Obinutuzumab

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Obinutuzumab
Obinutuzumab
Zwei identische Dimere des GA101-Fab-Fragments (Mus musculus) als Bändermodell, nach PDB 3PP3

Vorhandene Strukturdaten: 3PP3

Masse/Länge Primärstruktur 146  kDa
Bezeichner
Externe IDs
Arzneistoffangaben
ATC-Code L01XC15
Wirkstoffklasse Zytostatikum, monoklonaler Antikörper

Obinutuzumab (alte Bezeichnung Afutuzumab, Handelsname Gazyvaro® oder außerhalb der EU als Gazyva®; Hersteller Roche) ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der zur Therapie einer therapieresistenten Chronisch Lymphatischen Leukämie (CLL) und/oder eines follikulären Lymphoms (FL), dem häufigsten Typ des indolenten (langsam wachsenden) Non-Hodgkin-Lymphoms (NHL), eingesetzt werden kann.

Wirkungsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

GA101 (Obinutuzumab) wirkt ähnlich wie Rituximab und Ofatumumab als CD20-Antikörper. Dieser Wirkstoff ist der erste monoklonale CD20-Antikörper der 2. Generation, der mit der Technik des sogenannten Glykoengineering (Glykosylierung) optimiert wurde. Dadurch kann die Vernichtung bösartiger B-Lymphozyten durch Aktivierung anderer Immunzellen gegen Krebszellen oder die direkte Auslösung des Zelltodes verbessert werden.

Zulassungsstatus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA erfolgte – wegen der zu erwartenden guten Ergebnisse – ein beschleunigtes Zulassungsverfahren. Im November 2013 wurde Gazyva® in Kombination mit Chlorambucil von der FDA zur Behandlung einer vormals unbehandelten CLL zugelassen.[1] Im Juli 2014 wurde Gazyvaro® in der EU zur Behandlung von Patienten mit einer vormals unbehandelten CLL zugelassen.[2] Für Europa empfahl das CHMP der europäischen Zulassungsbehörde EMA im April 2016 die Zulassung in der Indikation FL.[3] Eine Zulassung ist in der Regel danach zu erwarten.

Studien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine deutsche Studie mit 781 Patienten zeigte, dass Obinutuzumab im Vergleich zu Rituximab bessere Ergebnisse bei der Behandlung komorbider Patienten mit CLL erzielt.[4] Im Schnitt konnte die progressionsfreie Überlebenszeit um 10 Monate verlängert werden, indem bei der Standardtherapie Rituximab und Chlorambucil ersteres mit Obinutuzumab ersetzt wurde. Jedoch kam es unter Obinutuzumab häufiger zu Infusionsreaktionen und Neutropenien.

Historie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwickelt wurde GA-101 durch Glycart Biotechnology AG, Genentech, Hoffmann-La Roche, Biogen Idec und Chugai Pharmaceutical.[5][2]

Dosierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Phase-III-Studie der Deutschen CLL Studiengruppe wird GA101 mit Chlorambucil kombiniert: 1000 mg GA101 intravenös an den Tagen 1, 8 und 15 (Zyklus 1) und Tag 1 (Zyklus 2–6) sowie 0,5 mg Chlorambucil/kg Körpergewicht oral an den Tagen 1 und 15 jedes Zyklus.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. FDA approves Gazyva for chronic lymphocytic leukemia, PM FDA vom 1. November 2013, abgerufen am 30. Juli 2014
  2. a b Roche's Gazyvaro approved in Europe for patients with the most common type of leukemia, PM Roche vom 29. Juli 2014, abgerufen am 30. Juli 2014
  3. CHMP empfiehlt EU-Zulassung für Gazyvaro von Roche für Patienten mit vorbehandeltem follikulärem Lymphom, PM Roche vom 29. April 2016, abgerufen am 1. Mai 2016
  4. Valentin Goede, Kirsten Fischer, Raymonde Busch, Anja Engelke, Barbara Eichhorst, Clemens M. Wendtner, Tatiana Chagorova, Javier de la Serna, Marie-Sarah Dilhuydy, Thomas Illmer, Stephen Opat, Carolyn J. Owen, Olga Samoylova, Karl-Anton Kreuzer, Stephan Stilgenbauer, Hartmut Döhner, Anton W. Langerak, Matthias Ritgen, Michael Kneba, Elina Asikanius, Kathryn Humphrey, Michael Wenger, Michael Hallek: Obinutuzumab plus Chlorambucil in Patients with CLL and Coexisting Conditions. In: New England Journal of Medicine. 2014, 370: 1101–1110, doi:10.1056/NEJMoa1313984.
  5. GA-101, a third-generation, humanized and glyco-engineered anti-CD20 mAb for the treatment of B-cell lymphoid malignancies. Researchgate, abgerufen am 9. Juli 2014 (englisch).
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!