Oberwil-Lieli

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Oberwil-Lieli
Wappen von Oberwil-Lieli
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau AG
Bezirk: Bremgarten
BFS-Nr.: 4074i1f3f4
Postleitzahl: 8966
Koordinaten: 671596 / 243331Koordinaten: 47° 20′ 13″ N, 8° 23′ 9″ O; CH1903: 671596 / 243331
Höhe: 565 m ü. M.
Fläche: 5.35 km²
Einwohner: 2211 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 413 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
11,3 % (31. Dezember 2015)[2]
Website: www.oberwil-lieli.ch
Oberwil-Lieli

Oberwil-Lieli

Karte
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Oberwil-Lieli, im örtlichen Schweizerdeutsch Oberwiil und Niel [ˌɔbərˈʋiːl], [niəl],[3] statt letzterem jünger [ˈliəlɪ],[4] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Bremgarten im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt an der Grenze zum Kanton Zürich und besteht aus den beiden Ortschaften Oberwil und Lieli. Bis 1984 hiess die Gemeinde offiziell Oberwil (AG).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt auf dem Holzbirrliberg, einem sanft gewellten Hügelzug östlich des Reusstals. Oberwil befindet sich im Südwesten des Gemeindegebiets an Hanglage auf 530 m ü. M.. Drei Bäche, die durch tief eingeschnittene Tobel fliessen, entwässern die Ebene zur Reuss hin. Fast mit Oberwil zusammengewachsen sind die Siedlungen Buechimoos und Augenweid. Rund einen Kilometer nordöstlich von Oberwil, getrennt durch den Falterhauwald, liegt das Dorf Lieli (590 m ü. M.). Ganz im Osten des Gemeindegebiets entspringt der Lunnerenbach, welcher in die Reppisch entwässert.[5]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 535 Hektaren, davon sind 137 Hektaren mit Wald bedeckt und 101 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 674 Meter im Oberholz nördlich von Lieli, der tiefste auf 450 Meter im Gebiet Halden südlich von Oberwil.

Nachbargemeinden sind Berikon im Norden, Birmensdorf im Nordosten, Aesch im Osten, Arni im Südosten, Unterlunkhofen im Süden und Zufikon im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Willare erfolgte im Jahr 1040, als König Heinrich III. dem Kloster Einsiedeln seinen Besitz bestätigte. Der Ortsname stammt von althochdeutsch wĩlari «Hofsiedlung» und wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Ober-Wiler näher bestimmt.[6] Lieli, älter mundartlich Niel, wird erstmals ebenfalls 1040 als in Liele genannt und kommt von althochdeutsch liola bzw. schweizerdeutsch Niele «Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba)».[4][7] Im Mittelalter lag Oberwil im Herrschaftsbereich des Hauses Habsburg-Laufenburg. Zu den Lehnsherren gehörten die Kloster Engelberg und Muri.

Im Jahr 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau, und Oberwil gelangte zum Kelleramt im Herrschaftsbereich der Stadt Zürich. 1429 erwarb Bremgarten die niedere Gerichtsbarkeit. Während des Alten Zürichkriegs verwüsteten die Innerschweizer im Jahr 1445 das Dorf. 1529 traten die Einwohner zur Reformation über, mussten aber nur zwei Jahre später nach dem Zweiten Kappelerkrieg den Katholizismus wieder annehmen. Im Ersten Villmergerkrieg von 1656 plünderten durchmarschierende Truppen das Dorf erneut. Nach der Eroberung der Schweiz durch die Franzosen und der Ausrufung der Helvetischen Republik im März 1798 wurde das Kelleramt aufgelöst. Oberwil und Lieli waren Gemeinden im kurzlebigen Kanton Baden, ab 1803 gehörten sie zum Kanton Aargau.

Pfarreikirche St. Michael in Oberwil
Häusergruppe im Ortszentrum von Oberwil
Restaurant Hirschen in Lieli

Das Dorf Lieli war bis 1908 eine selbständige Gemeinde. Aufgrund ihrer schlechten finanziellen Lage vollzog der Grosse Rat des Kantons Aargau die Fusion gegen den Willen der Bevölkerung. Die Gemeinde hiess weiterhin Oberwil. Am 1. Januar 1984 wurde jedoch der Name in Oberwil-Lieli geändert, um der gewachsenen Bedeutung von Lieli gerecht zu werden. Nachdem die Bevölkerungszahl in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts leicht rückläufig gewesen war, entwickelte sich die Gemeinde ab 1960 aufgrund der Nähe zu Zürich zu einer beliebten Wohngemeinde, und die Einwohnerzahl stieg um fast das Vierfache.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Pfarrkirche St. Michael in Oberwil reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück, aus dieser Zeit ist der romanische Kirchturm erhalten geblieben. 1445 wurde die Kirche während des Alten Zürichkriegs in Brand gesteckt, 1501 erfolgte ein Neubau. Während des Ersten Villmergerkriegs 1656 erlitt die Kirche wiederum schwere Verwüstungen. Ihr heutiges barockes Aussehen erhielt sie 1672/73.[8]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss auf grünem Dreiberg ausgerissener grüner Birnbaum mit gelben Früchten.» Der Birnbaum auf dem seit 1953 in dieser Form bestehenden Wappen weist auf den Holzbirrliberg hin. 1915 hatte der Historiker Walther Merz ohne Erfolg vorgeschlagen, das Wappen der aus Oberwil stammenden Familie von Wile zu führen (weisser Balken in Rot).[9]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[10]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2015
Einwohner 734 649 602 605 551 768 1191 1591 1729 2157 2211

Am 31. Dezember 2015 lebten 2211 Menschen in Oberwil-Lieli, der Ausländeranteil betrug 11,3 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 41,9 % römisch-katholisch und 38,3 % reformiert; 1,4 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[11] 95,1 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,1 % Italienisch, je 1,0 % Englisch und Französisch.[12]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat, der im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk für jeweils vier Jahre gewählt wird. Gemeindepräsident ist seit 2006 Andreas Glarner (SVP).

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bremgarten zuständig. Oberwil-Lieli gehört zum Friedensrichterkreis Lunkhofen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Oberwil-Lieli gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 350 Arbeitsplätze, davon 23 % in der Landwirtschaft, 12 % in der Industrie und 65 % im Dienstleistungssektor.[13] Die Gemeinde ist wegen ihrer attraktiven Lage vor allem ein Wohnstandort. Die meisten Erwerbstätigen arbeiten in Bremgarten oder in der Agglomeration Zürich. Ein besonderer Standortvorteil ist die Tatsache, dass Oberwil-Lieli den tiefsten Steuerfuss des Kantons besitzt (abgesehen von der Gemeinde Döttingen, die den tieferen Steuerfuss durch Zahlungen des KKW Beznau finanziert).

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsumfahrungstunnel in Lieli

Während Oberwil etwas abseits des Durchgangsverkehrs liegt, führt durch Lieli die verkehrsreiche Hauptstrasse zwischen Bremgarten/Mutschellen im Westen und Zürich im Osten. Das Verkehrsaufkommen hat seit der Eröffnung der nahe gelegenen Westumfahrung Zürich (Autobahn A4) weiter zugenommen. Um die Bevölkerung vor den schädlichen Auswirkungen zu schützen, wurde unter Lieli hindurch ein Umfahrungstunnel gebaut, der im April 2008 eröffnet wurde.[14]

Oberwil und Lieli werden durch eine zwischen dem Bahnhof Berikon-Widen der Bremgarten-Dietikon-Bahn und dem Bahnhof Wiedikon verkehrende Postautolinie erschlossen; eine weitere verbindet Oberwil-Lieli mit Lunkhofen. Darüber hinaus verkehrt ein BDWM-Schnellbus von Bremgarten über Oberwil-Lieli und den Uetlibergtunnel zum Bahnhof Zürich-Enge.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über ein Primarschulhaus, das genau in der Mitte zwischen den beiden Dörfern liegt. Die Oberstufenschüler (Realschule, Sekundarschule und Bezirksschule) gehen in das Kreisschulzentrum im benachbarten Berikon. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oberwil-Lieli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbewegungen und -bestand nach Gemeinde und Nationalität, zweites Halbjahr 2015. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, 24. März 2016, abgerufen am 24. März 2016 (XLSX; 169 kB).
  2. Bevölkerungsbewegungen und -bestand nach Gemeinde und Nationalität, zweites Halbjahr 2015. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, 24. März 2016, abgerufen am 24. März 2016 (XLSX; 169 kB).
  3. Gemäss Material des Sprachatlasses der deutschen Schweiz sowie dem am Ort ausgefüllten Wenkersatz.
  4. a b Gemäss Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 673 f.
  5. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090 und 1091, Swisstopo.
  6. Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau (= Argovia 100/II). Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 332–334.
  7. Die Waldreben oder Nielen (Clematis). waldwissen.net, abgerufen am 15. Januar 2010.
  8. Peter Felder: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band IV: Bezirk Bremgarten. Birkhäuser Verlag, Basel 1967, ISBN 3-906131-07-6, S. 341–349.
  9. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 242.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  13. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  14. Tunneleröffnung in Lieli. Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau, 18. April 2008, abgerufen am 15. Januar 2010.