Oberaudorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Oberaudorf
Oberaudorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Oberaudorf hervorgehoben

Koordinaten: 47° 39′ N, 12° 10′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Rosenheim
Höhe: 479 m ü. NHN
Fläche: 59,3 km2
Einwohner: 5252 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 89 Einwohner je km2
Postleitzahl: 83080
Vorwahl: 08033
Kfz-Kennzeichen: RO, AIB, WS
Gemeindeschlüssel: 09 1 87 157
Gemeindegliederung: 38 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kufsteiner Straße 6
83080 Oberaudorf
Website: rathaus.oberaudorf.de
Erster Bürgermeister: Matthias Bernhardt (FWO)
Lage der Gemeinde Oberaudorf im Landkreis Rosenheim
Chiemsee (Gemeinde)Chiemsee (Gemeinde)ChiemseeÖsterreichLandkreis AltöttingLandkreis EbersbergLandkreis ErdingLandkreis MiesbachLandkreis MünchenLandkreis Mühldorf am InnLandkreis TraunsteinRosenheimRotter Forst-SüdRotter Forst-NordAlbachingAmerangAschau im ChiemgauBabenshamBad AiblingBad EndorfBad FeilnbachBernau am ChiemseeBrannenburgBreitbrunn am ChiemseeBruckmühlEdlingEggstättEiselfingFeldkirchen-WesterhamFlintsbach am InnFrasdorfGriesstättGroßkarolinenfeldGstadt am ChiemseeHalfingHöslwangKiefersfeldenKolbermoorNeubeuernNußdorf am InnOberaudorfPfaffing (Landkreis Rosenheim)Prien am ChiemseePruttingRamerbergRaublingRiederingRimstingRohrdorf (am Inn)Rott am InnSamerbergSchechenSchonstettSöchtenauSoyenStephanskirchenTuntenhausenVogtareuthWasserburg am InnKarte
Über dieses Bild

Oberaudorf ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Rosenheim und ein staatlich anerkannter Luftkurort.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in den Bayerischen Voralpen und dem bayerischen Teil des Unterinntals. Oberaudorf und Niederaudorf sind durch den Lauf des westlichen Inn-Zuflusses Auerbach getrennt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Oberaudorf hat 38 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[3]

Es gibt die Gemarkungen Niederaudorf und Oberaudorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Unsere Liebe Frau
Filialkirche St. Michael in Niederaudorf

Besiedlungsspuren in der Gemarkung Audorf reichen zurück bis in die Bronzezeit. Erstmals erwähnt wird der Ort im Jahr 780 als Urdorf[4] in einer Schenkungsurkunde an das Hochstift Freising. Den bayerischen Herzögen gelang es, die Herren im Mangfallgau, die Grafen von Falkenstein, ab 1244 aus ihren Besitzungen und Herrschaften zu verdrängen und ihre eigene Herrschaft im Inntal auszubauen. Erstmals erwähnt wird die über Oberaudorf liegende Auerburg im Wittelsbacher Hausvertrag von Pavia 1329. Um 1350 wurde die Auerburg schon als Gericht und Amtssitz eines Pflegers genannt. Seit dem 15. Jahrhundert wurde der Gerichtsbezirk in die Hauptmannschaften Kiefersfelden, Nieder- und Oberaudorf sowie Fischbach gegliedert. Nach dem Landshuter Erbfolgekrieg (1503–1505) gingen die Gerichte Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg an die Habsburger verloren. Die Auerburg war von nun an Grenzveste zu Tirol und wurde entsprechend nochmals verstärkt. Im österreichischen Erbfolgekrieg eroberten österreichische Truppen am 4. Mai 1743 Oberaudorf und die Auerburg. Nach dem Frieden von Füssen 1745 wurde die Festung 1747 durch Kitzbüheler Bergknappen geschleift. Die Napoleonische Zeit brachte zwar zahlreiche Truppendurchmärsche, aber kein Kampfgeschehen im Ort. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstanden mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinden Ober- und Niederaudorf.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1848 kam es durch die Aufhebung des Obereigentums und der Patrimonialgerichte zu Umwälzungen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Ort als Sommerfrische durch erste Urlaubsgäste entdeckt. 1857 erfolgte der Anschluss an die neue Bahnstrecke Rosenheim–Kufstein. 1868 wurde das bisherige katholische Vikariat eigene Pfarrei. Große Brände 1823 und 1857 führten zu reger Bautätigkeit. Der Ort war noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges durch Fliegerangriffe betroffen, da sich die Wehrmacht hier noch mit letzter Kraft den amerikanischen Soldaten stellte. 1988 bis 1992 entstand am Inn das Kraftwerk Oberaudorf-Ebbs.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung der Gemeinden Oberaudorf und Niederaudorf entschied sich in einer Volksbefragung am 22. November 1970 für einen Zusammenschluss der Gemeinden, der am 1. April 1971 erfolgte. Ein Teil der Gemeinde Niederaudorf wurde in die Gemeinde Flintsbach am Inn umgegliedert.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 4475 auf 5264 um 789 Einwohner bzw. um 17,6 %.

Jahr 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015
Einwohner 3571 4373 4704 4816 4692 4768 4948 5033

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahlen in Bayern 2020|Gemeinderatswahl am 15. März 2020 führte zu folgendem Ergebnis:[6]

Partei Sitze Stimmenanteil
CSU 6 30,7 %
Grüne 3 15,0 %
SPD 1 3,1 %
Bayernpartei 1 4,6 %
Freie Wählerschaft Oberaudorf 9 46,7 %
Wahlbeteiligung: 64,5 %

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Bürgermeister ist Matthias Bernhardt (Freie Wählerschaft Oberaudorf).[7] Dieser setzte sich bei den Kommunalwahlen am 15. März 2020 mit 68,1 % der Stimmen gegen zwei Mitbewerber durch. Aufgrund einer Vakanz des Ersten Bürgermeisterpostens trat Bernhardt sein Amt bereits am 1. April und nicht am 1. Mai 2020 an.[8] Er ist Amtsnachfolger von Hubert Wildgruber (CSU, Bürgermeister von 2002 bis 2020), der aus gesundheitlichen Gründen 2020 nicht mehr zur Wahl gestanden war. Wildgruber hatte im Jahr 2002 die Nachfolge von Alois Brunner (CSU) angetreten.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen Gde. Oberaudorf
Blasonierung: „In Blau auf goldenem Dreiberg stehend ein flugbereiter, rot bewehrter goldener Falke mit rotem Halsband.“[9]
Wappenbegründung: Das Wappen wurde im Jahr 1921 vom Staatsministerium des Inneren verliehen und knüpft an die frühe Ortsgeschichte an. Der Falke war das redende Schildbild der um 1272 erloschenen Grafschaft von Falkenstein.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weber an der Wand
Bäckerei am Dorfplatz

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 gab es nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 10, im produzierenden Gewerbe 137 und im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe 450 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 635 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1686. Im Bauhauptgewerbe gab es 10 Betriebe. Im Jahr 2016 gab es zudem 54 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von insgesamt 1529 ha; davon waren 42 ha Ackerfläche und 1483 ha Dauergrünfläche.

Freizeit und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptort ist ein bedeutender Kurort und eine wichtige Tourismusdestination. Dieser bietet neben einem umfangreichen Wander-, Rad- und Tourenwegenetz eine Skisprungschanze, Rodelbahnen, eine Sesselbahn, Langlaufloipen und Skilifte (mit beschneiten Pisten) und im Sommer durch umliegende Seen mit Beachvolleyplatz sowie dem Strandbad Luegsteinsee mit Riesenwasserrutsche und dem Wildwasser Auerbach vielfältige Möglichkeiten für Erholung und Freizeitgestaltung. Das neu gestaltete Freizeitgebiet Hocheck hat auch eine alpine Sommerrodelbahn. Am Hocheck ist im Winter die größte Flutlichtanlage Deutschlands für Skifahrer oder Snowboarder in Betrieb. Auch die dortige Rodelbahn ist abends beleuchtet.

Im Jahr 2017 verbrachten 75.411 Gäste insgesamt 215.669 Nächte in Oberaudorf.[10]

Zwischen 1999 und 2011 bestand die Möglichkeit, von Mai bis Oktober mit einem Fahrgastschiff auf dem Inn von Oberaudorf über Niederndorf, Ebbs, Kiefersfelden bis nach Kufstein zu fahren.[11]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gemeindeteil Tatzelwurm wird jährlich eine Naturrodelbahn errichtet, auf der auch Deutsche und Bayrische Meisterschaften im Naturbahnrodeln ausgetragen werden. Mit der Kahlanger-Schanze befindet sich eine ehemals auch für internationale Springen genutzte Normalschanze im Ort. Die ebenfalls vorhandenen Hocheckschanzen werden noch heute für Kinder- und Jugendtrainings genutzt.

Sender Oberaudorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur besseren Versorgung des unteren Inntals von Brannenburg bis zur Staatsgrenze wurde ein Füllsender auf dem Schweinberg errichtet.[12] Dieser strahlt folgende Radiostationen aus:

Frequenz 
[MHz]
Programm RDS PS RDS PI Regionalisierung ERP 
[kW]
Antennendiagramm
rund (ND)/gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/vertikal (V)
94,6 Antenne Bayern ANTENNE D318 0,3 D H
104,2 Radio Charivari Rosenheim CHARI DC1B Rosenheim (Land) 0,3 D H

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen:

  • Kindergärten: Drei Einrichtungen mit insgesamt 350 Plätzen, 284 Kinder werden betreut und gefördert. (Stand 2018)
  • Schulen: drei Grund- sowie Mittel-/Hauptschulen mit 15 Lehrern und 226 Schülern.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Oberaudorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Oberaudorf – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genesis Online-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Statistik Tabelle 12411-001 Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Amtliches Verzeichnis der anerkannten Kurorte, Luftkurorte und Erholungsorte in Bayern
  3. Gemeinde Oberaudorf in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 25. Mai 2021.
  4. Gemeinde Oberaudorf: Geschichtliche Entwicklung. Aufgerufen am 24. Februar 2017.
  5. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 561.
  6. Bayerisches Landesamt für Statistik: Ergebnis der Gemeinderatswahlen 2020 – Oberaudorf
  7. Bürgermeister. Gemeinde Oberaudorf, abgerufen am 29. September 2020.
  8. Matthias Bernhardt vor Amtsantritt: Vom Professor zum Bürgermeister in Oberaudorf. OVB online, 16. März 2020.
  9. Eintrag zum Wappen von Oberaudorf in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  10. Talfahrt bei der Aufenthaltsdauer gestoppt. OVB online, 13. Februar 2018, abgerufen am 13. Februar 2018.
  11. Innschifffahrt endgültig eingestellt. ORF.at, 9. Dezember 2011, abgerufen am 13. Februar 2018.
  12. Bild des Senders Oberaudorf auf der Seite von Heinz Schulz, Frankfurt am Main.
  13. Stationsdatenbank der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, Bahnhof Oberaudorf