Oberentfelden

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Oberentfelden
Wappen von Oberentfelden
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Aarauw
BFS-Nr.: 4010i1f3f4
Postleitzahl: 5036
UN/LOCODE: CH OFE
Koordinaten: 645933 / 245151Koordinaten: 47° 21′ 20″ N, 8° 2′ 48″ O; CH1903: 645933 / 245151
Höhe: 414 m ü. M.
Fläche: 7,16 km²
Einwohner: 8492 (31. Dezember 2019)[1]
Einwohnerdichte: 1186 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
31,8 % (31. Dezember 2019)[2]
Website: www.oberentfelden.ch
Oberentfelden mit der Kirche

Oberentfelden mit der Kirche

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Oberentfelden (schweizerdeutsch: ˈɔbərˌæmpfæʊd)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Aarau, liegt im unteren Suhrental und grenzt an den Kanton Solothurn.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet erstreckt sich vom bewaldeten Hügelzug Schornig (596 m ü. M.) im Osten quer über die rund zwei Kilometer breite Ebene des Suhrentals zum Tann (502 m ü. M.) im Westen, einem weiteren bewaldeten Hügelzug. Während der Tann sanft ansteigend ist, ragt der Schornig im unteren Bereich steil in die Höhe und flacht im oberen Bereich zu einer kleinen Hochebene ab. Das besiedelte Gebiet liegt in der Ebene und ist lückenlos mit demjenigen der Nachbargemeinde Unterentfelden zusammengewachsen. Die Ebene wird von zwei kleinen Flüssen durchzogen, der Uerke und der Suhre.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 716 Hektaren, davon sind 296 Hektaren bewaldet und 255 Hektaren überbaut.[5] Der höchste Punkt befindet sich auf 596 Metern auf dem Schornig, der tiefste auf 410 Metern an Uerke und Suhre. Nachbargemeinden sind Unterentfelden im Norden, Suhr im Nordosten, Gränichen im Osten, Muhen im Südosten, Kölliken im Südwesten sowie die solothurnischen Gemeinden Gretzenbach im Westen und Schönenwerd im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Oberfeld im östlichen Teil der Ebene befand sich während der Römerzeit ein bedeutender Gutshof mit mehreren Ökonomiegebäuden (siehe Villa Rustica (Oberentfelden)). Er entstand im späten 1. Jahrhundert und war bis Ende des 4. Jahrhunderts bewohnt. Dessen südliche Begrenzung ist mit der heutigen Gemeindegrenze zu Muhen identisch. Das Herrenhaus mit Vorderterrasse und seitlich versetztem Badetrakt lag am Westabhang des Schornig. Die Anlage wurde von 1936 bis 1958 in drei Etappen ausgegraben und erforscht, danach wieder zugedeckt. Etwa 800 m davon entfernt wurde 1911/19 im Fuchsrain ein Keller ausgegraben, der grosse Mengen an Keramik enthielt und zu einem zweiten Gutshof gehört haben dürfte.[6]

Luftansicht (1965)

Der deutsche Kaiser Otto der Grosse schenkte im Jahr 965 den Hof Endiveld dem Kloster Disentis. Der aus dem Althochdeutschen stammende Ortsname bedeutet «Ende des Feldes».[3] Die Benediktinermönche verkauften 1330 den oberen Teil des Hofes an das Kloster Königsfelden, der untere Teil gehörte ab 1045 dem Stift Beromünster. Auf Umwegen gelangte das Dorf im Jahr 1373 in den Besitz der Hallwyler, einem Ministerialengeschlecht der Habsburger. Auch nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415 konnten die Hallwyler ihre Rechte beibehalten. Erst 1604 verkauften sie diese an die Stadt Bern, danach bildete Oberentfelden einen Gerichtsbezirk innerhalb des Amts Lenzburg im Berner Aargau. 1528 führten die Berner die Reformation ein.

Während des Bauernkriegs von 1653 war das Dorf auf Seiten der aufständischen Bauern und wurde durch die Truppen der Obrigkeit geplündert. Der aus Oberentfelden stammende Johann Heinrich Zahn war einer der Anführer gewesen und wurde ein Jahr später in Zofingen hingerichtet. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war Oberentfelden ein Zentrum der Baumwollverarbeitung. Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Oberentfelden war nun eine eigenständige Gemeinde im neuen Kanton Aargau. Im September 1877 eröffnete die Schweizerische Nationalbahn die Bahnstrecke Zofingen–Wettingen, die Suhrentalbahn folgte am 19. November 1901. Diese Bahnlinien ermöglichten eine frühzeitige Ansiedlung von Industriebetrieben. Nach 1950 erlebte die Gemeinde eine stürmische Entwicklung, als die Bevölkerungszahl um über das Zweieinhalbfache anstieg.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die alte Kirche wurde 1601 bei einem Dorfbrand vollständig zerstört und im darauf folgenden Jahr neu errichtet. Da sie sich mit der Zeit als zu klein erwies, wurde sie 1864 abgerissen und zwei Jahre später durch ein neues Bauwerk ersetzt. Die Reformierte Kirche Oberentfelden ist im spätklassizistisch-neuromanischen Stil erbaut, die Baupläne stammen von Ferdinand Stadler.[7]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot auf blau-weissen Wellen schwimmende weisse Ente, überhöht von zwei sechsstrahligen gelben Sternen.»[8] Erstmals erschien das Wappen 1793 auf drei Abendmahlkannen. 1948 erfolgte eine Bereinigung, die bis anhin schreitende Ente wurde in ihr natürliches Element Wasser gesetzt und die Farben wurden den heraldischen Regeln entsprechend angepasst. Das Wappenbild beruht auf einer Fehlinterpretation des Ortsnamens im Sinne von «Entenfeld», was die Sprachforschung mittlerweile widerlegt hat; der Begriff kommt von «Ende des Feldes».[9]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[10]

Jahr 1764 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 600 943 1'379 1'523 2'238 2'771 3'548 5'187 5'696 6'735 6'740 7'437

Am 31. Dezember 2019 lebten 8492 Menschen in Oberentfelden, der Ausländeranteil betrug 31,8 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 30,9 % als reformiert und 23,8 % als römisch-katholisch; 45,3 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[11] 86,0 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an, 3,8 % Italienisch, 2,2 % Serbokroatisch, 2,0 % Albanisch, 1,7 % Türkisch und 0,7 % Französisch.[12]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Aarau zuständig. Oberentfelden ist Sitz des Friedensrichterkreises II, der den südlichen Teil des Bezirks umfasst.[13]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Oberentfelden gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 1800 Arbeitsplätze, davon 1 % in der Landwirtschaft, 38 % in der Industrie und 61 % im Dienstleistungssektor.[14] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in Aarau und weiteren Gemeinden der Agglomeration.

In Oberentfelden befindet sich der einzige 18-Loch-Golfplatz im Kanton Aargau; zur Anlage gehört auch ein Hotel.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Suhrentalbahn

Oberentfelden liegt am Schnittpunkt der Hauptstrasse 1 (BernZürich) und der Hauptstrasse 24 (AarauSursee). Letztere verläuft östlich und südlich des Dorfes als Umfahrungsstrasse und dient auch als Zubringer zum Anschluss Aarau-West der Autobahn A1. Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr erfolgt durch zwei Bahnlinien: Die SBB-Linie führt von Lenzburg nach Zofingen, die schmalspurige Suhrentalbahn neben der Hauptstrasse vom Bahnhof Aarau nach Schöftland (mit den Haltestellen Engelplatz und Uerkenbrücke). An Wochenenden verkehrt ein Nachtbus von Aarau über Oberentfelden und Schöftland nach Kölliken.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über sechs Kindergärten und drei Schulhäuser, in denen sämtliche Schulstufen der obligatorischen Volksschule besucht werden können (Primarschule, Realschule, Sekundarschule und Bezirksschule). Die nächstgelegenen Gymnasien sind die Alte Kantonsschule und die Neue Kantonsschule, beide in Aarau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Oberentfelden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kantonale Bevölkerungsstatistik 2019. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, 30. März 2020, abgerufen am 2. April 2019.
  2. Kantonale Bevölkerungsstatistik 2019. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, 30. März 2020, abgerufen am 2. April 2019.
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 309–312.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1089, Swisstopo.
  5. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 18. Mai 2019.
  6. Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 188–190.
  7. Stettler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. S. 170–171.
  8. Wappenregister Gemeinden Aargau. Departement Bildung, Kultur und Sport, 15. April 2016, S. 33, abgerufen am 6. Mai 2017.
  9. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 232.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 18. Mai 2019.
  11. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 18. Mai 2019.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 10. August 2018; abgerufen am 18. Mai 2019.
  13. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 21. Juni 2019.
  14. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 18. Mai 2019.