Ośno Lubuskie

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Ośno Lubuskie
Wappen von Ośno Lubuskie
Ośno Lubuskie (Polen)
Ośno Lubuskie
Ośno Lubuskie
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Słubice
Fläche: 8,01 km²
Geographische Lage: 52° 27′ N, 14° 52′ OKoordinaten: 52° 27′ 0″ N, 14° 52′ 0″ O
Einwohner: 3855
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 69-220
Telefonvorwahl: (+48) 95
Kfz-Kennzeichen: FSL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 134: Muszkowo–Rzepin–Urad
DW 137: SłubiceMiędzyrzeczTrzciel
Schienenweg: SłubiceMiędzyrzecz–Wierzbno
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 11 Ortschaften
9 Schulzenämter
Fläche: 197,97 km²
Einwohner: 6433
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 32 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0805033
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Stanisław Kozłowski
Adresse: Rynek 1
69-220 Ośno Lubuskie
Webpräsenz: www.osno.pl



Ośno Lubuskie (deutsch Drossen) ist eine Stadt im Powiat Słubicki der polnischen Woiwodschaft Lebus mit etwa 3700 Einwohnern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt 25 Kilometer nordöstlich der Stadt Frankfurt (Oder) an der Lenka (deutsch Lenzebach).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drossen nordöstlich der Stadt Frankfurt an der Oder auf einer Landkarte von 1905
Drossen mit der Jocobikirche um 1900
Gotische Jakobikirche aus dem 13. Jahrhundert

Hauptstadt des Sternberger Landes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Gründung des Ortes gibt es keine genauen Informationen. Sie geschah wahrscheinlich im Zusammenhang mit der 1125 erfolgten Gründung des Bistums Lebus durch Herzog Bolesław III. Schiefmund. Der Marktflecken befand sich an der Stelle, wo die Straßen von der Bischofsstadt Göritz und von Frankfurt über Meseritz nach Posen zusammentrafen, durch den Lenzebach führten und die mit einer Handelsstraße von Schlesien nach Stettin kreuzten. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1252. Zu der Zeit befand sich das Städtchen Osna im Besitz der Lebuser Bischöfe. Schon nach kurzer Zeit erhielt Osna eine Neustadt. 1249 kam Osna in den Besitz des Bischofs von Magdeburg. 1298 erfolgte die Weihe der Jakobikirche, einer dreischiffigen gotischen Hallenkirche.

Im Jahre 1354 gelangte die Stadt, deren Name seit 1375 als Drossen überliefert ist, in den Besitz der Markgrafen von Brandenburg. 1401 ging Drossen, das bis dato ein Lehen war, in das Eigentum der Markgrafen über. Zu dieser Zeit war die Stadt das Zentrum, seit 1369 die Münzstatt und seit 1447 der Verwaltungssitz des Sternberger Landes. Drossen war seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts mit einer Stadtmauer aus Feldsteinen und zwei Stadttoren befestigt und gehörte im 14. und 15. Jahrhundert dem Bund der neumärkischen Städte an. Nachdem der Söldnerführer Herzog Hans II. von Sagan in der Zeit der Glogischen Fehde (1476–1488) auch in Drossen einzufallen versucht hatte, wurde die Stadtmauer 1477 ausgebaut und verstärkt.

Im Jahre 1596 zerstörte ein Stadtbrand auch die Jakobikirche, die bald wieder aufgebaut wurde. Die Drossener Bürger lebten von der Brauerei und die Stadt war ein bedeutendes Zentrum der Tuchmacherei. 1810 wurde die Verwaltung des Sternberger Landes nach Zielenzig verlegt. Mit der Kontinentalsperre von 1815 ging das Tuchmacherhandwerk zu Grunde.

Mit Beginn der Industrialisierung erlangte in Drossen die Möbelfabrikation größere Bedeutung, 1893 entstand die Küchenmöbelfabrik. Die Stadt betrieb seit 1846 im Stadtwald Braunkohlenbergwerke, zu denen später noch eine Brikettfabrik hinzukam. Bedeutsam und einmalig war vor allem die Maiblumenzucht.

Seit 1890 besitzt Drossen einen Eisenbahnanschluss an der Strecke von Reppen nach Meseritz.

Drossen gehörte seit 1818 dem Landkreis Sternberg an und war seit 1852 Kreissitz. Nach der Teilung des Kreises kam die Stadt 1873 zum Landkreis Weststernberg und war dessen Kreisstadt. 1904 verlor Drossen den Kreissitz an Reppen. Im Jahre 1916 wurde Drossen zur Garnisonsstadt.

Am 1. Februar 1945, in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, erfolgte unweit der Stadt ein Angriff sowjetischer Panzer auf einen Eisenbahnzug mit Zivilisten, die die Stadt vor der Besetzung durch die Rote Armee verlassen wollten. Dabei wurden etwa 200 Menschen getötet.

Nach Kriegsende wurde Drossen unter polnische Verwaltung gestellt und in Ośno Lubuskie umbenannt. Die Bevölkerung wurde von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben. Es siedelten sich Polen an, bei denen es sich zum Teil um ehemalige Angehörige polnischer Minderheiten in Gebieten östlich der Curzon-Linie handelte. Diese - vor den Teilungen Polens Ende des XVIII. Jahrhunderts polnischen - Gebiete waren im Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919–1921) wiedererobert worden und mussten nach Ende des Zweiten Weltkriegs an die Sowjetunion abgetreten werden. Angehörige polnischer Minderheiten in diesen Gebieten waren nach Kriegsende vor die Wahl gestellt worden, entweder eine neue Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder aussiedeln zu müssen.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska) Ośno Lubuskie umfasst ein Gebiet von 198 km² mit etwa 6200 Einwohnern. Dazu zählen die Ortschaften (deutsche Namen, amtlich bis 1945):

  • Grabno-Rosławice (Buchholz)
  • Gronów (Grunow)
  • Lubień (Lieben[2])
  • Kochań (Linaberg)
  • Ośno Lubuskie (Drossen)
  • Podośno (Karishöhe[3])
  • Połęcko (Polenzig)
  • Radachów (Radach)
  • Lipienica (Lippenze)
  • Sienno (Seefeld)
  • Smogóry (Schmagorei, 1936–1945 Treuhofen[4])
  • Świniary (Zweinert)
  • Trześniów (Klein Kirschbaum)

Weitere Orte in der Gemeinde sind:

  • Bądecz (Vorwerk Frauenhof)
  • Broczek (Reichsgarten)
  • Ciągliny (An der Werderheide)
  • Grabienko (Buchholzer Mühle)
  • Gronów (Heideberg)
  • Kochań (Linaberg)
  • Kokoszczyn (Drägerslust)
  • Kwaśniewo (Elisabethhöhe)
  • Kwietnica (Waldschlößchen)
  • Lipienica (Lippenze)
  • Lipowiec (Riegesheim)
  • Lubocin (Liebenstein)
  • Maziążki (Hoheneichen)
  • Podgórze (Weinberg)
  • Podosono (Ullrichs Vorwerk)
  • Pokrzywka (Hammermühle)
  • Rosławice (Waidgarten)
  • Rożkowo (Röske's Vorwerk)
  • Rzepiska (Kupferhammer)
  • Smolnik (Schmolling's Abbau)
  • Stary Młyn (Vormühle)
  • Szczawinek (Siegeshof)
  • Szczuka (Hintermühle)
  • Torań (Karlshöhe)
  • Utrata (Walkmühle)
  • Wierzbowiec (Mittelmühle)

Maiblumenstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1879 begann in Drossen der Gärtnermeister Max Friedrich mit der gewerbsmäßigen Zucht von Maiglöckchen. Binnen kurzer Zeit wurde die Drossener Maiblumenzucht, die zwölf Gärtnereibetriebe umfasste, weltbekannt. Neben der Anzucht besonders wirkstoffhaltiger Sorten erfolgte der Export der Drossener Maiglöckchen nicht nur ins europäische Ausland, sondern auch nach Australien und Amerika. Neben der Anzucht der Pflanzen wurde auch die Herstellung von Arzneien und anderen Essenzen aus Maiglöckchen zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor in der Stadt. Der seit 1940 verwendete Ortswerbepoststempel der Stadt war ebenfalls mit einem Maiglöckchen versehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging diese Tradition verloren.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neogotisches Rathaus aus dem 19. Jh.
Internat des ehemaligen Lehrerseminars in der Reppiner Straße, erbaut von Emil Flaminius 1862–1864
  • Ośno Lubuskie besitzt noch die nahezu vollständig erhaltene Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert. Lediglich von beiden Stadttoren (Frankfurter und Zielenziger Tor) sind nur die Fundamente erhalten.
  • Die gotische Jakobikirche wurde von 1248 bis 1298 erbaut, deren Innenausstattung zu einem Großteil aus dem frühen 17. Jahrhundert stammt. Seit 1990 wird die Kirche regotisiert.
  • Das Pfarrhaus birgt eine mittelalterliche Bibliothek, zu deren bedeutendsten Schätzen eine Weltchronik von Hartmann Schedel aus Nürnberg (1494) und das Posener Missal (1505) zählen.
  • Das Rathaus wurde von 1841 bis 1844 nach Plänen des Architekten Emil Flaminius in neogotischem Stil an der Stelle des zuvor abgebrochenen älteren Rathauses von 1544 erbaut.
  • Der 40 ha große Reczynek (Röthsee) nördlich der Stadt ist ein Erholungs- und Badegebiet. Vier Kilometer westlich von Ośno erstreckt sich ein Tal mit sieben Seen auf einer Fläche von 2300 ha.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner[5]
1801 2.905
1880 5.357
1939 5.515
1946 1.194
1970 3.288
2005 3.733

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walther Lietzmann (1880–1959), deutscher Mathematiker
  • Hugo Willich (* 1859 in Radach), deutscher Autor, Musiker und Seminarlehrer
  • Oscar Dörffler (1855–1933), Erfinder des Rollschinkens, Stifter von Sportstätten und Ehrenbürger der Stadt[6]
  • Rudolf Pannwitz (1881–1969), deutscher Dichter
  • Wolfgang Freiherr von Heder (von Héder) (* 1933 in Drossen)

mit der Stadt in Verbindung stehende Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elias Loccelius (1621–1704), brandenburgischer Chronist, war ab 1674 Pfarrer in Drossen.
  • Als Katechet im Drossener Pfarrhaus wirkte zeitweilig der bedeutende Theologe Friedrich Schleiermacher.
  • Der Schriftsteller Hans Fallada arbeitete von November 1923 bis April 1924 in der Getreide- und Kartoffelhandlung Georg Kippferling.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 479–481.
  • Eduard Ludwig Wedekind: Sternbergische Kreis-Chronik. Geschichte der Städte, Flecken, Dörfer, Kolonien, Schlösser etc. dieses Landestheiles von der frühesten Vergangenheit bis auf die Gegenwart. Zielenzig 1855, S. 224–232.
  • Heinz W. Linke: Rittergutsdörfer – Kohlow, Zerbow, Schmagorei, Lieben. Verlag BoD, Norderstedt 2013, ISBN 978-3-8482-6786-6 (eingeschränkte Vorschau).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ośno Lubuskie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Linke (2013), S. 612–657 (eingeschränkte Vorschau)
  3. Website der Gemeinde Ośno Lubuskie, Podośno, abgerufen am 7. August 2013
  4. Linke (2013), S. 327–609 (eingeschränkte Vorschau)
  5. Für 30. Juni 2005; Główny Urząd Statystyczny
  6. Jörg Lüderitz: Erkundungen östlich der Oder. Unterwegs zwischen Frankfurt, Skwierzyna und Żary, 1. Auflage, Berlin: Trescher, 2005, ISBN 3-89794-082-5, S. 47; online über Google-Bücher