Ober-Bessingen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 50° 32′ 19″ N, 8° 54′ 10″ O

Ober-Bessingen
Stadt Lich
Höhe: 186 m ü. NHN
Fläche: 4,2 km²[1]
Einwohner: 563 (Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 134 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35423
Vorwahl: 06404
Ober-Bessingen im Winter

Ober-Bessingen im Winter

Blick auf Ober-Bessingen

Ober-Bessingen ist einer von neun Stadtteilen der Stadt Lich und ist rund 7 km östlich der Kernstadt an der Wetter gelegen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Hässels gelegene Hügelgräber legen eine Siedlung schon in der Bronzezeit nahe. Die älteste urkundliche Erwähnung Ober-Bessingens stammt aus dem Jahr 1260; in ihr gestatten die Lehnsherren Reinhard und Adelheid von Hanau den Verkauf eines Gutshofes an das Zisterzienserkloster Haina. Später ging es in den Besitz des Hauses Solms-Lich über, die Vogtei wurde zu einem gelegentlichen Spielball bei Erbauseinandersetzungen. Aus der Flurbezeichnung Schloßgärten kann das Vorhandensein einer kleinen Burg bzw. eines Schlösschens vermutet werden, es könnte sich dabei um den in Urkunden erwähnten Münzenbergischen Hof gehandelt haben.

Die „Pforte“

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Ober-Bessingen mit Kontributionen und Abgaben gepresst, Vieh wurde beschlagnahmt. Weiteres Leid brachte das Pestjahr 1635. 1675 kam es zu einem verheerenden Brand, dem 63 Häuser zum Opfer fielen, darunter auch das Torhaus. Nach den Schrecken der Napoleonischen Kriege erfolgte ab 1815 eine Ablösung von den landesherrlichen Lasten. Außer der Landwirtschaft gab vielen Höfen in den Wintermonaten die Leineweberei ein zusätzliches Einkommen; bis 1877 gab es zudem im Ort eine Papiermühle, lange Zeit auch Basaltsteinbrüche.

1907 ging die Wasserleitung in Betrieb, 1921 erfolgte die Elektrifizierung, seit 1973 ist Ober-Bessingen kanalisiert. Durch einen großen Zuzug von Flüchtlingen vor allem aus dem Sudetenland erhöhte sich nach 1945 die Einwohnerzahl von Ober-Bessingen beachtlich.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Ober-Bessingen am 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Lich eingegliedert.[3]

Schulgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorfgemeinschaftshaus

Am 7. Februar 1703 gestattete Moritz von Solms dem Ort eine eigene Schule. Das bis 1971 genutzte Schulhaus stammt von 1881, es konnte mittlerweile als Dorfgemeinschaftshaus umgebaut und 1985 eingeweiht werden, da ab der Eingemeindung nach Lich auch die Beschulung der Kinder in den Licher Schulen erfolgte. Im Jahr 2002 wurde das Dorfgemeinschaftshaus um eine Bühne erweitert.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ie folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Ober-Bessingen unterstand im Überblick:[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1830: 405 evangelische Einwohner
  • 1885: 403 Einwohner
  • 1910: 355 Einwohner
  • 1925: 385 Einwohner
  • 1933: 391 Einwohner
  • 1939: 366 Einwohner
  • 1950: 540 Einwohner
  • 1961: 459 (397 evangelische, 62 römisch-katholische) Einwohner. Erwerbspersonen: 132 Land- und Forstwirtsch., 92 Prod. Gewerbe, 12 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 19 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1970: 475 Einwohner[7]
  • 1988: 482 Einwohner[8]
  • 2010: 597 Einwohner[9]
Ober-Bessingen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
414
1840
  
430
1846
  
441
1852
  
441
1858
  
434
1864
  
426
1871
  
395
1875
  
403
1885
  
403
1895
  
387
1905
  
349
1910
  
355
1925
  
385
1939
  
366
1946
  
547
1950
  
540
1956
  
476
1961
  
459
1967
  
469
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Im Jahr 1961 wurden die folgenden Erwerbspersonen gezählt: 132 in Land- und Forstwirtschaft; 92 im produzierenden Gewerbe; 12 in Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung; 19 im Dienstleistungsbereich oder sonstigen Gewerbe.[1]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche

Kultur- und Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Ober-Bessinger Pforte wurde als Torhaus errichtet und bildete ursprünglich das Ende der Hauptstraße. Nach den Aufzeichnungen des Bürgermeisters Rühl hat bereits im Jahr 1593 an gleicher Stelle eine Pforte gestanden, welche jedoch bei der Brandkatastrophe 1675 niederbrannte. Das heutige Torhaus, dessen Torweg durch die beiden Untergeschosse hindurch führt, stammt aus dem Jahr 1782. Auf dem schiefergedeckten Walmdach sitzt ein zweigeschossiges Türmchen mit einer Uhr. Bis in das Jahr 1990 hinein war das dritte Geschoss bewohnt. Über die Jahrhunderte fungierte die Pforte als Rathaus, Schule und Spritzenhaus.
  • „Eichbaum“: Am Sedanstag 1913 wurde aus Anlass der hundertjährigen Wiederkehr der Völkerschlacht bei Leipzig ein Eichbaum gepflanzt, der heute noch steht. Seit dem 75. Geburtstag der Eiche im Jahr 1988 wird alljährlich am letzten Samstag im August ein Eichbaumfest gefeiert, dessen Erlös sozialen Einrichtungen zugutekommt. Seit 1999 veranstaltet die Eichbaumgruppe außerdem einen Seniorennachmittag für alle Einwohner Ober-Bessingens ab dem 65. Lebensjahr. Mit den Einnahmen des Eichbaumfests wurde in Ober-Bessingen bisher u.a. eine Weihnachtsbeleuchtung für die Pforte und ein Taufbecken für die evangelische Kirche finanziert.
  • Evangelische Kirche Ober-Bessingen“: Einschiffige gotische Kirche mit drei Kreuzgewölbejochen und Chor sowie einer zu Beginn des 16. Jahrhunderts angefügten Seitenkapelle mit Kreuzrippengewölbe.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Ober-Bessingen, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 7. Oktober 2016)
  2. Steckbrief der Stadt Lich, abgerufen im Juli 2016.
  3. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 303.
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 22 (google.de).
  6. Neuste Länder und Völkerkunde, Band 22, S. 424, Weimar 1821
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 364.
  8. Heimatbuch der Stadt Lich, Stadtverwaltung Lich
  9. Stadt Lich

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Kandel, Hans Schnorr: Ober-Bessingen. In: Licher Heimatbuch. Die Kernstadt und ihre Stadtteile. Bearbeitet von Paul Görlich, herausgegeben vom Magistrat der Stadt Lich 1989.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]