Offene Rennbahn Oerlikon

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Offene Rennbahn Oerlikon
Rennbahn Oerlikon.jpg
Offene Rennbahn im April 2008
Daten
Ort Oerlikon, Kreis 11, Zürich
Koordinaten 683975 / 251571Koordinaten: 47° 24′ 34,6″ N, 8° 33′ 4,6″ O; CH1903: 683975 / 251571
Eigentümer Stadt Zürich
Betreiber Interessengemeinschaft offene Rennbahn Oerlikon (IGOR)
Baubeginn ca. März 1912
Eröffnung August 1912
Renovierungen 2020
Architekt Richard Ludwig, Leipzig
Kapazität ca. 10 000
Lage
Offene Rennbahn Oerlikon (Kanton Zürich)
Tribüne der Radrennbahn (2017)

Die offene Rennbahn Oerlikon ist eine Radrennbahn im Zürcher Ortsteil Oerlikon. Sie wurde im August 1912 fertiggestellt und ist damit die älteste in Betrieb stehende Sportanlage der Schweiz.[1] Die weltweit erste Spannbetonkonstruktion war für damalige Verhältnisse ein architektonisches Meisterwerk. Die Bahn hat eine Länge von 333 Metern und eine Kurvenneigung von 44,5 Grad. Die Tribünen bieten Platz für ca. 3000 Zuschauer. Auf der Radrennbahn werden Wettkämpfe in den verschiedenen Disziplinen des Bahnradsports ausgetragen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oerlikon auf einer Luftbildfotografie von Walter Mittelholzer, am linken Bildrand die offene Rennbahn Oerlikon (vor 1920)

Die Velorennbahn Hardau war die erste Radrennbahn in Zürich. Die 400 Meter lange Bahn wurde von 1892 bis 1911 genutzt, war aber wegen der wenig überhöhten Kurven für die in Mode kommenden Steherrennen ungeeignet.[2]

1912 wurde diese Bahn von der neuen Bahn in Oerlikon abgelöst. 1923 wurden dort erstmals Bahn-Radweltmeisterschaften durchgeführt. In den Jahren 1929, 1936, 1946, 1953, 1961 und 1983 war die Bahn ebenfalls Austragungsort für Weltmeisterschaften. Damit fanden insgesamt nur auf der 1967 abgerissenen Radrennbahn Stade vélodrome du Parc des Princes in Paris mehr Weltmeisterschaften statt als in Zürich-Oerlikon. Zwischen 1988 und 1990 wurde dreimal das CSI Zürich in der offenen Rennbahn ausgetragen.

Die Anlage wurde seit ihrem Bestehen mehrmals saniert, u. a. auch von der bekannten Rennfahrer- und Architektenfamilie Schürmann. Das Volk hat sich bei Abstimmungen in der Vergangenheit mehrmals für ein Fortbestehen der Bahn ausgesprochen. Trotzdem war für eine Zeit die Zukunft ungewiss, da der Zürcher Stadtrat und der ZSC Lions das Gelände für ein neues Eishockey-Stadion nutzen wollten. Es sollte ein Ersatz für das benachbarte Hallenstadion, das von anderen Veranstaltungen besser ausgelastet werden könnte.[3] Jedoch wurde schlussendlich das neue Eishockeystadion Swiss Life Arena an einem anderen Standort (Altstetten) gebaut.

In den Wintermonaten 2019/20 wurde die Bahn für 4,9 Millionen Schweizer Franken saniert, musste aber anschliessend zunächst wegen der COVID-19-Pandemie geschlossen bleiben.[4]

Erfolgreiche Radrennfahrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Rennfahrer begannen auf der offenen Rennbahn Oerlikon ihre Karriere. Insgesamt hat die Rennbahn elf Weltmeister hervorgebracht, die den Titel teilweise mehrfach gewannen.

Bereits in den 1920er-Jahren reüssierten Ernst Kaufmann und Paul Suter (Steher) als Weltmeister. In den 1940- und 1950er-Jahren waren Oscar Plattner, Hugo Koblet, Ferdy Kübler und Walter Bucher (Steher) erfolgreiche Lokalmatadoren und WM-Medaillengewinner. Sie lösten damit eine Radsport-Euphorie in der Schweiz aus. Für sportliche Glanzleistungen sorgten Robert Dill-Bundi, Urs Freuler und Max Hürzeler (Steher) und Kurt Betschart sowie Bruno Risi und Franco Marvulli mit dem mehrfachen Gewinn des WM-Titels in ihrer jeweiligen Bahnradsport-Disziplin.

Auf dem Aeral der Rennbahn befindet sich seit 2004 die Kunstgalerie KUNSTKABINE des Illustrators und ehemaligen Radrennfahrers Marc Locatelli. Die zwei Kubikmeter große Galerie befindet sich in einer ehemaligen Telefonkabine. Es werden ausschließlich Kunstausstellungen mit dem Radsport als Thema gezeigt. Die Galerie ist von Mai bis September geöffnet.[5]

Im August 2012 feierte die offene Rennbahn ihr hundertjähriges Bestehen.

Rennbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Betrieb wird von der Interessengemeinschaft Offene Rennbahn (IGOR) und ihrem Präsidenten Alois Iten geleitet. Jeweils von Mai bis September werden bei guter Witterung jede Woche die Dienstagabendrennen veranstaltet. Daneben ist die Radrennbahn Ort für verschiedene Veranstaltungen wie das Spektakel «Indianapolis in Oerlikon», das 2016 zum 14. Male ausgetragen wurde und bei dem historische Rennwagen und Motorräder ausgestellt und vorgeführt werden.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Schnyder (Hrsg.): Rennbahn Oerlikon. 100 Jahre Faszination Radsport. AS Verlag, Zürich 2012, ISBN 978-3-909111-95-4.
  • M. Scheifele: Die Radrennbahn Zürich-Oerlikon. In: Schweizerische Bauzeitung. Band 60, Nr. 23, 1912, doi:10.5169/SEALS-30092.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Offene Rennbahn Oerlikon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Geschichte der Offenen Rennbahn Oerlikon. In: Velo City Guide Zürich. Abgerufen am 23. Dezember 2020.
  2. Die Hardaustrasse. In: Gang dur Alt-Züri. Turicum, abgerufen am 22. Dezember 2020.
  3. Ein Eishockeystadion statt der offenen Rennbahn Oerlikon. In: NZZ. 12. Juni 2008, abgerufen am 23. Dezember 2020.
  4. Über 100 Jahre alte Offene Rennbahn in Oerlikon fertig renoviert – aber geschlossen. In: limmattalerzeitung.ch. 26. März 2020, abgerufen am 7. April 2020.
  5. Kleine Kunst für das grosse Oval in Oerlikon. Die KUNSTKABINE auf der Website von Marc Locatelli
  6. Martina Mäder: Oldtimer-News: Indianapolis in Oerlikon – am 26. Juli 2016 bebt die Rennbahn wieder. In: Zwischengas. 26. Juli 2016, abgerufen am 17. Mai 2017.