OMV

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Dieser Artikel behandelt den österreichischen Erdöl- und Erdgaskonzern OMV Aktiengesellschaft. Für weitere Bedeutungen siehe OMV (Begriffsklärung).
OMV Aktiengesellschaft
Omv logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000743059
Gründung 1956
Sitz Wien, Österreich
Leitung Gerhard Roiss (Vorstandsvorsitzender)
Mitarbeiter 25.501 (31. Dezember 2014)[1]
Umsatz 35,913 Mrd. EUR (2014)[1]
Branche Förderung, Verarbeitung und Vertrieb von Erdöl und Erdgas
Website www.omv.com
Die OMV Zentrale in Wien im Hochhaus „HOCH ZWEI

Die OMV (früher Österreichische Mineralölverwaltung, ÖMV) mit ihrer Zentrale in Wien ist ein integriertes, internationales Öl- und Gasunternehmen mit Aktivitäten im Upstream- (Exploration und Produktion) und Downstream-Bereich (Raffinerien und Marketing sowie Gas und Power).[2]

Mit einem Konzernumsatz von 36 Mrd. EUR, 25.500 Mitarbeitern und einer Marktkapitalisierung von 7 Mrd. EUR (Jahresende 2014) ist die OMV Aktiengesellschaft eines der größten börsennotierten Industrieunternehmen in Österreich.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

1956 entstand die „Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft“ aus der von der sowjetischen Besatzungsmacht kontrollierten „Sowjetischen Mineralölverwaltung“ (SMV).

Vier Jahre später (1960) wurde die Raffinerie Schwechat bei Wien in Betrieb genommen. Im Rahmen des ersten Börsengangs eines verstaatlichten Unternehmens in Österreich wurden Ende 1987 15 % der ÖMV privatisiert. Die OMV stieg 1989 mit 25 % beim dänischen Kunststoffkonzern Borealis ein. Die erste ÖMV-Tankstelle nahm am 26. Juni 1990 ihren Betrieb in Wien-Auhof auf. Im selben Jahr übernahm die „ÖMV“ die Chemie Linz (Holding) Gruppe.

Ende 1994 steigt die International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi mit vorerst 19,6 % beim Konzern ein. 1995 wird der Konzernname von „ÖMV“ in „OMV“ geändert, da der Umlaut „Ö“ in vielen Sprachen unüblich ist. Auch in Osteuropa wächst die OMV: 2000 erwarb das Unternehmen etwa 10 % am ungarischen Mineralölkonzern MOL, 2003 akquirierte die OMV auch die Upstream-Sparte der deutschen Preussag Energie und baute das Tankstellennetz weiter aus.

Zum Marktführer in Mittel- und Osteuropa wurde die OMV 2004 durch den Erwerb von 51 % des rumänischen Öl- und Gaskonzerns Petrom. Im gleichen Jahr erhöht die OMV das Grundkapital, womit erstmals mehr als 50 % der Aktien im Streubesitz sind. Nach dem Verkauf von 50 % der Tochtergesellschaft Agrolinz Melamine International GmbH an die IPIC im Jahre 2005 wurde gemeinsam mit IPIC die Borealis-Gruppe zur Gänze übernommen.

Im folgenden Jahr beteiligte sich die OMV mit 34 % am türkischen Erdölkonzern Petrol Ofisi. Der Einstieg bei Petrol Ofisi war das bisher größte österreichische Investment in der Türkei. Im Mai 2006 kündigen die Vorstände der OMV und des Verbunds an, dass eine Fusion angestrebt werde. Es wurde spekuliert, dass diese Idee eher politisch als wirtschaftlich motiviert wäre. Zuerst schien eine Fusion politisch möglich, letztlich scheiterte sie aber am Widerstand der Landeshauptleute.

2007 erhöhte die OMV die Anteile am ungarischen Mineralölkonzern MOL vorerst auf 20,2 %; nachdem ein Übernahmeangebot im August 2008 von der MOL abgelehnt worden war und die EU-Kommission scharfe Auflagen für eine Genehmigung gemacht hatte, verkaufte die OMV ihre gesamten Anteile im März 2009. Ende 2010 übernahm die OMV den Anteil der Dogan Holding an der Petrol Ofisi und erhöhte ihren Anteil somit auf 95,75 %, Ende 2014 hält die OMV 98,79 %.[3]

Im September 2011 präsentierte die OMV die Strategie „Profitables Wachstum“. Die Eckpfeiler dieser Strategie sind: Wachstum im Upstream-Bereich; Optimierung des Downstream-Bereichs und Verbesserung der Performance im gesamten Konzern.[4]

2012 konnte mit der Domino-1 Bohrung im Neptun Block vor der rumänischen Schwarzmeerküste der bedeutendste Fund des Jahres gemacht werden, der sich als bisher wichtigster Gasfund der OMV herausgestellt hat.[5]

Am 31. Oktober 2013 konnte die Beteiligung an den Öl- und Gasfeldern der norwegischen Statoil in Norwegen und Großbritannien (westlich der Shetlandinseln) erfolgreich abgeschlossen werden. Die sicheren und wahrscheinlichen Reserven werden mit dieser Beteiligung um ca. 320 Mio boe gesteigert werden. Mit 2,65 Mrd. USD stellte dies die größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte dar.[6][7]

Eine Vereinbarung zum Verkauf des 45 %-Anteils an der deutschen Raffinerie Bayernoil wurde im Dezember 2013 unterzeichnet,[2] der Verkauf wurde im Juni 2014 abgeschlossen.[8]

Anfang 2015 wurden die Geschäftsbereiche „Refining & Marketing“ und „Gas & Power“ in einem Geschäftsbereich „Downstream“ zusammengeführt. Der der frühere Geschäftsbereich „Exploration & Production“ wurde umbenannt in „Upstream“. Damit ist die OMV seit Beginn 2015 in die zwei Geschäftsbereiche „Upstream“ und „Downstream“ untergliedert.[4]

In einem Ranking des Forbes Magazine der weltweit größten Aktiengesellschaften aus dem Jahre 2014 liegt die OMV auf Platz 326 und nimmt damit den führenden Platz der österreichischen Unternehmen ein.[9]

Unternehmensdaten[Bearbeiten]

Aktionärsstruktur per Ende 2014[Bearbeiten]

Die Aktionärsstruktur der OMV sieht wie folgt aus:[10]

31,5 % ÖBIB
24,9 % IPIC
0,3 % Eigene Aktien
43,3 % Streubesitz

Geschäftsbereiche[Bearbeiten]

Upstream[Bearbeiten]

Alle Standorte und Aktionen der gesamten OMV weltweit

Der Geschäftsbereich Upstream verfügt über eine starke Basis in Rumänien und Österreich und erweitert kontinuierlich sein internationales Portfolio. Die OMV hatte Ende 2014 rund 1,1 Mrd. boe an sicheren Reserven und förderte 2014 im Schnitt 308 kboe pro Tag. Rund 85 % der Produktion 2014 wurden in EU/OECD-Ländern gefördert. Erdöl und Erdgas trugen jeweils rund 50 % zur Produktion bei.[2]

Downstream[Bearbeiten]

Die OMV-Raffinerie in Schwechat

Der Bereich Downstream Öl betreibt drei Raffinerien: Schwechat (Österreich), Burghausen (Deutschland), die beide über eine integrierte Petrochemie-Produktion verfügen, sowie die Raffinerie Petrobrazi (Rumänien). Die OMV verfügt damit über eine Raffineriekapazität von gesamt 17,4 Mio t im Jahr 2014 (360 kbbl pro Tag). Das Tankstellennetz besteht aus rund 4.100 Tankstellen in 11 Ländern mit einem starken Markenportfolio. Zusammen mit einem hochqualitativen Non-Oil-Retail-Geschäft (VIVA) und einem effizienten Commercial-Geschäft ist die OMV eines der führenden Unternehmen in ihren Märkten.[2]

Der Bereich Downstream Gas ist entlang der gesamten Gaswertschöpfungskette tätig. Das Gasbezugsportfolio von G&P besteht aus Erdgas aus eigenen Produktionsstätten, das durch kontrahierte Volumina ergänzt wird. Die OMV betreibt in Österreich ein Gasleitungsnetz und verfügt darüber hinaus über eigene Gasspeicher mit einer Kapazität von 2,7 Mrd m³ (30 TWh). Die gesamten Erdgas-Verkaufs- und Handelsmengen betrugen im Jahr 2014 486 TWh, davon waren 123 TWh Verkaufsmengen. Der Central European Gas Hub (CEGH) hat sich als wichtige Gashandelsplattform auf den Gaskorridoren von Ost nach West etabliert und betreibt auch eine Gasbörse. Der Erdgasknotenpunkt in Baumgarten ist die größte Drehscheibe für Gas aus Russland in Mitteleuropa. OMV betreibt auch zwei Gaskraftwerke in Rumänien und der Türkei.[2]

Kritik[Bearbeiten]

In der Vergangenheit stand die OMV vor allem wegen ihres Engagements im Sudan in der Kritik.[11][12] Im September 2007[13] hatte die OMV mit der National Iranian Oil Company einen Vorvertrag unterzeichnet, der nach iranischen Medienangaben über 25 Jahre ein Geschäftsvolumen von 22 Milliarden Euro umfassen soll. Während die österreichische Regierung die Vertragsverhandlungen mit der Begründung einer stärkeren Unabhängigkeit von russischen Lieferungen begrüßte,[14] stieß das Vorhaben bei der US-Regierung[15] und bei verschiedenen Organisationen wie z. B. dem Jüdischen Weltkongress auf massive Kritik. Die OMV wurde aufgerufen, auf das Geschäft zu verzichten. Auf entsprechende Proteste vor der Jahreshauptversammlung 2008 entgegnete OMV-Chef Ruttenstorfer, dass noch kein Abschluss des Geschäfts absehbar sei und es darum gehe, mehr Unabhängigkeit der Energieversorgung von russischen Lieferungen zu gewährleisten. Des Weiteren stieß der kostspielige Übernahmeversuch des ungarischen Mitbewerbers MOL auf Kritik auf der Jahreshauptversammlung.[16]

Beteiligungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Borealis AG, Wien (36 %)
  • Gas Connect Austria GmbH, Wien (100 %)
  • OMV Deutschland GmbH, Burghausen (100 %)
  • OMV Exploration & Production GmbH, Wien (100 %)
  • OMV Gas & Power GmbH, Wien (100 %)
  • OMV Petrol Ofisi A.Ş., Istanbul (98,79 %)
  • OMV Petrom SA, Bukarest (51,01 %)
  • OMV Refining & Marketing GmbH, Wien (100 %)
  • OMV Solutions GmbH, Wien (100 %)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b OMV Geschäftsbericht 2014, Lagebericht, S. 56 (PDF; 8,14 MB). Abgerufen am 1. Juni 2015.
  2. a b c d e f OMV Geschäftsbericht 2014, Ziele und Strategie des OMV Konzerns, S. 8 (PDF; 8,14 MB). Abgerufen am 9. April 2015.
  3. OMV Geschäftsbericht 2014, Grundlagen und Methoden, S. 86 (PDF; 8,14 MB). Abgerufen am 9. April 2015.
  4. a b OMV Geschäftsbericht 2014, Ziele und Strategie des OMV Konzerns, S. 9 (PDF; 8,14 MB). Abgerufen am 9. April 2015.
  5. OMV Website, Geschichte Abgerufen am 27. März 2014.
  6. OMV Pressemitteilung OMV einigt sich mit Statoil auf bedeutende Akquisition. Abgerufen am 27. März 2014.
  7. OMV Pressemitteilung OMV schließt Akquisition mit Statoil ab. Abgerufen am 27. März 2014.
  8. OMV Pressemitteilung OMV schließt den Verkauf von Bayernoil ab. Abgerufen am 9. April 2015.
  9. Forbes Website, Global 2000 Leading Companies Abgerufen am 9. April 2015.
  10. OMV Geschäftsbericht 2014, OMV Aktie und Anleihen, S. 39 (PDF; 8,14 MB). Abgerufen am 9. April 2015.
  11. Vgl. Philipp-Stephan Schneider: Engagement Multinationaler Unternehmen in Krisenregionen. Am Beispiel der OMV im Sudan, Diplomarbeit, Universität Wien 2004
  12. taz: Mit blutigen Händen, 10. Juni 2010
  13. Telepolis: Schweizer Energiekonzern unterzeichnet Milliardengeschäft mit Iran, 17. März 2008
  14. Wirtschaftsblatt: Gusenbauer und Schüssel für OMV/Iran-Projekt, 25. April 2007
  15. Reuters: U.S. to discuss OMV's Iran gas deal with Austria, 23. April 2007.
  16. OMV: Erst das Fressen, dann die Moral. In: Die Presse. 14. Mai 2008.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: OMV – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.21366416.414094Koordinaten: 48° 12′ 49″ N, 16° 24′ 51″ O