Oberkleen

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Oberkleen
Gemeinde Langgöns
Wappen von Oberkleen
Koordinaten: 50° 27′ 45″ N, 8° 35′ 24″ O
Höhe: 235 m ü. NHN
Fläche: 7,57 km²[1]
Einwohner: 1147 (30. Jun. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 152 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Eingemeindet nach: Kleenheim
Postleitzahl: 35428
Vorwahl: 06447
Wehrkirche St. Michaelis
Altes Rathaus

Oberkleen ist ein Ortsteil der hessischen Gemeinde Langgöns im Landkreis Gießen. Das Dorf zählt etwa 1200 Einwohner. Es liegt 6 km westlich der Stadt Butzbach und etwa 15 km südwestlich der Universitätsstadt Gießen. Oberkleen dient vorwiegend als Wohngemeinde für Menschen, die im Raum Gießen oder im Rhein-Main-Gebiet arbeiten.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberkleen liegt an den nordöstlichen Ausläufern des Taunus, Wetzlarer Hintertaunus, im Tal des Kleebachs, die waldreiche Gemarkung liegt vollständig im Naturpark Taunus. Richtung Osten öffnet sich das Tal zur nur von sanften Hügeln gekennzeichneten und wesentlich dichter besiedelten Wetterau. Dort, wenige Kilometer westlich des Dorfes, verlaufen wichtige Verkehrsachsen wie die Main-Weser-Bahn, die Bundesstraße 3 und die Autobahn A 5, die Frankfurt am Main mit dem Raum Gießen verbinden.

Nachbarorte Oberkleens sind die ebenfalls zu Langgöns gehörenden Dörfer Niederkleen, 2 km nordöstlich (bachabwärts), und Cleeberg, 3 km südwestlich oder bachaufwärts. In den Kleebach mündet der Reußbach, an diesem liegt, 1 km südöstlich von Oberkleen, der Butzbacher Stadtteil Ebersgöns. Südlich des Dorfs liegt der Kümmelberg (356 m über NN), südwestlich der Cleebaum (368 m), westlich der Heßler (322 m), nördlich der Schalsberg (353 m).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Schalsberg befinden sich mehrere Gruppen von Hügelgräbern, eine davon kurz oberhalb des Dorfes, was auf eine sehr frühe Besiedlung des Kleebachtals schließen lässt. Die erste urkundliche Erwähnung von „Cleheim“ stammt aus fränkischer Zeit, sie erfolgte 774 im Lorscher Codex.[3] Eine Unterscheidung der Dörfer Ober- und Niederkleen ist aber erst in einer Urkunde von 1197 bezeugt.[1] In der Folge hatte Oberkleen mit seiner Wehrkirche Bedeutung als zuständige Pfarrei für die im Nachbardorf ansässigen Grafen von Cleeberg. Im frühen 17. Jahrhundert ist das Nachbardorf Gebertshausen wüst gegangen, das dortige Vogteigericht wurde nach Oberkleen verlegt und verblieb dort bis 1809.

1836 entdeckte man in der Nähe des Dorfes eine Tropfsteinhöhle. Die folgenden geologischen Untersuchungen hatten die Entdeckung großer Kalksteinvorkommen zur Folge. Der Abbau von Kalkstein wurde später zum wichtigsten Wirtschaftszweig des Dorfes, 1910 wurde der erste Steinbruch eröffnet. Um ihn und eine neu errichtete Plattenfabrik besser erreichen zu können, verlängerte die Butzbach-Licher Eisenbahn AG ihre zunächst nur bis zur damaligen hessisch-preußischen Grenze vor Ebersgöns geplante Eisenbahnstrecke bis Oberkleen. Der Betrieb, der auch Personenzüge umfasste, wurde am 1. Juni 1910 eröffnet. Eine damals erwogene Verlängerung bis Wetzlar kam nicht zustande. Der Personenverkehr endete am 30. September 1956, der Güterverkehr zum Jahresende 1968.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs das Dorf, wie viele hessische Orte, durch die Aufnahme von über 200 Heimatvertriebenen.

Oberkleen und Niederkleen schlossen sich im Rahmen der Gebietsreform in Hessen am 31. Dezember 1971 freiwillig zur Gemeinde Kleenheim zusammen.[4] Am 1. Januar 1977 bildeten sie zusammen mit weiteren Gemeinden der Umgebung durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen die neue Gemeinde Langgöns. Dabei wechselte das bisher zum Landkreis Wetzlar gehörende Dorf in den neuen Lahn-Dill-Kreis.[5] Nach Auflösung der Stadt Lahn 1979 wurde auch der Großkreis Lahn-Dill wieder gespalten, die Gemeinde kam dabei zum Landkreis Gießen.

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Oberkleen unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Obernclên, in (1197 und 1203) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei, Nr. 1344, S. 320]
  • Oberincleen (1328) [Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 1, S. 458 Nr. 1131]
  • superiori Clen (1334) [Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 1, S. 511 Nr. 1251]
  • Abernclen (1335) [Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 1, S. 515 Nr. 1264]
  • Obercleen [Karte des Kreises Wetzlar]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Oberkleen unterstand im Überblick:[1][6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1970 sind:[1]

  • 1834: 428 (425 evangelische, 3 Juden) Einwohner; 77 Häuser,
  • 1885: 451 Einwohner
  • 1925: 538 Einwohner
  • 1939: 534 Einwohner
  • 1950: 773 Einwohner
  • 1961: 790 Einwohner
  • 1970: 779 Einwohner
Oberkleen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
428
1840
  
428
1846
  
453
1852
  
474
1858
  
445
1864
  
452
1871
  
435
1875
  
414
1885
  
451
1895
  
435
1905
  
456
1910
  
530
1925
  
538
1939
  
534
1946
  
750
1950
  
773
1956
  
805
1961
  
790
1967
  
804
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das bemerkenswerteste Bauwerk des Dorfes ist die Wehrkirche St. Michaelis. Der Wehrturm stammt aus dem 15. Jahrhundert, das Schiff aus dem 18. Jahrhundert. Die weitgehend erhaltene einmanualige Orgel wurde 1790 bis 1800 von Orgelbaumeister Johann Conrad Bürgy & Söhne angefertigt. Von hier aus soll ein sogenannter Fluchtstollen bis in den Nachbarort Cleeberg in einen Turmkeller direkt neben dem damaligen „Solmser Schlösschen“ führen.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberkleen hat zwei Kirchen, eine Großsporthalle, eine Grundschule, einen Kindergarten, einen Festplatz, zwei Sportplätze, einen kleinen See (ehemaliger Steinbruch) am südlichen Ortsrand und ein kleines Gewerbegebiet. Neben der evangelischen Kirche St. Michaelis befindet sich ein Gemeindehaus, in dessen Keller ein Jugendraum für über vierzehnjährige Jugendliche vorhanden ist. Die Bachaue des Kleebachs ist auch im Ortsbereich weitgehend unbebaut. Unterhalb des Orts, an der Einmündung des Reußbachs, liegt die Kellersmühle.

Das Dorf ist über Buslinien des Rhein-Main-Verkehrsverbunds an dessen Liniennetz angebunden. Die nächsten Bahnhöfe (Regionalbahnen und Regionalexpresse) befinden sich in Butzbach und Lang-Göns. In Butzbach gibt es zudem einen Autobahnanschluss zur A 5 (am nahen Gambacher Kreuz trifft diese auf die A 45), in Lang-Göns einen Autobahnanschluss zur A 485 (Gießener Ring).

Oberkleen besitzt zwei Lebensmittelgeschäfte, eine Tankstelle und eine Metzgerei. DSL ist im gesamten Ort verfügbar.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erwin Glaum: Oberkleener Heimathefte, Heimat- und Geschichtsverein Oberkleen e.V.
    • Heft 3, Evangelische St. Michaelis Kirche, 2012
    • Heft 2, Die ehemaligen Mühlen in Oberkleen, 2011
    • Heft 1, Kalksteinbrüche, Eisen-Manganerze und der Rosskümmel, 2010
  • Hankel, Otfried: Familienbuch der evangelischen Kirchengemeinde Oberkleen (Hessen) 1810-1874. Monsenstein und Vannerdat, Münster 2009, 466 S. ISBN 978-3-86582-820-0
  • Historischer Rundweg Cleeberg ; Cleeberg – Malerisches Dorf im Taunus, Gemeinde Langgöns, 2009, 21 Seiten
  • Ernst Knorz, Karl-Heinz Glaum: Oberkleen - Niederkleen: zwei Dörfer (das ehemalige Kleenheim) am oberen Lauf des Kleebachs. Geiger, Horb am Neckar 1994, Bildband, ISBN 3-89264-969-3
  • Bernhard Reuter: Heimatbuch. Eine Wanderung durch Oberkleen und seine Fluren, Arbeitskreis Heimat- und Geschichtsverein Oberkleen, 1974 (Nachdruck 2009), Auszug (PDF-Datei; 1023 kB)
  • Karl H. Glaum: Kleenheim im Hüttenberger Land. Gemeinde Kleenheim, Wetzlardruck, 1974

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oberkleen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Oberkleen, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. November 2016). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Einwohnerzahlen im Haushaltsplan der Gemeinde Langgöns (pdf, Seite 18), abgerufen im Januar 2016
  3. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 5) , Urkunde 3097, 11. September 774 – Reg. 1084. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 85, abgerufen am 19. April 2016.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 380.
  5. Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen vom 13. Mai 1974. In: GVBl. I S. 237
  6. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990