Nuran David Calis

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Nuran David Calis (* 1976 in Bielefeld) ist ein deutscher Theater- und Filmautor und -regisseur.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Calis ist Sohn eines armenischen Gießereiarbeiters und einer jüdischen Reinigungskraft, die aus der Türkei immigriert waren. Er wuchs in der Großwohnsiedlung Bielefeld-Baumheide auf, besuchte das Gymnasium und jobbte ab 1992 als Türsteher. Nach dem Abitur 1996 begann er ein Regiestudium an der Münchener Otto-Falckenberg-Schule, das er 2000 abschloss. Während dieser Zeit arbeitete er als Assistent sowohl an den Münchner Kammerspielen als auch am Schauspielhaus Zürich.

Sein erstes Theaterstück Urbanstorys (2005) schrieb Calis zusammen mit Jugendlichen aus Hannover. Sein zweites Theaterstück Dogland (2006) erschien bei Fischer, lief 2005 an den Kammerspielen und sollte am Wiener Burgtheater seine internationale Uraufführung erfahren. Sein drittes Stück Schwarz wurde 2007 in Theater heute besprochen. Einer von uns folgt 2008 an renommierten deutschen Theatern.

2006/2007 arbeitete Calis, der in den Jahren 2000 bis 2002 auch im Bereich Musikvideo und als Schauspieler tätig war, an seinem ersten Kino-Langfilm-Drehbuch Die Augen meiner Mutter (2007), das 2008 unter dem Titel Meine Mutter, mein Bruder und ich! in die Kinos kam.

2007 schrieb Calis eine Neufassung von Frank Wedekinds Frühlings Erwachen, die am Schauspiel Hannover ein großer Erfolg wurde. Dasselbe Stück inszenierte er 2008 am Grillo-Theater und danach am Düsseldorfer Schauspielhaus; die Düsseldorfer Inszenierung erhielt 2009 den Bensheimer Theaterpreis für die beste Ensemble-Leistung. Im Jahr 2009 folgte eine unter seiner Regie entstandene Fernsehfassung für den ZDF-Theaterkanal.

Im Deutschen Theater Berlin wurde 2010 sein Stück Schattenkinder uraufgeführt, eine freie Adaption des Romans Die Kindermörderin des Sturm und Drang-Dichters Heinrich Leopold Wagner.

2010 wurde von der Filmhochschulabsolventin Geraldine Laprell, Nuran David Calis und Marie-Charlotte Grawe die SterntalerFilm GmbH als Independent-Filmproduktion mit Sitz in München gegründet, die Kino- und Dokumentarfilme herstellt.[1]

2016 wurde am Schauspiel Köln Glaubenskämpfer. Religionssuche zwischen Kloster, Moschee und Synagoge uraufgeführt, ein Stück über Glaube und Glaubende, über Christen, Muslime und Juden, über Konvertiten, radikale Fanatiker, Dogmatiker und Gelegenheitsbeter.

Für seine Theaterarbeit wurde Calis mehrfach ausgezeichnet. So wurde er als „Bester Nachwuchs“ für seine Regie von Schillers Die Räuber am Wiener Volkstheater auf der Nestroyverleihung 2006 berücksichtigt und ebenso als Regisseur mit dem Karl-Skraup-Preis ausgezeichnet. 2005 erhielt er das Dramatiker-Stipendium des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. 2017 erhält er den Ludwig-Mülheims-Theaterpreis, mit einem Preisgeld von 25.000 Euro ist er einer der bestdotierten Theaterpreise im deutschsprachigen Raum.

Nuran David Calis lebt in München.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autor

  • 2004 Dog eat Dog, Thalia Theater
  • 2005 Dogland, Theater Bielefeld
  • 2006 Homestories, Schauspiel Essen
  • 2006 Cafe Europa, Schauspiel Essen

Regisseur

  • 2003 Romeo und Julia am Volkstheater München
  • 2005 Urbanstories (auch als Autor), Schauspiel Hannover
  • 2006 Die Räuber am Volkstheater Wien
  • 2007 Frühlingserwachen (Überschreibung), Schauspiel Hannover
  • 2007 Schwarz (auch als Autor), Thalia Theater
  • 2008 Kabale und Liebe am Schauspiel Hannover
  • 2008 Stunde Null (auch als Autor) am Schauspiel Köln
  • 2008 Einer von uns (auch als Autor) am Deutschen Schauspielhaus Hamburg
  • 2009 Krankheit der Jugend (auch die Fassung) im Grillo-Theater Essen
  • 2009 Romeo und Julia (auch die Fassung) am Maxim Gorki Theater
  • 2009Peer Gynt (auch die Fassung) am Staatsschauspiel Dresden
  • 2010 Schattenkinder (auch als Autor) am Deutschen Theater Berlin
  • 2010 Next Generation (auch als Autor) am Schauspielhaus Bochum
  • 2012 Zoff in Chioggia (auch als Autor) am Schauspielhaus Bochum
  • 2012 Der Auftrag / Zone am Staatstheater Stuttgart
  • 2014 Tee im Harem des Archimedes am Deutschen Theater Berlin
  • 2014 Die Jüdin von Toledo am Staatsschauspiel Dresden
  • 2014 Die Lücke am Schauspiel Köln[4]
  • 2015 Baal am Schauspiel Leipzig[5]
  • 2015 Brennpunkt: X am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken
  • 2016 Glaubenskämpfer am Schauspiel Köln
  • 2016 Die vierzig Tage des Musa Dagh am Residenztheater München
  • 2016 Gold bei den Nibelungenfestspielen Worms[6]
  • 2016 Kuffar. Die Gottesleugner am Deutschen Theater Berlin
  • 2017 Istanbul am Schauspiel Köln[7]
  • 2017 Glut bei den Nibelungenfestspielen Worms
  • 2017 Hool am Schauspiel Köln
  • 2018 Die zehn Gebote am Staatsschauspiel Dresden
  • 2018 Angst essen Seele auf am Schauspiel Leipzig
  • 2018 Othello X am Theater Basel[8]
  • 2019 Herero_Nama am Schauspiel Köln[9]
  • 2019 Last Park Standing, Schauspiel Stuttgart
  • 2020 Verhaftung in Granada, Schauspiel Köln[10]
  • 2020 Besuch der alten Dame, Schauspiel Leipzig[11]

Filmografie (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darsteller

Regie

Drehbuch

  • 2008: Meine Mutter, mein Bruder und ich!
  • 2009: Frühlings Erwachen[14]
  • 2013: Woyzeck
  • 2015: Revolution Now![15]
  • 2018: Die Lücke – Der NSU Bombenanschlag von Köln

Produzent

  • 2015: Revolution Now!
  • 2018: Die Lücke – Der NSU-Bombenanschlag von Köln – Dokumentarfilm[16]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2003 Teilnahme an den Autorentheatertagen am Thalia Theater Hamburg mit Dog Eat Dog (Raus aus Baumheide)
  • 2004 Werkstatttage am Burgtheater Wien mit dem Theaterstück Dogland
  • 2005 BDI-Dramatikerpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft
  • 2005 Einladung "Cafe Europa" zu dem Stückemarkt der Berliner Festspielen[17]
  • 2005/2006: Karl-Skraup-Preis (Beste Regie/Bühnenbild)
  • 2006 Nestroy-Theaterpreis (Bester Nachwuchsregisseur) für Die Räuber
  • 2006 Bayerischer Kunstförderpreis in der Sparte Literatur
  • 2009 Bensheimer Theaterpreis für die Beste Ensembleleistung des Düsseldorfer Schauspielhauses für Frühlings Erwachen! (Live fast – die young)
  • 2010 Teilnahme am Fernsehfilmfestival Baden-Baden mit Frühlingserwachen, Nominierung für 3sat-Zuschauerpreis
  • 2013 Einladung "Kinder der Revolution" zu den Berliner Festspielen[18]
  • 2013 Preis der Friedl Wald Stiftung für die Inszenierung "Kinder der Revolution" bei den Berliner Festspielen[19]
  • 2013 Teilnahme am Filmfestival Max Ophüls Preis mit Woyzeck
  • 2013 Einladung von WOYZECK zum World Film Festival Montreal 2013, Sektion Focus On World Cinema
  • 2014 Nominierung Grimme-Preis für Woyzeck
  • 2014 Kurt-Hackenberg-Preis 2014 für politisches Theater für Die Lücke – Ein Stück Keupstraße (Schauspiel Köln)
  • 2015 Einladung "Die Lücke" Autorentheater Tage Deutsches Theater Berlin
  • 2015 Einladung "Die Lücke" Lessing Tage Thalia Theater Hamburg
  • 2015 Teilnahme am Filmfestival Max Öphüls Preis mit Revolution Now!
  • 2016 Förderpreis der Internationalen Bodensee-Konferenz
  • 2016 Einladung "Glaubenskämpfer" Autorentheater Tage Deutsches Theater Berlin
  • 2016 Einladung "Glaubenskämpfer" Lessing Tage Thalia Theater Hamburg
  • 2017 Dramatiker-Preis der BHF-Bank-Stiftung für Kuffar.Die Gottesleugner (UA 12. Dezember 2016 Deutsches Theater Berlin)
  • 2017 Ludwig-Mülheims-Theaterpreis[20]
  • 2019 Nominierung Kurt-Hackenberg-Preis 2019 für politisches Theater für Herero_Nama A History of Violence (Schauspiel Köln)
  • 2020 Jury Präsident deutsch-türkisches Filmfest Nürnberg (Sektion Short Films)
  • 2020 Einladung "Verhaftung in Granada" Autorentheater Tage Deutsches Theater Berlin

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Über uns. Webpräsenz der Sterntalerfilm GmbH. Abgerufen 28. Juni 2018
  2. active value: Der Mond ist unsere Sonne. Abgerufen am 18. November 2020.
  3. "Der Mond ist unsere Sonne" Buchtrailer by SterntalerFim GmbH
  4. Eleonor Benítez, Köln: Jahrestag des Kölner NSU-Anschlags: Anspielen gegen die Beschämung. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 18. November 2020]).
  5. Christine Dössel: Urheberrechtsdebatte im Theater. Abgerufen am 18. November 2020.
  6. Kerstin Holm: Wormser Nibelungen-Festspiele: Komm, mein Schwert, und tanz mit mir für König Gunther. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 18. November 2020]).
  7. Andreas Wilink, DER SPIEGEL: Theater: Nuran David Calis "Istanbul " am Schauspiel Köln - DER SPIEGEL - Kultur. Abgerufen am 18. November 2020.
  8. Egbert Tholl: Mann mit Maske. In: SZ.de. 30. Oktober 2018, abgerufen am 20. März 2021.
  9. Schauspiel Köln - Herero_Nama, Ein Projekt von Nuran David Calis. Abgerufen am 9. Juli 2019.
  10. Christine Dössel: Ein Häftling von vielen. In: SZ.de. 3. März 2020, abgerufen am 20. März 2021.
  11. mdr.de: "Der Besuch der alten Dame" im Schauspiel Leipzig satirisch und sehenswert inszeniert | MDR.DE. Abgerufen am 18. November 2020.
  12. Anke Dürr, DER SPIEGEL: "Frühlings Erwachen" im Fernsehen: Biker und Fighter - DER SPIEGEL - Kultur. Abgerufen am 18. November 2020.
  13. Renate Meinhof: Theaterfilme auf 3Sat und Arte - "Woyzeck" in Berlin. Abgerufen am 18. November 2020.
  14. Frühlings Erwachen. 18. August 2010, abgerufen am 26. März 2019 (deutsch).
  15. SterntalerFilm GmbH – Projekte – Sterntalerfilm GmbH. Abgerufen am 26. März 2019 (deutsch).
  16. "Die Lücke" Dokumentarfilm zu NSU Nagelbombenanschlag 2004 in Köln by SterntalerFilm GmbH
  17. Berliner Festspiele: Theatertreffen Archiv. Abgerufen am 9. November 2020.
  18. Theatertreffen der Jugend 2013 – Magazin. Abgerufen am 9. November 2020 (englisch).
  19. Georg Kasch: Preise beim Theatertreffen der Schauspielstudierenden verliehen. Abgerufen am 9. November 2020 (deutsch).
  20. Nuran David Calis erhält Mülheims-Theaterpreis 2017. Deutschlandfunk, 6. Juli 2017. Abgerufen 7. Juli 2017