Oldenburger Wallkino

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Das Oldenburger Wallkino (kurz: Wall) war bis 2007 das älteste noch betriebene Kino Norddeutschlands.

Fassade des Oldenburger Wallkino

Das Lichtspielhaus wurde im September 1914 mit einem Saal für 750 Zuschauer eröffnet. Die Architektur des Gebäudes erinnerte durch die reich geschmückte Zuckerbäckerfassade an ein Theater – ebenso wie auch der Kinosaal, welcher ein ebenerdiges Parkett, ansteigende Ränge und hohe Logen hatte. Das Haus überstand beide Weltkriege nahezu unversehrt. Während des zweiten stellte man den Betrieb ein, nahm ihn aber 1948 wieder auf. Ungefähr zehn Jahre später erfolgte eine Modernisierung der Technik sowie die Einführung des Anamorphotischen Verfahrens. In den 1960er Jahren erlebte das Kino seine Blütezeit, wurde jedoch gegen Ende des Jahrzehnts von der Betreiberfamilie Mertens-Rösser an den Kinounternehmer Theo Marseille aus Bremerhaven verkauft.

Dieser ließ das Kino komplett umbauen. Hierbei wurde der Saal durch die Einziehung einer Zwischendecke in zwei einzelne kleinere Räume geteilt. So entstanden das Wall mit 400 Plätzen und das Cinema, das 350 Menschen Platz bot. Außerdem wurde die Außenfassade mit Aluminium verkleidet. Die Wiedereröffnung erfolgte im Juli 1970. Der Kinobetreiber Detlef Roßmann pachtete das Wallkino Anfang der 1990er Jahre. Zusammen mit der Witwe Marseilles erarbeitete er Umgestaltungspläne, welche dann auch umgesetzt wurden. Die Fassade wurde restauriert, die Technik erneuert und bequemere Bestuhlung eingebaut. Das nostalgisch anmutende Gebäude zog wieder mehr Zuschauer an und war ab 1994 Ausrichtungsort der Eröffnungszeremonie des Internationalen Filmfestes Oldenburg.

Im Jahre 2006 erbte Ulrich Marseille das Gebäude von seiner Adoptivmutter und kündigte den Betreibern, er hatte nicht vor das Kino weiterzuführen. 2007 wurde es geschlossen und steht seitdem leer. Ab 2008 gab es Verhandlungen, das Gebäude als Probebühne für das Staatstheater zu nutzen, da sich die Beteiligten jedoch nicht über die Konditionen eines Mietvertrags einigen konnten, scheiterten die Gespräche im Dezember 2010.

2011 beantragte Marseille den Abriss des Gebäudes, nur die Fassade zur Straße hin sollte nach seinen Plänen stehenbleiben. Die Stadt Oldenburg lehnte dieses Ansinnen ab. Koordinaten: 53° 8′ 33,9″ N, 8° 12′ 44,5″ O

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Judith Protze: Oldenburger Lichtspiele. Film- und Kinogeschichte(n) der Stadt Oldenburg, Oldenburg (BIS-Verlag) 2004. ISBN 3814208919

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]