Oiapoque

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Município de Oiapoque
„Capital do Norte Amapaense“
„Princesa do Rio Oiapoque“
Oiapoque
Zentrum von Oiapoque
Zentrum von Oiapoque
Oiapoque (Brasilien)
Oiapoque (3° 49′ 29″ N, 51° 49′ 5″W)
Oiapoque
Koordinaten 3° 49′ N, 51° 49′ WKoordinaten: 3° 49′ N, 51° 49′ W
Lage des Munizips im Bundesstaat Amapá
Lage des Munizips im Bundesstaat Amapá
Symbole
Wappen
Wappen
Flagge
Flagge
Gründung 23. Mai 1945 (470 Jahre)Vorlage:Infobox Ort in Brasilien/Wartung
Basisdaten
Staat Brasilien
Bundesstaat Amapá
Gliederung 3 Distrikte seit 1960: Oiapoque, Clevelândia do Norte, Vila Velha
Höhe 10 m
Gewässer Rio Oiapoque
Klima tropisch, Am[1]
Fläche 23.034,4 km²
Einwohner 20.509 (2010[2])
Dichte 0,9 Ew./km²
Schätzung 27.906 (1. Juli 2020)[2]
Gemeindecode IBGE: 1600501
Postleitzahl 68980-000
Telefonvorwahl (+55) 96
Zeitzone UTC−3
Website oiapoque.ap (brasilianisches Portugiesisch)
Politik
Stadtpräfekt Breno do Miguel do Posto (2021–2024)
Partei PRTB
Kultur
Schutzpatron Mutter Jesu als Nossa Senhora das Graças
Wirtschaft
BIP 394.500 Tsd. R$
15.462 R$ pro Kopf
(2017)
HDI 0,658 (mittel) (2010)
Grenzbrücke
Grenzbrücke

Oiapoque, amtlich portugiesisch Município de Oiapoque, ist eine Kleinstadt mit großem Gemeindegebiet im äußersten Norden Brasiliens im Bundesstaat Amapá. Die Bevölkerungszahl wurde zum 1. Juli 2020 auf 27.906 Einwohner geschätzt, die Oiapoquenser (oiapoquenses) genannt werden und auf einer Gemeindefläche von rund 23.034,4 km² leben, der zweitgrößten Fläche der 16 Munizips des Bundesstaates.[2] Wirtschaftlich bedeutend ist sie vor allem als Grenzstadt nach Französisch-Guayana, von dem die Stadt durch den Oiapoque-Fluss getrennt ist. Die Entfernung zur Hauptstadt Macapá beträgt 550 km.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl die Region schon im 16. Jahrhundert von europäischen Seefahrern betreten wurde, war sie bis weit ins 19. Jahrhundert praktisch nur von den Waiãpi-Indianern besiedelt, aus deren Sprache auch der Name der Gemeinde stammt. Viel ist von dieser Epoche nicht bekannt, außer dass die erste Ortschaft auf dem Gebiet den Namen Martinica nach dem weißen Erstbesiedler Emile Martinic trug. 1907 errichtete die brasilianische Regierung im Gemeindegebiet eine Strafkolonie für politische Häftlinge, die Colônia Militar, die später in der bis heute bestehenden Militärbasis im Distrikt Clevelândia do Norte konzentriert wurde.

Erst am 23. Mai 1945 wurde die Gemeinde endgültig gegründet und die vorherige Zone aus dem Munizip Amapá, das zu dem Zeitpunkt Hauptstadt des neugegründeten Staates war, ausgegliedert.[3]

In der geschichtlichen und geographischen Literatur erfuhr das Toponym zahlreiche Schreibvarianten, darunter Guayapoco, Hiapoco, Iapoc, Iapoco, Japoc, Japoco, Oiapoc, Ojapoc, Ouarypoco, Ouayapoco, Oujapoc, Ouyapoc, Ouiapok, Ouayapoco, Ouyapok, Oviapoc, Oyapoc, Oyapoco, Oyapock oder Oyapok.

Östlich des Hauptortes und stromaufwärts liegen die Indianerschutzgebiete Terra Indígena Galibi und Terra Indígena Uaçá (I und II) mit rund 7000 bzw. 470.000 Hektar, in denen die Festlandskariben Galibi de Oiapoque, Galibi-Marworno und Karipuna sowie die arawaksprechenden Palikur leben.[4] Im Osten ist auch der Nationalpark Cabo Orange (Parque Nacional Cabo Orange) Teil des Gemeindegebiets. Südwestlich schließt sich der Nationalpark Tumucumaque an. Das Biom ist überwiegend tropischer Tieflandregenwald.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umliegende Gemeinden sind Serra do Navio, Calçoene, Laranjal do Jari, Pedra Branca do Amapari und São Jorge do Oiapoque in Französisch-Guayana.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde hat tropisches Klima, Am nach der Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger. Die Durchschnittstemperatur beträgt 25,9 °C. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge liegt bei 3309 mm im Jahr.[1]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Oiapoque

Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) 25,4 25,0 25,7 25,6 25,8 25,8 26,0 26,4 26,5 26,5 26,3 25,7 Ø 25,9
Niederschlag (mm) 395 345 396 450 537 370 193 102 48 44 116 313 Σ 3309

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist in den mit 2,43 km² flächenmäßig kleinen urbanen Hauptort Oiapoque und seit 1960 neben dem umliegenden Hauptortsdistrikt in zwei weitere Distrikte gegliedert: Clevelândia do Norte und Vila Velha. Im Vergleich ist dieser einzelne Munizip in etwa so groß wie das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.

Sie gehörte von 1989 bis 2017 zur geostatistischen Mesoregion des brasilianischen Statistikamtes Norte de Amapá und zur Mikroregion Oiapoque, zu der noch der Ort Calçoene gehörte.

Stadtverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtpräfektin ist seit der Kommunalwahl 2016 für die Amtszeit 2017 bis 2020 Maria Orlanda Marques Garcia von dem Partido da Social Democracia Brasileira (PSDB),[5] die den Amtsvorgänger Miguel Caetano de Almeida vom Partido Socialista Brasileiro (PSB) ablöste.

Bei der Kommunalwahl in Brasilien 2020 gewann für die Amtszeit 2021 bis 2024 Breno do Miguel do Posto (PRTB) mit drei Stimmen Vorsprung vor der Bürgermeisterin Garcia (2962 Stimmen gegen 2959 Stimmen).[6]

Die Legislative liegt bei einem elfköpfigen Stadtrat, zum Präsidenten für 2017 wurde José Nazareno Rodrigues, genannt Lobão, gewählt.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den laut der Volkszählung 20.509 Einwohnern im Jahr 2010 lebten 8857 im ländlichen Raum und 13.852, rund 67,5 %, im urban bebauten Ortsbereich.[8] Rund 36,7 % der Bevölkerung waren 2010 Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre.

Jahr Einwohner
1991 7.555
2000 12.886
2010 20.509
2020 27.906

Ethnische Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ethnische Gruppen nach der statistischen Einteilung des IBGE (Stand 2010 mit 20.509 Einwohnern):[9]

Gruppe Anteil (2010) Anmerkung
Brancos 3.114 Weiße, Nachfahren von Europäern
Pardos 10.490 Mischrassige, Mulatten, Mestizen
Pretos 1.197 Schwarze
Amarelos 150 Asiaten
Indígenas 5.557 indigene Bevölkerung

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirtschaft der Stadt basiert auf der Landwirtschaft, insbesondere dem Anbau tropischer Pflanzen und der Viehzucht, der großteils illegal betriebenen Goldgewinnung und dem Handel mit dem zur EU gehörenden Französisch-Guayana.

Oiapoque ist über die BR-156 an das brasilianische Straßennetz angebunden, die jedoch bisher nicht vollständig asphaltiert ist. Vom Ort Saint-Georges-de-l’Oyapock auf der französischen Seite des Flusses ist es per Boot und seit 2017 auch mit der Brücke über den Oyapock erreichbar.

Da die Preise unter denen von Französisch-Guayana liegen, wurde insbesondere nach der Öffnung der Straße von Saint-Georges nach Régina 2004 die Stadt zu einem Einkaufszentrum für die Einwohner von Cayenne und anderen Städten des französischen Territoriums.

Brücke über den Rio Oiapoque[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit August 2011[10] besteht über eine Brücke die erste direkte Straßenverbindung zwischen Frankreich und Brasilien, die allerdings erst im März 2017 für den Fußgänger- und Autoverkehr freigegeben wurde.[11] Zuvor gab es wegen Arbeiten an der Zufahrt und einer noch fehlenden Zollstation keine Verkehrsfreigabe.[12] Es musste entweder mit Schiffen übergesetzt werden oder es war ein Umweg über Suriname und Guyana erforderlich. Für Französisch-Guayana bietet die Brücke ein großes Entwicklungspotenzial, da das Territorium, das bisher nur über kleine Häfen verfügt, so deutlich besser mit dem Hochseehafen von Santana verbunden sein wird, was insbesondere der mit dem ESA-Weltraumbahnhof Centre Spatial Guyanais in Kourou verbundenen Industrie zugutekommen wird.[13]

Seit Fertigstellung der Brücke ist eine Straßenverbindung an der Nordostküste Südamerikas, unterbrochen durch zwei Fähren, bis nach Guyana vorhanden. In der im Jahre 2000 beschlossenen Guyana National Development Strategy 2001–2010 war vorgesehen, diese Straße nach Westen zu verlängern und Guyana und Venezuela durch eine Brücke über den Cuyuní zu verbinden.[14] Aufgrund des Grenzstreits zwischen Guyana und Venezuela wird sich diese Absicht in absehbarer Zeit nicht verwirklichen lassen.

Soziale Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Problemen der Stadt gehört die mangelhaft ausgebaute Infrastruktur, besonders die wegen schwerer Energiemanagementsprobleme in Amapá mangelhafte Versorgung mit elektrischer Energie, die 2006/2007 zu einem langen Ausfall der regulären Stromversorgung führten. Auch die Gesundheitsversorgung ist prekär.[15] Ein weiteres Problem ist die illegale Prostitution, auch von Kindern und Jugendlichen.[16]

Durchschnittseinkommen und Lebensstandard[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das monatliche Durchschnittseinkommen betrug 2017 den Faktor 1,9 des brasilianischen Mindestlohns (Salário mínimo) von R$ 880,00 (für 2019 umgerechnet: rund 360 €).

Das Bruttosozialprodukt pro Kopf betrug 2016 14.199 R$.

Der Index der menschlichen Entwicklung für Städte, abgekürzt HDI (portugiesisch: IDH-M) lag 1991 beim niedrigen Wert von 0,388, im Jahr 2010 beim als mittelhoch eingestuften Wert von 0,658. Maßgeblich für den niedrigen Wert ist die fehlende Bildungsstruktur.[8]

HDI
Jahr Punkte
1991
  
0,388
2000
  
0,537
2010
  
0,658

Analphabetenrate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oiapoque hatte 1991 eine Analphabetenrate von 28,2 %, die sich bei der Volkszählung 2010 bereits auf 12,25 % reduziert hatte.[8]

Analphabetenrate
Jahr Prozent
1991
  
28,20
2000
  
22,00
2010
  
12,25

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Oiapoque – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Klima Oiapoque: Wetter, Klimatabelle & Klimadiagramm für Oiapoque. In: de.climate-data.org. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  2. a b c Oiapoque – Panorama. In: cidades.ibge.gov.br. IBGE, abgerufen am 19. November 2020 (brasilianisches Portugiesisch).
  3. Amapá: Oiapoque: História. In: cidades.ibge.gov.br/brasil. IBGE, abgerufen am 22. Oktober 2019 (brasilianisches Portugiesisch, kurze Stadtgeschichte).
  4. Terra Indígena Uaçá I e II. In: terrasindigenas.org.br. Terras Indígenas no Brasil, Instituto Socioambiental, abgerufen am 22. Oktober 2019 (brasilianisches Portugiesisch).
  5. Maria Orlanda 45 (Prefeita). In: todapolitica.com. Eleições 2016, abgerufen am 22. Oktober 2019 (brasilianisches Portugiesisch).
  6. Novo prefeito de Oiapoque, no extremo norte do Brasil, vence a eleição por 3 votos de diferença. In: com.br. Jornal Aqui Amapá, 15. November 2020, abgerufen am 19. November 2020 (brasilianisches Portugiesisch).
  7. Lobão — Câmara Municipal de Oiapoque. In: www.oiapoque.ap.leg.br. Câmara Municipal, abgerufen am 22. Oktober 2019 (brasilianisches Portugiesisch).
  8. a b c Atlas do Desenvolvimento Humano do Brasil: Oiapoque – AP. Abgerufen am 22. Oktober 2019 (brasilianisches Portugiesisch).
  9. Sistema IBGE de Recuperação Automática – SIDRA: Tabela 2093. In: https://sidra.ibge.gov.br. IBGE, abgerufen am 22. Oktober 2019 (brasilianisches Portugiesisch, Datenbankabfrage, Suchbegriffe Oiapoque (AP) und Cor ou raça).
  10. Génèse du projet de pont sur l’Oyapock - Historique du projet. (Memento des Originals vom 12. August 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.guyane.developpement-durable.gouv.fr Direction Départementale de l’Equipement de la Guyane (französisch)
  11. Erste Grenzbrücke zwischen EU und Südamerika eröffnet. FAZ, 18. März 2017, abgerufen am 18. März 2017.
  12. Graziela Miranda: Ponte de R$ 61 milhões aguarda inauguração há dois anos no Amapá. O Globo, 7. Juni 2013, abgerufen am 18. März 2017 (portugiesisch).
  13. Conte, S. 34 ff.
  14. National Development Strategy, Kapitel 8: Transport, Nr. 8.IV.1.14 (Memento vom 28. April 2009 im Internet Archive) (englisch).
  15. Conte, S. 53 ff.
  16. Conte, S. 67 ff.