Oberpostdirektion (City Nord)

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Ansicht von Nordosten im Jahr 2006. Links noch mit Postlogo.
Ansicht von Südosten mit Überseering im Vordergrund

Die Oberpostdirektion City Nord oder Postpyramide war ein 1977 errichteter Gebäudekomplex in Hamburg. Er gilt als ein klassischer Vertreter des Architekturstils des Brutalismus und gehört zum denkmalgeschützten Ensemble der City Nord. Zuletzt war der Bau weitgehend aufgelassen und wurde seit März 2017 zum Abriss vorbereitet, welcher im August 2017 begonnen wurde und 2018 abgeschlossen wurde.[1][2]

Bau und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Oberpostdirektion Hamburg hatte ihren ersten Hauptsitz in einem Gebäude am Stephansplatz, das seit den 1950er-Jahren für die Unterbringung des vorhandenen Personals nicht mehr ausreichte. Im Zuge des Aufbaus der City Nord plante dann auch die Deutsche Bundespost dort einen Neubau eines zeitgemäßen Verwaltungsgebäudes. Von den im Architektenwettbewerb eingereichten Entwürfen konnte "keiner ganz überzeugen",[3] so dass nur zwei zweite Preise vergeben wurden. Nach deren erneuter Überarbeitung erhielt das Konzept der Architekten Gerhard Weber und Georg Küttinger im März 1970 den Zuschlag.

Der Bau begann am 2. Juli 1974, das Richtfest war im April 1976 und der Einzug der Postmitarbeiter begann im Juli 1977. Das Gebäude war wegen "seiner Größe und Form eine der markantesten Erscheinungen in der City Nord"[4], es hatte eine größte Ausdehnung von 170 m, war damit 15 m länger als das bekannte HEW-Haus und das drittlängste Gebäude in der City Nord. Mit 12 Geschossen und einer Höhe von 52 m war es das zweithöchste Gebäude dort. Aus Rücksicht auf die westlich liegende Wohnbebauung sollte das Gebäude im oberen Teil abgetreppt werden. Diese Vorgaben wurden dann für alle oberirdischen Stockwerke umgesetzt, wodurch das Gebäude die Silhouette einer halb fertigen Pyramide erhielt. Die Außengestaltung blieb sachlich, beherrschend waren glatte Betonfertigteile, umlaufende Fluchtbalkone mit Gitterrosten und braun getönte Aluminiumfenster. Um den Bau als Postgebäude kenntlich zu machen, gestaltete Ernst von Garnier die Fassade mit Gelbtönen unterschiedlicher Schattierungen.

Die Grundstruktur des Gebäudes waren drei dreieckige Kerne für Aufzüge, Versorgung und Treppenhäuser, die durch abgewinkelte Scheibenhochhäuser verbunden waren, in denen sich die eigentlichen Arbeitsräume für geplant maximal 1300 Personen befanden. Der Eingangsbereich lag auf der Fußgängerebene der City Nord ungefähr 5,5 m über Straßenniveau. Unter dem Straßenniveau hatte das Gebäude noch fünf Tiefgeschosse mit einer Tiefgarage für 900 Fahrzeuge, Haustechnik und 1200 m² Schutzräume für die Mitarbeiter. Die Haustechnik war komplex und komfortabel gestaltet worden, eine aufwändige Lüftungs- und Klimaanlage war vorhanden, ebenso Räume für ein Rechenzentrum, eine Kantine und eine Großküche.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Postpyramide arbeiteten zeitweise über 1400 Post-Mitarbeiter, ab den 2010er Jahren nur noch etwa 150.[5] Das Gebäude war im Laufe der Jahre durch Umstrukturierungen und Einsparungen bei der Post für diese zu groß geworden, daher entstanden dort Überlegungen, sich von dem Gebäude zu trennen. Im Jahr 2003 führte das Architekturbüro Bernd Leusmann eine Studie durch, die die Bausubstanz als erhaltenswert und die Grundstruktur als modernen Standards entsprechend erachtet. Die Studie zeigte Möglichkeiten für eine umfangreiche Neugestaltung auf. In den Folgejahren fand sich jedoch kein Nutzungsinteressent. In der Folge verkaufte die Post das Gebäude 2006 an die Benino Investments Ltd. und mietete zunächst Teile für den eigenen Bedarf zurück.

2011 wurde die Anlage wegen mangelnder Brandschutzmaßnahmen geräumt und die verbliebenen Postmitarbeiter mussten vorübergehend ausziehen.[6] In den folgenden Jahren war nur noch ein Viertel der Gebäudefläche genutzt, Teile der Büros weiterhin durch die Post, vor allem jedoch die Tiefgarage als Ort für Langzeitparker.[5] Die Mietverträge der im Gebäude noch tätigen Abteilungen der Deutschen Post AG liefen zum Jahresende 2015 aus.[2] Im Januar 2016 teilte der Projektentwickler „Hamburg-Team“ mit, dass das Bürogebäude abgerissen wird und ein Neubau entstehen soll. Vorgesehen seien 70 Prozent Wohnungen und 30 Prozent Büros.[7] Bauträger des Neubaus soll eine Kooperation unter Führung der Otto Wulff Bauunternehmung werden.[8]

Fotografien und Karte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 53° 36′ 15″ N, 10° 0′ 58″ O

Karte: Hamburg
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Überseering 30
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Hamburg

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. NDR: Brutalismus: Bausünden erleben Comeback. In: www.ndr.de. Abgerufen am 13. Dezember 2016.
  2. a b Hamburger Abendblatt - Hamburg: Abriss der Post-Pyramide steht bevor. In: www.abendblatt.de. Abgerufen am 13. Dezember 2016.
  3. Gerhard Dreier, Referent in der Baubehörde, zitiert nach Sylvia Soggia: City-Nord - Europas Modellstadt der Moderne. S. 166.
  4. Zitiert nach Sylvia Soggia: City-Nord - Europas Modellstadt der Moderne. S. 166.
  5. a b Post-Pyramide wird im Frühjahr abgerissen. In: Hamburger Wochenblatt. 9. September 2015 (hamburger-wochenblatt.de [abgerufen am 28. Dezember 2016]).
  6. Hamburger Abendblatt - Hamburg: Zwangsräumung bei der Post - am Montag gehen die letzten. In: www.abendblatt.de. Abgerufen am 28. Dezember 2016.
  7. Thomas Hirschbiegel: Abriss geplant: Post-Pyramide muss Wohnungen weichen. In: MOPO.de. 15. Januar 2016 (mopo.de [abgerufen am 13. Dezember 2016]).
  8. City Nord: Pyramiden-Abriss schwierig. In: Hamburger Wochenblatt. 1. November 2016 (hamburger-wochenblatt.de [abgerufen am 28. Dezember 2016]).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sylvia Soggia: City-Nord - Europas Modellstadt der Moderne. Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2009, ISBN 978-3-937904-83-2, S. 166–169, 255.
  • Friederike Ulrich, Axel Tiedemann: Wie aus der City Nord eine Wohnstadt wird. In: Hamburger Abendblatt. 15. Januar 2016 (isaria.ag [PDF; abgerufen am 28. Dezember 2016]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Postpyramide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien