Olaf R. Spittel

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Olaf R. Spittel (* 28. Januar 1953 in Gotha) ist ein deutscher Herausgeber, Schriftsteller, Übersetzer, Medienwissenschaftler und Verleger.[1] Er leitet seit 2000 den Verlag 28 Eichen in Barnstorf. Neben eigenen Werken gab er in der DDR zahlreiche, die deutsche Science-Fiction mitbestimmende Anthologien heraus. Er arbeitet als Herausgeber im Bereich populärer Medien, vor allem zu den Themengebieten Science Fiction und Phantastik und publiziert darüber hinaus Anthologien und theoretische Arbeiten wie Essays, Aufsätze und Bibliographien.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Olaf R. Spittel, geboren 1953 in Gotha, arbeitete nach seinem Studium der Philosophie[2] an der Humboldt-Universität zu Berlin und seiner Promotion zum Dr. phil., als Lektor für Philosophie und Ethik beim Deutschen Verlag der Wissenschaften (DVW) und betreute beim Verlag Das Neue Berlin von 1979 bis 1984 die Herausgabe von SF-Literatur, insbesondere des westlichen Auslands und des klassischen Erbes.[3] In dieser Arbeit ähnelt er dem Herausgeber Wolfgang Jeschke, der im Westen der Republik für die Science Fiction im Heyne Verlag verantwortlich zeichnete.

Seit 1984 ist Olaf R. Spittel freiberuflich als Literaturtheoretiker, Kritiker und Herausgeber tätig. Er schrieb Artikel und Rezensionen für diverse Zeitungen und Literaturzeitschriften, viele theoretische Arbeiten — so z.B. eine essayistisch-lexikalische Broschüre über die DDR-SF (gemeinsam mit Erik Simon) — und Nachworte; Spittel war Verfasser einer fortlaufenden Bibliographie der SF-Publikationen in der DDR (im Almanach »Lichtjahr«) und arbeitete an einer Geschichte des SF-Films. Er schrieb als Autor Erzählungen: kurze, pointierte Texte satirischer oder humoristischer Art, oft auch mit schwarzem Humor.[4] Daneben entstanden Hörspiele aus den Bereichen Krimi und Phantastik.[5]

In der Zeit bis 1990 verlegte er Werke von Schriftstellern wie: Lothar Weise, Karsten Kruschel, Peter Lorenz, Heinz Entner, Franz Fühmann, Paul Ehrhardt, Gottfried Meinhold, Wolfgang Kellner, Gerhard Branstner, Gert Prokop, Günther Krupkat, Erhard Agricola, Wolf Weitbrecht, Herbert Friedrich, Carlos Rasch, Karl-Heinz Tuschel, Erich Köhler, Curt Letsche und viele andere klassische Science Fiction Autoren.

Verlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wende ging Spittel nach Barnstorf und gründete im Jahr 2000 dort seinen eigenen Literaturverlag, den Verlag »28 Eichen«. Unter dem Motto „Bücher für Mehrheiten, die wie Minderheiten behandelt werden“ entwickelte sich ein Programm, welches Sachbücher, Belletristik und feministische Literatur ebenso wie Jugendliteratur und Bilderbücher umfasst.

Dort verlegt er zeitgenössische Werke von Autoren und Übersetzern wie Fritz Becker (* 1947), Nadine Erler (* 1978), Übersetzer Detlef Fischer (* 1960), Autor Renegald Gruwe (* 1956), Autor und Grafiker Lutz Hartmann (1950), Reinhard Hillich (* 1948), Übersetzerin Anne Koch (* 1979), Autorin Sabine Koriath (* 1968), Übersetzerin Ilona Limke-Bollweg (* 1970), Autor Kurt Nikolaus (* 1954), Erzählerin Karin Schäfer (* 1975) oder den Dramatiker Peter Wayand (* 1972), der mit fünf Theaterstücken wie "Sünde" oder "Rosensieg: Der Tod Old Shatterhands" mit eigenen Werken am häufigsten in der Verlagsreihe vertreten ist.

Spittel ist seit 1974 verheiratet und lebt in Niedersachsen in der ländlich geprägten Gemeinde Barnstorf.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1990: den (vom SF-Klub »Andymon« unter Beteiligung anderer organisierter SF-Fans der DDR vergebenen) Preis »Traumfabrikant« in der Kategorie „Sonderpreis“ zusammen mit Erik Simon für die Herausgabe des Lexikons "Die Science-Fiction der DDR".

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Herausgeber (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geschichten vom Trödelmond. Eine Science-fiction-Anthologie, Verlag Das Neue Berlin, Berlin 1990, ISBN 3-360-00307-1 (Sammlung von Erzählungen, die in der Welt der Geschichte Der Trödelmond beim Toliman von Angela und Karlheinz Steinmüller spielen)
  • Die Zeit-Insel. SF-Erzählungen aus einem Land, das es mal gab, Verlag Neues Leben, Berlin 1991, ISBN 3-355-01266-1.
  • Zeit-Spiele. Ex oriente Science Fiction, Wilhelm Heyne Verlag, München 1992, ISBN 3-453-05823-2.

Als Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Science Fiction in der DDR. Bibliographie, Verlag 28 Eichen, Barnstorf 2000, ISBN 3-8311-0691-6.
  • Leben nach dem Computer. Satirische Science-Fiction-Kurzgeschichten, Verlag 28 Eichen, Barnstorf 2004, ISBN 3-9809387-0-0.
  • Fall nach oben. Hörspiele, Verlag 28 Eichen, Barnstorf 2009, ISBN 978-3-940597-40-3.
  • Inside. Humoristisch-medizinische Sach-Geschichten, Verlag 28 Eichen, Barnstorf 2009, ISBN 978-3-940597-37-3.
  • Zauberhafte Rätsel. Historische Rätsel für Kinder und andere kluge Menschen mit Spaß an der Sprache nebst zwei kurzweiligen Aufsätzen über Geschichte und Wesen des Rätsels. Verlag 28 Eichen, Barnstorf 2009.[10] ISBN 978-3-940597-32-8.

Als Übersetzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Debüt von Bimbashi Yoyce, Der König der Füchse, Schatten an der Wand. In: Sir Arthur Conan Doyle: Die grüne Flagge (Ausgewählte Werke, Bd. 11), herausgegeben von Olaf R. Spittel, ISBN 978-3-940597-05-2.
  • Die Kaviardose. In: Sir Arthur Conan Doyle: Geschichten am Kamin (Ausgewählte Werke, Bd. 8), herausgegeben von Olaf R. Spittel, ISBN 978-3-940597-00-7.
  • Ein literarisches Mosaik, Ein Mann von Ehre, Mit fremden Federn, Die Tragödie am Blut-Stein. In: Sir Arthur Conan Doyle: Lord Barrymore (Ausgewählte Werke, Bd. 28), herausgegeben von Olaf R. Spittel, ISBN 978-3-940597-31-1.

Als Verleger (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nadine Erler (Übersetzerin)
    • Fredrika Runeberg: Frau Catharina Boije und ihre Töchter
    • Minna Canth: Anna Liisa
    • Minna Canth: Arme Leute
    • Minna Canth: Die Familie des Pfarrers
    • Minna Canth: Die Frau des Arbeiters
    • Minna Canth: Hanna
    • Minna Canth: Sylvi
    • Minna Canth: Unglückskinder
    • Minna Canth: Agnes
    • Arthur Conan Doyle: Der Silberspiegel
    • Lucy Maud Montgomery: Anne im Rainbow Valley
  • Kurt Nikolaus
    • Zu Gast bei Sherlock Holmes
  • Peter Wayand
    • Codename Blaue Blume
    • Der Fall Conan Doyle
    • Ich könnte weinen über Goethe
    • Sünde
    • Rosensieg. Der Tod Old Shatterhands

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Biographische Daten von Olaf R. Spittel in: Verlag 28 Eichen
  2. Kurzbiographie von Olaf R. Spittel in Science Fiction History, Phantastik-Ereignisse 1953, von Hardy Kettlitz & Siegfried Breuer
  3. Biographische Daten von Olaf R. Spittel in: "Solaris", Ausgabe 7, Übergrenzen-Verlag, 1986, S. 160.
  4. Werkverzeichnis von Olaf R. Spittel in: Verlag 28 Eichen
  5. Hörspiel von Olaf R. Spittel in: Hörspiele mit Titel - Mord im Paradies
  6. Olaf R. Spittel in: "Science-fiction: Personalia zu einem Genre in der DDR", von Erik Simon, Olaf R. Spittel, Verlag Das Neue Berlin, 1982, S. 84.
  7. "Science-fiction in der BRD: Zu Theorie u. Vermarktung e. Literar. Genres von Olaf R. Spittel, 1985.
  8. Olaf R. Spittel in: Science-fiction, von Olaf R. Spittel, Mitteldeutscher Verlag, 1987, S. 188.
  9. "Phantastische Erzählungen" von Jack London, Hrsg. Olaf R. Spittel, Verlag Neues Leben, 1988.
  10. "Zauberhafte Rätsel: Historische Rätsel für Kinder und andere kluge Menschen mit Spaß an der Sprache nebst zwei kurzweiligen Aufsätzen über Geschichte und Wesen des Rätsels", Olaf R. Spittel, 2009.