Offenbacher Hafen

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Die Offenbacher Hafeninsel nach Westen, im Hintergrund die Kaiserlei- und vorne die alte Carl-Ulrich-Brücke; 2010

Der Hafen in Offenbach am Main ist ein ehemaliger Industriehafen. Das Projekt Hafen Offenbach sieht die Urbanisierung des Hafengeländes vor.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blauer Kran am Südrand des Hafenbeckens

Der Offenbacher Hafen mit seiner markanten Hafeninsel liegt westlich vom Innenstadtbereich Offenbachs, die Westseite beginnend im Stadtteil Kaiserlei, zwischen der Kaiserlei- bis hin zur Carl-Ulrich-Brücke. Die Bauarbeiten für den Hafen begannen 1899; am 15. September 1902 wurde der Hafen eingeweiht. Das Hafenbecken ist 65 Meter breit und 770 Meter lang. Die nördlich liegende Hafeninsel und die südlich am Mainufer liegenden Flächen sind knapp 30 Hektar groß und wurden bis Anfang des 21. Jahrhunderts als Hafen und industriell genutzt.

Das Gebiet ist, nebst der inzwischen abgebauten Hafenbahn, Teil des Projektes Route der Industriekultur Rhein-Main.[1] Am Südrand des Hafenbeckens verläuft der Main-Radweg, der Teil der D-Route 5 ist, einem von Saarbrücken bis zur tschechischen Grenze verlaufenden Radfernwegs.

Unmittelbar am Radweg steht der schon länger stillgelegte Blaue Kran (), der als Relikt des ehemaligen Industriehafens heute als dessen Wahrzeichen gilt. Der 26 m hohe Hafenkran wurde in Kooperation des Regionalparks Rhein-Main und dem Land Hessen zu einem begehbaren Kunstwerk mit neun Meter hoch liegender Aussichtsplattform umgewandelt und am 28. April 2017 eröffnet.[2]

Projekt Hafen Offenbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Hintergrund: Mainzeile Offenbach der ABG Frankfurt Holding (2013). Im Vordergrund: Hafentreppe
Links: Promenade. Rechts: Hafenbecken in Richtung Hafentreppe (2013)

Die Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft, eine Tochter der Stadtwerke Offenbach Holding, plant mit der Stadt Offenbach die zukünftige Entwicklung des Hafengeländes zu einem neuen Wohn- und Bürogebiet. Für die Projekt- und Grundstücksentwicklung des Offenbacher Hafens wurde die Mainviertel Offenbach GmbH & Co. KG gegründet. Für die Erschließung des Hafengeländes sind 61 Millionen Euro eingeplant.[3]

Das ehemalige Gelände des Industriehafens soll auf einer Gesamtfläche von 256.000 Quadratmetern zu einem neuen Stadtviertel mit Wohn-, Büro-, Hochschul-, Schul- und Einzelhandelsflächen entwickelt werden.[4] Bis 2020 sollen dort bis zu 1000 Menschen leben und 10.000 Personen arbeiten und studieren.[5] Zwischen den Baugebieten sind kleinere öffentliche Grünflächen geplant, wie zum Beispiel die Parkanlagen Unterer und Oberer Molenpark. Das Verhältnis der bebauten Fläche zur Freifläche beträgt laut Bebauungsplan rund 50/50.[6] Im südlichen Uferbereich ist ein Hafencampus mit Grundschule[7], Kindertagesstätte und einem zentral gelegenen Neubau der Hochschule für Gestaltung geplant.[8]

Zur weiteren Erschließung des Hafenareals sind je eine Straßen- und eine Fußgängerbrücke im Bau, welche die Hafeninsel mit dem Nordring und Nordend besser verbinden sollen.[9]

Entwicklung und Baufortschritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Erschließungsarbeiten für das Hafenareal wurden im Jahr 2009 aufgenommen. Hier kam es zu Umbaumaßnahmen am Kreuzungsbereich der Carl-Ulrich-Brücke und zu Änderungen der Verkehrsführung.[10]

Verzögerungen in der Planfeststellung hatte es gegeben, weil die gewerblichen Anlieger auf der nördlichen Frankfurter Seite des Mains befürchteten, die neuen Mieter und Anlieger könnten Emissions- und Schallschutzforderungen geltend machen. Im September 2010 wurde in einem außergerichtlichen Vergleichsvertrag unter anderem ausgehandelt, dass die nördlichen Wohn- und Geschäftsbauten auf der Hafeninsel wasserseitig mit Schallschutz ausgestattet werden.[11]

Im Jahr 2011 wurden die Erschließungsarbeiten fortgesetzt. Insbesondere wurde die Hafenstraße ausgebaut und erste Grünflächen angelegt.[12]

Blick über die Wohnlage

Baubeginn für die ersten Wohnbauten war im August 2011. Die ABG Frankfurt Holding realisierte bis 2013 das Wohnungsbauprojekt Mainzeile Offenbach. Als erster Investor hat die ABG 50 Millionen Euro in die Fertigstellung von 178 Mietwohnungen investiert. Hierdurch wurden bereits 7.020 Quadratmeter des Hafenareals bebaut.[13]

Der 3.200 Quadratmeter große Obere Molenpark wurde im Mai 2012 eröffnet.[14] Die zum Hafenbecken führende Hafentreppe ist westlicher Teil des geplanten zentralen Hafenplatzes und wurde im April 2013 eröffnet. Durch eine ebenfalls fertiggestellte schmale Promenade wird die Hafentreppe mit dem Molenpark verbunden.[15]

Im Juli 2013 wurde bekannt, dass die Saint-Gobain Building Distribution Deutschland ihre neue Deutschlandzentrale mit 210 Mitarbeitern auf der Hafeninsel errichten will. Gebaut wurde ein siebengeschossiges Bürogebäude mit einer Nutzfläche von 6.500 Quadratmetern und einem Investitionsvolumen von 20 Millionen Euro.[16][17] Der im Herbst 2013 begonnene Bau war im Frühjahr 2015 bezugsfertig.

Im Februar 2014 wurde mit dem 1. Bauabschnitt der nördlich der Hafentreppe liegenden Wohnanlage Hafengold begonnen. In insgesamt neun sechsstöckigen Häusern sollen bis 2016 rund 200 Eigentumswohnungen errichtet werden. Anfang 2015 begann der 1. Bauabschnitt des Projekts Hafeninsel-Mitte. Bis Mitte 2016 sollen in diesem Abschnitt 68 weitere Eigentumswohnungen entstehen.

Hafenschule Offenbach am Main

Im Mai 2015 wurde mit dem Bau der Grundschule mit Kita auf dem östlichen Grundstück am damaligen Nordring begonnen. Der kellerlose Baukörper schließt die Hafenmole nach Süden ab und wirkt als Schallschutz gegen die Lärmbelastungen vom Verkehr auf der Hafenallee. Zum Schuljahr 2017/2018 wurde die Schule offiziell eröffnet. Die vierzügige Grundschule mit zwei Vorklassen bietet 420 Kindern Platz. Für 170 weitere steht eine Kita zur Verfügung, außerdem wird eine Hortbetreuung angeboten.[18]

Die verkehrliche Erschließung der Hafeninsel und deren Anbindung an das Nordend wurde im Juni 2014 mit den Bauarbeiten für die Straßenbrücke (etwa in der Mitte des Hafenbeckens) und der Fußgänger- und Radwegbrücke (im östlichen Teil des Hafenbeckens) begonnen. Ganz im Osten, zwischen der im Dezember 2014 neu eröffneten Carl-Ulrich-Brücke und dem Hafenbecken, wurde ebenfalls im Juni 2014 mit dem Bau des Hafencenters begonnen. Dieses als markantes Eingangstor zum Hafenviertel geplante Einkaufs- und Bürozentrum mit mehrstöckigem separaten Parkhaus wurde im Dezember 2015 eröffnet und soll in das nördliche Nordend der Stadt Offenbach am Main ausstrahlen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lokaler Routenführer Nr. 9 der Route der Industriekultur Rhein-Main. In: krfrm.de. KulturRegion FrankfurtRheinMain gGmbH, Dezember 2005, abgerufen am 14. November 2015 (PDF; 519 kB).
  2. Eröffnung des Blauen Krans als begehbares Kunstwerk auf der Webseite des Regionalparks Rhein-Main
  3. Madeleine Reckmann: Offenbach Hafengebiet: Investor vor Einstieg. In: fr-online.de. 25. September 2013, abgerufen am 30. April 2016.
  4. Projektbeschreibung Hafen Offenbach. In: offenbach.de. Archiviert vom Original am 29. März 2016; abgerufen am 1. August 2016 (PDF; 50 kB).
  5. Matthias Alexander: Frankfurter Wohnbaugesellschaft: ABG an Offenbacher Hafenprojekt interessiert. In: faz.net. 15. Juli 2009, abgerufen am 11. Juni 2015.
  6. Entdecken Sie das neue Hafenviertel – Übersichtsplan. In: offenbach.de. Archiviert vom Original am 19. März 2016; abgerufen am 12. August 2016.
  7. Matthias Dahmer: Hafenschule Offenbach: Erste Schüler werden in einem Provisorium unterrichtet. In: op-online.de. 30. April 2015, abgerufen am 11. Juni 2015.
  8. Quartiere. In: offenbach.de. Archiviert vom Original am 19. März 2016; abgerufen am 12. August 2016.
  9. Bebauungsplan Nr. 563A – Hafen Offenbach. Auf: offenbach.de, vom 16. Januar 2008, abgerufen am 30. April 2016 (PDF; 14 MB).
  10. Faktenblatt zu den Erschließungsarbeiten erster Bauabschnitt Projekt Hafen Offenbach. In: offenbach.de. Mainviertel Offenbach GmbH, März 2009, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 1. August 2016 (PDF; 31 kB).
  11. Daten und Fakten zum Vergleichsvertrag. In: offenbach.de. Archiviert vom Original am 29. März 2016; abgerufen am 1. August 2016 (PDF; 203 kB).
  12. Projekt Hafen Offenbach setzt Erschließungsarbeiten im Hafen fort. In: offenbach.de. 17. März 2011, archiviert vom Original am 29. März 2016; abgerufen am 1. August 2016.
  13. Erster Spatenstich im Pionierprojekt „Mainzeile Offenbach“. In: ABG Frankfurt Holding. 15. August 2011, abgerufen am 1. August 2016.
  14. Informationen zum Molenpark im Hafen Offenbach. In: offenbach.de. Stadtwerke Offenbach Holding, archiviert vom Original am 29. März 2016; abgerufen am 1. August 2016 (PDF PDF64 kB).
  15. Hafentreppe im Herzen des neuen Stadtviertels eröffnet. In: offenbach.de. 12. April 2013, archiviert vom Original am 29. März 2016; abgerufen am 1. August 2016.
  16. Veronika Schade: Baustoff-Unternehmen Saint-Gobain siedelt am Hafen in Offenbach seine Deutschland-Zentrale an. In: op-online.de. 20. Juli 2013, abgerufen am 1. August 2016.
  17. Eckdaten – Bürogebäude für Saint-Gobain im Hafen Offenbach. In: offenbach.de. Groß & Partner, archiviert vom Original am 29. März 2016; abgerufen am 1. August 2016 (PDF; 18 kB).
  18. Matthias Dahmer: Erster Neubau seit 1978: Hafenschule in Offenbach wird mit einer Feier und lobenden Worten offiziell eröffnet. In: op-online.de. 31. August 2017, abgerufen am 2. September 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hafen, Offenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 6′ 52,3″ N, 8° 44′ 58,6″ O