Nuraghenkultur

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Kulturenabfolge auf Sardinen
Sardisch-Korsische Typenreihe
Nuraghe La Prisgiona / Nuragendorf bei Arzachena in der Provinz Sassari in der Gallura auf Sardinien

Die Nuraghenkultur auf Sardinien entwickelte sich etwa um 1600 v. Chr. während der Bronzezeit aus der Bonnanaro-Kultur. Sie wurde nach den von ihr errichteten Steintürmen, den Nuraghen, benannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nuraghenkultur wird von Paolo Melis in fünf Haupt- und insgesamt neun Unterphasen eingeteilt:

  • 1a Sa Turricula oder Bonnanaro III oder B
  • 1b San Cosimo oder ceramica metopale
  • 2 Ceramica pettine / grigia
  • 3 Ceramica pregeometrica
  • 4a Geometrico
  • 4b Orientalizzante
  • 4c Arcaico
  • 5a Punico
  • 5b Romano

Sardinien pflegte ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. Beziehungen zum östlichen Mittelmeerraum, wie Funde meist ägäischer Herkunft vor allem im Südosten der Insel zeigen. [1] Zu den frühesten Importfunden zählt das Fragment eines Elfenbeinkopfes einer Kriegerstatuette. Auch mykenische Keramik erreicht Sardinien um diese Zeit. Die frühesten Stück datieren in die Mitte bzw. ins dritte Viertel des 14. Jahrhunderts v. Chr. (Periode SH IIIA2). Während des 13. Jahrhunderts v. Chr. intensivieren sich die Kontakte, speziell zur mykenische Kultur und zu Zypern. Sie setzten sich auch im 12. Jahrhundert v. Chr. fort. Neben originaler mykenischer Keramik fanden sich auch viele lokal hergestellte Gefäßfragmente in mykenisierendem Stil. Kupfer war auf Sardinien begehrt. Beachtlich ist die relativ große Zahl auf Sardinien entdeckter Kupferbarren in Form einer Ochsenhaut (s. Ochsenhautbarren).[2] Sie waren zu dieser Zeit die typische Handelsform für Kupfer im Mittelmeerraum. Ochsenhautbarren wurden auf Zypern produziert. Ungeklärt ist, weshalb sie auf Sardinien eingeführt wurden, da Sardinien ausreichend Kupfervorkommen besaß. Eine Spurenelementanalyse und massenspektrometrische Untersuchung von spätbronzezeitlichen Kupfer- und Bronzefunden aus Sardinien sowie von Kupfererzen erbrachten das Ergebnis, dass sämtliche sardischen Ochsenhautbarren aus Zypern stammen, während die respektablen Kupfer- und Bronzegegenstände der Nuraghenkultur aus einheimischem Kupfer gefertigt sind. Womit die Nuragher im Gegenzug Handel mit Griechenland und Zypern trieben, bleibt offen.

Fremdeinfluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als die mykenische Kultur etwa 1050 v. Chr. endgültig unterging, gewannen die Phönizier die Seeherrschaft im Mittelmeer. Sie errichteten ab 650 v. Chr. (vermutlich mit Einverständnis der Nuragher) Niederlassungen, begannen aber 550 v. Chr. die Insel zu kolonialisieren. Die in Bedrängnis geratenden Nuragher griffen die Nachfolger der Phönizier, die Punier, 509 v. Chr. an und waren gelegentlich auch siegreich. Letztlich erfolgte aber eine großräumige Besetzung durch die Karthager (von den Römern Punier genannt). Zwischen 500 und 238 v. Chr. brachten sie die für sie interessanten Teile, mehrheitlich auf der Westhälfte der Insel gelegen, unter ihre Herrschaft und errichteten mehrere Orte (Bosa, Bythia (Chia), Cagliari, Cornus, Nora, Olbia, Sulki (heute Sant’Antioco) und Tharros). Das führte zu ethnischen und kulturellen Verschmelzungen. Die Nuraghenkultur, die einmalige Bronzefiguren schuf, ging dabei unter.

Die Bautechniken der zeitgleichen Torre-Kultur auf Korsika, der Sesioten auf Pantelleria sowie der Talayot-Kultur auf den Balearen sind vergleichbar mit denen der Nuragher.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nuragher bauten neben den Nuraghen auch Gigantengräber (Madau, Muraguada) und prägten die Spätform der sardischen Felsgräber (Mesu ’e Montes, Molafa, Su Carralzu, Sos Furrighesos). Zwischen 1200 und 900 v. Chr. entstanden Nuraghen-Komplexe wie die Nuraghe Santu Antine, Su Nuraxi in Barumini und Sa Domu ’e s’Orcu. Sie bauten Brunnenheiligtümer (Sa Testa, Santa Cristina, Santa Vittoria, Su Tempiesu etc.). Von 1000 bis 700 v. Chr. wurde die Nuraghenkultur eisenzeitlich. In der Spätphase 900–500 v. Chr. entstanden besonders in der Provinz Nuoro, Nuraghensiedlungen, die eine andere, zum Teil nuraghenlose Form der Kultplatzgestaltung darstellen (Serra Orrios und Tiscali).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Giorgio Stacul (Hrsg.): Arte della Sardegna nuragica (= Biblioteca moderna Mondadori. Bd. 704, ZDB-ID 1008729-1). Mondadori, Mailand 1961.
  • Paolo Melis: Nuraghenkultur. Carlo Delfino editore, Sassari 2003, ISBN 88-7138-276-5.
  • Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit (= Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas. Bd 36). Beier & Beran, Langenweissbach 2003, ISBN 3-930036-70-3.
  • Laura Soro: Sardinien und die mykenische Welt: Die Forschungen der letzten 30 Jahre, in: Fritz Blakolmer u.a. (Hrsg.): Österreichische Forschungen zur Ägäischen Bronzezeit 2009. Akten der Tagung vom 6. bis 7. März 2009 am Fachbereich Altertumswissenschaften der Universität Salzburg, Wien 2011, S. 283-294.
  • Gustau Navarro i Barba: La Cultura Nuràgica de Sardenya (= Col·lecció Sardenya. Bd. 1). Edicions dels A.L.I.LL., Mataró 2010, ISBN 978-84-613-9278-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eine ausführliche Übersicht zu den Importen bietet: Laura Soro: Sardinien und die mykenische Welt: Die Forschungen der letzten 30 Jahre, in: Fritz Blakolmer u.a. (Hrsg.): Österreichische Forschungen zur Ägäischen Bronzezeit 2009. Akten der Tagung vom 6. bis 7. März 2009 am Fachbereich Altertumswissenschaften der Universität Salzburg, Wien 2011, S. 283-294.
  2. Bis zum Jahr 2000 wurden an 26 verschiedenen Orten Sardiniens komplette oder fragmentierte Ochsenhautbarren entdeckt, s. Lucia Vagnetti: Western Mediterranean Overview: Peninsular Italy, Sicily and Sardinia at the time of Sea Peoples. in: Eliezer D. Oren (Hrsg.), The Sea Peoples and Their World. A Reassessment, Philadelphia 2000, S. 313.