Oannes

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Oannes ist nach Berossos die babylonische Bezeichnung eines Mischwesens aus Fisch und Mensch.

Außer einem Fischkopf soll Oannes ein Menschenhaupt, zusätzlich zu einem Fisch-Schwanz menschliche Füße und eine menschliche Stimme gehabt haben. Oannes gilt als Kulturbringer. Er entstieg morgens dem Meer und lehrte die Menschen Kulturtechniken wie die Schrift, Wissenschaft und Künste, außerdem die Baukunst und den Ackerbau. Während Oannes unter den Menschen weilte, nahm er keine Nahrung zu sich, abends begab er sich wieder ins Meer.[1]

Deutungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Friedrich Creuzer sieht Oannes in einer Entwicklungslinie vom indischen Vishnu, der in einer seiner Wandlungen als Fisch die Veden zurückbringt, hin zum römischen Gott Janus, der keine Tiergestalt mehr hat, aber zwei Gesichter.[1] Baring-Gould setzte Oannes mit dem philistinisch-syrischen Dagon gleich und hielt ihn für eine Sonnengottheit, die morgens auf der Erde erscheint und abends im Meer versinkt; dazu passend die Doppelgestalt: halb Fisch, halb Mensch.[2] Auch eine Gleichsetzung mit Ea wurde erwogen, lässt sich aber laut Borger nicht halten[3].

Eine Gleichsetzung mit dem sumerischen Menschen-Fisch Mischwesen kulullu U-An(na) (akkadisch Um-Anu) mit dem Beinamen Adapa[4], der mit anderen seiner Art aus dem Meer gekommen war, um den Menschen die Kultur zu bringen, gilt dagegen als wahrscheinlich[3].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Georg Friedrich Creuzer 1812, S. 59-60 bei google books
  2. Sabine Baring-Gould: Curious myths of the Middle Ages. London 1877, S. 494 online
  3. a b Rykle Borger, Die Beschwörungsserie Bīt mēseri und die Himmelfahrt Henochs. Journal of Near Eastern Studies 33/2, 1974, 186
  4. Lambert, Archiv für Orientforschung 19, 1959-60, 64