Oberkulm

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Oberkulm
Wappen von Oberkulm
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Kulmw
BFS-Nr.: 4140i1f3f4
Postleitzahl: 5727
UN/LOCODE: CH OBM
Koordinaten: 651798 / 238988Koordinaten: 47° 17′ 59″ N, 8° 7′ 25″ O; CH1903: 651798 / 238988
Höhe: 480 m ü. M.
Fläche: 9,41 km²
Einwohner: 2683 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 285 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
22,5 % (31. Dezember 2016)[2]
Website: www.oberkulm.ch
Karte
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Oberkulm (schweizerdeutsch: ˈɔbərˌχʊlm)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Kulm im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im mittleren Wynental.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf ist eine Streusiedlung, die sich über den ganzen, knapp einen Kilometer breiten Talboden erstreckt und locker mit der Bebauung von Unterkulm zusammengewachsen ist. Die Wyna schlängelt sich in zahlreichen Windungen am westlichen Rand des Tales. In Richtung Osten zweigt das fast zwei Kilometer lange Tüetental ab. Zwischen dem Haupt- und dem Seitental erhebt sich der 583 Meter hohe Ischlag. Dieser verengt sich zu einem schmalen Grat und geht dann in den Hohen Felsen (741 m ü. M.) über, der die Grenze zum Seetal bildet. Auf dem Grat befindet sich der Weiler Sod (630 m ü. M.). Die westliche Seite des Wynentals ist stark zergliedert und besteht aus mehreren kurzen Seitentälern und dazwischen vorspringenden, steil aufragenden Hügeln.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 941 Hektaren, davon sind 340 Hektaren bewaldet und 110 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 735 Metern knapp unterhalb des Hohen Felsens, der tiefste auf 465 Metern an der Wyna.

Nachbargemeinden sind Unterkulm im Nordwesten, Dürrenäsch im Nordosten, Zetzwil im Südosten, Gontenschwil und Schmiedrued im Süden sowie Schlossrued im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besiedelt war die Gegend bereits während der Jungsteinzeit vor 5000 bis 3800 Jahren. 1756 stiess ein Grundeigentümer auf Mauerreste eines ausgedehnten römischen Gutshofes, der vom 1. bis zum 4. Jahrhundert bewohnt war. Beim Gebäude handelte es sich um eine Portikusvilla mit angebautem Bad. Die damals gehobenen Funde sind heute zum grössten Teil verschwunden. An den Ausgrabungen beteiligte sich auch Albrecht von Haller.[5]

Der Ortsname entwickelte sich aus dem lateinischen villa columbaria («Hof mit Taubenschlag»). Die erste urkundliche Erwähnung von Chulenbare erfolgte im Jahr 1045 in einem Schutzbrief, den Kaiser Heinrich III. dem Chorherrenstift Beromünster ausstellte. 1295 wurde Obern Chulnbe erstmals explizit unterschieden.[3] Im Mittelalter lag das Dorf im Herrschaftsbereich der Grafen von Lenzburg, ab 1173 in jenem der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, wurden die Habsburger im Jahr 1264 die neuen Landesherren. Inhaber der niederen Gerichtsbarkeit waren bis 1369 die Herren von Rued, bis 1428 die Herren von Büttikon, bis 1491 die Herren von Rüssegg, danach die Familie Herport aus Willisau.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Oberkulm gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Nachdem Bern 1517 auch die niedere Gerichtsbarkeit erworben hatte, bildete Oberkulm einen Teil des Gerichtsbezirks Kulm im Amt Lenzburg. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Oberkulm gehört seither zum Kanton Aargau.

Im Gegensatz zum oberen Wynental hielt die Industrie in Oberkulm relativ spät Einzug, um das Jahr 1870. Zwischen 1850 und 1920 sank die Bevölkerungszahl um über einen Drittel. Doch schon zu früheren Zeiten waren viele verarmte Familien zur Auswanderung gezwungen. 1665 war Johann Heinrich Huber in die Pfalz ausgewandert, seine Nachkommen dann 1738 weiter nach Nordamerika. Von diesen stammt Herbert C. Hoover ab, der von 1929 bis 1933 Präsident der USA war.

Die Wynentalbahn wurde am 5. März 1904 eröffnet. Oberkulm entwickelte sich zu einem industriellen Zentrum, während die Landwirtschaft immer weiter zurückgedrängt wurde. Seit Beginn der 1980er Jahre hat die Bevölkerungszahl aufgrund einer verstärkten Bautätigkeit um über einen Viertel zugenommen.

Kornspeicher in Oberkulm

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gebiet Obersteg steht ein mit Stroh gedeckter Kornspeicher. Er wurde 1540/50 erbaut, 1960 renoviert und 1988 neu gedeckt; heute steht er unter Denkmalschutz. Es handelt sich dabei um das älteste noch existierende Gebäude dieser Art in der Schweiz.[6]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Zweimal gespalten von Schwarz, Weiss und Blau.» Ober- und Unterkulm führten bis 1953 dasselbe Wappen. Die kantonale Wappenkommission war der Ansicht, dass zwei Gemeinden nicht das gleiche Wappen führen dürfen. Aus diesem Grund wurde die Teilung senkrecht statt waagrecht angeordnet.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahlen[8]
Jahr 1764 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 813 1200 1784 1331 1207 1522 1596 1774 1852 2188 2252 2441

Am 31. Dezember 2016 lebten 2683 Menschen in Oberkulm, der Ausländeranteil betrug 22,5 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 62,3 % reformiert. 16,7 % römisch-katholisch und 8,1 % moslemisch; 1,0 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[9] 89,4 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 3,6 % Türkisch, je 1,6 % Albanisch und Serbokroatisch, 1,4 % Italienisch.[10]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht in Unterkulm zuständig. Oberkulm gehört zusammen mit Unterkulm und Teufenthal zum Friedensrichterkreis Kulm.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Oberkulm gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 850 Arbeitsplätze, davon 12 % in der Landwirtschaft, 61 % in der Industrie und 27 % im Dienstleistungsbereich.[11] Die wichtigsten Industriezweige sind die Verarbeitung von Glasfasern, die Herstellung von Isolierglas und Kunststoffprodukten sowie die Bauindustrie. Zahlreiche Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in der Region Reinach oder in der Umgebung von Aarau.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Dorf führt die Hauptstrasse 23 von Aarau über Beromünster nach Sursee. Der Anschluss an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch die Wynentalbahn, die unmittelbar neben der Hauptstrasse verläuft, mit den Stationen Oberkulm und Oberkulm Post.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und drei Schulhäuser, in denen die Primarschule, die Realschule und die Sekundarschule unterrichtet werden. Die Bezirksschule kann in Unterkulm besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau sowie die Kantonsschule Beromünster in Beromünster.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Stettler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 21). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1948. DNB 366495623.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2016. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2017; abgerufen am 4. März 2017 (PDF, 779 kB).
  2. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2016. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2017; abgerufen am 4. März 2017 (PDF, 779 kB).
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 318–321.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1109, Swisstopo
  5. Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 190.
  6. Michael Stettler: Die Kunstdenkmaeler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. Birkhäuser Verlag, Basel 1948.
  7. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 236.
  8. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001; abgerufen am 3. April 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau; abgerufen am 25. August 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau; abgerufen am 25. August 2012.
  11. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau; abgerufen am 25. August 2012.