Oderzo

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Oderzo
Wappen
Oderzo (Italien)
Oderzo
Staat Italien
Region Venetien
Provinz Treviso (TV)
Lokale Bezeichnung Oderso
Koordinaten 45° 47′ N, 12° 29′ OKoordinaten: 45° 47′ 0″ N, 12° 29′ 0″ O
Höhe 14 m s.l.m.
Fläche 42 km²
Einwohner 20.466 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte 487 Einw./km²
Postleitzahl 31046
Vorwahl 0422
ISTAT-Nummer 026051
Volksbezeichnung Opitergini
Schutzpatron Tizian (Titianus) von Oderzo
Website www.comune.oderzo.tv.it

Oderzo ist eine italienische Stadt in der Region Venetien, Provinz Treviso, mit 20.466 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2017).

Lage und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt etwa 28 km nordöstlich von Treviso.

Sie liegt in der Nähe verschiedener Autobahnen (autostrade) und hat auch einen kleinen Bahnhof.

Für die Wirtschaft sind Landwirtschaft, Handel und Kleingewerbe und Tourismus von Bedeutung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oderzo ist das antike Opitergium, das schon in der Eisenzeit im 9. Jahrhundert v. Chr. besiedelt war. Der Ort gehörte zum Gebiet der Veneter. Er befand sich in der venezianischen Schwemmlandebene am Flüsschen Monticano, zwischen den Flüssen Plavis (heute Piave) und Liquentia (heute Livenza). Mehrere antike Geographen, Historiker und Itinerarien erwähnen Opitergium. Strabon zählt den Ort zu den kleineren Landstädten Venetiens und erwähnt, dass er über einen Kanal mit der Adria verbunden war.[2]

Im 2. Jahrhundert v. Chr. kam Opitergium unter römische Herrschaft und lag an der 148 v. Chr. fertiggestellten Via Postumia, die Genua mit Aquileia verband.[3] Im Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius stand die Stadt auf der Seite des Ersteren. Hierbei wird von den von Livius abhängigen Autoren über eine 49 v. Chr. verrichtete Heldentat der Opiterginer berichtet. Caesars Legat Gaius Antonius, der auf der Insel Curicta (heute Krk bei Rijeka) ein Lager bezogen hatte, wurde von den pompeianischen Flottenführern Marcus Octavius und Lucius Scribonius Libo belagert und musste sich ihnen wegen Lebensmittelmangel ergeben. Unter den dem Antonius zu Hilfe geschickten Schiffen der Caesarianer waren zwei der Kriegslist der Feinde, welche die Schiffe durch unter dem Wasser gespannte Taue wie in einer Umgarnung zu fangen suchten, durch die Flut glücklich entgangen; aber das eine, auf dem sich eine Kampfeinheit aus Opitergium befand, war auf Untiefen geraten und wurde hier vom Feind umzingelt. Die etwa tausend Mann starke Besatzung widerstand einen Tag lang dem Andrang und den Geschossen der gegnerischen Armee; als aber keine Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang mehr bestand, gab sich der Rest der Mannschaft auf Rat des Tribunen Gaius Volteius Capito gegenseitig den Tod, um nicht in Gefangenschaft zu geraten.[4]

Für seine Parteinahme für Caesar wurde Opitergium mit der Steuerfreiheit belohnt.[5] Es wurde nun auch zum Municipium der tribus Papiria erhoben.[3] Unter Augustus kam es zur zehnten Region Italiens.[6] Im Bürgerkrieg zwischen Vespasian und Vitellius wurden in Opitergium und in Altinum mit Freuden die von Marcus Antonius Primus und Varus geführten, aus dem Orient über Aquileja gegen Italien vorrückenden Legionen Vespasians aufgenommen.[7]

Sakrale und zivile Gebäude der damaligen Ära blieben nicht erhalten; es fanden sich nur Inschriften und Skulpturen. Bezeugt sind u. a. einige Dekurionen, die dem Stadtrat angehörten, ferner der Kult des Jupiter Ammon. Bedeutende Funde stellen reich verzierte Rundaltare und eine bronzene Brustplatte der augusteischen Ära dar.[3]

167 n. Chr. wurde Opitergium unter der Herrschaft des Kaisers Mark Aurel während der Markomannenkriege von den in Italien eingefallenen Markomannen und Quaden erobert und verwüstet, aber bald von den Römern zurückgewonnen und wiederhergestellt.[8] Zu den archäologischen Überresten dieser Epoche gehört ein Haus mit aus dem 4. Jahrhundert stammenden polychromen Mosaiken, auf denen sich Jagdszenen und Darstellungen von Landgütern finden.[5] Im Verlauf des 5. Jahrhunderts kam es zu einem Niedergang von Opitergium. Die Stadt war wie das übrige Venetien nacheinander den Attacken der Westgoten unter Alarich (403), der Hunnen unter Attila (452), der Alanen (463) sowie der Ostgoten (473) ausgesetzt.[9] Durch Justinians Gotenkrieg kam sie 554 zum Byzantinischen Reich und wurde ein wichtiges Zentrum des Exarchats von Ravenna.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 6. und 7. Jahrhundert war Oderzo ein Bischofssitz. Zu seinen Bischöfen gehörten drei Heilige, Florian († um 620), Tiziano († um 632) und Magnus († um 670).[9] Im Jahr 641 zerstörten die Langobarden unter ihrem König Rothari die Stadt, desgleichen 667 unter dem König Grimoald.[10] Nach der ersten langobardischen Eroberung Oderzos durch Rothari führte Bischof Magnus den Großteil der geflüchteten Einwohner nach Eraclea, wo sie sich neu ansiedelten. Als dann Grimoald Oderzo 667 einnahm, verteilte er dessen Gebiet an Treviso, Cividale del Friuli und Ceneda.[9] Oderzo war ab nun auch kein Bischofssitz mehr. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts erfolgte eine allmähliche Wiederbelebung des Ortes.[3]

Während des Mittelalters teilte Oderzo die Schicksale des Sprengels von Ceneda, da es zum Cenedese gehörte. Als die Ungarn 1356 im venezianischen Gebiet kriegerisch hausten, fiel Oderzo nach längerem Widerstand in die Hände der Feinde, die es ausplünderten und niederbrannten. Im November 1388 kam die Stadt mit dem Cenedese an Venedig, das ihr deren städtische Verfassung ließ, aber einen Podestà zur Leitung der zivilen Angelegenheiten einsetzte. In kirchlicher Hinsicht war sie dem Bischof von Ceneda unterstellt.[11] 1414 wütete der florentinische Adlige und Heerführer Pippo Spano im Auftrag König Sigismunds gegen die Einwohner Oderzos.[9]

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Später teilte Oderzo das Schicksal aller venezianischen Besitzungen in der trevisanischen Mark. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte es als damals unbedeutendere Stadt zum Königreich Lombardo-Venetien. 1866 kam es zum Königreich Italien. Während des Ersten Weltkriegs erlitt die Stadt von November 1917 bis Oktober 1918 durch die österreichisch-ungarische Invasion schwere Zerstörungen. Der Feldmarschall Svetozar Boroević von Bojna schlug hier sein Hauptquartier auf und begann im Juni 1918 seine letztlich gescheiterte Offensive, deren Ziel die siegreiche Beendigung des Kriegs gegen Italien war.[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal zu Ehren Luigi Luzzattis, Stadtpark, Oderzo
  • Der Dom (Duomo): die Kirche wurde 1235 erbaut, um 1400 entstand der heutige Bau, der danach noch mehrfach restauriert wurde. Die gotische Kirche hat ein schönes Rosettenfenster;
  • der "Torresin", auch "Torre Littoria", ein in den 1930er-Jahren erneuerter Torturm;
  • mehrere archäologische Überreste aus der Antike;
  • das Bienenzuchtmuseum (Museo dell'apicoltura) im Dorf Piavon.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maria Stella Busana: Oderzo. Forma urbis, L'ERMA di BRETSCHNEIDER, Rom 1995.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oderzo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2017.
  2. Strabon, Geographika 5, 1, 8, p. 214.
  3. a b c d B. Forlati Tamaro: Opitergium (Oderzo) Italy. In: Richard Stillwell u. a. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. Princeton University Press, Princeton NJ 1976, ISBN 0-691-03542-3.
  4. Livius, Ab urbe condita, Periocha von Buch 110; Florus, Epitoma de Tito Livio 2, 13, 33; Lucan, De bello civili 4, 462–571.
  5. a b Opitergium. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 8, Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-01478-9, Sp. 1258.
  6. Plinius der Ältere, Naturalis historia 3, 130.
  7. Tacitus, Historien 3, 6.
  8. Ammianus Marcellinus, Res gestae 29, 6, 1.
  9. a b c d e Oderzo, in: Enciclopedia Italiana di scienze, lettere ed arti, 1935, online.
  10. Paulus Diaconus, Historia gentis Langobardorum 4, 38; 4, 45; 5, 28.
  11. H. Leo: Oderzo, in: Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber: (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, 3. Sektion, 1. Teil (1830), S. 355.