Nubischer Sandstein-Aquifer

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Karte der Kufra-Oasen mit den Ländern des Nubischen Aquifers
Die Ounianga-Seen, aufgenommen aus dem All von der internationalen Raumstation ISS
Satellitenaufnahme der Kufra-Oasen mit den künstlich bewässerten Feldern, 2002

Der Nubischer Sandstein-Aquifer (engl. Nubian Sandstone Aquifer) ist ein ausgedehnter Sedimentgesteinskörper im Untergrund der Nubischen Wüste, der ein großes Reservoir mit fossilem Grundwasser beherbergt. Mit einem Volumen von ca. 373.000 km³[1] (dies entspricht ca. 10 % des Volumen des Mittelmeers; die Schätzungen über das Speichervolumen variieren beträchtlich) handelt es sich um einen der weltweit bedeutendsten Grundwasserleiter. Es erstreckt sich, bei einer vertikalen Ausdehnung von 140 bis 230 Metern und einer Tiefenlage von 800 bis 4500 Metern, auf einer Fläche von ca. 150.000 Quadratkilometern über Teile der Staaten Ägypten, Libyen, Sudan und Tschad.[2] Das Alter des im Sandstein befindlichen Grundwassers beträgt mehrere hundert bis mehr als 1 Million Jahre. An einigen Orten erreichen die grundwasserführenden Schichten die Oberfläche und bilden die Seen von Ounianga und die kleinen Seen im Wildtierreservat Fada Archei im nordöstlichen Tschadbecken.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuere Theorien gehen davon aus, dass die fossilen Wasservorkommen Nordost-Afrikas in einer Pluvialzeit entstanden, wobei die Böden das versickerte Wasser speicherten.[2]

Nutzung, Risiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund des vorherrschenden hyperariden Klimas findet in diesem Aquifersystem fast keine Grundwasserneubildung statt; sein Wasserspiegel sank aufgrund der massiven Nutzung in den letzten Jahren um ca. 60 Meter; optimistische Prognosen gehen bei fortdauernder Nutzung im heutigen Stil davon aus, dass der Aquifer in ca. 200 Jahren erschöpft sein wird.[3]

Die Oasen der Westlichen Wüste in Ägypten Bahariya, Farafra, Abu Minkar, Dahkla und Kharga liegen alle in Senken, aus denen bis vor ca. 50 Jahren artesische Quellen sprudelten. Der Bevölkerungsdruck und die Intensivierung der Landwirtschaft bewirkten eine Übernutzung der Quellen, sodass sie schließlich versiegten. So begann das ägyptische Ministerium für Bewässerung, ab 1981 in den Oasen fossiles Grundwasser zu fördern.[4]

In den 1970er Jahren wurden im Gebiet der Kufra-Oasen in Libyen mehrere große Bewässerungsprojekte gestartet, die vor allem durch die künstlich bewässerten Felder in kreisrunder Form bekannt wurden (siehe auch Film Home von Yann Arthus-Bertrand). Das libysche Regime rühmte sich dabei, einen von Menschenhand geschaffenen Fluss zur Bewässerung und Trinkwasserversorgung gebaut zu haben, demgemäß heißt das Projekt auch Großer menschengemachter Fluss-Projekt (Great-Man-Made-River-Projekt, GMMRP oder GMMR).

Das nicht erneuerbare fossile Wasservorkommen wird auch zur Ver- und Entsorgung des Uranabbaus durch den AREVA-Konzern im Niger ausgebeutet.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • W. Aeschbach-Hertig: Physikalische Grundlagen der Klimaarchive Eis und Grundwasser, 7. Datierung von Grundwasser. In: iup.uni-heidelberg.de (PDF; 3,5 MB)

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • [1] www.d-a-g.de, Deutsch-Arabische Gesellschaft, Kristina Bergmann, Abu Minkar, 18. September 2010: Problematische Neulandgewinnung in Ägypten – Fossiles Grundwasser für landwirtschaftliche Projekte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Gehlen: Bewässerung: Sahara-Wasser für Libyens Küste. In: Zeit Online. 27. Dezember 2010, abgerufen am 23. April 2011.
  2. a b badische-zeitung.de, Wissen, 23. April 2011, Henrike Berkefeld: Die Wüste schwimmt (23. April 2011)
  3. badische-zeitung.de, Wissen, 23. April 2011, vajo: Künstliche Oasen dank Urzeitwasser - Traum für 200 Jahre (23. April 2011)
  4. d-a-g.de, Deutsch-Arabische Gesellschaft, Kristina Bergmann: Problematische Neulandgewinnung in Ägypten - Fossiles Grundwasser für landwirtschaftliche Projekte - Gelenkte Migration@1@2Vorlage:Toter Link/www.d-a-g.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (6. Oktober 2010)
  5. dradio.de; Deutschlandfunk, Das Feature, 26. Oktober 2010, Bettina Rühl: Die "saubere" Lösung - Vom Niger und deutschen Atomkraftwerken (26. Oktober 2010)