Oberölsbach

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Oberölsbach
Koordinaten: 49° 21′ 28″ N, 11° 25′ 40″ O
Höhe: 400 m ü. NHN
Einwohner: 182 (31. Dez. 2015)
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 92348
Vorwahl: 09189
Oberölsbach an der Staatsstraße 2240
Oberölsbach an der Staatsstraße 2240

Oberölsbach ist ein Gemeindeteil der bayerischen Gemeinde Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz im Oberpfälzer Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt im Oberpfälzer Jura auf circa 400 m NHN etwa 500 m nordöstlich des ehemaligen Ludwig-Donau-Main-Kanals und circa 4 km nördlich des Gemeindesitzes. Im Süden und Westen des Ortes fließt die Schwarzach vorbei.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1308 und 1309 erscheint „Elspach“ in Nürnberger Urkunden.[1] „Elspach, das obere und untere Dorf“, gehörte ursprünglich den Schweppermännern, dann den Tanloher/Tanlacher. Ulrich Tanlacher verkaufte 1406 fünf Güter an die Frickenhofer. Beide Dörfer waren Lehen der Herren von Leinberth/Leinberg (1356 urkundlich erwähnt)[2], dann der Herren von Abensberg, die die Höfe von Elspach den Huttern zu Nürnberg zu Lehen gaben. Den Huttern folgten als Besitzer die Gugel/Guggel von Nürnberg. 1653 wurden die eingezogenen Lehengüter schließlich an Bauern verliehen.[3] Im Landshuter Erbfolgekrieg (1504/05) wurde die Mühle von Oberölsbach abgebrochen und in Neumarkt wieder aufgebaut.[4] Laut einem Verzeichnis der Stadt Nürnberg hatte die Reichsstadt im 16. Jahrhundert zwei Untertanen in „Obern-Elspach“.[5]

Als im Dreißigjährigen Krieg 1639 die herzogliche Regierung von Amberg von den ihr unterstellten Ämtern Berichte über die Belegungsfähigkeit in den einzelnen Orten für das Winterquartier von Truppen anforderte, führte das Amt Haimburg, zu dem Oberölsbach gehörte, nur vier Höfe von „Oberesbach“ auf, gleichviele wie in „Unteresbach“; die Mehrheit der Höfe beider Orte lag wohl öd.[6] 1652 wurde die 1544 erwähnte, im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Papiermühle des Ortes wiedererrichtet; sie wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer Mahlmühle umgebaut und war bis 1932 in Betrieb.[7] Der letzte Papierfabrikant auf der Mühle hieß Willibald Mittelstraßer. 1702 wurden die Filialen Ober- und Unterölsbach von der katholischen Pfarrei Sindlbach abgetrennt und mit der Pfarrei Gnadenberg vereinigt.[8]

Gegen Ende des Alten Reiches, um 1800, bestand Oberölsbach aus 20 Höfen, die hoch- und niedergerichtlich dem Pflegamt Haimburg unterstanden, das zuletzt in Personalunion mit dem Pflegamt Pfaffenhofen geführt wurde. Es handelte sich um einen ganzen Hof, auf dem der Hintersasse Möderer saß, die fünf Halbhöfe der Hintersassen Kreiß, Brandl, Brandl, Weiß und Mittlstraßer, fünf Viertelhöfe und neun Achtelhöfe.[9]

Im neuen Königreich Bayern (1806) wurde der Steuerdistrikt Oberölsbach, bei der Gemeindebildung um 1810/20 die Ruralgemeinde Oberölsbach gebildet, die neben Oberölsbach noch Reichenholz, Unterölsbach, Gnadenberg, den Irleshof und die Klostermühle umfasste. Diese Gemeinde war zunächst dem Landgericht Pfaffenhofen, dann bei dessen Auflösung dem Landgericht Kastl im Bezirksamt Velburg unterstellt.[10] 1833 wird das Dorf Oberölsbach folgendermaßen beschrieben: „22 H[äuser], 1 Capelle, 12 Branntweinbrennereyen, 1 Wirthshaus.“[11] 1837 wurden im Zuge des Baus des Ludwig-Donau-Main-Kanals die anstehenden Erdarbeiten zwischen Neumarkt und Oberölsbach im Landgericht Neumarkt versteigert.[12]

1937 ist eine Kapelle bei Oberölsbach zur Heiligsten Dreifaltigkeit erwähnt, die der Familie Bayer gehörte.[13] 1950 erhielt der 1949 gegründete Sportclub Oberölsbach einen Sportplatz, 1978/80 eine Turnhalle. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die circa 770 ha große Gemeinde Oberölsbach aufgelöst; sämtliche Gemeindeteile wurden zum am 1. Mai 1978 nach Berg eingemeindet. Letzter Bürgermeister der Gemeinde war von 1972 bis 1978 Ernst Wurm.[14]

Oberölsbach von der Autobahnunterführung aus, links die ehemalige Papiermühle

Einwohnerentwicklung des Ortes Oberölsbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1836: 142 (22 Häuser/Höfe)[15]
  • 1864: 175 (61 Gebäude)[16]
  • 1900: 143 (31 Wohngebäude, 1 Kapelle)[17]
  • 1961: 160 (37 Wohngebäude)[19]
  • 1987: 179 (54 Wohngebäude, 61 Wohnungen)[20]

Einwohnerentwicklung der Gemeinde Oberölsbach (6 Orte)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1836: 492 (73 Häuser/Höfe)[22]
  • 1864: 561 (185 Gebäude)[23]
  • 1900: 442 (87 Wohngebäude; Viehbestand: 20 Pferde, 309 Stück Rindvieh, 374 Schweine, 30 Ziegen)[24]
  • 1961 (letzte Zählung vor der Eingemeindung nach Berg): 602 (119 Wohngebäude)[26]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Steinbildstock, 18./19. Jahrhundert[27]
  • Ehemalige Papiermühle, die sog. Kürzingermühle, im Kern aus dem 17. Jahrhundert stammend.
  • Abschnitt des Ludwig-Donau-Main-Kanals

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Kürzinger, Professor Dr. theol., * 20. Februar 1898 in Oberölsbach (Kastenbauer Hof), † 1. Februar 1984 in Eichstätt[28]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freiwillige Feuerwehr Oberölsbach
  • Jugend-Rotkreuz-Gruppe Oberölsbach
  • SC Oberölsbach (SCO), gegründet 1949[29]
  • Schützenverein „Klosterberg“ Oberölsbach

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberölsbach liegt an der Ausfahrt 91 der Bundesautobahn A3. Durch den Ort führt die Staatsstraße 2240, von der innerorts in östliche Richtung die Kreisstraße NM 8 abzweigt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Heinloth: Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Heft 16: Neumarkt. Kommission für Bayrische Landesgeschichte, München 1967.
  • Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. I. Band, Eichstätt: Brönner & Däntler, 1937, II. Band, 1938.
  • Friedrich von Hößle: Die Papiermühle Oberölsbach. In: Papier-Zeitung, 45 (1920), Nr. 100, S. 3731 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nürnberger Jahrbücher, 2. Heft, 2. Abteilung, Nürnberg 1835, S. 177, 182
  2. Repertorium des topographischen Atlasblattes. Ansbach. 1833, S. 95
  3. Johann Nepomuk von Löwenthal: Geschichte des Schultheißenamts und der Stadt Neumarkt auf dem Nordgau oder in der heutigen oberen Pfalz, München: Zwingl’sche Schriften, 1805, S. 46 f.
  4. Armin Gugau: Untersuchungen zum Landshuter Erbfolgekrieg von 1504/1505. Die Schäden und ihre Behebung, München 2015, S. 156
  5. Ab-Druck deren zwischen Burgermeister und ... der Churfürstlichen Durchleucht ... 1651 zu Nürnberg gewechselter Schrifft..., Nürnberg: Michael Endter, 1656, S. 116
  6. Verhandlungen des historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg, 84 (1934), S. 136
  7. Kurt Romstöck (Text) und Alfons Dürr (Zeichnungen): Die Mühlen im Landkreis Neumarkt i. d. Opf., Neumarkt i. d. Opf. 2004, S. 74; Viktor Thiel: Papiererzeugung und Papierhandel in den deutschen Landen von den ältesten Zeiten bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, Köln/Weimar 1932, S. 118
  8. Buchner I, S. 372
  9. Heinloth, S. 303
  10. Heinloth, S. 327
  11. Repertorium, S. 23
  12. Augsburger Postzeitung, Nr. 251 vom 16. Dezember 1836
  13. Buchner I, S. 379
  14. [1] Info-Tafel der Gemeinde Berg
  15. Th. D. Popp (Hg.): Matrikel des Bissthumes Eichstätt, Eichstätt: Ph. Brönner, 1836, S. 68
  16. Joseph Heyberger: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon, München 1867, Sp. 792
  17. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern... [nach dem Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dez. 1900], München 1904, Sp. 873
  18. Buchner I, S. 377
  19. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961, München 1964, Sp. 551
  20. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987, München 1991, S. 257
  21. Stand: 31. Dezember 2015; Mitteilungsblatt Gemeinde Berg vom Februar 2016, S. 8
  22. Popp, S. 68, 141
  23. Heyberger, Sp. 792
  24. Ortschaften-Verzeichnis 1904, Sp. 872
  25. Buchner I, S. 377, II, S. 515
  26. Amtliches Ortsverzeichnis 1964, Sp. 551
  27. Sixtus Lampl und Otto Braasch: Denkmäler in Bayern, Band III: Oberpfalz. Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Geländedenkmäler, München: R. Oldenbourg Verlag, 1986, S. 337
  28. Romstöck/Dürr, S. 74
  29. [2] Chronik des SC Oberölsbach

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oberölsbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien