Ockershausen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ockershausen
Stadt Marburg
Koordinaten: 50° 48′ 3″ N, 8° 44′ 56″ O
Höhe: 203 m ü. NHN
Einwohner: 4717 (31. Dez. 2010)[1]
Postleitzahl: 35037
Vorwahl: 06421
Bild von Ockershausen

Ockershausen ist eine 1931 eingemeindete Stadtteilgemeinde der Kernstadt von Marburg in Mittelhessen mit gut 6000 Einwohnern. Die Gemarkung Ockershausens umfasst neben dem gleichnamigen Stadtbezirk (4717 Einwohner) auch den neueren Stadtbezirk Stadtwald (1386 Einwohner).[1] Ortsvorsteher ist Ludwig Schneider.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von der Straße Hohe Leuchte oberhalb von Ockershausen auf Stadtwald im Süden. Dazwischen das Gebiet unterhalb des Aussichtsgipfels Hasenkopf (Februar 2016)

Ockershausen liegt südwestlich der Kernstadt von Marburg, der Kreisstadt des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Es stößt im Westen an den Marburger Rücken, im Osten an die Lahn.

Zu Ockershausen gehört neben dem alten Kernort im Lahntal auch der Stadtwald, ein neuer, jedoch nicht eigenständiger Stadtteil Marburgs, der oben im Gebiet der ehemaligen Tannenberg-Kaserne erbaut wurde. Teils wird diese Konversionsfläche mit seinen Lagerhallen als Gewerbefläche genutzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Topografische Karte von 1857 mit Wegekreuzung im Osten, dem heutigen Wilhelmsplatz. Dort beginnt der Stadtteil

Erstmals erwähnt wird der Ort Ockershausen im Jahr 1234 im Urkundenbuch der Deutschordensballei.[2] Nach dem ältesten erhaltenen Salbuch (Erbregister) des Amtes Marburg von 1374 war Ockershausen neben Cappel, Marbach und Wehrda ein Hausdorf der Landgrafen von Hessen. Dies bedeutete, dass die Bewohner dieser dem Marburger Schloss am nächsten gelegenen Dörfer zu zusätzlichen Hand- und Spanndiensten für die Landgrafen verpflichtet waren. Bereits 1931 wurde Ockershausen als Stadtteil nach Marburg eingemeindet, das frühere flache Ackerland im Tal mit Wohngebäuden bebaut.[3] Ockershausen ist heute Stadtteilgemeinde in der Kernstadt Marburg.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Ockershausen unterstand im Überblick:[4][2]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Ockershausen zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[8]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Landgericht Marburg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Marburg. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[9] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[10]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die Übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1925 sind:[2]

1577: 19 Hausgesesse
1630: 23 Haushalte (1 vierspännige, 2 dreispännige, 1 zweispännige Ackerleute, 16 Einläuftige, 3 Witwen)
1681: 18 hausgesessene Mannschaften
1747: 61 Haushalte
1767: 335 Einwohner. Erwerbspersonen: 1 Zimmermann, 1 Maurer, 1 Weißbinder, 1 Schneider, 1 Leineweber, 3 Wirte, 29 Tagelöhner und -innen, 1 Jude als Viehhändler.
1838: 755 Einwohner. Familien: 44 Ackerbau, 21 Gewerbe, 53 Tagelöhner.
1861: 716 evangelisch-lutherische, 103 evangelisch-reformierte, 6 römisch-katholische, 40 jüdische Einwohner
Ockershausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1925
Jahr     Einwohner
1834
  
698
1840
  
756
1846
  
836
1852
  
911
1858
  
823
1864
  
875
1871
  
885
1875
  
882
1885
  
954
1895
  
1.020
1905
  
1.182
1910
  
1.234
1925
  
1.366
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im sportlichen Bereich gibt es in Ockershausen den Turnverein TSV Marburg-Ockershausen, zu dem eine der erfolgreichsten Rhönrad-Mannschaften Deutschlands gehört. Die Turner des Vereins gewannen bereits zahlreiche Weltmeistertitel und Deutsche Meisterschaften.

Naturraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Heilige Grund ist ein als Streuobstwiese genutztes Tal, das Ockershausen mit der neueren Siedlung Stadtwald verbindet. Es weist eine große Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten auf. Die Bezeichnung Heiliger Grund wird seit dem Mittelalter verwendet. Bis zum Jahr 1150 gehörte Marburg kirchenrechtlich zu Oberweimar, wo auch die Marburger Toten begraben werden mussten. Die Leichen wurden über den Totenweg, der im Heiligen Grund verläuft, nach Oberweimar transportiert. Die Beerdigung der Toten aus dem damals eigenständigen Dorf Ockershausen erfolgte noch bis 1570 in Oberweimar. Oberhalb des Heiligen Grundes, auf dem Gebiet der Gemarkung Tanzplatz, wurde eine bandkeramische Siedlung entdeckt.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Matthäuskirche

In Ockershausen befindet sich die Matthäuskirche mit ihrem externen weißen Turm. Außerdem wurde im Jahr 2005 die „Evangelische Kirche im Stadtwald“ neu gegründet. Die Neuapostolische Kirche ist in der Nähe des Friedhofes angesiedelt.

Heiliger Grund

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtteil Ockershausen befinden sich außergewöhnlich viele Schulen der Stadt Marburg: Elisabethschule, Gymnasium Philippinum, Freie Waldorfschule, Die Kaufmännischen Schulen, Sophie-von-Brabant Schule, Freie Schule, Bettina-von-Arnim-Schule, Daniel-Cederberg-Schule, Julie-Spannagel-Schule.

In Ockerhausen befindet sich mit dem rund 12.000 Zuschauer fassenden Georg-Gaßmann-Stadion nebst Sporthalle die größte Sportstätte Marburgs. Dort finden regelmäßig Sportveranstaltungen, wie zum Beispiel die Spiele der Marburg Mercenaries oder die Bundesligaspiele des Damen-Basketball-Bundesligisten BC Marburg, statt.

Die Stadtbuslinie 5 verbindet die beiden Wohngebiete mit der Innenstadt und dem Bahnhof an der Main-Weser-Bahn.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Marburger Zahlen von 2009–2010 auf der Website der Stadt Marburg (pdf; S. 10).
  2. a b c Ockershausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 30. März 2017)
  3. Dettmering, Erhart (Hrsg.): Marburger Geschichte. Rückblick auf die Stadtgeschichte in Einzelbeiträgen. Marburg 1980, 2. Aufl. Marburg 1982, S. 454.
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 370 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 100 (online bei Google Books).
  7. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August, (kurhessGS 1821) S. 223–224.
  8. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  9. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  10. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)