OMV

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Dieser Artikel behandelt den österreichischen Erdöl- und Erdgaskonzern OMV Aktiengesellschaft. Für weitere Bedeutungen siehe OMV (Begriffsklärung).
OMV Aktiengesellschaft
Omv logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000743059
Gründung 1956
Sitz Wien, Österreich
Leitung Rainer Seele (Vorstandsvorsitzender)
Mitarbeiter 22.544 (2016)[1]
Umsatz 19,26 Mrd. Euro (2016)[1]
Branche Förderung, Verarbeitung und Vertrieb von Erdöl und Erdgas
Website www.omv.com
Das OMV Headoffice in 1020 Wien im Hochhaus „Hoch Zwei

Die OMV (früher Österreichische Mineralölverwaltung, ÖMV) mit ihrer Zentrale in Wien ist ein internationales, integriertes Öl- und Gasunternehmen mit Aktivitäten im Upstream- und Downstream-Bereich.[2]

Mit einem Konzernumsatz von über 19 Mrd. Euro und einem Mitarbeiterstand von rund 22.500 im Jahr 2016 ist die OMV Aktiengesellschaft eines der größten börsennotierten Industrieunternehmen in Österreich.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der OMV beginnt am 3. Juli 1956, als der damalige Firmenwortlaut „Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft“ offiziell ins Handelsregister eingetragen wurde.[3] Aus der von der sowjetischen Besatzungsmacht kontrollierten „Sowjetischen Mineralölverwaltung“ (SMV) entstand damit die „Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft“.

Im Jahr 1960 wurde die Raffinerie Schwechat südöstlich von Wien in Betrieb genommen, 1968 wurde der erste Erdgasliefervertrag mit der damaligen UdSSR abgeschlossen. Im Rahmen des ersten Börsengangs eines verstaatlichten Unternehmens in Österreich wurden Ende 1987 15 % der ÖMV privatisiert. Die ÖMV stieg 1989 mit 25 % beim dänischen Kunststoffkonzern Borealis ein. Die erste ÖMV-Tankstelle nahm am 26. Juni 1990 ihren Betrieb in Wien-Auhof auf. Im selben Jahr übernahm die „ÖMV“ die Chemie Linz (Holding) Gruppe.

Ende 1994 stieg die International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi mit vorerst 19,6 % beim Konzern ein. 1995 wurde der Konzernname von „ÖMV“ in „OMV“ geändert, da der Umlaut „Ö“ in vielen Sprachen unüblich ist. Auch in Osteuropa wuchs die OMV: 2000 erwarb das Unternehmen rund 10 % am ungarischen Mineralölkonzern MOL, 2003 akquirierte die OMV auch die Upstream-Sparte der deutschen Preussag Energie und baute das Tankstellennetz weiter aus.

Zum Marktführer in Mittel- und Osteuropa wurde die OMV 2004 durch den Erwerb von 51 % des rumänischen Öl- und Gaskonzerns Petrom. Im gleichen Jahr erhöht die OMV das Grundkapital, womit erstmals mehr als 50 % der Aktien im Streubesitz sind. Nach dem Verkauf von 50 % der Tochtergesellschaft Agrolinz Melamine International GmbH an die IPIC im Jahre 2005 wurde gemeinsam mit IPIC die Borealis-Gruppe zur Gänze übernommen. Im folgenden Jahr beteiligte sich die OMV mit 34 % am türkischen Erdölkonzern Petrol Ofisi.

Im Mai 2006 kündigten die Vorstände der OMV und der Verbund AG (Elektrizität) an, dass eine Fusion angestrebt werde. Es wurde spekuliert, dass diese Idee eher politisch als wirtschaftlich motiviert wäre. Zuerst schien eine Fusion politisch möglich, letztlich scheiterte sie aber am Widerstand der Landeshauptleute.

2007 erhöhte die OMV die Anteile am ungarischen Mineralölkonzern MOL vorerst auf 20,2 %; nachdem ein Übernahmeangebot im August 2008 von der MOL abgelehnt worden war und die EU-Kommission scharfe Auflagen für eine Genehmigung gemacht hatte, verkaufte die OMV ihre gesamten Anteile im März 2009.

Ende 2010 übernahm die OMV den Anteil der Dogan-Holding an der Petrol Ofisi und erhöhte ihren Anteil somit auf 95,75 %.

2012 konnte mit der Domino-1-Bohrung im Neptun-Block vor der rumänischen Schwarzmeerküste der bedeutendste Fund des Jahres gemacht werden, der sich als bisher wichtigster Gasfund der OMV herausgestellt hat.[4]

Am 31. Oktober 2013 hat die OMV Verhandlungen über eine Beteiligung an den Öl- und Gasfeldern der norwegischen Statoil in Norwegen und Großbritannien (westlich der Shetlandinseln) erfolgreich abgeschlossen. Mit 2,65 Mrd. USD stellte dies die größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte dar.[5]

Im Dezember 2013 wurde eine Vereinbarung zum Verkauf des 45 %-Anteils an der deutschen Raffinerie Bayernoil an die Varo Energy unterzeichnet, der Verkauf wurde im Juni 2014 abgeschlossen.[6]

2015 erhöhte die OMV ihre Beteiligung an der Petrol Ofisi auf 100 %. Im Jahr 2017 hat sie das Unternehmen an die Vitol Gruppe verkauft.[7]

Vorstandsvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

weitere Vorstandsmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsichtsratsvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmensdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktionärsstruktur per Ende 2016[11]

31,5 % ÖBIB
24,9 % IPIC
0,3 % Eigene Aktien
0,4 % Mitarbeiteraktienprogramm
43,3 % Streubesitz

Geschäftsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Upstream[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

OMV Upstream Portfolio 2017

Im Geschäftsbereich Upstream konzentriert sich OMV auf die Exploration, Entwicklung und Produktion von Öl und Gas in vier Kernregionen: In 1) Mittel- und Osteuropa, 2) der Nordsee, 3) im Mittleren Osten und Afrika und (4) Russland. Ende 2016 war OMV Upstream weltweit in 15 Ländern aktiv und hatte sichere Reserven (1P) von 1,03 Mrd. boe sowie sichere und wahrscheinliche Reserven (2P) von 1,7 Mrd boe. Die Reserven-Ersatzrate belief sich 2016 auf 101 %. Die Tagesproduktion lag bei 311 kboe/d, was einer Gesamtproduktion von 113,8 Mio boe entspricht. Rund 90 % der Produktion 2016 wurden in EU/OECD-Ländern gefördert. Erdöl und Erdgas trugen jeweils rund 50 % zur Produktion bei.[12]

Downstream[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

OMV Downstream Oil Portfolio
OMV Downstream Gas Portfolio

Der Bereich Downstream Öl betreibt drei Raffinerien: Schwechat (Österreich), Burghausen (Deutschland), die beide über eine integrierte Petrochemie-Produktion verfügen, sowie die Raffinerie Petrobrazi (Rumänien), die überwiegend rumänisches Rohöl verarbeitet. Die OMV verfügt damit über eine Raffineriekapazität von gesamt 17,5 Mio t im Jahr 2016. Das Tankstellennetz besteht aus über 2.000 Tankstellen in 10 Ländern mit einem starken Markenportfolio. Zusammen mit dem Non-Oil-Retail-Geschäft (VIVA) und dem Commercial-Geschäft ist die OMV eines der führenden Unternehmen in ihren Märkten.[12] In Downstream Gas lagen die Erdgas-Verkaufsmengen 2016 bei 109 TWh. Die OMV betreibt ein Gasleitungsnetz in Österreich und verfügt über eigene Gasspeicher mit einer Kapazität von 2,7 Mrd m³ (30 TWh). Der Central European Gas Hub (CEGH) ist eine etablierte Gashandelsplattform. Der Erdgasknotenpunkt Baumgarten (Österreich) ist die größte Drehscheibe für russischens Gas in Mitteleuropa. OMV betreibt auch zwei Gaskraftwerke, eines in Rumänien und eines der Türkei.[12]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Vergangenheit stand die OMV vor allem wegen ihres Engagements im Sudan in der Kritik.[13][14] Im September 2007[15] hatte die OMV mit der National Iranian Oil Company einen Vorvertrag unterzeichnet, der nach iranischen Medienangaben über 25 Jahre ein Geschäftsvolumen von 22 Milliarden Euro umfassen soll. Während die österreichische Regierung die Vertragsverhandlungen mit der Begründung einer stärkeren Unabhängigkeit von russischen Lieferungen begrüßte,[16] stieß das Vorhaben bei der US-Regierung[17] und bei verschiedenen Organisationen wie z. B. dem Jüdischen Weltkongress auf massive Kritik. Die OMV wurde aufgerufen, auf das Geschäft zu verzichten. Auf entsprechende Proteste vor der Jahreshauptversammlung 2008 entgegnete OMV-Chef Ruttenstorfer, dass noch kein Abschluss des Geschäfts absehbar sei und es darum gehe, mehr Unabhängigkeit der Energieversorgung von russischen Lieferungen zu gewährleisten. Des Weiteren stieß der kostspielige Übernahmeversuch des ungarischen Mitbewerbers MOL auf Kritik auf der Jahreshauptversammlung.[18]

Beteiligungen (Auswahl)[19][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b OMV Geschäftsbericht 2016, Fünf-Jahres-Übersicht, U2. Abgerufen am 7. April 2017.
  2. a b OMV Geschäftsbericht 2016, OMV im Überblick, S. 50. Abgerufen am 7. April 2017.
  3. 60 Jahre und kein bisschen leise: OMVs bewegte Geschichte Abgerufen am 4. Juli 2016.
  4. OMV Presseaussendung, ExxonMobil / OMV Petrom: Tiefwasser Gasfund vor der Rumänischen Schwarzmeerküste. Abgerufen am 7. April 2017.
  5. OMV Presseaussendung, OMV schließt Akquisition mit Statoil ab. Abgerufen am 7. April 2017.
  6. OMV Presseaussendung, OMV: Downstream Umstrukturierung auf Kurs. Abgerufen am 7. April 2017.
  7. OMV Presseaussendung, OMV verkauft die 100%ige Tochtergesellschaft OMV Petrol Ofisi an die Vitol Gruppe. Abgerufen am 7. April 2017.
  8. Salzburger Nachrichten: Ära Roiss bei der OMV geht zu Ende - Seele ab Mittwoch Chef. Artikel vom 30. Juni 2015, abgerufen am 26. September 2017.
  9. Kurier: Peter Löscher wird OMV-Aufsichtsrats­chef. Artikel vom 7. April 2016, abgerufen am 26. September 2017.
  10. Der OMV Aufsichtsrat. Abgerufen am 26. September 2017.
  11. OMV Geschäftsbericht 2016, OMV an den Kapitalmärkten, S. 46. Abgerufen am 7. April 2017.
  12. a b c OMV Geschäftsbericht 2016, OMV im Überblick, S. 50. Abgerufen am 7. April 2017.
  13. Vgl. Philipp-Stephan Schneider: Engagement Multinationaler Unternehmen in Krisenregionen. Am Beispiel der OMV im Sudan, Diplomarbeit, Universität Wien 2004
  14. taz: Mit blutigen Händen, 10. Juni 2010
  15. Telepolis: Schweizer Energiekonzern unterzeichnet Milliardengeschäft mit Iran, 17. März 2008
  16. Wirtschaftsblatt: Gusenbauer und Schüssel für OMV/Iran-Projekt (Memento vom 10. Juni 2015 im Internet Archive), 25. April 2007
  17. Reuters: U.S. to discuss OMV's Iran gas deal with Austria, 23. April 2007.
  18. OMV: Erst das Fressen, dann die Moral. In: Die Presse. 14. Mai 2008.
  19. OMV Geschäftsbericht 2016, Direkte und indirekte Beteiligungen der OMV Aktiengesellschaft, S. 209ff. Abgerufen am 7. April 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: OMV – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 12′ 49″ N, 16° 24′ 51″ O