Obergünzburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Obergünzburg
Obergünzburg
Deutschlandkarte, Position des Marktes Obergünzburg hervorgehoben
Koordinaten: 47° 51′ N, 10° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Ostallgäu
Verwaltungs­gemeinschaft: Obergünzburg
Höhe: 737 m ü. NHN
Fläche: 46,7 km2
Einwohner: 6295 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 135 Einwohner je km2
Postleitzahl: 87634
Vorwahl: 08372
Kfz-Kennzeichen: OAL, FÜS, MOD
Gemeindeschlüssel: 09 7 77 154
Adresse der
Marktverwaltung:
Marktplatz 1
87634 Obergünzburg
Webpräsenz: www.oberguenzburg.de
Bürgermeister: Lars Leveringhaus (CSU)
Lage des Marktes Obergünzburg im Landkreis Ostallgäu
Österreich Kempten (Allgäu) Landkreis Oberallgäu Kaufbeuren Landkreis Augsburg Landkreis Unterallgäu Landkreis Garmisch-Partenkirchen Landkreis Weilheim-Schongau Landkreis Landsberg am Lech Rettenbach am Auerberg Westendorf (Allgäu) Wald (Allgäu) Waal (Allgäu) Untrasried Unterthingau Halblech Stöttwang Stötten am Auerberg Seeg Schwangau Rückholz Ruderatshofen Roßhaupten Ronsberg Rieden (bei Kaufbeuren) Rieden am Forggensee Pfronten Pforzen Osterzell Oberostendorf Obergünzburg Nesselwang Mauerstetten Marktoberdorf Lengenwang Lechbruck am See Lamerdingen Kraftisried Kaltental Jengen Irsee Günzach Hopferau Görisried Germaringen Füssen Friesenried Eisenberg (Allgäu) Eggenthal Buchloe Bidingen Baisweil Biessenhofen AitrangKarte
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Obergünzburg ist ein Markt im schwäbischen Landkreis Ostallgäu und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Obergünzburg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt in der Region Allgäu. Er wird von der Östlichen Günz durchflossen, in die im Ortsgebiet der Tobelbach, der Wifelsbach und der Salabach einmünden.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Markt besteht aus 56 Ortsteilen (jeweils eine ehemalige Gemeinde, dahinter deren frühere Ortsteile):[2]

  • Burg mit Becherer (mit Habersburg verbunden), Berg, Bichtholz, Burgstall, Freien, Greggen, Habersberg, Hartmannsberg, Liebenthann (Ziegler), Liebenthann-Mühle, Litzen, Schoner, Seesen und Wolfartsberg
  • Ebersbach[3] mit Algers, Barteler, Bergammer, Burker, Christler, Feurer, Fink, Galger, Gfäll, Gfällmühle, Glaser, Grötzer (Glögler), Hauprechts, Heißen, Hofmanns, Kasperle, Maier (Maierle), Obermelden, Pfänder, Reichholz, Rufen, Schweizer, Stanis, Thanner, Untermelden, Wegmacher, Wiedebauer und Wielands
  • Willofs mit Binkenhofen, Eglofs, Hengeler, Kaltenbrunn, Klauser, Lohbauer, Mautis, Mindelberg, Mindelmühle, Scheutler und Veiter (Veiten)

Es existieren die Gemarkungen Burg, Ebersbach, Obergünzburg und Willofs.

Obergünzburg Rathaus und Pfarrkirche St. Martin

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obergünzburg kann seine Wurzeln bis in die römische Zeit zurückverfolgen. Im Jahr 1407 erhielt es von Ruprecht von der Pfalz das Marktrecht mit wichtigen Eigenrechten verliehen und war seit 1688 Sitz eines Pflegamtes des Fürststifts Kempten. Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gehört der Ort zu Bayern. Im Jahr 1818 entstand die Gemeinde.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1879 war Obergünzburg Sitz eines Landgerichtes. Das verbliebene Amtsgericht wurde 1959 nach Marktoberdorf verlegt.

Der Ort hatte den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Nach dem Krieg wurde Obergünzburg von amerikanischen Truppen eingenommen und der amerikanischen Besatzungszone zugeordnet. Knapp 1000 Flüchtlinge und Vertriebene, insbesondere aus dem Sudetenland, Schlesien und Ostpreußen wurden nach Obergünzburg umgesiedelt, weshalb die Bevölkerungszahl nach Kriegsende von 2000 auf fast 3000 hochschnellte.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurden die zuvor selbstständige Gemeinde Burg und der größte Teil der aufgelösten Gemeinde Willofs eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kam Ebersbach dazu.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen ab 1840 beziehen sich auf die heutige Gemeindefläche (Stand 1987). Der Ausländeranteil lag 2005 bei etwa 4 %.

Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015
Einwohner 2712 3086 3198 5343 4754 5006 5476 5868 6063 6279 6471 6316 6295

Obergünzburg wuchs von 1988 bis 2008 um 811 Einwohner bzw. um ca. 15 %.

Innenraum der Pfarrkirche St. Martin
Christopherus an der Pfarrkirche St. Martin
Römischer Altarstein, dem Gott Merkur geweiht
Ölbergallee auf den Nikolausberg
Kapelle auf dem Nikolausberg zur Erinnerung an 1945
Obergünzburg liegt am Oberlauf der Ostgünz.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 waren 75 % der Einwohner römisch-katholisch, 10 % evangelisch-lutherisch und 15 % gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Kommunalwahl am 16. März 2014 setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:

Liste Stimmenanteil Sitze
CSU 40,6 % 8
Freie Wähler 40,4 % 8
Grüne 19,0 % 4

Zusätzliches Mitglied des Rates ist der Bürgermeister.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist seit Februar 2007 Lars Leveringhaus (CSU). Er ist Nachfolger von Herbert Schmid (FWO), welcher wiederum im Jahre 1994 Helmut Schreck (CSU) nachfolgte. Bei der Bürgermeisterwahl am 2. Dezember 2012 wurde er mit 57,3  % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschreibung: Gespalten und vorne von Rot und Blau geteilt; hinten in Silber über drei blauen Wellenbalken schwebend das schwarz gekleidete, golden gekrönte Brustschild der herschauenden heiligen Hildegard.

Die verloren gegangene Erinnerung an Hildegard führte 1813 zu einer massiven Fehldeutung bei der Wappenneuschaffung. Man hielt den Kopf der kemptischen Hildegard für einen Mohren. Als Argumentationsbasis diente die Herkunft der Herren von Ronsberg von den Grafen von Mohrenstetten - Mehrenstetten war eigentlich gemeint.[5]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnergemeinden von Obergünzburg sind Třešť in Tschechien und Visegrád in Ungarn.[6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Historischer Marktplatz mit Mohrenbrunnen
  • Kirche St. Martin aus dem 15. Jahrhundert
  • Südseemuseum
  • "Teufelsküche"[7]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2012 umgerechnet rund 2.385.000,00 €.

Im Bereich der Land- und Forstwirtschaft gab es im Jahr 1998 105, im produzierenden Gewerbe 1.162 und im Bereich Handel und Verkehr 1.246 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 1.576 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 3.590. Im verarbeitenden Gewerbe (sowie Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden) gab es sieben, im Bauhauptgewerbe 19 Betriebe.

Der größte ansässige Betrieb sind die „Milchwerke Gabler-Saliter“ (heute zur Ehrmann AG gehörend). Produziert werden hier vor allem Kaffeesahne, Kondensmilch, Milchmischgetränke, Trockenmilcherzeugnisse und Vorprodukte für Baby- und Kliniknahrung anderer Hersteller. Des Weiteren ist das Gabler-Saliter Bankgeschäft ansässig.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptstraßen der Gemeinde sind die Staatsstraßen St 2012, St 2055 und die Kreisstraße OAL 11, die alle im Hauptort aufeinandertreffen.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2008 existierten folgende Einrichtungen:

  • Kindergärten: 175 Kindergartenplätze mit 179 Kindern
  • Volksschulen: 1 mit 29 Klassen und 723 Schülern
  • Realschulen: 1 mit 22 Klassen und 634 Schülern

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Obergünzburg geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten mit Bezug zu Obergünzburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dominikus Ringeisen (1835–1904), röm.-kath. Geistlicher, als Benefiziat Begründer des Obergünzburger Krankenhauses, später Begründer einer heute nach ihm benannten Behinderteneinrichtung in Ursberg
  • Armin Kreiner (* 1954), Theologieprofessor in München, lebt heute im Ort

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Obergünzburg – ein Spaziergang durch den alten Marktflecken, 2. überarb. Aufl., Horb am Neckar: Geiger, 1996, ISBN 3-89570-155-6
  • Franz Xaver Gutbrod: Geschichte der Pfarrei Obergünzburg, Kempten: Kösel, 1889–1891
  • Jahreshefte der Heimatlergemeinde Obergünzburg, Obergünzburg (seit 1990 erscheinende Reihe)
  • Werner Gebhardt: Die besonderen Gravamina der Gemeinde Obergünzburg vor dem Bauernkrieg, in: Allgäuer Geschichtsfreund, 82 (1982), S. 5–15
  • Toni Nessler: Burgen im Allgäu, Bd. 2. Burgruinen im Westallgäu und im angrenzenden Vorarlberg, im württembergischen Allgäu, im nördlichen Allgäu um Memmingen, im nordöstlichen Allgäu um Kaufbeuren und Obergünzburg, sowie im östlichen Allgäu und im angrenzenden Tirol, Kempten: Allgäuer Zeitungsverlag, 1985, ISBN 3-88006-115-7
  • Theodor Roppelt: Die Geologie der Umgebung von Obergünzburg im Allgäu mit sedimentpetrographischen Untersuchungen der glazialen Ablagerungen, München, Techn. Univ., Diss., 1988
  • Jürgen Schätzthauer, Bernd Remiger, Brüne Harms, Stanislaus von Korn: Flora, Vegetation und Fauna im Tal der Östlichen Günz zwischen Obergünzburg und Ronsberg, Landkreis Ostallgäu/Bayern: Bestandserhebungen im Rahmen der Umsetzung des bayerischen Arten- und Biotopschutzprogrammes, Nürtingen, Fachhochschule, Dipl.-Arb., WS 1998/99
  • Hermann Epplen (Hrsg.): Über 1900 mundartliche Ausdrücke aus Obergünzburg und seiner Umgebung. Marktgemeinde Obergünzburg/Allgäu, Obergünzburg 1974
  • Hermann Epplen: Obergünzburger Chronik. Ein Heimatbuch aus dem oberen Günztal, (Allgäuer Heimatbücher Band 72), Kempten/Allgäu: Verlag für Heimatpflege, 1968
  • J. M. Gabler-Saliter-Milchwerke (Hrsg.): 275 Jahre Gabler-Saliter in Obergünzburg. 1713–1988, Obergünzburg: J. M. Gabler-Saliter, 1988

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Obergünzburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?n=1495&tmpfile=52ce7199ca5ec&von=21
  3. http://www.ebersbach-allgaeu.de/index.php/service.html
  4. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 519
  5. Birgit Kata u.a. (Hrsg.): Mehr als 1000 Jahre: Das Stift Kempten zwischen Gründung und Auflassung 752–1802. Allgäuer Forschungen zur Archäologie und Geschichte, Nr. 1. Likias, Kempten 2006, ISBN 3-980-76286-6, S. 146.
  6. http://www.oberguenzburg.de/rathaus-buergerservice/partnerorte.html
  7. Teufelsküche Obergünzburg Bayerisches Landesamt für Umwelt