Obersächsischer Dialekt

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Der Obersächsische Dialekt oder ObersächsischOsterländisch und Meißenisch – ist gemäß einiger Systematisierungen ein ostmitteldeutscher Dialekt und gehört zur Untergruppe der thüringisch-obersächsischen Dialektgruppe. Gesprochen wird er im Bundesland Sachsen, dem südöstlichen Sachsen-Anhalt und den östlichsten Teilen Thüringens.

Der obersächsische Dialekt grenzt an das Thüringische, das Ostfälische, das Nordobersächsisch-Südmärkische, das Schlesische, das Nordbairische und das Ostfränkische.

Dialekte sind durch ein geschlossenes Sprachsystem definiert, weswegen nach Beat Siebenhaar der obersächsische Dialekt aber seit etwa 100 bis 150 Jahren als ausgestorben gelten müsse; heutzutage existierten nur noch regionale Färbungen des Standarddeutschen, das seinerseits wesentlich auf dem Meißner Deutsch und damit auf einem obersächsischen Dialekt basiert.[1][2]

Mit dem außerhalb Sachsens als Sächsisch bezeichneten Dialekt ist überwiegend die Umgangssprache beziehungsweise der Regiolekt Sachsens gemeint.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merkmale des Obersächsischen sind die generelle Hebung von mittelhochdeutsch /eː/, /o/ und /oː/ zu /iː/, /u/ und /uː/, so heißt es etwa Schnii „Schnee“ und Vulk „Volk“. Mittelhochdeutsch /ö/, /öː/, /ü/, /üː/ und /üe/ wurden zu /e/, /eː/, /i/ und /iː/ entrundet, was eine Aussprache wie beese für „böse“ und Biine „Bühne“ ergibt. Typisch, aber mit jeweils anderen Dialektgruppen gemeinsam, ist sodann die Monophthongierung ursprünglicher Diphthonge, etwa Been für „Bein“ und Boom für „Baum“, sowie die binnendeutsche Konsonantenschwächung, etwa Kardoffeln für „Kartoffeln“ und Babba für „Papa“. Im Unterschied zum Thüringischen lautet der Infinitiv auf -en und nicht -e aus. Weitgehend ausgeblieben ist sodann die Apokope, so heißt es dialektal balde oder im Hause, nicht wie sonst in der Regel bald, zu Hause.

Gesammelt wurde der obersächsische Wortschatz im vierbändigen Wörterbuch der obersächsischen Mundarten, das zwischen 1994 und 2003 erschienen ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Becker, Gunter Bergmann: Sächsische Mundartenkunde. Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1969.
  • Gunter Bergmann: Upper Saxon. In: Charles V. J. Russ: The Dialects of Modern German. A Linguistic Survey. Routledge, London 1990, ISBN 0-415-00308-3, S. 290–312.
  • Rainer Hünecke, Karlheinz Jakob: Die obersächsische Sprachlandschaft in Geschichte und Gegenwart. Winter, Heidelberg 2012.
  • Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache. 1. Aufl. München 1978, seither zahlreiche weitere und überarbeitete Auflagen.
  • Viktor M. Schirmunski: Deutsche Mundartkunde. Hrsg. und kommentiert von Larissa Naiditsch. Peter Lang, Frankfurt am Main 2010. ISBN 978-3-631-59973-0.
  • Beat Siebenhaar: Der sächsische Dialekt. In: Matthias Donath, André Thieme: Sächsische Mythen. Edition Leipzig, Leipzig 2011, S. 91–99. Vorversion online.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ein Leipziger Sprachforscher ist sich sicher: Sächsischer Dialekt weitgehend ausgestorben. In: Leipziger Internet Zeitung. 17. Februar 2011.
  2. Heidrun Böger: Sächsisch stirbt aus. In: Neues Deutschland. 6. Juli 2011 (Interview mit Beat Siebenhaar).