Objezierze (Trzebielino)

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Objezierze
Objezierze führt kein Wappen
Objezierze (Polen)
Objezierze
Objezierze
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Bytów
Gmina: Trzebielino
Geographische Lage: 54° 18′ N, 17° 4′ OKoordinaten: 54° 18′ 0″ N, 17° 3′ 57″ O
Einwohner: 225
Telefonvorwahl: (+48) 59
Kfz-Kennzeichen: GBY
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Landesstraße 21: SłupskMiastko
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig



Objezierze (deutsch Wobeser, kaschubisch Òbjezeré) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Pommern und gehört zur Landgemeinde Trzebielino (Treblin) im Powiat Bytowski (Kreis Bütow).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Objezierze liegt 23 Kilometer südlich der Stadt Słupsk (Stolp) an der polnischen Landesstraße 21 (ehemalige deutsche Reichsstraße 125), die von Słupsk nach Miastko (Rummelsburg) führt. Bis zur heutigen Kreisstadt Bytów (Bütow) sind es 29 Kilometer, und bis zur ehemaligen Kreismetropole Miastko 38 Kilometer.

Bahnanschluss bestand von 1883 bis 1991 über die Station Zielin Miastecki (Sellin) an der Bahnstrecke Lipusz–Korzybie (LippuschZollbrück), die dann geschlossen wurde.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname Objezierze kommt in Polen mehrfach vor, die deutsche Ortsbezeichnung Wobeser nur hier.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Wobeser war ein alter Wobeserscher Besitz und hat diesem Geschlecht den Namen gegeben. Im Jahre 1590 waren hier acht Bauern und zwei Kossäten registriert, 1833 gab es acht Bauern und sechs Kossäten.

Der einstige Holzkaten hatte den Namen Ulrich erhalten und war zum Vorwerk ausgebaut worden. 1806 entstanden der Sengerkaten und später noch die Vorwerke Franzhof und Friederikenhöhe. Bis 1871 waren diese Wohnteile bis auf Friederikenhöhe (heute polnisch: Myślimierz) eingegangen. Nach 1885 wurde dann der Glienkamp angelegt.

In einem Erbvergleich der Gebrüder Wobeser erhielt 1533 Jürgen Wobeser das Dorf Wobeser mit Missow (Miszewo). Sein Nachfolger wurde Woyschlaff Wobeser 1575. Ein Teil des Besitzes gelangte im 17. Jahrhundert an die von Puttkamer.

1717 waren Oswald von Wobeser und die Witwe des Jakob Edgard von Wobeser Besitzer des Dorfes. 1764 wurde Georg Henning von Wobeser alleiniger Eigentümer. Ludewig Benjamin von Wobeser verkaufte das Gut nebst Missow 1801 an Anton Ludwig von Puttkamer. 1892 dann war Wobeser im Besitz des Friedrich Rieck.

Im Jahre 1812 hatte Wobeser 49 Einwohner, 1853 waren es 52, 1885 bereits 108 und 1925 schon 172. Im Jahre 1933 wurden 384 Bewohner gezählt, 1939 waren es 371.

Vor 1945 gehörte Wobeser zum pommerschen Landkreis Rummelsburg im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern. Mit der Gemeinde Missow (Miszewo) war es in den Amtsbezirk Gumenz (Gumieniec) eingegliedert, und auch das zuständige Amtsgericht war hier.

Seit 1945 ist Wobeser unter der Bezeichnung Objezierze polnisch und heute Teil der Gmina Trzebielino im Powiat Bytowski in der Woiwodschaft Pommern (1975–1998 Woiwodschaft Stolp). In dem Ort, der heute 22 Einwohner zählt, besteht ein Schulzenamt, zu dem auch Myślimierz (Friederikenhöhe) gehört.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung von Wobeser war vor 1945 überwiegend evangelisch. Mit Missow (heute polnisch: Miszewo) bildete der Ort eine eigene Kirchengemeinde, die Filialgemeinde im Kirchspiel Quackenburg (Kwakowo) im Landkreis Stolp war.

Zunächst gab es in Wobeser lediglich eine Kapelle. Um die Dienste des Quackenburger Pfarrers in dieser Kapelle gab es jahrhundertelang Streit mit dem Gutsbesitzer von Wobeser. 1823 wurden die Kapelle wegen Baufälligkeit abgerissen und 1852 durch eine neue ersetzt. Im Jahre 1886 schließlich wurde die Kirche eingeweiht.

Im Jahre 1940 zählte die Kirchengemeinde Wobeser 540 Gemeindeglieder (von 3122 im gesamten Kirchspiel). Sie gehörte zum Kirchenkreis Stolp-Stadt im Ostsprengel der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union. Letzter deutscher Geistlicher war Pfarrer Max Lechner.

Seit 1945 ist die Einwohnerschaft von Objezierze mehrheitlich katholisch. Die Kirchengemeinde ist nun - wie auch Cetyń (Zettin) - Filialgemeinde in der Pfarrei Suchorze (Zuckers) im Dekanat Miastko (Rummelsburg) im Bistum Köslin-Kolberg der Katholischen Kirche in Polen.

Die Kirche wurde auch nach 1945 durch die deutschsprachigen evangelischen Gemeinden der Region genutzt und war Eigentum der Evangelischen Kirche in Polen. Nachdem der örtliche katholische Pfarrer Weihnachten 1971 Zugang zur Kirche erhalten hatte, ließ dieser die Schlösser tauschen und verweigerte der evangelischen Gemeinde den Zugang, seitdem wird die Kirche ausschließlich für katholische Gottesdienste genutzt.[1]

Hier lebende evangelische Kirchenglieder gehören jetzt zum Kirchspiel der Kreuzkirche in Słupsk (Stolp) in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchturmsage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kirchturm von Wobeser fand Eingang in eine Sage, die Jodocus Donatus Hubertus Temme (1798–1881) erzählt. Danach befand sich der hohe weiße Turm in einer derartigen Höhenlage, dass man ihn bis weit hinein in der Ostsee sehen konnte. Das Dorf erhielt von der Stadt Lübeck, die in der Ostsee eine rege Schifffahrt betrieb, regelmäßig Geld, um den Turm als seemännisches Merkzeichen stets mit Kalkanwurf weiß halten zu können.

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1813 zählte die Wobeser Schule einen Lehrer und siebzehn Kinder, 1932 kamen auf einen Lehrer 63 Schulkinder.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Kreis Rummelsburg. Ein Heimatbuch. 1979
  • Hans Glaeser: Das Evangelische Pommern. Teil 2, Stettin 1940.
  • Ernst Müller: Die Evangelischen Geistlichen Pommerns von der Reformation bis zur Gegenwart. Teil 2, Stettin 1912.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jan Wild: „Podwójna diaspora. Wybrane aspekty dziejów Kościoła ewangelickiego na Pomorzu w latach 1945-1994“ in Polski protestantyzm w czasach nazizmu i komunizmu. Zbiór studiów pod redakcją Jarosława Kłaczkowa, Toruń 2009, s. 401-433, ISBN 978-83-7611-361-6 (polnisch)