Oberstreit
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 49° 48′ N, 7° 42′ O | |
| Bundesland: | Rheinland-Pfalz | |
| Landkreis: | Bad Kreuznach | |
| Verbandsgemeinde: | Rüdesheim | |
| Höhe: | 200 m ü. NHN | |
| Fläche: | 1,01 km² | |
| Einwohner: | 285 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 282 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 55596 | |
| Vorwahl: | 06758 | |
| Kfz-Kennzeichen: | KH | |
| Gemeindeschlüssel: | 07 1 33 075 | |
| Adresse der Verbandsverwaltung: | Nahestraße 63 55593 Rüdesheim | |
| Website: | www.oberstreit.de | |
| Ortsbürgermeister: | Rudolf Sutor | |
| Lage der Ortsgemeinde Oberstreit im Landkreis Bad Kreuznach | ||

Oberstreit ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Rüdesheim an.
Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Ort liegt nördlich der Nahe. Im Süden befindet sich Staudernheim, im Westen Bad Sobernheim, im Norden Waldböckelheim und östlich liegen Schloßböckelheim und Boos.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Geschichte der Siedlung Oberstreit geht zurück bis in die Römerzeit. Am 23. Oktober 1305 wurde Oberstreit als „Ebenstryt“ erstmals in einer Urkunde des Abtes Werner vom Disibodenberg erwähnt als ein Hof, dessen Besitzer (Jakob von Ebenstrit) ihn durch Schenkung dem Kloster Disibodenberg übertrug.
Der Ort wurde später, begrenzt durch den Bach, in zwei Herrschaftsbereiche aufgeteilt: Die Nordhälfte gehörte zu Waldböckelheim, die Südhälfte zu Staudernheim. Diese Zweiteilung manifestierte sich auch im Ortswappen, das in der einen Hälfte den Fisch aus dem Wappen der Grafen von Salm zeigt, in der anderen Hälfte das Wappen der churpfälzischen Grafen.
Im Bereich des heutigen Friedhofs stand (1491 urkundlich erwähnt) eine dem heiligen Bartholomäus geweihte Kapelle, die wohl ein großer Anziehungspunkt für Wallfahrten war.
Bei der Volkszählung am 1. Dezember 1885 wurden laut Schulchronik 190 Einwohner gezählt, im Einzelnen aufgeschlüsselt:
- Geschlecht: 98 männlich, 92 weiblich
- Konfession: katholisch 152, evangelisch 36, jüdisch 3
- Berufe: 25 Maurer und Steinhauer, 3 Tagelöhner, 15 Ackerer, 7 Knechte, 5 Mägde, 8 Personen weiblichen Geschlechts arbeiteten in der Sobernheimer Strickfabrik, 1 Lehrer, 1 Schmied, 3 Wirte, 1 Wagner, 1 Schuster, 1 Polizeidiener, 2 Näherinnen, 1 Handelsmann. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gingen 16 % der weiblichen Bevölkerung von Oberstreit einer Beschäftigung außer Haus nach.
- Tierhaltung: 10 Pferde, 114 Rinder, 57 Schweine, 41 Ziegen
- Statistik zur Einwohnerentwicklung
Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Oberstreit, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2]
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Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gemeinderat
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Gemeinderat in Oberstreit besteht aus sechs Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.[3]
Bürgermeister
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ortsbürgermeister ist Rudolf Sutor. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 83,87 %[4] und am 9. Juni 2024 als einziger Bewerber mit 84,4 % jeweils für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.[5]
Kultur und Tourismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der bis heute alljährlich im September zur Kirchweih der Bartholomäuskapelle (existiert heute nicht mehr) stattfindende Oberstreiter Markt (so genannte Kirb) wurde erstmals im Jahr 1570 urkundlich erwähnt und zog seinerzeit bis zu 10.000 Besucher an mit allen Konsequenzen. So berichtete der Oberamtmann Pawal von Rammingen am 24. August 1687 von „[leichtfertiger] Üppigkeit und [gottlosem] Wesen mit Tanzen, Fressen, Saufen und Schlägerei auf der sogenannten Oberstreiter Kirb“. Diese Eindrücke bestätigt die Schulchronik: „Schlägereien kamen sehr oft vor; auch von Messern und Gewehren wurde Gebrauch gemacht“. Dies wird vom Chronisten dem „feurigen Nahewein“ zugeschrieben. Ende des 18. Jahrhunderts trieb auch der in der gesamten Region bekannte Schinderhannes mit seiner Bande sein Unwesen auf dem Oberstreiter Markt und erschoss dort eine Reihe von französischen Soldaten. Den Dorfbewohnern wurde dabei nie ein Haar gekrümmt, da sie offensichtlich häufig den Übeltätern Zuflucht boten, was allerdings laut Schulchronik „mehr aus Furcht geschah“. Die Besucherzahlen aus dem 16. Jahrhundert werden heute von der jährlichen Kirmes nicht mehr erreicht.
Insbesondere Gäste, die in Bad Sobernheim zur Kur oder Erholung weilen, übernachten heute wegen der dörflichen Idylle und der unmittelbaren Nähe zur Kurstadt Bad Sobernheim häufig in Oberstreit. Die Nähe zu regionalen Attraktionen des Nahelands und der Anschluss an das Wanderwegenetz tragen zudem zur touristischen Attraktivität der Gemeinde bei.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Edeltrud Boos: Die Einwohner der Bürgermeisterei Waldböckelheim 1798–1912. Ein Ortsfamilienbuch ab 1798 bis 1912 der Gemeinden Bockenau, Boos, Burgsponheim, Oberstreit, Schloßböckelheim, Sponheim, Thalböckelheim und Waldböckelheim in 3 Bänden. 2025, Band I (A–H): ISBN 978-94-038-3245-6, Band II (I–R): ISBN 978-94-038-3246-3, Band III (S–Z): ISBN 978-94-038-3247-0.
Infrastruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 3 km nordöstlich verläuft die Bundesstraße 41 (Anschlussstelle Bad Sobernheim-Steinhardt).
- 3 km südlich in Staudernheim steht ein Bahnhof der Nahetalbahn mit Direktverbindungen nach Bingen, Saarbrücken, Mainz und Frankfurt am Main.
- 3 km nördlich liegt der Sportflugplatz Bad Sobernheim-Domberg.
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Gemeinde gibt es heute biologischen Weinbau und eine Autowerkstatt. Darüber hinaus befinden sich in Oberstreit eine Reihe kleiner Betriebe im Dienstleistungssektor.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gunhild Mc Lachlan: Chronik des Dorfes Oberstreit. (Autorengruppe Bad Kreuznach im Kunstverein Bad Kreuznach, Bad Kreuznach 1994).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ortsgemeinde Oberstreit auf den Seiten der Verbandsgemeinde Rüdesheim
- Literatur über Oberstreit in der Rheinland-Pfälzischen Landesbibliographie
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Bevölkerungsstand von Land, Landkreisen, Gemeinden und Verbandsgemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2022) (Hilfe dazu).
- ↑ Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
- ↑ Rudolf Sutor (Ortsbürgermeister und Gemeindewahlleiter): Bekanntmachung des Ergebnisses der Wahl zum Gemeinderat Oberstreit an der Nahe am 9. Juni 2024. In: Mitteilungsblatt Verbandsgemeinde Rüdesheim und zugehörige Ortsgemeinden, Ausgabe 26/2024. Linus Wittich Medien GmbH, Höhr-Grenzhausen, 27. Juni 2024, abgerufen am 12. April 2026.
- ↑ Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Direktwahlen 2019. siehe Rüdesheim, Verbandsgemeinde, 19. Ergebniszeile. Abgerufen am 15. September 2019.
- ↑ Oberstreit, Ortsbürgermeisterwahl (Gemeinde) 09.06.2024. In: Kommunalwahlergebnisse Oberstreit. Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz, abgerufen am 12. April 2026.
