Oberbözberg

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Oberbözberg
Wappen von Oberbözberg
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Brugg
Gemeinde: Bözbergi2
Postleitzahl: 5225
Koordinaten: 654125 / 26112047.4986058.156954540Koordinaten: 47° 29′ 55″ N, 8° 9′ 25″ O; CH1903: 654125 / 261120
Höhe: 540 m ü. M.
Fläche: 5.37 km²
Einwohner: 505 (31. Dezember 2012)
Einwohnerdichte: 94 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 7,9 % (31. Dezember 2014)[1]
Website: www.oberboezberg.ch
Karte
Oberbözberg (Schweiz)
Oberbözberg
www
Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2013

Oberbözberg (schweizerdeutsch: ˈɔbər.bœts.bɛrg) ist ein Dorf im Bezirk Brugg des Schweizer Kantons Aargau. Es war bis Ende 2012 eine selbständige Einwohnergemeinde und ging am 1. Januar 2013 in der neuen Gemeinde Bözberg auf.

Geographie[Bearbeiten]

Oberbözberg liegt rund vier Kilometer westnordwestlich des Bezirkshauptorts sowie etwa zweieinhalb Kilometer nordöstlich der Bözberg-Passhöhe auf einem Hochplateau am Südrand des Tafeljuras. Im Süden des ehemaligen Gemeindegebiets liegen die zwei Siedlungen Oberbözberg und Bächlen, die zu einem Strassendorf zusammengewachsen sind. Rund einen Kilometer nördlich davon, durch die Hügel Binzacher (598 m ü. M.) und Leigrueb (557 m ü. M.) getrennt, liegt im Lochmatttal der Weiler Überthal (456 m ü. M.). Daneben gibt es zahlreiche verstreut liegende Einzelhöfe. Im Nordwesten steigt das Gelände zur Letzi (643 m ü. M.) an, im Osten fällt die Ebene zum Ital ab, das sich in Richtung Remigen erstreckt.[2]

Die Fläche des ehemaligen Gemeindegebiets betrug 545 Hektaren, davon sind 240 Hektaren mit Wald bedeckt und 26 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt lag auf 643 Metern auf der Letzi, der tiefste auf 402 Metern im Ital. Nachbargemeinden waren Mönthal und Remigen im Norden, Riniken im Osten, Unterbözberg im Süden sowie Effingen im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Häuser in Oberbözberg

Bereits zur Zeit der Römer wurde der Bözberg als Passübergang zwischen Augusta Raurica und Vindonissa benutzt. Die Römerstrasse verlief damals etwas weiter nördlich als die heutige Hauptstrasse, von Effingen über Oberbözberg nach Stilli, wo sie auf die Strasse nach Vindonissa (Windisch) traf. Im 5. oder 6. Jahrhundert liessen sich die Alamannen nieder und gründeten mehrere Streusiedlungen. Eine dieser Siedlungen wurde unmittelbar an der Römerstrasse errichtet, woraus sich später Oberbözberg entwickelte. Im Jahr 1189 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung von Bozeberch, als Papst Clemens III. Eigentum des Klosters Muri bestätigte. Der Ortsname stammt vom lateinischen (ad montem) Vocetum, wobei Vocetum auf das keltische Wort Voceton zurückgeht, das mit Wald oder Gehölz übersetzt werden kann.[3]

Im Mittelalter begannen die Habsburger, ihren Herrschaftsbereich auch auf den Bözberg auszudehnen. Im 13. Jahrhundert fassten sie ihre Besitzungen in dieser Gegend im Gericht Bözberg zusammen. Dazu gehörten neben den Ober- und Unterbözberg auch Lauffohr, Linn, Mönthal, Rein, Remigen, Riniken, Rüfenach, Stilli und Villigen. In diesen Dörfern übten die Habsburger die hohe Gerichtsbarkeit aus, in Mönthal, Remigen und Villigen auch die niedere Gerichtsbarkeit. Das Gericht wechselte ab 1348 durch Verpfändung mehrmals den Besitzer und kam 1377 schliesslich zur Herrschaft Schenkenberg.

Die Stadt Bern besetzte 1460 die Herrschaft militärisch und fügte sie als neues Amt Schenkenberg den übrigen Untertanengebieten im Berner Aargau zu. 1528 führten die Berner die Reformation ein. 1566 erfolgte die Aufteilung des Gerichtsbezirks in einen oberen Bezirk mit Bözberg und Linn sowie in einen unteren Bezirk mit den übrigen Dörfern. 1779 entstand eine neue Bözberg-Passstrasse mit einer weiter südlichen verlaufenden Streckenführung. Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Der Bözberg gehört seither zum Kanton Aargau.

Nach der Mediation von 1803 war Bözberg die grösste Gemeinde des Bezirks Brugg. Doch sie hatte kein eigentliches Zentrum und die einzelnen Siedlungen lagen zum Teil kilometerweit voneinander entfernt. Im 19. Jahrhundert gab es mehrere Versuche, die Gemeinde aufzuteilen, wobei die Initiative stets von Oberbözberg ausging, das sich vernachlässigt fühlte. Vier Gesuche in den Jahren 1826, 1836, 1858 und 1870 scheiterten am Widerstand der Kantonsbehörden, 1858 war sogar eine Aufteilung in drei Gemeinden vorgesehen. Am 24. September 1872 war der fünfte Anlauf erfolgreich, als das Kantonsparlament die Teilung in zwei Gemeinden beschloss.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts blieb Oberbözberg eine reine Bauerngemeinde. Zwischen 1880 und 1950 nahm die Bevölkerungszahl um über 20 Prozent ab. Mit dem Ausbau der nahe gelegenen Bözbergstrasse wandelte sich Oberbözberg allmählich zu einer leicht erreichbaren Wohngemeinde und die Bevölkerungszahl begann wieder leicht zu steigen. Eine rege Bautätigkeit in den 1990er Jahren führte zu einer Zunahme um fast 40 Prozent.

Am 2. Dezember 2011 stimmte die Gemeindeversammlung dem Fusionsvertrag mit den Nachbargemeinden Linn, Gallenkirch und Unterbözberg zu. Die Stimmberechtigten bestätigten diesen Beschluss am 11. März 2012 in einer Abstimmung mit 237 zu 51 Stimmen. Die vier Gemeinden schlossen sich zum 1. Januar 2013 zur neuen Gemeinde Bözberg zusammen.[4]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des ehemaligen Gemeindewappens lautet: «In weissem Schild auf grünem Boden stehender, nach links gerichteter hersehender roter Hirsch, rechts beseitet von grüner Tanne.» Bereits bei der Gemeindeteilung im Jahr 1872 besass Oberbözberg ein ähnliches Wappen, allerdings mit einem Reh. Das Wappenbild weist auf die ausgedehnten Wälder und den grossen Wildbestand der Region hin. Bis 1966 wurde der Hirsch in heraldisch unkorrektem Braun dargestellt.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung (bis 1870 inkl. Unterbözberg):[6]

Jahr 1803 1850 1870 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 827 1060 904 283 272 264 294 302 297 375 531 499

Am 31. Dezember 2012 lebten 505 Menschen in Oberbözberg, der Ausländeranteil betrug 7,9 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 56,9 % reformiert und 28,7 % römisch-katholisch; 2,1 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[7] 95,5 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, je 0,9 % Englisch und Französisch.[8]

Verkehr[Bearbeiten]

Unweit des Bözbergpasses zweigt von der Hauptstrasse 3 (BaselZürich) eine Ortsverbindungsstrasse ab, die über Oberbözberg nach Mönthal führt. Das Dorf ist durch eine Postautolinie vom Bahnhof Brugg nach Linn an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band II: Die Bezirke Brugg, Lenzburg. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 29). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1953. DNB 750561750.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2014, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1069, Swisstopo
  3.  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 306–307.
  4. Linn, Gallenkirch, Ober- und Unterbözberg fusionieren zur Gemeinde Bözberg. Aargauer Zeitung, 11. März 2012, abgerufen am 11. März 2012.
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 230.
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.