Odense

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Dänemark Odense
(dt: Ottensee)
Wappen von Odense
Odense (Dänemark)
Odense
Odense
Basisdaten
Staat: Dänemark
Region: Syddanmark
Kommune
(seit 2007):
Odense
Koordinaten: 55° 24′ N, 10° 24′ OKoordinaten: 55° 24′ N, 10° 24′ O
Gegründet: 1355
Einwohner:
(2016[1])
175.245
Fläche: 15 km²
Bevölkerungsdichte: 11.683 Einwohner je km²
Höhe: 13 m ö.h.
Postleitzahl: 5000
Bürgermeister: Anker Boye
Partnerstädte: siehe Artikeltext
Website: www.odense.dk
Sankt Knuds Kirke
Sankt Knuds Kirke
Klimadiagramm von Odense

Odense ((Audio-Datei / Hörbeispiel dänische Aussprache?/i, [ˈoːð̞ˀənsə], [ˈoð̞ˀn̩sə]; deutsch: Ottensee) ist eine Großstadt auf der dänischen Insel Fünen. Sie bildet das Zentrum der Kommune Odense, Region Syddanmark. Die 175.245 Einwohner der Stadt (Stand 1. Januar 2016[1]) heißen Odenseaner.

Die drittgrößte Stadt des Landes ist Bischofssitz des Bistums Fünen und beheimatet den Hauptcampus der Süddänischen Universität.

Durch die Stadt verläuft der Fluss Odense Å. Über den Odense-Kanal ist sie mit dem Odense-Fjord verbunden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt wurde erstmals 988 in einem Dokument, das von König Otto III. erstellt wurde, erwähnt. Der Name der Stadt kommt wahrscheinlich aus der Wikingerzeit, als die Kultstätte „Odins Vi“ zu Ehren des Gottes Odin errichtet wurde. Zu dieser Zeit wurde auch die Wikingerburg Nonnebakken gebaut. Um 1060 wurde Odense der Sitz des Bischofs der Insel Fünen. Hier wurden zahlreiche Klöster und Kirchen sowie kirchliche Stiftungen errichtet. Hierzu gehören die Vor Frue Kirke, die wohl älteste Kirche der Stadt, und der Dom Sankt Knuds Kirke.

1086 wurde König Knut IV. der Heilige in Odense ermordet. Während eines Bürgerkriegs wurde die Stadt im Jahr 1240 teilweise zerstört. 1355 bekam Odense die Rechte einer Handelsstadt. Der Lübecker Buchdrucker Johann Snell druckte 1482 in Odense die ersten Inkunabeln Dänemarks. Etwa 1500 zog Königin Christine, die Frau von König Hans, mit ihrem Hof nach Odense. Dadurch wuchsen die Stadt und der Handel. Die Reformation schadete ihr im Gegensatz etwa zu Ribe wenig. Um 1600 hatte die Stadt zwischen 5.000 und 6.000 Einwohner. Diese Zahl sank 1672 auf 3.800, als die Stadt von schwedischen Truppen geplündert worden war. Von 1654 bis 1658 war Odense dänische Hauptstadt.

Die Einwohnerzahl stieg bis 1769 wieder auf 5.200, womit Odense die zweitgrößte Stadt Dänemarks wurde. 1803 wurden auch der Kanal und der Hafen der Stadt ausgebaut. Damit begann die Industrialisierung in der Stadt. 1805 wurde Hans Christian Andersen, der wohl berühmteste Sohn der Stadt, geboren. Die Stadtmauern, die Odense jahrhundertelang umgaben, wurden im Jahr 1851 niedergerissen, da innerhalb der Mauern nicht mehr genügend Platz für die wachsende Industrie der Stadt war. Der Bau der Albanibrücke ermöglichte es, die Stadt in Richtung Süden zu erweitern. Durch die vermehrte Zuwanderung von Arbeitern stieg auch die Einwohnerzahl der Stadt weiter an. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden das erste Gas- und Wasserwerk Dänemarks in der Stadt errichtet. Im Jahr 1865 wurde die erste Eisenbahnlinie auf der Insel Fünen in Betrieb genommen. Ab 1891 wurden die ersten Teile der Stadt mit Strom versorgt. 1935 wurde ein 177 Meter hoher Aussichtsturm in Stahlfachwerkbauweise, Odinstårnet, errichtet, der aber bereits 1944 wieder zerstört wurde.

1943 nahm der Widerstand gegen die deutsche Besatzung auch in Fünen zu. In Odense wurden vier junge Mediziner von deutschen Besatzern ermordet.

Seit 1956 wird der Hans Christian Andersen-Preis immer am 2. April, dem Geburtstag des Dichters, in der Stadt verliehen. Von 1970 bis 2007 war Odense Kreishauptstadt von Fyns Amt.

Entwicklung der Einwohnerzahl[1][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010
Einwohner (Gemeinde) 168.528 171.468 176.133 182.617 183.912 185.871 188.777

(jeweils 1. Januar)

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

H. C. Andersens Barndomshjem – Im Haus Munkemøllestræde 3/5 verbrachte Dänemarks bekanntester Dichter Hans Christian Andersen seine Kindheit
Konzerthaus
Rathaus (1881/83)
Kulturzentrum Brandts Klædefabrik
Schloss Odense – Sitz der Kommunalverwaltung

Museen und Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Hans-Christian-Andersen-Museen (H. C. Andersens Hus und H. C. Andersens Barndomshjem) bieten Einblick in das Leben und Werk des Dichters. Hierzu gehört auch Fyrtøjet, in dem sich Kinder aktiv mit den Märchen des Dichters beschäftigen. Sie können sich dort verkleiden und die Geschichten von Andersen nachspielen.
  • Das Danmarks Jernbanemuseum zeigt die größte Sammlung von Eisenbahnen und Fähren in Nordeuropa auf über 10.000 m².
  • Das Haus Brandts besteht aus einer Kunsthalle, einem Museum für Fotokunst und Dänemarks Medienmuseum. Außerdem befindet sich in diesem Haus die einzige Kunstbuchhandlung der Insel Fünen.
  • Das Bymuseet Møntergården zeigt eine archäologische Sammlung über die Geschichte von Fünen.
  • Im Freilichtmuseum Den Fynske Landsby („Das Fünendorf“) können 25 ländliche Bauten des 18. und 19. Jahrhunderts besichtigt werden.
  • Im Freilichtmuseum Jernalderlandsbyen („Das Eisenzeitdorf“) im Vorort Næsby sind zahlreiche Rekonstruktionen von eingerichteten Häusern und eine historische Werkstatt der Eisenzeit zu sehen.
  • Das Europæisk Automobilmuseum zeigt etwa 120 Automobile, die hauptsächlich aus der Periode 1945 bis 1960 stammen.
  • Odense Zoo zeigt eine Vielzahl von Tieren aus allen Erdteilen. Der Zoo ist besonders bekannt für sein Ozeaneum.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Dom, die gotische Sankt Knuds Kirke aus dem 14. Jahrhundert auf den Grundmauern eines Vorgängerbaus von 1080/1100 zählt zu den bedeutendsten dänischen Sakralbauten und besitzt einen berühmten Altar des Lübeckers Claus Berg (1520) .
  • Die Vor Frue Kirke ist ein spätromanischer einschiffiger Bau vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Die Außenfassade stammt aus dem 19. Jahrhundert.
  • Die katholische frühgotische Sankt Albani Kirke mit romanischem Portal hat einen 54 m hohen Glockenturm.
  • Die Kirche Sankt Hans (Johannes) wurde seit 1250 im spätromanischen Stil als ursprünglich einschiffige Klosterkirche des Johanniterordens erbaut; aus dieser Zeit stammen die Kreuzarme. Im 15. Jahrhundert erfolgte ein Umbau im gotischen Stil; damals wurden die Seitenschiffe errichtet.
  • Die Fredenskirke wurde 1916–1920 von Peder Klint als Hallenkirche aus gelbem Backstein in Anlehnung an den Stil gotischer Backsteinkirchen erbaut.
  • Im Konzerthaus der Stadt befindet sich das Carl Nielsen-Museum. Es gibt einen chronologischen Überblick über das Leben des Komponisten.
  • Das Theater von Odense – das zweitälteste Theater Dänemarks – wurde 1796 gebaut. Es verfügt über fünf verschiedene Bühnen und eine Theaterschule. Hans Christian Andersen debütierte als Kind an diesem Theater.
  • Das Schloss von Odense (Odense Slot) wurde 1280 als Hospital für den Johanniterorden gebaut. Später wurde es als Kloster verwendet. 1579 wurde es auf Befehl von Frederik II. zum Schloss umgebaut. Heute wird ein im 19. Jahrhundert im klassizistischen Stil modernisierter Flügel des Gebäudes von der Kommunalverwaltung genutzt.
  • Die Munkebjerg Kirke wurde 1962 als sechseckiger zeltartiger Bau aus Beton errichtet.
  • Das Rathaus der Stadt im Stil mittelitalienischer gotischer Rathäuser wurde 1881–83 errichtet.
  • Das Universitätsklinikum Odense ist die größte Klinik Dänemarks. Das Hauptgebäude des vormaligen Kreis- und Stadtkrankenhauses wurde 1912 errichtet.
  • Auf dem parkartigen Assistenzfriedhof sind viele bedeutende Bürger beigesetzt.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben einem Standort der Süddänischen Universität beherbergt Odense unter anderem das Musikkonservatorium Odense, die Schauspielschule des Odense Teater und die Ingenieurhochschule CVU. In Odense gibt es auch eine Reihe von Hochschulen im Rahmen des University College South Denmark[2].

Wirtschaft und Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Odense sind Schiffbau-, Elektro-, Textil- und Nahrungsmittelindustrie angesiedelt, unter anderem der Elektromotorenhersteller Thrige Titan,[3] die Albani-Brauerei, Odense Marcipan, die GASA Group (der europäische Marktführer im Blumengroßhandel), der Arzneimittelimporteur Orifarm und der Hersteller von Ausschanksystemen Micro Matic. In Munkebo befindet sich die ehemalige Odense Staalskibsværft (jetzt Lindø Industripark).

Die Stadt ist Sitz des zweiten dänischen Fernsehsenders TV 2 und der Zeitung Fyens Stiftstidende. Sie ist mit einer Auflage von 47.400 Exemplaren im ersten Halbjahr 2010 die größte regionale Tageszeitung auf Fünen.

Anfang 2017 verkündete Mark Zuckerberg, das achte Rechenzentrum von Facebook in Odense zu errichten.[4]

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flughafen Odense liegt rund zwölf Kilometer nördlich der Stadt. Das Fahrradwegenetz hat eine Streckenlänge von 550 km. 2006 betrug der Anteil des Radverkehrs 24 % der Wege Odenses, im Stadtzentrum war das Fahrrad das am meisten benutzte Verkehrsmittel. Der Anteil des Öffentlichen Personennahverkehrs betrug 6 %, der Anteil der Autos 47 %.[5]

Die Intercity-Züge zwischen Kopenhagen und Jütland halten in Odense. Zwischen Nyborg, Odense und Middelfart sowie zwischen Odense und Svendborg gibt es regionale Zugverbindungen. Odense ist an den Flughafen Kopenhagen mit einigen direkten Zugverbindungen angebunden.[6]

2015 wurde Dänemarks erste[7] DDI als „Dynamisk Ruderanlæg“ nach einer französischen Erfindung aus den 1970er Jahren und amerikanischem Design aus dem Jahr 2009 planfestgestellt. Dabei werden die getrennten Fahrbahnen des Zubringers auf der Autobahnbrücke auf quasi Linksverkehr umgestellt, um die Wartezeit der dritten Ampelphase überflüssig zu machen. Dies wird bis spätestens November 2017 die vorhandene Anschlussstelle 52 auf der E20 zum Assensvej ersetzen.[8] 55° 21′ 40,6″ N, 10° 20′ 41,8″ O [9][10]

In Odense gab es einen Straßenbahnbetrieb, der bis 2020 unter dem Begriff „Odense Letbane“ wiederbelebt wird. Die erste Linie soll auf einer Länge von 14,5 Kilometern die Stadtteile Tarup und Hjallelese in Nord-Süd Richtung verbinden und 26 Stationen umfassen. Die Bauarbeiten begannen 2015 unweit des TRE-FOR Park. Das Straßenbahnnetz soll 2020 fertiggestellt werden. Die Stadt Odense erwartet rund 30 000 Fahrgäste täglich und rund eine Million monatlich.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der führende Fußballverein der Stadt ist der Superligaklub Odense BK.

Seit 2000 findet im Herbst der H. C. Andersen Marathon statt, einer der größten Marathonläufe Skandinaviens.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Odense hat Beziehungen zu folgenden 20 Partnerstädten:[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Statistikbanken -> Befolkning og valg -> BY1: Folketal 1. januar efter byområde, alder og køn (dänisch)
  2. University College Süddänemark (dt.) Offizielle Website, abgerufen am 13. August 2015.
  3. Historie
  4. Facebook’s Eighth Data Center to Be Located in Odense, Denmark. Abgerufen am 20. Januar 2017 (amerikanisches englisch).
  5. Mobilität und Verkehr in Odense
  6. Verkehr und Transport
  7. Vejdirektoratet planlægger venstrekørsel på motorvejsbro, transportnyhederne.dk vom 21. April 2015
  8. Bilister skal køre i venstre side ved motorvejen. 5. Januar 2017 (fyens.dk [abgerufen am 5. Februar 2017]).
  9. Dynamisk Ruderanlæg - Odense SV, veröffentlicht 23. Juli 2014, Update vom 1. Juni 2015
  10. Dynamisk Ruderanlæg. Abgerufen am 21. Januar 2017.
  11. Odense Kommune

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Odense – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Odense – Reiseführer