Off-the-grid

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Der Ausdruck Off-the-grid (OTG) oder Off-Grid bezeichnet im Allgemeinen eine selbstgenügsame Lebensweise, die geringe Abhängigkeit von öffentlichen Einrichtungen aufweist. Wörtlich übersetzt lautet "off the grid" abgeschaltet (eng. off) vom (Versorgungs-)Netz (eng. grid). Im Deutschen lässt sich der Begriff am besten mit netzunabhängig oder autark übersetzen.

Autonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Off-the-grid Häuser sind autonom [en], d. h., sie sind weder an örtliche Wasser-, Strom- oder Gasleitungen angeschlossen und ebenfalls nicht ans städtische Abwassersystem, sondern erfüllen diese Erfordernisse alle selbstständig.

Elektrizität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Strom kann direkt vor Ort mithilfe erneuerbarer Energien erzeugt werden, durch Solar, Wind- oder Wasserkraft und im Normalfall in Form von Microgeneration. Es gibt auch Gemeinden, die völlig darauf verzichten, wie z. B. die Amischen oder die Mennoniten. Prinzipiell ist natürlich auch eine Erzeugung mit fossilen Brennstoffen, zum Beispiel mit Dieselgeneratoren möglich.

Ökonomische Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn Netzparität erreicht werden kann, ist es unter Umständen günstiger, seinen eigenen Strom zu erzeugen, als ihn aus dem Netz zu beziehen. Das hängt vor allem von den Installationskosten und der Verfügbarkeit erneuerbarer Energien ab, außerdem natürlich vom Preis für den Netzanschluss. Bei sehr abgelegenen Gebäuden ist Off-the-Grid oft die einzige wirtschaftlich-vertretbare Möglichkeit zur Stromversorgung.

Wasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den genutzten Wasserquellen vor Ort gehören Brunnen, Seen und Flüsse. Je nach verwendeter Quelle und Wasserqualität kommen dann zusätzlich Pump- und Filtrationssysteme zum Einsatz. Außerdem kann Regenwasser aufgefangen und benutzt werden.

Eine Potenzialanalyse zeigt, dass portable atmosphärische Wassergeneratoren einer Milliarde Menschen Zugang zu sauberem Wasser verschaffen könnten, wobei derartige off-the-grid Wassergewinnung in manchen Fällen „Bemühungen um den Aufbau einer dauerhaften leitungsgebundenen Infrastruktur untergraben kann“.[1][2][3]

Bei UV-Systemen werden Lampen benutzt, die ultraviolettes Licht in das gefilterte Wasser abgeben, um alle Arten von Viren, Bakterien und Protozoen abzutöten.[4]

Temperaturkontrolle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Arten von passiven, netzunabhängigen Solarenergie-Kühlsystemen könnten zur Kühlung von Häusern und/oder zur Kühlung–etwa von Lebensmitteln–eingesetzt werden – darunter auch solche, die keine elektrischen Komponenten benötigen und die chemisch gespeicherte Energie auf Abruf liefern. Solche Systeme können für den Klimaschutz und für die Anpassung an die globale Erwärmung nützlich sein.[5][6]

Kommunikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mesh-Netzwerk mit Internet-Anbindung und lokalem Radio-Stream; Freifunk

Meshnets wie B.A.T.M.A.N. könnten zur Aufrechterhaltung oder zum Aufbau von Kommunikation ohne konventionelle Infrastruktur eingesetzt werden.[7] Darüber hinaus könnten netzunabhängige Kommunikationstechnologien für die Umwelt-, Sicherheits- und Landwirtschaftsüberwachung sowie für die Notfallkommunikation und -koordinierung – z. B. zwecks Arbeitseinteilung – genutzt werden.

Gesundheitsversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drohnen (Quadcopter) könnten für eine netzunabhängige Gesundheitsversorgung eingesetzt werden, insbesondere in den entlegensten Regionen der Welt. Wenn Kommunikationsmöglichkeiten gegeben sind, könnten sie z. B. Testproben, Medikamente, Impfstoffe, Lebensmittel, Wasser und Antivenine liefern.[8][9]

Abfallmanagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Abfallmanagement in kleinem Maßstab in Westeuropa–oft für spezifische oder standardisierte Abfälle–wird einem Bericht zufolge meist eine der beiden Hauptstrategien angewandt: aerobe (mit Pflanzen) und anaerobe Behandlung (mit Biogasproduktion).[10]

Smart villages[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Smart Villages ist ein Konzept, das in Anlehnung an "Smart City" entstanden ist.

Verhältnis zu Alternativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Off-the-grid-Strukturen können manchmal Bemühungen um den Aufbau dauerhafter Infrastruktur behindern – wie etwa im Fall von Geräten zur Wassergewinnung und dauerhaften leitungsgebundenen Wasserversorgungsnetzen.[3] Darüber hinaus können Netze oft wesentlich effizienter und effektiver oder notwendig sein – wie im Fall von Smart Grids und Super Grids [en] für nachhaltige Energie – und daher sind Off-the-grid-Strukturen in großem Maßstab oft nur für die autonome Entwicklung von Alternativen durch Gemeinschaften, als Ausweichmöglichkeit („Fallback“), für die Katastrophenhilfe, für andere humanitäre Hilfe während vorübergehender Umsiedlungen und für die anfängliche Unterstützung langfristigen Infrastrukturaufbaus nützlich.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bob Yirka: Model suggests a billion people could get safe drinking water from hypothetical harvesting device (en). In: Tech Xplore. Abgerufen am 15. November 2021. 
  2. Solar-powered harvesters could produce clean water for one billion people. In: Physics World, 13. November 2021. Abgerufen am 15. November 2021. 
  3. a b Jackson Lord, Ashley Thomas, Neil Treat, Matthew Forkin, Robert Bain, Pierre Dulac, Cyrus H. Behroozi, Tilek Mamutov, Jillia Fongheiser, Nicole Kobilansky, Shane Washburn, Claudia Truesdell, Clare Lee, Philipp H. Schmaelzle: Global potential for harvesting drinking water from air using solar energy. In: Nature. 598, Nr. 7882, October 2021, ISSN 1476-4687, S. 611–617. doi:10.1038/s41586-021-03900-w.
  4. Ultraviolet disinfection of drinking water. In: ww2.health.wa.gov.au. Abgerufen am 9. Dezember 2019.
  5. Sunlight and salt water join forces in electricity-free cooling system. In: New Atlas, 20. September 2021. Abgerufen am 20. Oktober 2021. 
  6. Wenbin Wang, Yusuf Shi, Chenlin Zhang, Renyuan Li, Mengchun Wu, Sifei Zhuo, Sara Aleid, Peng Wang: Conversion and storage of solar energy for cooling. In: Energy & Environmental Science. 1. September 2021, ISSN 1754-5706. doi:10.1039/D1EE01688A.
  7. Hal Hodson: When the internet dies, meet the meshnet that survives. In: New Scientist. Abgerufen am 24. Oktober 2021. 
  8. Sophie Perry: Drones launch off-grid healthcare in rural Madagascar (en). In: www.aljazeera.com. Abgerufen am 23. November 2021. 
  9. Karthik Balajee Laksham: Unmanned aerial vehicle (drones) in public health: A SWOT analysis. In: Journal of Family Medicine and Primary Care. 8, Nr. 2, February 2019, S. 342. doi:10.4103/jfmpc.jfmpc_413_18.
  10. Arthur Michelet: The Incomplete Guide to off-grid Waste Management. 2018, doi:10.13140/RG.2.2.16834.63681.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]