Oelsnitz/Vogtl.

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Oelsnitz/Vogtl.
Oelsnitz/Vogtl.
Deutschlandkarte, Position der Stadt Oelsnitz/Vogtl. hervorgehoben
Koordinaten: 50° 25′ N, 12° 11′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Vogtlandkreis
Verwaltungs­gemeinschaft: Oelsnitz/Vogtl.
Höhe: 405 m ü. NHN
Fläche: 53,67 km2
Einwohner: 10.492 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 195 Einwohner je km2
Postleitzahl: 08606
Vorwahl: 037421
Kfz-Kennzeichen: V, AE, OVL, PL, RC
Gemeindeschlüssel: 14 5 23 300
Stadtgliederung: Kernstadt, 10 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
08606 Oelsnitz
Webpräsenz: www.oelsnitz.de
Oberbürgermeister: Mario Horn (CDU)
Lage der Stadt Oelsnitz/Vogtl. im Vogtlandkreis
TschechienBayernThüringenErzgebirgskreisLandkreis ZwickauAdorf/Vogtl.Auerbach/Vogtl.Bad BrambachBad ElsterBergen (Vogtland)BösenbrunnEichigtEllefeldElsterbergFalkenstein/Vogtl.Grünbach (Sachsen)HeinsdorfergrundKlingenthalLengenfeld (Vogtland)Limbach (Vogtland)MarkneukirchenMühlentalMuldenhammerNetzschkauNeuensalzNeumark (Vogtland)Neustadt/Vogtl.Oelsnitz/Vogtl.Pausa-MühltroffPlauenPöhlReichenbach im VogtlandWeischlitzRodewischRosenbach/Vogtl.Schöneck/Vogtl.Steinberg (Vogtland)Triebel/Vogtl.TheumaTirpersdorfTreuenWerdaKarte
Über dieses Bild
Marktplatz von Oelsnitz (2009)
Blick auf die Stadt (2009)

Oelsnitz/Vogtl. [ˈœlsnɪts] ist eine Große Kreisstadt im sächsischen Vogtlandkreis. Die Stadt befindet sich südlich von Plauen und ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Oelsnitz/Vogtl. Durch Oelsnitz fließt die Weiße Elster.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind Bösenbrunn, Eichigt, Mühlental, Tirpersdorf, Triebel und Weischlitz sowie Plauen, die größte Stadt des Vogtlands, im Vogtlandkreis.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Görnitz
  • Hartmannsgrün
  • Ober- und Unterhermsgrün
  • Lauterbach
  • Magwitz mit Göswein
  • Planschwitz
  • Raasdorf
  • Raschau
  • Taltitz
  • Untermarxgrün
  • Voigtsberg

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Besiedlung der Region ist slawischen Ursprungs. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Oelsnitz im Jahre 1200;. die Ersterwähnung der Jakobikirche erfolgte 1227. In den Jahren 1232 bis 1248 errichteten die Vögte von Straßberg die Burg Voigtsberg, das spätere Schloss Voigtsberg. Zwischen 1327 und 1356 erfolgte die planmäßige Anlage der Stadt. Der erste urkundliche Nachweis der Oelsnitzer Stadtrechte stammt aus dem Jahre 1357. In diesem Jahr kamen die Stadt und die Burg Voigtsberg infolge des Vogtländischen Krieges aus dem Besitz der Plauener Vögte an die Wettiner. Im Schmalkaldischen Krieg verloren die ernestinischen Wettiner die Burggrafschaft Meißen an die Familie der Vögte von Plauen, nachdem das katholisch-kaiserliche Heer unter dem böhmischen Heerführer Sebastian von Weitmühl in der Schlacht bei Oelsnitz am 1. November 1546 die kursächsischen Truppen der protestantischen Wettiner besiegte. Oelsnitz gelangte so wieder unter vögtische Herrschaft, bis diese die Herrschaft Voigtsberg samt Oelsnitz 1563 endgültig an die albertinischen Wettiner verloren. Am 13. August 1632, im Dreißigjährigen Krieg, eroberten Truppen des Generals Heinrich von Holk die Stadt, die geplündert und niedergebrannt wurde. Viele Einwohner, auch die in die Kirche geflohenen, kamen dabei ums Leben.[2] Oelsnitz war von 1654 bis 1658 von Hexenverfolgungen betroffen. Eine Frau und ihre Tochter sowie ein Kuhjunge gerieten in Hexenprozesse.[3] Daneben kam es zwischen 1678 und 1688 auch in den heutigen Ortsteilen Magwitz und Voigtsberg zu Hexenverfolgungen. Maria Magdalena, 19 Jahre, Frau vom Gerichtsdiener Hans Thomas Raßenhauer, geriet in einen Hexenprozess und wurde mit Landesverweis bestraft.[4]

Im Juni 1927 war Oelsnitz die erste Stadtgemeinde Deutschlands, in der mit Otto Karl Bachmann ein Mitglied der Kommunistischen Partei zum Bürgermeister gewählt wurde. Bis zur Bildung des Vogtlandkreises 1994 war Oelsnitz Sitz des gleichnamigen Kreises Oelsnitz und hatte ein gemeinsames Kfz-Kennzeichen mit Klingenthal (OVL für Obervogtland).

Wirtschaftsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 14. Jahrhundert begann die industrielle Entwicklung mit Textilhandwerk und Bergbau (Kupfer, Eisen, Zinn). Die Textilindustrie wurde im gesamten Vogtland vom 16. Jahrhundert an zunehmend zu einem tragenden Wirtschaftszweig. Hinzu kam im 15. und 16. Jahrhundert die Perlenfischerei in der Weißen Elster und ihren Zuflüssen. Oelsnitz erhielt 1865 mit der Strecke Herlasgrün–Falkenstein–Oelsnitz–Adorf–Eger (Voigtländische Staatseisenbahn) einen Eisenbahnanschluss. Durch die Eisenbahn wurde der Bezug von Rohstoffen bzw. Halbfertigprodukten und der Versand der produzierten Erzeugnisse wesentlich vereinfacht. Dies förderte die Industrialisierung auch des Vogtlands. Der Bahnhof Oelsnitz (Vogtl) entwickelte sich mit der Eröffnung der Verbindung Plauen–Oelsnitz zum lokalen Eisenbahnknoten. Heute ist allerdings nur noch die Strecke Plauen–Oelsnitz–Cheb in Betrieb, der Abschnitt Richtung Falkenstein wurde 1951 stillgelegt und abgebaut.

Im Jahr 1880 gründeten Karl Wilhelm Koch und Fritz te Kock die Firma Koch & te Kock als Weberei von Axminster-Teppichen. Durch das Unternehmen wurde im selben Jahr eine Niederlassung zur Teppichherstellung in Oelsnitz und Umgebung, auch in Adorf, angesiedelt. Mit der Firmengründung wurde auch die Marke Halbmond etabliert. Durch die rasante Entwicklung der Teppichherstellung in Oelsnitz wurde der Ort zur „Teppichstadt“ und entwickelte sich zum größten Produktionsort Deutschlands. Das Unternehmen wurde 1913 auf der Internationalen Baufachausstellung in Leipzig mit der Goldmedaille prämiert. Weitere Auszeichnungen auf Ausstellungen und Messen in Chicago und Antwerpen folgten. Die Firmen Koch und te Kock, Adoros und Tefzet wurden 1953 zum VEB Halbmond zusammengefasst. Zu DDR-Zeiten waren alle Teppichwebereien zum VEB Halbmondteppich im VEB Kombinat DEKO Plauen zusammengeschlossen. Der Betrieb firmiert seit 1990 unter dem Namen „Halbmond Teppichwerke GmbH“. Nicht unbedeutend waren auch die Woll- und Leinenverarbeitung, die Gardinenindustrie (VEB Plauener Gardine, Stammbetrieb im VEB Kombinat DEKO Plauen) und die Maschinenstickerei. In einem geringeren, jedoch nicht unbedeutenden Umfang, waren hier auch die Baumwollverarbeitung, die Konfektionsindustrie, unter anderem mit Miederwaren, und sonstige Textilindustrie vertreten. Auch Textilmaschinen wurden in Oelsnitz hergestellt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1834 bis 1950

  • 1834: 03.814
  • 1871: 05.330
  • 1890: 09.426
  • 1910: 13.951
  • 1925: 17.038
  • 1939: 15.296
  • 1946: 16.024 1
  • 1950: 17.572 2

1960 bis 2001

  • 1960: 16.389
  • 1971: 15.409
  • 1981: 13.892
  • 1984: 13.623
  • 1998: 12.866
  • 1999: 12.689
  • 2000: 12.685
  • 2001: 12.554

2002 bis 2013

  • 2002: 12.451
  • 2003: 12.361
  • 2004: 12.310
  • 2005: 12.247
  • 2007: 11.905
  • 2008: 11.697
  • 2012: 10.950
  • 2013: 10.763
  • 2015: 10.492

Datengrundlage ab 1998: Statistisches Landesamt Sachsen     1 29. Oktober     2 31. August     ab 1960: jeweils zum 31. Dezember

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oelsnitz ist erfüllende Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft Oelsnitz/Vogtl. Sie ist Mitglied und einer der Initiatoren der tschechisch-deutschen Mikroregion Freunde im Herzen Europas.

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[5]
Wahlbeteiligung: 43,5 %
 %
40
30
20
10
0
38,4 %
20,4 %
18,5 %
13,1 %
9,7 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-6,1 %p
-2,0 %p
+4,1 %p
+0,2 %p
+4,0 %p

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 22 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • CDU: 9 Sitze
  • LINKE: 4 Sitze
  • DSU: 4 Sitze
  • Liberale unabhängige Bürger (LuB): 3 Sitze
  • SPD: 2 Sitze

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Gold ein schwarzer Löwe mit roter Zunge und Bewehrung, begleitet von drei schwarzen Kugeln. Die ältesten Siegel, die dieses Bild zeigen, stammen aus dem 15. Jahrhundert. Die drei Kugeln werden als Nietstellen gedeutet.[6]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerstadt von Oelsnitz ist Rehau in Bayern.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruine Stein

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1990 erfolgte 1991/1992 auf 72 Hektar im Norden von Oelsnitz in der Nähe der Autobahnauffahrt Plauen-Süd die Erschließung des Gewerbegebiets „Johannisberg“. Derzeit werden in Oelsnitz unter anderem Vliesstoffe für die Kfz-Innenausstattung, Gitter- und Blechprofilroste, Büromöbel und – der Tradition folgend – Miederwaren hergestellt.

Das bekannteste Unternehmen der Stadt sind die Halbmond Teppichwerke am Bahnhof, einst der VEB Halbmond. Nach einem umfangreichen Investitionsprogramm ab 1994 wurde Halbmond 1996 von der britischen Allied Textile gekauft. Im Jahr 2004 war der Umbau des Unternehmens zum Hersteller hochwertiger Objektteppichböden und die Konzentration auf den Teppich-Spritzdruck erfolgt. Der Geschäftsführer Ralf Litzenberg und der Prokurist Martin Scheel erwarben 2007 die kompletten Geschäftsanteile; gleichzeitig wurde das größte Investitionsprogramm seit 1994 beschlossen. Im Jahr 2008 ging die weltweit modernste Chromojet Druckanlage bei Halbmond in Betrieb. Diese Technik des Spritzdruckes erlaubt auch kleine Mengen auf hohem Qualitätsniveau wirtschaftlich zu produzieren. Das Ergebnis sind strapazierfähige Objekt-Teppichböden, die nach den individuellen Vorstellungen der Kunden gefertigt werden.

Der größte Arbeitgeber der Region ist die Firma Gebr. Meiser, die im Industriegebiet Johannisberg ansässig ist. Im Juli 1994 wurde der Betrieb in Oelsnitz fertiggestellt und später noch erheblich vergrößert. Das Firmengelände umfasst rund 150.000 m² mit insgesamt 30.000 m² Produktions- und Lagerhallen. Zum Produktionsprogramm gehören Gitterroste, die auf elf Fertigungsstraßen hergestellt werden sowie Stahltreppenanlagen und Werkzeuge.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schloss Voigtsberg mit Teppichmuseum
  • Kulturzentrum Katharinenkirche
  • Mehrgenerationenhaus Goldene Sonne mit Kinder- und Jugendzentrum
  • Elstertalstadion und Oelsnitzer Turnhalle
  • Stadtbad Elstergarten

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Julius-Mosen-Gymnasium
Oberschule am Karl-Marx-Platz
  • Oelsnitz besitzt drei Grundschulen: die Evangelische Grundschule in der Pestalozzistraße, die Grundschule am Karl-Marx-Platz sowie die Grundschule Am Stadion.
  • Eine Oberschule befindet sich am Karl-Marx-Platz und ist außerhalb Plauens die größte Oberschule des Vogtlandkreises.
  • Eine Förderschule befindet sich im Ortsteil Voigtsberg.
  • Das Julius-Mosen-Gymnasium ist in der Melanchthonstraße.
  • Im Gewerbegebiet am Willy-Brandt-Ring findet man das Berufliche Schulzentrum für Technik und Hauswirtschaft Reichenbach, Außenstelle „Adam Friedrich Zürner“ Oelsnitz.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chronik der Schulen zu Oelsnitz i. Vogtl. Götze & Thenau. Oelsnitz i. Vogtl. 1902 (Digitalisat)
  • Johann Gottlieb Jahn: Urkundliche Chronik der Stadt Oelsnitz und des Schlosses und Amtes Voigtsberg. Oelsnitz 1841 (Digitalisat).
  • Richard Steche: Oelsnitz. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 10. Heft: Amtshauptmannschaft Oelsnitz. C. C. Meinhold, Dresden 1888, S. 12.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oelsnitz/Vogtl. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Oelsnitz (Vogtland) – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Stadtkirche St. Jakobi Oelsnitz (V.). Ev.-Luth. Kirchenvorstand Oelsnitz (V.); abgerufen am 17. Februar 2017.
  3. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Köln/Weimar/Wien 2003, S. 540 f.
  4. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Köln/Weimar/Wien 2003, S. 622–624.
  5. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  6. Heinz Göschel (Hrsg.): Lexikon Städte und Wappen der DDR. 2., neubearbeitete Auflage. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1984, Lizenznummer 433-130/98/84, S. 333 (Best.-Nr.577 559 8).