Nullkuponanleihe

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Eine Nullkuponanleihe (englisch zero-coupon bond, im deutschen Sprachgebrauch auch Zero-Coupon-Anleihe, Zero-Bond oder Zerobond genannt) ist eine Sonderform der Anleihe, bei der keine laufenden Zinsen gezahlt werden.[1] Die Verzinsung über die gesamte Laufzeit wird allein durch den Unterschied zwischen niedrigerem Ausgabekurs und höherem Rückzahlungskurs ausgedrückt. Anders formuliert handelt es sich um eine Anleihe ohne Zinskupons.

Formen der Nullkuponanleihe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Formen sind wichtig:

  • Nullkuponanleihe im klassischen Sinn: Hier wird am Ende der Laufzeit der Nennwert der Anleihe ausbezahlt. Der Ausgabekurs der Anleihe hat dann ein dementsprechend großes Disagio.
  • Zinssammler: Dieser wird zum Nennwert ausgegeben und sammelt dann die Zinsen (entweder feste Zinsen oder dem Marktzinssatz angepasste Zinsen) bis zum Laufzeitende an.

Die Nullkuponanleihe ist gegenüber klassischen, kupontragenden Anleihen weniger verbreitet. Sie wird jedoch oft dazu verwendet, den Garantieteil bei Garantiefonds oder Garantiezertifikaten darzustellen.

Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bewertung der Nullkuponanleihe erfolgt nach folgender Formel:

wobei

  • i = für die Laufzeit der Anleihe zutreffender Marktzinssatz
  • n = Laufzeit gemessen in Perioden

Kauft man eine Nullkuponanleihe z. B. für 50 € (Barwert) und erhält am Ende einer 10-jährigen Laufzeit dafür 100 € (Nennwert), so entspricht dies einer jährlichen Verzinsung von ca. 7 %:

Anlagerisiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da bei einer Nullkuponanleihe während der Laufzeit keinerlei Rückzahlungen erfolgen und somit eine Wiederanlage der Erträge nicht möglich ist, weisen Nullkuponanleihen eine hohe Volatilität auf – ihr Kurs reagiert stärker als der von kupontragenden Anleihen auf Schwankungen des Marktzinssatzes. Anders ausgedrückt: Die Duration einer Nullkuponanleihe entspricht immer genau deren Restlaufzeit und ist damit höher als die Duration einer kupontragenden Anleihe. Damit hat die Nullkuponanleihe eine vergleichsweise hohe Zinssensitivität.

Diese hohe Zinssensitivität kann kritisch sein, wenn ein Anleger ein Papier mit hoher Restlaufzeit veräußern muss und seit dem Kauf die Marktzinsen gestiegen sind.

Steuerliche Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei im Privatvermögen befindlichen Anlagen ist nach dem Steuerrecht der Bundesrepublik Deutschland eine Versteuerung der Erträge erst bei Fälligkeit oder vorherigem Verkauf der Wertpapiere vorzunehmen, so dass die implizite Wiederanlage der rechnerischen Bruttozinserträge erfolgt. Im Betriebsvermögen besteht diese Möglichkeit nicht, soweit der Steuerpflichtige bilanziert.

Andere Rechtsordnungen, wie die USA, besteuern bei Nullkuponanlagen jährlich einen fiktiven Zins.

Bilanzielle Behandlung nach deutschem Handelsrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nullkuponanleihen werden gemäß dem deutschen Handelsrecht zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert. Die zum Bilanzstichtag aufgelaufenen Zinsen erhöhen als Zugang den Wertansatz.[2] Nullkuponanleihen sind Finanzinnovationen und werden daher nach der Emissions- bzw. Marktrendite besteuert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carsten Bentlage: Betriebswirtschaftliche und steuerrechtliche Analyse von Zero-Bonds. Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden 1996, ISBN 3-8244-6301-6 (Zugleich: Halle-Wittenberg, Universität, Dissertation, 1995).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Nullkuponanleihe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Roger Zantow, Josef Dinauer: Finanzwirtschaft des Unternehmens. Die Grundlagen des modernen Finanzmanagements. 4., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München 2016, ISBN 978-3-86894-290-3, S. 251.
  2. Beck'sches Steuerberater-Handbuch. 14, 2013/2014, ISSN 0930-2301, Rn. 456 ff.