Obstbrand

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Obstbrandglas mit einem Destillat
Streuobstwiese bei Tübingen, Südwürttemberg

Obstler, Obstwasser oder Obstbrand bezeichnet eine Spirituose, die aus verschiedenen Früchten wie beispielsweise Birnen, Äpfeln oder Zwetschgen hergestellt wird. Die Früchte werden gemeinsam gemaischt und diese Maische wird einer alkoholischen Gärung unterworfen. Daraus wird durch Destillation, man spricht vom Brennen, ein Schnaps gewonnen. Der Mindestalkoholgehalt beträgt 37,5 Volumenprozent.[1][2] Die verschiedenen Arten von Obstbränden sind unter Spirituose aufgeführt. Bei Obstwasser/Obstbrand ist vorgeschrieben, die verwendeten Früchte in absteigender Reihenfolge (nach der verwendeten Menge) auf dem Etikett aufzuführen, z. B. Obstwasser aus Äpfeln und Birnen. Ein Obstler wie Mirabellenbrand/Mirabellenwasser etwa wird aus nur einer, der namensgebenden, Frucht destilliert. Es dürfen keine weiteren Früchte zugesetzt werden. Wird eine Sorte in den Namen aufgenommen, wie bei Williams-Christ Birnenwasser, dürfen keine Birnen einer anderen Sorte zusätzlich verwendet werden.

Verwendete Früchte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Qualität eines Obstbrandes hängt wesentlich von der Qualität der zur Herstellung verwendeten Früchte ab. Das Brennobst sollte die optimale Genussreife erreicht haben, damit ein ausgeprägtes und sortentypisches Aroma vorhanden ist. Je höher der Zuckergehalt, desto größer ist die Alkoholausbeute. Um Branntweinfehler zu vermeiden, muss das Obst frei von Erde, Gras und Blättern sein. Unreife, faule, verschimmelte und schlecht ausgebildete Früchte sind nicht geeignet. Sie enthalten wenig Zucker und kaum gute Aromastoffe.

Verwendet werden alle Arten von Obst wie:

Der durchschnittliche Einkaufspreis für Obstbrennereien (im Jahr 2004) liegt bei Äpfeln pro Kilogramm ca. bei 0,05 € und bei Birnen ca. bei 0,04 €. Das verwendete Obst stammt häufig von Streuobstwiesen, die von vielen bäuerlichen Betrieben und Nebenerwerbsbrennern gepflegt werden. Das Obst der Streuobstwiesen ist in der Regel nicht als Tafelobst für den unmittelbaren Verzehr geeignet. Dieses so genannte Wirtschaftsobst kann aber gut für Obstsäfte, Most, Obstbrand, Marmelade und die Gewinnung von Agraralkohol genutzt werden.

Die Erhaltung, Landschafts- und Biotoppflege zahlreicher Streuobstwiesen gelingt heute (oft nur noch) durch die Abnahmegarantie der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein, die den von bäuerlichen Kleinbetrieben und Nebenerwerbsbrennereien destillierten Agraralkohol zu festgesetzten Literpreisen abnimmt. Währenddessen ist der Absatz von Apfelsaft aus Streuobst erheblich zurückgegangen. So stammte im Jahr 2003 nur noch 30 % des in Baden-Württemberg verarbeiteten Apfelsaftkonzentrats aus heimischem Streuobst. 65 % stammten aus importiertem Apfelsaftkonzentrat.[3]

Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obstgeist
Im Gegensatz zum Obstbrand werden beim Obstgeist die Früchte nur zum Aromatisieren von reinem, geschmacksneutralem Alkohol verwendet. Typischerweise geschieht das bei Beerenfrüchten, deren geringer Zuckergehalt nicht für eine alkoholische Gärung ausreicht. Am bekanntesten unter dieser Spirituosenform ist der Himbeergeist.
Obsttresterbrand
Brand aus dem Trester einer oder mehrerer Obstsorten (allerdings außer Weintrauben) ist ein Obsttresterbrand.

Lager- und Genusstemperatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lagerung unterliegt keinen besonderen Erfordernissen, der Genuss erfolgt üblicherweise bei Zimmertemperatur oder leicht gekühlt (Untertemperatur).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eau de vie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Obstler – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Obstler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verordnung (EG) Nr. 110/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Januar 2008, Anhang II, 9. Obstbrand (siehe auch: Spirituosen bei www.was-wir-essen.de)
  2. Mindestalkoholgehalt von Spirituosen – Die Bundesbehörde der Schweizerischen Eidgenossenschaft
  3. Wolf-Dieter Riexinger: Streuobstwiesen – gefährdeter Lebensraum der Kulturlandschaft. Schwäbische Heimat, H. 3, 2005, S. 267 ff.