Oberwinterthur

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Wappen von Oberwinterthur (Kreis 2)
Wappen von Winterthur
Oberwinterthur (Kreis 2)
Stadtkreis von Winterthur
Karte von Oberwinterthur
Koordinaten 700175 / 263729Koordinaten: 47° 31′ 0″ N, 8° 46′ 7″ O; CH1903: 700175 / 263729
Fläche 17,4 km²
Einwohner 22'456 (31. Dez. 2014)
Bevölkerungsdichte 1291 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Jan. 1922
BFS-Nr. 230-200
Postleitzahl 8400, 8404, 8409, 8352
Gliederung
Quartiere
Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 1922
Luftbild von Oberwinterthur
die reformierte Kirche St. Arbogast
Römische Mauerreste auf dem Kirchenhügel
Brunnen im Dorfzentrum aus dem Jahr 1833
Altes Dorfzentrum

Oberwinterthur (umgangssprachlich Oberi) ist ein Stadtkreis der Stadt Winterthur in der Schweiz. Die ehemals selbständige Gemeinde Oberwinterthur wurde 1922 eingemeindet und bildet den heutigen Kreis 2.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung lautet: Geteilt, oben in Gold ein schreitender roter Löwe, unten von Blau und Silber geschacht.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberwinterthur bildet den Nordosten der Stadt Winterthur. Das Zentrum des Stadtkreises bildet ein alter, weitgehend intakter Dorfkern mit Fachwerkbauten und Kopfsteinpflasterstrassen auf dem schon in historischer Zeit bewohnten Kirchhügel. Neben dem Dorfkern besteht Oberwinterthur aus neun Quartieren mit sehr unterschiedlicher Struktur. Talacker und Guggenbühl sind zwei ältere Wohnquartiere mit hoher Bevölkerungsdichte. Reutlingen, Stadel und Ricketwil konnten als sogenannte Aussenwachten ihren dörflichen Charakter erhalten. Die Quartiere Grüze und Hegmatten sind von Industriebauten geprägt. Dynamisch entwickeln sich die Quartiere Zinzikon und Hegi auf Grund einer hohen Bautätigkeit.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Oberwinterthurer Kirchhügel ist wahrscheinlich der Ort der frühesten Besiedlung der Stadt Winterthur. Es wird angenommen, dass sich hier schon gegen Ende der Eiszeit Menschen niedergelassen haben. Der Hügel bildete auch den Kern der römischen Siedlung Vitudurum. In Vitudurum gab es unter anderem einen Tempel, eine Kaserne sowie laut einer Inschriftentafel ab 294 n. Chr. ein römisches Kastell, um den Ort vor Germaneneinfällen zu schützen. Archäologische Ausgrabungen zeugen ausgiebig von der römischen Vergangenheit Oberwinterthurs. Der Ort ist eine der wichtigsten archäologischen Fundstellen im Kanton Zürich. Um ca. 400 n. Chr. fand die römische Siedlung ihr jähes Ende mit dem Abzug der Römer aus diesem Gebiet.

Oberwinterthur wurde später wieder als Venterdura (843 n. Chr.) und als Winterduro (856 n. Chr.) erwähnt. Um 919 wird Oberunwinterthur ein weiteres Mal urkundlich genannt. Damals musste Niederwinterthur, das der heutigen Altstadt entspricht, den Zehnten an die Kirche Oberwinterthur (die auf dem ehemaligen römischen Tempel errichtet ist) verrichten. Es dürfte damals eine Konkurrenzsituation zwischen den beiden Orten Oberwinterthur und Niederwinterthur bzw. Winterthur bestanden haben. Die Vormachtstellung gegenüber Niederwinterthur verlor Oberwinterthur jedoch spätestens mit dem Machtgewinn der Kyburger, die Winterthur zu ihrer Hauptstadt machten. Eines der ältesten erhaltenen Gebäude Oberwinterthurs ist das Hohlandhaus, das 1117 als Speicher errichtet wurde und ab dem 14. Jahrhundert als Verwaltungssitz diente.

Bis zur Industrialisierung war Oberwinterthur dann lange ein einfaches Rebbauerndorf. Seine Bewohner betrieben neben Weinbau auch Ackerbau und Viehzucht. 1849 entstand der erste Industriebetrieb. Die Maschinenfabrik, Baumwollzwirnerei und -färberei Jakob Jaeggli. Es folgten weitere Betriebe, unter anderem auch eine Zweigstelle des Industriekonzerns Gebrüder Sulzer. Die Ansiedelung von Industrie in Oberwinterthur wurde unter anderem durch die neu erbauten Bahnlinien (1860 nach Romanshorn, 1875 die Tösstalbahn sowie die Nationalbahn) begünstigt.

Die politische Gemeinde Oberwinterthur umfasste vor der Eingemeindung in die Stadt Winterthur die Zivilgemeinden Grundhof, Hegi, Reutlingen, Ricketwil, Stadel und Zinzikon. 1922 wurde Oberwinterthur mit den anderen Vororten in die Stadt Winterthur eingemeindet.

Siehe auch: Vitudurum, Winterthur#Geschichte

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberwinterthur ist mit fünf Bahnstationen verkehrstechnisch gut erschlossen. Die wichtigste Station ist der Bahnhof Oberwinterthur. Von hier führen Bahnlinien zum Bahnhof Winterthur, nach Stein am Rhein und nach Frauenfeld. Am Bahnhof halten die S8, S12, S29 und S30 der S-Bahn Zürich, sowie eine Nachtlinie von Thurbo. Der Bahnhof ist zudem Endstation von mehreren Regionalbus- bzw. Postautolinien. Diese Busse bedienen Gemeinden im Nordwesten von Winterthur.

Weitere Bahnstationen in Oberwinterthur sind Winterthur-Wallrüti, Winterthur-Reutlingen, Winterthur-Grüze und Winterthur-Hegi (2006 eröffnet).

Oberwinterthur ist auch durch mehrere Trolleybus- und Autobuslinien von Stadtbus Winterthur erschlossen. Unter anderem führen die Linie 1 (Töss-HB-Oberwinterthur), die Linie 5 (Dättnau-HB-Technorama), die Linie 10 (HB-Bahnhof Oberwinterthur) und die Linie 14 (HB-Bahnhof Hegi) durch den Stadtkreis Oberwinterthur. Von 1931 bis 1951 verkehrte die Linie 1 der Strassenbahn Winterthur zum Bahnhof Oberwinterthur.

Individualverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil hat mit der Ausfahrt Oberwinterthur an der A1 im Nordwesten eine eigene Autobahnausfahrt. Zudem durchqueren die Schweizer Hauptstrassen Frauenfeld-Zürich (Hauptstrasse 1) und Wil-Winterthur (Hauptstrasse 7) den Stadtteil.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberwinterthur ist der bevölkerungsmässig grösste Stadtteil von Winterthur.

21 % der Wohnbevölkerung von Oberwinterthur sind im Kinder- und Jugendalter, 66 % im Erwerbstätigenalter und 13 % im Seniorenalter.

Oberwinterthur weist einen Ausländeranteil von 26 % auf. Die Anteil der Ausländerinnen und Ausländer an der Bevölkerung ist je nach Quartier unterschiedlich. Hohe Ausländerquoten weisen Hegmatten (31 %), Guggenbühl (30 %) und Grüze (28 %) auf. Wenig Ausländer leben in den Aussenwachten Stadel (9 %), Ricketwil (10 %) und Reutlingen (11 %). Die grössten Migrantengruppen in Oberwinterthur stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien (6 % der Wohnbevölkerung), aus Deutschland (5 %) und aus Italien (4,5 %).[1]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberwinterthur bildet einen eigenen Schulkreis der Stadt Winterthur mit 13 Kindergärten (Gerzler, Guggenbühl, Hegi, Hegifeld, Im Gern, Rychenberg, Schooren, Stadel, Unteres Bühl, Unterwegli, Wallrüti, Zinzikon und der Stufenkindergarten Guggenbühl), 12 Primarschulen (Guggenbühl, Hegi, Hegi TMZ, Hegifeld, Reutlingen, Rychenberg, Stadel, Stofflerenweg, Talacker und Wallrüti) und 3 Oberstufenschulen (Lindberg, Rychenberg und Wallrüti). Die zahlreichen Schulen und Kindergärten sind organisatorisch in fünf geleitete Schuleinheiten gegliedert. Die Sekundarstufe I in Oberwinterthur ist nach dem Modell einer gegliederten Sekundarschule organisiert.

Kunst und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Oberwinterthur befindet sich das Technorama, das grösste Science Center der Schweiz und das bestbesuchte Museum der Stadt Winterthur.

Jeweils am letzten Wochenende der Sommerschulferien feiern die Bewohner von Oberwinterthur das Oberi-Fäscht. Vereine und Institutionen bieten im historischen Kern von Oberwinterthur kulinarische Köstlichkeiten, Getränke und weitere Attraktionen an.

Unter der Bezeichnung Oberi Sounds Good veranstaltet der Ortsverein Oberwinterthur seit einigen Jahren einen Musik-Event mit renommierten Musikern der Stilrichtungen Swing, Blues, Boogie Woogie und New Orleans Jazz.

Der Musikverein Harmonie Oberwinterthur wurde 1887 unter dem Namen Harmonie Hegi gegründet. 1927 siedelte der Verein nach Oberwinterthur um und änderte seinen Namen in Musikverein Harmonie Oberwinterthur. Der Verein spielt in Harmoniebesetzung der dritten Stärkeklasse. Er ist Mitglied im Musikverband der Stadt Winterthur und im Zürcher Blasmusikverband.

Historische Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche St. Arbogast im Ortskern von Oberwinterthur steht auf dem Ruinenfeld römischer Thermen und eines gallorömischen Tempels aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Die Kirche weist einzigartige Wandmalereien aus dem frühen 14. Jahrhundert auf. Namenspatron der heute reformierten Kirche ist der heilige St. Arbogast von Strassburg[2].

Das Schloss Hegi war über Jahrhunderte Wohnsitz adeliger Familien. Das Schloss beherbergt ein öffentliches Museum. Der Schlosspark ist frei zugänglich.

Das Schloss Mörsburg liegt ganz im Osten von Oberwinterthur. Seine erste Erwähnung geht auf das Jahr 1241 zurück. Das Museum in der Mörsburg zeigt Wohnkultur des 17./18. Jahrhunderts sowie eine Waffen- und Glassammlung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Kläui: Geschichte von Oberwinterthur, 2 Bände, Winterthurer Stadtbibliothek 1968–1971.
  • Werner Leimbacher, Willi Reutimann (Fotograf): Oberi - einst und heute Ortsverein Oberwinterthur, Winterthur 2001, ISBN 3-9522290-0-8.
  • Jürg Rychener: Der Kirchhügel von Oberwinterthur. Die Rettungsgrabungen 1967, 1980 und 1981. Orell Füssli, Zürich 1984, ISBN 3-280-01591-X (= Beiträge zum römischen Oberwinterthur - Vitudurum, Band 1).
  • H. Wyler: Die Gemeinde Oberwinterthur vor der Eingemeindung, in: Winterthurer Jahrbuch 1972, Fabag, Winterthur 1972.
  • Walter Drack, Karl Keller, Albert Knoepfli: Die reformierte Kirche St. Arbogast in Oberwinterthur. GSK, Bern 1984, ISBN 3-85782-354-2 (= Schweizerische Kunstführer, Serie 36, Band 354).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oberwinterthur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Jahrbuch Winterthur
  2. Albert Knoepfli, Karl Keller, Walter Drack: Die reformierte Kirche St. Arbogast in Oberwinterthur. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 354). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1984, ISBN 978-3-85782-354-1.