Oles Busyna

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Kyrillisch (Ukrainisch)
Олесь Олексійович Бузина
Transl.: Oles' Oleksijovyč Buzyna
Transkr.: Oles Oleksijowytsch Busyna
Oles Busyna 2008

Oles Oleksijowytsch Busyna (* 13. Juli 1969 in Kiew, Ukrainische SSR; † 16. April 2015 in Kiew) war ein ukrainischer Journalist, Schriftsteller und Moderator.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Busyna wuchs in Kiew auf und absolvierte im Jahr 1992 die Philologische Fakultät der Schewtschenko-Universität Kiew mit Schwerpunkt „Lehrer für russischen Sprache und Literatur“. Im Anschluss arbeitete er für unterschiedliche Kiewer Zeitungen.

Von Oktober 2006 bis zu seinem Tod war er Moderator im ukrainischen Fernsehen. Im Januar 2015 wurde er Chefredakteur der Rinat Achmetow, der auch Hauptfinanzier der Partei der Regionen von Wiktor Janukowytsch war, gehörenden Tageszeitung Sewodnja, trat von diesem Posten jedoch bereits im März 2015 wegen Meinungsverschiedenheiten wieder zurück. Als Autor und Moderator war Busyna an der 11-teiligen Fernsehdokumentation „Spuren der Vorfahren mit Oles Busyna“ beteiligt. Insgesamt schuf er etwa drei Dutzend Dokumentationen.

Politische Ansichten

Busyna vertrat das Konzept eines dreieinigen russischen Volkes und nannte sich daher ukrainisch und russisch. Er unterstützte die Föderalisierung der Ukraine sowie die Unabhängigkeit und Zweisprachigkeit der ukrainischen Kultur und polarisierte mit seinen auflagenstarken Büchern zu Geschichtsthemen.

Busyna galt als Gegner des Euromaidan und der Regierung Poroschenko. Er kandidierte bei der Parlamentswahl 2014 erfolglos für die pro-russische und teils panslawistische Partei Russischer Block. Als Schriftsteller hatte er zuletzt die Zensur durch die neuen prowestlichen Machthaber sowie ein Auftrittsverbot im Fernsehen beklagt.

Tod
Grab von Oles Busyna

Am 16. April 2015, einen Tag nach dem Attentat auf den Politiker Oleh Kalaschnikow, wurde Busyna in der Nähe seines Hauses im Zentrum Kiews aus einem Pkw heraus erschossen. Er hinterließ eine Ehefrau und eine Tochter.[1][2][3]

Am 19. April 2015 wurde er auf dem Berkowezkyj-Friedhof beerdigt.[4]

Zwei Tage vor dem Mord an Oles Busyna wurden seine persönlichen Daten auf der Webseite Mirotworez veröffentlicht. Die Daten Oleh Kalaschnikows wurden ebenfalls zwei Tage vor dessen Ermordung auf Myrotworez veröffentlicht.[5] Ob ein Zusammenhang mit seiner Ermordung besteht, ist allerdings bisher ebenso wenig bekannt wie das Motiv der Mörder. Bekannt war, dass sowohl Kalaschnikow wie Busina als Zeugen bei einer Untersuchung der Anti-Maidan-Proteste zugunsten der damaligen Staatsmacht auftreten sollten.[6][7]

Am 18. Juni 2015 gab Arsen Awakow die Verhaftung von zwei Tatverdächtigen, Andrij Medwedko und Denys Polischtschuk bekannt.[8] Die beiden Verdächtigen bestreiten jedoch eine Verwicklung an dem Mord. Am 23. Mai 2016 wurde Andrij Medwedko wieder frei gelassen.[9]

Reaktionen auf seinen Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Busynas Ermordung gehört zu der Todesserie von ukrainischen Oppositionellen im Jahr 2015. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko verurteilte noch am gleichen Tag die offenkundigen Morde als „absichtliche Provokation“, die „Öl auf die Mühlen unserer Feinde gieße und die Lage in der Ukraine destabilisiere“. Er forderte seine eigenen Behörden zu einer „transparenten Untersuchung“ auf. Busynas Tod wurde dem russischen Präsidenten Wladimir Putin während eines Live-Auftritts bei der Fernsehsprechstunde „Direkter Draht“ gemeldet, woraufhin er den Familien der Opfer sein Beileid ausdrückte.[2]

Mehrere Buchhandlungen in Kiew weigern sich Bücher von Oles Busyna zu verkaufen.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oles Busyna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Oles Busyna (1969–2015) - ukrainische Schriftsteller, Journalist, Schriftsteller auf ukrkino.ru (Memento des Originals vom 6. Juli 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/ukrkino.ru, abgerufen am 26. April 2015
  2. a b Prorussischer Journalist in Kiew getötet, Die Zeit, 16. April 2015
  3. Attentate auf russland-nahe Oppositionelle in Kiew - 2 Tote im Tagesspiegel vom 17. April 2015, abgerufen am 25. April 2015
  4. Schriftsteller wurde auf seiner letzten Reise mit Applaus begleitet auf vesti-ukr.com, abgerufen am 25. April 2015
  5. Reinhard Lauterbach: Morde an Regimegegnern. In: junge Welt. 18. April 2015, abgerufen am 16. Juni 2015: „Zu Busina und … Oleg Kalaschnikow waren jeweils zwei Tage vor dem Mord »Steckbriefe« auf der mit Unterstützung der ukrainischen Regierung betriebenen Denunziationsseite »Myrotvorets« (Friedensstifter) gepostet worden.“
  6. Mord an prorussischen Persönlichkeiten - Bekenntnis ukrainischer Nationalisten, NZZ, 17. April 2015; "Eine weitere These besagte, dass die die beiden Opfer von Abrechnungen innerhalb des einstigen Regierungslagers geworden sind. So soll Kalaschnikow über Insiderinformationen zur Finanzierung des «Anti-Maidan» verfügt haben, die – so wird in Kiew spekuliert – nach Moskau führen. In dieses Erklärungsmuster passt auch eine Reihe weiterer mysteriöser Todesfälle von ehemaligen Janukowitsch-Anhängern. Bei drei von ihnen wird Selbstmord als Todesursache bezeichnet."
  7. Eine rätselhafte Mordserie erschüttert die Ukraine, nachrichten.at, 18. April 2015
  8. Polischuk accused of journalist Buzyna's murder, detained for two months. In: unian.info. Abgerufen am 23. Juli 2016 (englisch).
  9. Суд відпустив підозрюваного у вбивстві Бузини. In: ukranews.com. Abgerufen am 23. Juli 2016 (ukrainisch).
  10. Книжные магазины Киева отказываются продавать Бузину, Korrespondent.net, 24. April 2015