Ober-Ohmen

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Ober-Ohmen
Gemeinde Mücke
Koordinaten: 50° 36′ 54″ N, 9° 6′ 45″ O
Höhe: 318 (312–334) m ü. NHN
Fläche: 9,09 km²[1]
Einwohner: 675 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 74 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35325
Vorwahl: 06400

Ober-Ohmen ist ein Ortsteil der Gemeinde Mücke im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Der Ort liegt am Fuße des Vogelsbergs an der Ohm. Durch den Ort führt die Landesstraße 3073.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste gesicherte Erwähnung des Dorf erfolgte 1241 unter dem Namen superiori Amene im Urkundenbuch des Klosters Arnsburg. Bei älteren Erwähnungen (um 780 bis 1008) kann nicht mit Sicherheit entschieden werden, ob sie sich auf Ober- oder Nieder-Ohmen beziehen.[1]

Im 15. Jahrhundert verfügte der Ort über die Blutgerichtsbarkeit. Man konnte also sogar Todesurteile fällen und auch vollstrecken. Im 16. Jahrhundert lebten die meisten Einwohner vom Messerschmiedehandwerk. Schon 1570 wird eine Schule im Dorf genannt.

Während des Interims war Georg Rupel Pfarrer in Ober-Ohmen. 1552 musste er in einem Täuferprozess aussagen. Damals sagte er, dass er ungefähr 29 Jahre alt sei und seit vier Jahren "zu Ohm" Pfarrer sei.[3] In der Reformation wurden Kirchengüter zur Besoldung von Lehrern umgewandelt.

Am 31. Dezember 1971 wurde Ober-Ohmen im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Gemeinde Mücke eingegliedert.[4]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Ober-Ohmen unterstand im Überblick:[1][5]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Ober-Ohmen das „Patrimonialgericht der Freiherren Riedesel zu Eisenbach“ in Ober-Ohmen zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfalle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtum Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. 1821 traten die Freiherren Riedesel zu Eisenbach ihre Recht am Gericht Ober-Ohmen an das Großherzogtum Hessen ab. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1822 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Ober-Ohmen zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[8]

Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Ober-Ohmen wurde dem Amtsgericht Alsfeld zugelegt.[9] In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche in Ober-Ohmen

Das Schiff der Kirche zu Ober-Ohmen wurde wegen Baufälligkeit gegen Ende des 18. Jahrhunderts abgerissen und erneuert. Der in seinen Anfängen aus romanischer Zeit stammende wuchtige ehemalige Chorturm ist seitdem von der neuen Saalkirche getrennt - man ließ ihn als Glockenturm stehen.

In diesem Turm befinden sich Reste von Wandmalereien, die wohl im 14. Jahrhundert, also in gotischer Zeit, entstanden sind. Sie gehören zu den ältesten ihrer Art im Vogelsberg, sind aber nur teilweise freigelegt. An der Nordwand erkennt man die hl. Elisabeth bei der Speisung eines Bettlers, mitten im Bild ein Apostelkreuz und oberhalb eine stilisierte Lilie.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den öffentlichen Personennahverkehr stellt die Buslinie VB-75 der Verkehrsgesellschaft Oberhessen her.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Ober-Ohmen, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 11. Oktober 2017)
  2. „Daten und Fakten“ im Internetauftritt der Gemeinde Mücke
  3. Ludwig Baur, Reformationsbuch der evangelischen Pfarreien des Großherzogthums Hessen. = Hessische Volksbücher 31-36. Friedberg 1917, S. 355 f.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 346.
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 195 (online bei HathiTrust’s digital library).
  7. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 8 (online bei Google Books).
  8. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879 (Hess. Reg.Blatt S. 197–211)
  9. Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 12. Februar 1968 (GVBl. I S. 41–44)