Oberkirche St. Nikolai

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Pfarrkirche St. Nikolai (Oberkirche)
360°-Ansicht des Innenraumes der Oberkirche in zylindrischer Projektion
Der Altar der Kirche
Grabstein für Elisabeth von Zabeltitz (rechts) und Friedrich Frenzel (links)

Die Oberkirche St. Nikolai ist eine spätgotische Backsteinkirche in Cottbus in Brandenburg. Die Kirche steht am Oberkirchplatz und der Sandower Straße in der Nähe des Altmarktes. Die sogenannte Oberkirche ist die größte mittelalterliche Kirche in der Niederlausitz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1156 wird die Oberkirche erstmals erwähnt. Von einem kleineren Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert wurden bei Renovierungsarbeiten im Jahre 1910 Reste gefunden. Die heutige Kirche entstand ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die Bauzeit ging bis in das 16. Jahrhundert hinein. Vermutlich wurde die Kirche in drei Abschnitten errichtet. Zuerst entstanden die Langhausaußenwände. Auf Grund des Brandes im Jahre 1468 wurde wahrscheinlich der Bauplan umgeändert und mit dem Bau neu begonnen. Im dritten Bauabschnitt kamen die Kapellen an der Nord- und Südseite hinzu.

In den Jahren 1910 bis 1911 wurde die Kirche umfassend renoviert. Während des Zweiten Weltkrieges brannte die Kirche im Jahr 1945 aus. 1946 stürzten weitere Teile der Kirche ein. Der Wiederaufbau erfolgte in der Nachkriegszeit; um das Jahr 1960 war das Dach fertig. 1965 wurde das letzte Fenster eingebaut. In den Jahren 1993 bis 1995 wurde das Kirchendach erneuert.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche ist eine dreischiffige Backsteinhalle mit einem Umgangschor. Der Turm befindet sich nicht in der Achse, er ist nach Norden verschoben. Er ist an der Westseite der Fassade aus Sandstein vorgestellt, hat einen rechteckigen Grundriss und vier Geschosse. Im vierten Geschoss, der Glockenstube, öffnen sich auf allen Seiten hohe Lanzettfenster. Bekrönt wird der Turm durch einen durchfensterten, weiß verputzten Tambour und eine barocke Haube mit Laternenaufsatz. Der 55 m hohe Turm kann als Aussichtsturm bestiegen werden und bietet einen guten Ausblick auf Cottbus.[1]

Langhaus und Chor werden durch hohe Maßwerk-Fenster gegliedert. Auf der Nordseite des Chores ist die Sakristei angebaut, sie geht über zwei Joche. Westlich davon befindet sich die Nordkapelle, zwischen Sakristei und Nordkapelle befindet sich ein später hinzugefügter Bau. Die Nordkapelle ist heute die Taufkapelle der Kirche. An der Südseite befindet sich die Südkapelle. Westlich der Südkapelle befindet sich eine Portalvorhalle. An den Wänden befindet sich Wandgemälde, allerdings wurde ein großer Teil beim Kirchenbrand im Jahre 1600 zerstört. Die heute sichtbaren Gemälde wurden 1951 freigelegt.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Altaraufsatz stammt aus dem Jahr 1664, es ist somit ein Werk des Frühbarocks. Der Aufsatz wurde in den Jahren 1953 bis 1964 restauriert, der verbrannte hölzerne Aufsatz wurde dabei erneuert. Der Altaraufsatz ist mehrgeschossig, elf Meter hoch und zeigt ein figürliches Relief. Im Sockel befindet sich ein Bild der Geburt Christi, in der Predella ein Bild des Abendmahles. Im Hauptfeld befindet sich ein Bild von Christi Auferstehung.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Orgel
Orgelprospekt von 1759

Das barocke, reich vergoldete Orgelprospekt mit musizierenden Engeln und Putten wurde 1759 von Johann Gottfried Stecher erbaut, die dazugehörige Orgel von 1756 bis 1759 von Johann Georg Schön und Adam Gottfried Oehme hergestellt. 1906 wurde es aus der abgebrochenen St.-Nikolai-Kirche in Hainichen bei Chemnitz ausgebaut. Das Prospekt wurde inzwischen erneuert. Das heutige Orgelwerk wurde 1984 von der Orgelbaufirma Eule (Bautzen) erbaut. Das Instrument hat 50 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektrisch.[2]

I Hauptwerk C–a3
Pommer 16′
Prinzipal 8′
Rohrflöte 8′
Oktave 4′
Spitzflöte 4′
Quinte 223
Oktave 2′
Nachthorn 2′
Cornett III–V
Großmixtur IV–V
Kleinmixtur III–IV
Fagott 16′
Trompete 8′
II Schwellwerk C–a3
Stillgedackt 16′
Spitzprinzipal 8′
Koppelflöte 8′
Salizional 8′
Schwebung 8′
Oktave 4′
Blockflöte 4′
Nasat 223
Spitzoktave 2′
Terz 135
Quinte 113
Sifflöte 1′
Prinzipal Mixtur V–VI
Spillregal 16′
Cromorne 8′
Tremulant
III Brustwerk C–a3
Holzgedackt 8′
Quintadena 8′
Prinzipal 4′
Rohrflöte 4′
Oktave 2′
Spitzquinte 113
Septime 117
Sesquialter II
Zimbel III
Rohrschalmei 8′
Tremulant
Pedalwerk C–f1
Prinzipalbaß 16′
Subbaß 16′
Quintbaß 1023
Oktavbaß 8′
Gedacktbaß 8′
Choralbaß 4′
Pommer 4′
Rohrpfeife 2′
Rauschpfeife IV
Posaune 16′
Trompete 8′
Clairon 4′
Tremulant
  • Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
  • Spielhilfen: 32-fache Setzeranlage, Tremulanten stufenlos einstellbar, Registercrescendo, Einzelabsteller (Zungen)

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geläut besteht aus drei Glocken. Die Große Glocke hat einen Durchmesser von 1,64 Meter und wurde von Franciskus Voillard im Jahre 1671 gegossen. Die Glocke ist reich verziert, unter anderem mit dem Stadtwappen, einer Kreuzigungsgruppe und einer Madonna. Die mittlere Glocke wurde ebenfalls von Voillard 1671 gegossen. Der Durchmesser beträgt 1,4 Meter. Sie ist verziert mit einer Mondsichelmadonna und einer Kreuzigungsgruppe. Die dritte Glocke stammt aus der Lutherkirche in Cottbus und wurde im Jahre 1926 gegossen.

Grabdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Chor befindet sich ein Figurengrabstein für Gebhard von Alvensleben (gestorben 1627), an der Südwand des Chores der Grabstein der Elisabeth von Zabeltitz (gestorben 1607), außerdem hier und an der Nordseite des Chores vier beschädigte Grabplatten für Kinder. An der Nordseite hängt ein Epitaph des Amthauptmannes Heinrich von Pack (gestorben 1554). In der Nordkapelle befindet sich ein Grabmal für Emerenciana von Pack, 1545 vom Dresdner Bildhauer Christoph Walther I geschaffen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Begründet vom Tag für Denkmalpflege 1900, Fortgeführt von Ernst Gall, Neubearbeitung besorgt durch die Dehio-Vereinigung und die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch: Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum. Brandenburg: bearbeitet von Gerhard Vinken und anderen, 2000, Deutscher Kunstverlag München Berlin, ISBN 3-422-03054-9, Seite 184 bis 188.
  • Irmgard Ackermann, Marcus Cante, Antje Mues und andere, Denkmale in Brandenburg, Stadt Cottbus, Teil 1, Wernersche Verlagsgesellschaft, worms am Rhein, 2001, ISBN 3-88462-176-9

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oberkirche St. Nikolai auf spreewald-info.de
  2. Nähere Informationen zur Orgel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oberkirche St. Nikolai (Cottbus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 45′ 40″ N, 14° 20′ 11,9″ O