Oberflachs

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Oberflachs
Wappen von Oberflachs
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Brugg
Politische Gemeinde: Schinznachi2w1
Postleitzahl: 5108
Koordinaten: 652189 / 254679Koordinaten: 47° 26′ 27″ N, 8° 7′ 50″ O; CH1903: 652189 / 254679
Höhe: 398 m ü. M.
Fläche: 3,38 km²
Einwohnerdichte: 147 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
8,3 % (31. Dezember 2016)[1]
Oberflachs

Oberflachs

Karte
Oberflachs (Schweiz)
Oberflachs
ww
Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2014

Oberflachs (schweizerdeutsch: ˈɔbəɾˌflɑgs)[2] war bis am 31. Dezember 2013 eine Einwohnergemeinde im Bezirk Brugg im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt etwa sechs Kilometer südwestlich des Bezirkshauptorts. Am 1. Januar 2014 fusionierte Oberflachs mit der ehemaligen Gemeinde Schinznach-Dorf zur neuen Gemeinde Schinznach.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt im Schenkenbergertal, das sich in Ost-West-Richtung von der Aare bei Schinznach-Dorf bis zur Staffelegg erstreckt. Dieses Tal wird durch zwei steile Höhenzüge des Faltenjuras begrenzt. Im Süden erstreckt sich das Gemeindegebiet bis zum Grat der Gislifluh auf einer Höhe von 770 Metern, im Norden bis knapp unter den Gipfel des Grunds (bis auf eine Höhe von 665 Metern). Am Südhang des Grunds und beim Schloss Kasteln befinden sich Weinberge.[3]

Die Fläche des ehemaligen Gemeindegebiets beträgt 338 Hektaren, davon sind 127 Hektaren bewaldet und 30 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 770 Metern auf dem Grat der Gisifluh, der tiefste auf 395 Metern an der östlichen Gemeindegrenze. Das ehemalige Gemeindegebiet von Oberflachs ist Teil des Juraparks Aargau, einem «Regionalen Naturpark von nationaler Bedeutung».

Nachbargemeinden waren bis zum 31. Dezember 2013 Schinznach-Dorf im Norden, Veltheim im Osten, Auenstein im Süden und Thalheim im Westen. Oberflachs ist mit Schinznach-Dorf fast "zusammengewachsen".

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Obernflacht erfolgte im Jahr 1301. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen (ze dero) obarun flahidu und bedeutet «bei der oberen flachen Stelle».[2] Wahrscheinlich war das Dorf schon ein Jahrhundert früher entstanden, denn 1238 wurden die Schenken von Kasteln erwähnt, die Vasallen der Grafen von Kyburg waren. 1262 entstand auf dem gleichen Hügel wie die Burg Kasteln die Burg Ruchenstein. 1264 ging die Landesherrschaft auf die Habsburger über, nachdem die Kyburger ausgestorben waren. 1311 erwarben die Herren von Mülinen das Dorf und die zwei Burgen, die zusammen die kleine Herrschaft Kasteln bildeten.

Als 1460 die Stadt Bern das Schenkenbergertal eroberte, konnten die Herren von Mülinen ihre Rechte weiterhin ausüben, so zum Beispiel die niedere Gerichtsbarkeit. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Ein Berner Adliger, Oberst Johann Ludwig von Erlach, erwarb 1631 die Herrschaft Kasteln und machte sie zu seinem Privatbesitz. Mit den Überresten der 1642 niedergebrannten Burg Ruchenstein liess er die Burg Kasteln zu einem Schloss ausbauen. 1732 erwarb die Stadt Bern für 90'000 Taler die Herrschaft Kasteln, das Schloss wurde zum Sitz der kleinsten Landvogtei des Berner Aargaus.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Oberflachs gehört seither zum Kanton Aargau. Ein Grossbrand zerstörte 1817 etwa ein Drittel des Dorfes. Die Bevölkerung von Oberflachs lebte bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts fast ausschliesslich von der Landwirtschaft und vom Weinbau.

Am 5. April 2009 stimmten die Stimmberechtigten von Oberflachs einer geplanten Fusion mit den Nachbargemeinden Schinznach-Dorf, Schinznach-Bad und Villnachern zur neuen Gemeinde Schenkenberg zu. Die Fusion kam dennoch nicht zustande, weil Veltheim sie ablehnte.[4] Das daraufhin initiierte Fusionsprojekt ohne Veltheim scheiterte bei einer Urnenabstimmung am 25. Oktober 2009, als die Stimmbürger von Villnachern das Projekt ablehnten.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa einen halben Kilometer westlich des Dorfes liegt auf einem kleinen Hügel das Schloss Kasteln. Im Schloss wurde 1855 eine Anstalt für «verwaiste und verwahrloste Zöglinge» eingerichtet, die 1923 den Status einer Stiftung und 1955 in ein Schulheim für normal begabte, verhaltensauffällige Schüler umgewandelt wurde. Das Gebäude brannte 1907 fast vollständig aus und wurde im darauf folgenden Jahr wieder aufgebaut.[6]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss drei gekreuzte blaue Flachsblumen mit grünen beblätterten Stängeln.» Dieses sogenannte redende Wappen soll den Ortsnamen symbolisieren, die Abbildung von Flachs geht allerdings auf eine Fehldeutung des Namens zurück. Bereits 1811 wurde auf dem Gemeindesiegel ein aufrechtes Flachsbündel dargestellt, 1872 schliesslich drei gekreuzte. 1965 erfolgte eine Überarbeitung und Vereinfachung des Wappens.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[8]

Jahr 1764 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 215 512 428 369 364 405 433 471 466 468 482

Am 31. Dezember 2016 lebten 497 Menschen in Oberflachs, der Ausländeranteil betrug 8,3 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 72,6 % reformiert und 16,2 % römisch-katholisch; 1,5 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[9] 98,3 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache.[10]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Oberflachs gibt es gemäss Betriebszählung 2008 etwa 150 Arbeitsplätze, davon 22 % in der Landwirtschaft, 17 % in der Industrie und 61 % im Dienstleistungssektor.[11] Von jeher bedeutend ist der Weinbau, auf einer Fläche von 22 Hektaren werden die Sorten Riesling und Blauburgunder angebaut. Viele Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in der Region Brugg/Lenzburg/Aarau.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberflachs liegt an der Hauptstrasse zwischen Schinznach-Dorf und der Staffelegg-Passhöhe. Eine Ortsverbindungsstrasse führt nach Veltheim. Das Dorf wird durch eine Postautolinie, die vom Bahnhof Brugg nach Thalheim führt, an das Netz des öffentlichen Verkehrs angeschlossen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band II: Die Bezirke Brugg, Lenzburg. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 29). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1953. DNB 750561750.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2016. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2017, abgerufen am 4. März 2017 (PDF, 779 kB).
  2. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 312–313.
  3. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1069 und 1089, Swisstopo
  4. Fünferfusion gescheitert. Aargauer Zeitung, 5. April 2009, archiviert vom Original am 10. April 2009, abgerufen am 28. Januar 2010.
  5. Villnachern entscheidet sich klar gegen Schinznach. Aargauer Zeitung, 25. Oktober 2009, archiviert vom Original am 27. Oktober 2009, abgerufen am 10. August 2010.
  6. Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmaeler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band II: Die Bezirke Lenzburg und Brugg. Birkhäuser Verlag, Basel 1953.
  7. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 233.
  8. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  11. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.