O Tannenbaum

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Die erste Strophe, gesungen vom Chor der U.S. Army Band (deutsch/englisch)
Tanne im Winter

Das Lied O Tannenbaum[1] gehört zu den bekanntesten Weihnachtsliedern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handschrift von Ernst Anschütz (1824)

O Tannenbaum geht auf ein Lied aus dem 16. Jahrhundert zurück, das 1615 von Melchior Franck in einem Quodlibet zitiert wurde und zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch als schlesisches Volkslied verbreitet war. Ludwig Erk und Franz Magnus Böhme geben im Deutschen Liederhort mit dem Lied Es hing ein Stallknecht seinen Zaum eine noch ältere Quelle an.[2] In diesem Lied war bereits zwischen 1550 und 1580 die folgende Strophe enthalten:

O Tanne, du bist ein edler Zweig,
Du grünest Winter und die liebe Sommerzeit
Wenn alle Bäume dürre sein
So grünest du, edles Tannenbäumelein

Auf dieselben Vorlagen geht auch das Volkslied O Tannenbaum, du trägst ein’ grünen Zweig zurück, das mit seiner heute bekannten Melodie seit Anfang des 19. Jahrhunderts aus Westfalen überliefert ist.

August Zarnack (1777–1827) schrieb in Anlehnung an dieses Lied 1819 O Tannenbaum als tragisches Liebeslied, in dem der beständige Tannenbaum als sinnbildlicher Gegensatz zu einer untreuen Geliebten benutzt wird. Dieses Lied, in dessen zweiter Strophe „O Mägdelein, o Mägdelein, wie falsch ist dein Gemüte“ gesungen wird, ist heute noch im Allgemeinen Deutschen Kommersbuch zu finden. Zum Weihnachtslied wurde es, nachdem der Leipziger Lehrer Ernst Anschütz 1824 die erste Strophe beibehielt und die restlichen drei durch zwei andere ersetzte, in denen nur noch vom Baum die Rede ist.[3] Das Aufstellen von Tannen als Weihnachtsbäumen war inzwischen ein Brauch zum Fest geworden. Die zweite Zeile des Liedes hieß ursprünglich „Wie treu sind deine Blätter“, da das Liebeslied einen Kontrast zwischen der Treue des Baumes und der Untreue der Geliebten bildete. Auch in Anschütz’ Weihnachtslied blieb das zuerst unverändert, jedoch wurde der Text „Wie grün sind deine Blätter“ im 20. Jahrhundert besser bekannt.[4]

Die Melodie ist eine seit dem 16. Jahrhundert bekannte Volksweise, die unter anderem als Es lebe hoch der Zimmermannsgeselle schon vor 1799 gesungen wurde und ebenfalls als Studentenlied Lauriger Horatius populär war.

Wegen der Bekanntheit des Liedes und der relativen Einfachheit der Melodie wurden oft andere Texte zu der Melodie gedichtet. Bekannt wurde zum Beispiel nach der Abdankung von Kaiser Wilhelm II. 1918 eine Version mit Zeilen wie „O Tannenbaum … der Kaiser hat in’ Sack gehaun, er kauft sich einen Henkelmann und fängt bei Krupp in Essen an.“ Bekannt sind auch die Schülervariante „O Tannenbaum … der Lehrer hat mich blau gehaun, o Tannenbaum … dafür schiff' ich ihm an den Zaun“ und die Fassung, die die kindliche Furcht vor dem Weihnachtsmann in Spott verwandelt „O Tannenbaum … der Weihnachtsmann will Äpfel klau'n; er zieht sich die Pantoffeln an, damit er besser schleichen kann.“

Von O Tannenbaum existieren Liedtexte in vielen anderen Sprachen. Ein Lied der Internationalen Arbeiterbewegung namens Die Rote Fahne, die Hymne des US-amerikanischen Bundesstaates Maryland, Maryland, My Maryland und das Sinnbildslied von Nankai-Gymnasium und -Universität (Tianjin, VR China) verwenden diese Melodie. Der Fangesang „We’ll keep the blue flag flying high“ des englischen Fußballvereins FC Chelsea wird zu dieser Melodie gesungen.

Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstveröffentlichung im Musikalischen Schulgesangbuch 1824 Erstveröffentlichung im Musikalischen Schulgesangbuch 1824
Erstveröffentlichung im Musikalischen Schulgesangbuch 1824

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
wie treu[Anm. 1] sind deine Blätter.
Du grünst nicht nur zur Sommerzeit,
nein auch im Winter, wenn es schneit:
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
wie treu sind deine Blätter!

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
du kannst mir sehr gefallen!
Wie oft hat nicht zur Weihnachtszeit
ein Baum von dir mich hoch erfreut!
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
du kannst mir sehr gefallen!

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
dein Kleid will mich was lehren!
Die Hoffnung und Beständigkeit
gibt Trost und Kraft zu jeder Zeit!
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
dein Kleid will mich was lehren![5]

Melodie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


<<
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    \autoBeamOff
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    a8 g a b4 e, g f r8
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    c,8 f8. f16 f4. g8 a8. a16 a4.
    a8 g a b4 e, g f r8
    \bar "|."
  }
  \addlyrics {
    O Tan -- nen -- baum, o Tan -- nen -- baum,
    wie treu sind dei -- ne Blät -- ter.
    Du grünst nicht nur zur Som -- mer -- zeit,
    nein, auch im Win -- ter, wenn es schneit:
    O Tan -- nen -- baum, o Tan -- nen -- baum,
    wie treu sind dei -- ne Blät -- ter!
  }
>>

dreistimmiger Satz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lied in 3-stimmigem Satz

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: O Tannenbaum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: O Tannenbaum (Zarnack) – Quellen und Volltexte

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. auch: grün

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vor allem im westfälischen Raum auch als "O Tannebaum"
  2. Ludwig Erk, Franz Magnus Böhme (Hrsg.): Deutscher Liederhort. Band 1. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1893 (Nachdruck: Olms, Hildesheim 1963), S. 545–548 (Digitalisat).
  3. Ernst Anschütz: Musikalisches Schulgesangbuch. Heft 1. Reclam, Leipzig 1824, S. 134 f. (Digitalisat der Herzog August Bibliothek).
  4. Tobias Widmaier: O Tannenbaum (2007). In: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon des Deutschen Volksliedarchivs
  5. tagesspiegel: O Tannenbaum – Der Originaltext aufgerufen am 1. Oktober 2016