Oesterholz-Haustenbeck

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Oesterholz-Haustenbeck
Gemeinde Schlangen
Koordinaten: 51° 50′ 4″ N, 8° 50′ 14″ O
Höhe: 190 m ü. NN
Fläche: 27,37 km²
Einwohner: 1968 (1. Jan. 2017)
Bevölkerungsdichte: 72 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 33189
Vorwahl: 05252
Karte
Lage von Oesterholz-Haustenbeck in Schlangen

Oesterholz-Haustenbeck ist ein Ortsteil der Gemeinde Schlangen im Kreis Lippe.

Oesterholz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kreuzkrug bei Oesterholz

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Erwähnung fand Oesterholz, heute Oesterholz-Haustenbeck, um etwa 850 unter dem Namen Astonholteimarki. Am 1. April 1921 wurde die Gemeinde Oesterholz aus der Kohlstädter Heide (bisher Gemeinde Kohlstädt), dem Bruch (bisher Gemeinde Schlangen) und der Meierei Oesterholz neu gebildet.[1] Im Jahr 1939 wurde Haustenbeck formell eingegliedert.[1] Am 1. April 1957 wurde Haustenbeck vollständig eingemeindet, seitdem hieß die Gemeinde Oesterholz-Haustenbeck.[1] Am 1. Januar 1970 verloren Oesterholz-Haustenbeck wie auch der Nachbarort Kohlstädt ihre politische Eigenständigkeit, indem sie in die Gemeinde Schlangen eingemeindet wurden.[2] Heute hat Oesterholz-Haustenbeck 1968 Einwohner (Stand: 1. Januar 2017).[3] Ab der Jahrtausendwende wurden in Oesterholz-Haustenbeck zahlreiche neue Wohnhäuser errichtet, zumeist im Gebiet um die Grundschule am Sennerand und im Neubaugebiet an der Haustenbecker Straße.

Auf einer großen, rechteckigen Insel befindet sich das ehemalige Jagdschloss, das Ende des 16. Jahrhunderts von Graf Simon VI. zur Lippe errichtet wurde. Erhalten sind ein Fachwerkwohnhaus, das Eingangsportal von 1665 und einige Mauerreste. Heute beherbergt die Anlage ein Altenheim.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oesterholz liegt an der L937, die Oesterholz mit Detmold bzw. Schlangen und der B1 verbindet, sowie an der L942, die durch die Senne nach Augustdorf führt; diese Strecke ist aber nur befahrbar, wenn die Straßen durch den Truppenübungsplatz Senne geöffnet sind.[4] Der nächstgelegene Anschluss an eine Autobahn ist die Anschlussstelle Paderborn-Elsen an die A33.

Im ÖPNV verkehrt die Regionalbuslinie R51 Paderborn - Horn-Bad Meinberg durch Oesterholz. [5] Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich in Horn-Bad Meinberg und Detmold etwa 12 Kilometer sowie Paderborn Hauptbahnhof etwa 14 Kilometer von Oesterholz entfernt.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Senne nördlich Oesterholz ist ein 18 Hektar großes Naturschutzgebiet.

Haustenbeck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruine der Kirche in Haustenbeck. Das kleine Bild zeigt die Gedenktafel rechts zwischen den beiden Fenstern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde Haustenbeck 1659. 1677 erhielt es eine eigene Kirche[6] und musste ab 1937 der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Senne weichen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Haustenbeck etwa 1300 Einwohner.

Von 1937 bis 1939 wurden die Bewohner Haustenbecks umgesiedelt; die meisten Bewohner fanden in der Siedlung Moorlage in Horn-Bad Meinberg, in Isenbüttel oder in Blumenberg, heute ein Ortsteil von Wanzleben-Börde in der Magdeburger Börde, sowie auf dem freien Wohnungsmarkt in Lippe eine neue Heimat. Im Jahr 1939 wurden die Haustenbecker Flurstücke in die Gemeinde Oesterholz eingegliedert.[1]

Die Bewohner, die bis Ende 1939 keine neue Wohnung fanden, wurden in bereits geräumte Häuser in Hövelsenne und der sogenannten Randsiedlung, am Truppenübungsplatz-Rand gelegen, einquartiert. Nach dem Krieg siedelten kurzfristig auch im Ortskern in 19 Häusern wieder einige ehemalige Bewohner Haustenbecks sowie Flüchtlinge. Diese mussten aber den Ortskern unverzüglich wieder räumen, nachdem die Britische Rheinarmee den Truppenübungsplatz im August 1945 von der US-Army übernommen hatte.

Randsiedlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem in der Randsiedlung während des Zweiten Weltkriegs nur noch einige wenige Bewohner aus dem Ortskern, die keine andere Bleibe fanden, sowie einige Angestellte des Truppenübungsplatzes wohnten, wurden gegen Kriegsende zunehmend auch Vertriebene aus dem deutschen Ostgebieten sowie Ausgebombte aus dem Ruhrgebiet und aus Paderborn in die Randsiedlung einquartiert. Es entwickelte sich wieder eine stattliche Gemeinde, die aber mit dem Wiederaufbau im Ruhrgebiet und Paderborn wieder schrumpfte.

Die (sogenannte) "Randsiedlung Haustenbeck", im Osten von Haustenbeck gelegen, war noch über 1939 hinaus bis zum 31. März 1957 eine rechtlich eigenständige Gemeinde mit etwa 200 Einwohnern, die von Oesterholz aus mit verwaltet wurde. Am 1. April 1957 wurde Haustenbeck in die Gemeinde Oesterholz eingemeindet, die seitdem Oesterholz-Haustenbeck heißt.

Nachdem im Ortsteil Oesterholz in den 1960er Jahren Bauland für die Bewohner der Randsiedlung bereitgestellt worden war, wurde die Randsiedlung von ihren Bewohnern bis 1971 geräumt. Auf dem Gelände der ehemaligen Randsiedlung befindet sich heute eine Schießbahn. Die letzte sich dort noch befindende Ruine wurde im Sommer 2008 abgerissen.

Haustenbeck heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haustenbecker Turm
Naturschutzgebiet Senne nördlich Oesterholz

Das gesamte Haustenbecker Gebiet ist heute unbewohnt und gehört vollständig zum Truppenübungsplatz Senne.

Heute befinden sich im ehemaligen Ortskern des Dorfes Haustenbeck nur noch die unter Denkmalschutz stehende Ruine der ehemaligen Kirche, wo seit einigen Jahren auch ein Gedenkstein steht, eine Gedenkstätte auf dem ehemaligen Friedhof sowie hier und da einige vereinzelte Mauerreste. Teilweise lässt sich am alten Obstbaumbestand noch erahnen, wo einst die Häuser und Höfe standen. Etwa 500 Meter nordöstlich der Kirchenruine steht der Haustenbecker Turm, der erst 1941 als Beobachtungsturm für das übende Militär erbaut wurde. Heute dient der Turm auch dem Vogelschutz und bietet verschiedenen Greifvögeln, etwa Falken, Nistplätze. Er ist dem Kirchturm der Pfarrkirche St. Kilian in Büren-Brenken nachempfunden, ist 41,50 Meter hoch und hat einen quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von acht Metern. Der Heimat- und Verkehrsverein Oesterholz-Haustenbeck veranstaltet in jedem ungeraden Jahr das Haustenbecker Treffen, ein Wiedersehenstreffen alter Haustenbecker und Freunde in Haustenbeck.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Winand: Kurze und wahrhaftige Beschreibung der neuen Dorfschaft Haustenbeck, sonst genannt das Lippische Neue Dorf... Lemgo 1696/1830 (Online: LLB Detmold)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Haustenbeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 242 und 270.
  2. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 107.
  3. schlangen-online.de: Schlangen in Zahlen
  4. http://www.bad-lippspringe.com/bali/aktuelles/senne-sperrzeiten.php Sennesperrzeiten
  5. http://www.nph.de/v2.0/daten/uploads/download/owl_81450__1_3.pdf
  6. Rainer Brücker: Die Konfessionsentwicklung in Westfalen im 17. Jahrhundert. Diss. Duisburg 2003, S. 283, (online)