche: 12,00 km²
Geographische Lage: 53° 40′ N, 15° 7′ OKoordinaten: 53° 40′ 0″ N, 15° 7′ 0″ O
Höhe: 47 m n.p.m.
Einwohner: 16.812
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 72-200
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZGL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: StettinKoszalin
Schienenweg: Bahnstrecke Koszalin–Goleniów
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Sołectwo
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 57 Ortschaften
33 Schulzenämter
Fläche: 339,00 km²
Einwohner: 24.889
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 73 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3204043
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Robert Czapla[2]
Adresse: Pl. Wolności 1
72-200 Nowogard
Webpräsenz: www.nowogard.pl



Nowogard [nɔ'vɔgart] (deutsch Naugard) ist eine Stadt im Powiat Goleniowski in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Sie hat 17.000 Einwohner, die Gemeinde hat 25.000 Einwohner.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nowogard liegt in Hinterpommern und ist von großen Wiesenniederungen und Waldgebieten umgeben. Die Stadt liegt am östlichen Ende des Sees Jezioro Nowogardzkie (Naugarder See). In der Nähe fließt der Rega-Nebenfluss Sąpólna (Zampel) vorbei. Stettin liegt 60 km südwestlich entfernt, zur Ostsee sind es 55 km. Die Stadt liegt an der wichtigen Verbindungsstraße Stettin-Köslin-Danzig. In Goleniów befindet sich der Flughafen der Region 20 km entfernt. Der Ostseefährhafen befindet sich im 75 km entfernten Świnoujście (Swinemünde). Die Stadt hat eine Fläche von 12,5 km², die Gemeinde von 338,7 km²

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notgeld von 1921
Naugard auf einer Landkarte von 1905.
Marienkirche (bis 1945 evangelisch)
Naugard Stadtplan 1880–1920

Der Ort wurde 1248 anlässlich einer Schenkung des Pommernherzogs Barnim I. an das Bistum Cammin erstmals als Nogart erwähnt. Der Name ist pommeranischen (slowinzischen) Ursprungs. Das Grafengeschlecht Eberstein erwarb 1274 die Burg und die Ortschaft Naugard als Lehen der Bischöfe von Kammin. Die Ebersteiner blieben Burgherren und Herren der Grafschaft Eberstein bis zu ihrem Aussterben 1663. Am 30. April 1309 verliehen die regierenden Grafen von Eberstein, dies waren Otto, Hermann und Albert, der Ortschaft Naugard das Stadtrecht nach Lübischem Recht.[3][4] Von der fortschreitenden Entwicklung der Stadt zeugt die die 1334 fertiggestellte Marienkirche. Im Jahre 1348 suchte die Pest Naugard heim.

Mit der Einführung der Reformation in Pommern wurden auch die Bürger Naugards 1534 evangelisch, und die Lehnshoheit ging an die Herzöge von Pommern-Wolgast über. Während des Dreißigjährigen Krieges wütete erneut die Pest in der Stadt, es blieben nur etwa 300 Einwohner, darunter lediglich sieben Ehepaare am Leben. 1665 belehnte der Kurfürst von Brandenburg seinen Statthalter in Pommern Ernst Bogislaw von Croy mit der Grafschaft Naugard. Während des brandenburgisch-schwedischen Krieges (1674–1679) plünderten 1675 schwedische Truppen die Stadt und die Burg. Ein Großbrand zerstörte Naugard im Jahre 1699. 1715 wurde Naugard mit nur 600 Einwohnern preußische Garnisonsstadt.

Im 19. Jahrhundert hielt die Industrialisierung Einzug, es entstanden eine Tuchmacherei, eine Lohgerberei und eine Lederfabrik. Während des Vierten Koalitionskrieges gegen Napoleon verzögerte 1807 Ferdinand von Schill durch die Verteidigung der Stadt den Vormarsch der Franzosen gegen Kolberg (siehe Belagerung Kolbergs 1807). Nach dem Wiener Kongress (1815) wurde Naugard zur Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. In die Burg Everstein kam 1820 nach einem Umbau eine Männer-Strafanstalt, die lange Zeit die einzige in Pommern war.[5] In der ehemaligen Burg befindet sich auch heute noch ein Gefängnis. Nach Fertigstellung der Eisenbahnlinie Altdamm–Kolberg erhielt 1883 Naugard einen Bahnanschluss. Zu dieser Zeit lebten in Naugard etwa 4.800 Menschen. 1892 ernannte Naugard Otto von Bismarck, der in jungen Jahren Gutsherr im pommerschen Kniephof und zeitweilig Kreisdeputierter in Naugard gewesen war, zum Ehrenbürger. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden eine Molkerei, eine Brennerei und eine Stärkefabrik, und eine rege Bautätigkeit setzte ein. Naugard bekam ein Kreiskrankenhaus, Postamt und Landratsamt wurden ebenso errichtet wie ein Gaswerk und ein Umspannwerk. Südlich des Bahnhofes entstand die Wohnsiedlung „Gute Hoffnung“. 1911 bauten sich die Bürger ein neues Rathaus.

Zu den Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs zählte das eigene Notgeld, das die Stadt 1920 herausgab. In den zwanziger Jahren bemühte man sich um den Fremdenverkehr, das Hotel „Fürst Bismarck“ wurde gebaut, die Badeanstalt am nahe gelegenen Dammschen See erneuert, der Reinke-Park angelegt und im Stadtzentrum die modernen Geschäftsstraßen ausgebaut. 1939 hatte Naugard 8.202 Einwohner. Der Zweite Weltkrieg berührte Naugard zunächst kaum. Als sich jedoch im März 1945 die Front auf die Stadt zubewegte, setzte eine Fluchtbewegung der Einwohner ein. Am 4. März 1945 begannen die Kämpfe um die Stadt, die einen Tag später mit der Zerstörung der Innenstadt und der Eroberung durch die Rote Armee endeten. Die von der Sowjetunion eingesetzte Verwaltung der Volksrepublik Polen übernahm auch die Verwaltung Hinterpommerns. Zuwandernde Polen und Ukrainer, die Minderheiten in Gebieten östlich der Curzon-Linie angehört hatten, begannen nun, sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen Bevölkerung zu bemächtigen und die Einwohner zu verdrängen. Die betreffenden Gebiete, aus denen sie kamen, waren im Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919–1921) erobert worden und mussten nach dem Zweiten Weltkrieg an die Sowjetunion abgetreten werden. Angehörige völkischer Minderheiten in diesen Gebieten waren vor die Wahl gestellt worden, entweder eine neue Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder aussiedeln zu müssen. Die Stadt Naugard erhielt den polnischen Namen Nowogard. Die noch in der Stadt verbliebenen deutschen Einwohner hatten sich am 24. Juni 1945 auf dem Marktplatz einzufinden und wurden von den polnischen Behörden ausgewiesen.[6] Die Stadt verlor ihren alten Status als Kreisstadt; heute ist sie dem Powiat Goleniowski zugeordnet, dessen Verwaltungssitz Goleniów innehat.

Rathaus von Nowogard
Vorplatz von St. Marien
Bahnhof Nowogard

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1740: 658[4]
  • 1782: 868, darunter 24 Juden[4]
  • 1794: 998, darunter 23 Juden[4]
  • 1812: 1.126, darunter 13 Katholiken und 31 Juden[4]
  • 1816: 1.277, darunter 13 Katholiken und 35 Juden[4]
  • 1831: 1897, darunter fünf Katholiken und 49 Juden[4]
  • 1843: 2.775 darunter 22 Katholiken und 60 Juden[4]
  • 1852: 2.098, darunter zwei Katholiken und 55 Juden[4]
  • 1861: 4.682, darunter 31 Katholiken und 103 Juden[4]
  • 1875: 4.785[7]
  • 1880: 4.949[7]
  • 1890: 4.872, darunter 66 Katholiken und 107 Juden[7]
  • 1925:6.409, darunter 6.254 Evangelische, 28 Katholiken und 48 Juden[8]
  • 1933: 7.356[7]
  • 1939: 8.202[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die gotische Marienkirche stammt aus dem Jahre 1334 und wurde mehrfach umgebaut. So erhielt der Frontturm erst 1918 das Querdach mit Dachreiter. Im Innern sind der Renaissance-Hochaltar vom Ende des 16. und die frühbarocke Kanzel aus dem 18. Jahrhundert beachtenswert. Nach dem Brand, der am 3. Dezember 2005 das Turmdach zum Einsturz brachte und die Orgel zerstörte, wurde die Kirche aufwendig restauriert. Die angebaute Begräbniskapelle der Grafen von Eberstein ist nicht mehr vorhanden.[9]
  • Aus dem 14. Jahrhundert stammt die Stadtbefestigung, deren Teilstücke der Feldsteinmauer sich südlich des Marktplatzes erhalten haben. Die zwei Stadttore und die Wehrtürme sind nicht erhalten.
  • Am Marktplatz (polnisch Plac Wolności, also Freiheitsplatz) steht das Rathaus – erbaut 1911 in neobarocken Jugendstilformen, daneben steht das polnische Denkmal der Stadtübernahme von 1945.
  • Die zwei größten Eiben Westpommerns befinden sich in der Stadt am Platz des Friedens, sie sind 10 und 12 Meter hoch und rund 700 Jahre alt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Statius (1589–1655), deutscher evangelischer Theologe, Diakon an der Johanneskirche zu Danzig
  • Friedrich Michael Ziegenhagen (1694–1776) deutscher Theologe, lutherischer Hofprediger in London
  • David Cranz (1723–1777), deutscher evangelischer Theologe und Missionar
  • Friedrich Otto Wichmann (1763–nach 1791), deutscher evangelischer Theologe und Schulmann
  • Julius Kosleck (1825–1905), deutscher Musiker und Musikpädagoge
  • Hermann Cuno (1831–1896), deutscher Architekt
  • Albert Heintze (1831–1906), deutscher Philologe
  • Philipp von Bismarck (1844–1894), deutscher Rittergutsbesitzer und Parlamentarier
  • Hans Lutsch (1854–1922), deutscher Kunsthistoriker und Denkmalpfleger
  • Otto Dross (1861–1916), deutscher Schriftsteller und Gymnasiallehrer
  • Paul Manasse (1866–1927), deutscher Laryngologe, Professor in Straßburg und Würzburg
  • Kurt Lüdtke (1898–?), deutscher Politiker (NSDAP)
  • Raban Freiherr von Canstein (1906–2005), deutscher General
  • Horst Rusch (* 1939), deutscher ehemaliger Gewerkschafter (FDGB), zuletzt Vorsitzender des FDGB-Bezirksvorstands Neubrandenburg
  • Udo Timm (1941–2011), deutscher Politiker (DA, CDU), Landtagsabgeordneter in Mecklenburg-Vorpommern
  • Mateusz Zaremba (* 1984), polnischer Handballspieler

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Nowogard zählt auf einer Fläche von 339 km² rund 25.000 Einwohner und gliedert sich neben dem gleichnamigen Hauptort in folgende 33 Schulzenämter (sołectwo):

  • Błotno (Friedrichsberg)
  • Brzozowo (Birkenwalde)
  • Boguszyce (Ottendorf)
  • Czermnica (Rothenfier)
  • Dąbrowa Nowogardzka (Damerow)
  • Długołęka (Langkafel)
  • Glicko (Glietzig)
  • Grabin (Gräwenhagen)
  • Jarchlino (Jarchlin)
  • Karsk (Kartzig)
  • Krasnołęka (Neu Langkafel)
  • Kulice (Külz)
  • Lestkowo (Groß Leistikow)
  • Maszkowo (Maskow)
  • Miętno (Minten)
  • Olchowo (Wolchow)
  • Orzechowo (Düsterbeck)
  • Orzesze (Neu Düsterbeck)
  • Osowo (Wussow)
  • Ostrzyca (Bernhagen)
  • Sąpolnica (Zampelhagen)
  • Sikorki (Zickerke)
  • Słajsino (Schloissin)
  • Strzelewo (Strelowhagen)
  • Szczytniki (Schnittriege)
  • Świerczewo (Schwarzow)
  • Trzechel (Trechel)
  • Wierzbięcin (Farbezin)
  • Wojcieszyn (Eberstein)
  • Wołowiec (Döringshagen)
  • Wyszomierz (Wismar)
  • Żabowo (Groß Sabow)
  • Żabówko (Klein Sabow)

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nowogard ist über die Bahnlinie Stettin-Goleniów-Koszalin zu erreichen. Es gibt täglich, je Richtung, sieben Verbindungen mit modernen Personenzügen. Betreiber der Linie ist die Przewozy Regionalne. Die Landesstraße 6 (Stettin-Danzig) wird zur Schnellstraße umgebaut. Eine Umgehungsstraße wurde 2011 eingeweiht. Zum internationalen Flughafen Stettin-Goleniow sind es 20 km.

Partnergemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnergemeinden sind:[10]

Eine vertragliche Beziehung besteht auch zum Naugarder Kreis e.V. in Deutschland[11].

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Aisführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, Band 1, Stettin 1784, S. 287–291 (Volltext).
  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunde. Berlin 1865, S. 267-269 (Volltext).
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern. Teil II, Band 5, Abt. 2: Enthaltend vom Naugarder Kreise die zweite Hälfte, die allgemeine Übersicht des Stadtkreises Stettin und Ergänzungsblätter betreffend die West-Oder-Kreise des Regierungs-Bezirks Stettin. Anklam 1874, S. 1501–2084 (Volltext)
  • Infobroschüre (auch deutsch) der Stadt Naugard

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nowogard – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Stadt (BIP), Burmistrz Nowogardu, abgerufen am 7. Februar 2015
  3. Stadtprivileg in deutscher Übersetzung in: Die Pommersche Zeitung. Nr. 6/2009, S. 5.
  4. a b c d e f g h i j Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunde. Berlin 1865, S. 267-269.
  5. Mitteilungen aus den amtlichen Berichten über die zum Ministerium des Innern gehörenden Königlich Preußischen Straf- und Gefängnisanstalten betreffend die Jahre 1858, 1859, resp. 1860. Berlin 1861 S. 146 ff..
  6. Die Pommersche Zeitung. Nr. 2/2008, S. 5.
  7. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/naugard.html
  8. http://stadt.naugard.kreis-naugard.de/
  9. Vgl. turystyka.nowogard.pl; abger. am 24. August 2008
  10. Nowogard - Współpraca miast partnerskich [1]
  11. Naugarder Kreis e.V.[2]